Einen wichtigen Bestandteil der freiwilligen Erhebungen privater Haushalte bildet das System der Wirtschaftsrechnungen privater Haushalte, das aus den jährlichen Laufenden Wirtschaftsrechnungen (LWR) und der fünfjährigen Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) besteht.
Zum Programm der freiwilligen Haushaltserhebungen zählen außerdem die jährlichen EU-weit vergleichbaren Erhebungen LEBEN IN EUROPA (Erhebung über Einkommen und Lebensbedingungen in der Europäischen Union; Europäische Bezeichnung: EU-SILC = European Union Statistics on Income and Living Conditions), die jährliche Erhebung über die Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologie in privaten Haushalten (IKT) und die Zeitbudgeterhebungen (ZBE).
Beide Statistiken der Wirtschaftsrechungen vermitteln wichtige Erkenntnisse über Einkommensverhältnisse, Verbrauchsstrukturen und die Ausstattung von privaten Haushalten:
Die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) liefert u.a. statistische Informationen über die Einkommens-, Vermögens- und Schuldensituation sowie die Konsumausgaben der privaten Haushalte. Ferner werden Daten zur Ausstattung mit Gebrauchsgütern erhoben. Es werden Haushalte aller sozialen Gruppierungen einbezogen. Die Ergebnisse sind daher repräsentativ für die Gesamtbevölkerung Deutschlands. EVS-Ergebnisse bilden eine wichtige Datengrundlage für sozial- und familienpolitische Fragestellungen. Schlüsselergebnisse werden insbesondere für die Armuts- und Reichtumsberichterstattung der Bundesregierung und für die nationalen Aktionspläne zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung benötigt, sowie für Zwecke der Bemessung des regelsatzrelevanten Verbrauches im Rahmen der Sozialhilfe. Innerhalb der amtlichen Statistik werden die EVS-Ergebnisse über private Konsumausgaben für die Neufestsetzung des Wägungsschemas des Verbraucherpreisindex benötigt und dienen als Datenbasis für die Verwendungsrechnung in den Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen.
Auch in den Laufenden Wirtschaftsrechnungen (LWR) werden die privaten Haushalte zu ihren Einnahmen und Ausgaben, ihren Wohnverhältnissen und zur Ausstattung mit Gebrauchsgütern befragt. Anschreiberhythmus und Fragenkatalog der LWR sind inhaltlich mit der EVS harmonisiert, so dass Zeitreihen mit vergleichbaren Ergebnissen aus EVS- und LWR-Daten gebildet werden können. Im Gegensatz zur EVS bei der rund 60 000 Haushalte befragt werden, beträgt der Stichprobenumfang bei der LWR rund 8 000 Haushalte. Haushalte von Selbstständigen und Landwirten werden bei den LWR nicht befragt.
EU-SILC (European Union Statistics on Income and Living Conditions) wurde von der Europäischen Kommission geschaffen, um methodisch einheitliche und EU-weit vergleichbare Indikatoren über Armut und Lebensbedingungen in der Europäischen Union zu gewinnen. Einer der wichtigsten aus EU-SILC abgeleiteten EU-Indikatoren ist die Armutsrisikoquote. In EU-SILC werden neben rein monetären Merkmalen (z.B. Einkommen) auch nicht-monetäre Merkmale erhoben, um das Gesamtbild über die Lebensbedingungen der Europäischen Bevölkerung zu vervollständigen (z.B. Fragen zur Lebenszufriedenheit, zu finanziellen Belastungen und zur Selbsteinschätzung des Gesundheitszustandes). EU-SILC-Ergebnisse fließen unter anderem in europäische Aktionspläne zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung ein. Hauptnutzer der Daten ist die Europäische Kommission (Generaldirektion Beschäftigung und Soziales). In Deutschland finden die nationalen EU-SILC-Ergebnisse Verwendung im Rahmen der Armuts- und Reichtumsberichterstattung der Bundesregierung.
Mit der Befragung über die Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) in privaten Haushalten werden Daten zur Ausstattung und zur Nutzung moderner Informations- und Kommunikationstechnologien, insbesondere Computer und Internet, erhoben.
Die Zeitbudgeterhebungen (ZBE) des Statistischen Bundesamtes gehören zu den umfassendsten Studien zur Zeitverwendung in Deutschland. Die ZBE wurden bisher zweimal - 1991/1992 und 2001/2002 - vom Statistischen Bundesamt zusammen mit den Statistischen Ämtern der Länder durchgeführt. Die Vorarbeiten für eine neue Zeitbudgeterhebung in 2012/13 haben begonnen.
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Version: 2.25.5 / 20.10.2008