Mit der nationalen Strategie für nachhaltige Entwicklung der Bundesregierung aus dem Jahr 2002 wurde Nachhaltigkeit zu einem zentralen Prinzip der Politik in Deutschland. Um die Wirksamkeit der Strategie messbar zu machen, wählte man auf der politischen Ebene ein Set von Nachhaltigkeitsindikatoren für verschiedene Themenbereiche aus und versah diese größtenteils mit Zielwerten und Zieljahren. Die Entwicklung dieser Indikatoren wird jeweils im Abstand von zwei Jahren in einem Indikatorenbericht beschrieben und analysiert. Der größte Teil des den Indikatoren zu Grunde liegenden Datenmaterials stammt aus der amtlichen Statistik. Der aktuelle Indikatorenbericht 2010 enthält die folgenden Nachhaltigkeitsindikatoren:
1a Energieproduktivität
1b Rohstoffproduktivität
2 Treibhausgasemissionen
3a,b Anteil erneuerbarer Energien am Energieverbrauch
4 Anstieg der Siedlungs- und Verkehrsfläche
5 Artenvielfalt und Landschaftsqualität
6 Staatsdefizit
7 Verhältnis der Bruttoanlageinvestitionen zum Bruttoinlandsprodukt
8 Private und öffentliche Ausgaben für Forschung und Entwicklung
9a 18- bis 24-Jährige ohne Abschluss
9b 25-Jährige mit abgeschlossener Hochschulbildung
9c Studienanfängerquote
10 Bruttoinlandsprodukt je Einwohner
11a Gütertransportintensität
11b Personentransportintensität
11c,d Anteile des Schienenverkehrs und der Binnenschifffahrt an der Güterbeförderungsleistung
12a Stickstoffüberschuss
12b Ökologischer Landbau
13 Schadstoffbelastung der Luft
14a,b Vorzeitige Sterblichkeit
14c,d Raucherquote von Jugendlichen und Erwachsenen
14e Anteil der Menschen mit Adipositas (Fettleibigkeit)
15 Wohnungseinbruchsdiebstahl
16a,b Erwerbstätigenquote
17a,b Ganztagsbetreuung für Kinder
18 Verdienstabstand zwischen Frauen und Männern
19 Ausländische Schulabsolventen mit Schulabschluss
20 Anteil öffentlicher Entwicklungsausgaben am Bruttonationaleinkommen
21 Deutsche Einfuhren aus Entwicklungsländern
Gegenüber der Nachhaltigkeitsstrategie von 2002 wurde der Indikatorensatz im Jahr 2008 leicht verändert und ergänzt.
Ein Satz ausgewählter Indikatoren der Nachhaltigkeitsstrategie mit dem Bezug zu Umwelt sowie Ökonomie wird vom Statistischen Bundesamt auch regelmäßig zeitnah aktualisiert und im Internet angeboten (siehe "Indikatoren zu Umwelt und Ökonomie"). Aus der oben genannten Aufzählung betrifft dies die Indikatoren 1 bis 7 und 10 bis 13.
Für Nachhaltigkeitsanalysen steht im Statistischen Bundesamt ein vergleichsweise umfassender Gesamtrechnungsdatensatz zur Verfügung. Bei der Indikatorenbildung für die Nachhaltigkeitsstrategie wurden deshalb auch originäre Gesamtrechnungsdaten der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR) und Daten der in das Gesamtrechnungssystem eingebetteten Umweltökonomischen Gesamtrechnungen (UGR) genutzt (letztere für die Indikatoren 1a und b, 2, 4, 11 a und b, 13).
In Deutschland umfassen die Gesamtrechnungen neben den VGR und ihrem Satellitensystem der Umweltökonomischen Gesamtrechnungen als weiteres Satellitensystem die im Aufbau befindlichen Sozioökonomischen Gesamtrechnungen (SGR). Alle drei Systeme verwenden einheitliche Darstellungskonzepte und Klassifikationen (das heißt Produktion nach Branchen, privater Konsum nach Aktivitätsfeldern, private Haushalte nach Haushaltstypen und so weiter). Dadurch sind die Daten von VGR, UGR und SGR vollständig kompatibel und problemlos miteinander kombinierbar.
Im Kontensystem der VGR erfolgt die statistische Abbildung ökonomischer Prozesse auf nationaler Ebene. Die UGR ergänzen diese Konten um die Darstellung der Wechselwirkungen zwischen Wirtschaft und Umwelt. Ausgangspunkt ist dabei die Erkenntnis, dass eine Volkswirtschaft für ihre wirtschaftlichen Aktivitäten (Produktion und Konsum) nicht nur Arbeit und Kapital einsetzt, sondern auch die Natur. Sie tut dies zum einen, indem aus der Umwelt Rohstoffe und Wasser entnommen oder Flächen (zum Beispiel für die landwirtschaftliche Produktion, als Standorte für Industrie und Gewerbe, zum Wohnen oder für Erholungszwecke) genutzt werden. Darüber hinaus stellt die Natur aber auch Dienstleistungen für die Wirtschaft zur Verfügung, etwa indem sie Rest- und Schadstoffe aufnimmt und teilweise wieder abbaut. Nicht nur die Entnahme von Material oder Energie aus der Natur stellt eine Nutzung durch die Volkswirtschaft dar, sondern auch die Abgabe von Abfällen, Abwasser oder Luftemissionen.
Diese unmittelbaren Material- und Energieflüsse von der Umwelt in die Wirtschaft und wieder zurück sowie die Bodennutzung sind eine erste Form der Wechselwirkungen zwischen Wirtschaft und Umwelt. Es handelt sich - aus "Umweltsicht" - um Belastungen (pressures) oder Einwirkungen auf die Umwelt, die zu Änderungen des Umweltzustands (state) beziehungsweise des Naturvermögens führen. Diese Veränderungen sind einerseits quantitativer Natur (zum Beispiel werden die Rohstoffvorkommen geringer), haben aber auch viele qualitative Aspekte (die Luftqualität verschlechtert sich auf Grund von Schadstoffemissionen, die Artenvielfalt in Ökosystemen nimmt ab und so weiter).
Die SGR schließlich erweitern die VGR um die Abbildung wesentlicher Beziehungen des wirtschaftlichen Systems zum sozialen Systems, zum Beispiel hinsichtlich der Aspekte Alter, Bildung und Qualifikation von Erwerbstätigen, Einkommen und Ausgaben privater Haushalte differenziert nach Haushaltsgruppen, Zeitverwendung der Bevölkerung und so weiter. Mit den angelaufenen Arbeiten zum Aufbau einer SGR hat das Statistische Bundesamt einen wichtigen Schritt getan, um auch die soziale Nachhaltigkeitsdimension im Rahmen des Gesamtrechnungsansatzes angemessen abzubilden.
Weitere Informationen erhalten Sie über unser Kontaktformular oder unsere
Version: 2.25.5 / 20.10.2008