Arbeitszeit und Arbeitsvolumen in den Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen
Was beschreibt der Indikator?
Das Arbeitsvolumen umfasst die tatsächlich geleistete Arbeitszeit aller Erwerbstätigen, die als Arbeitnehmer (Arbeiter, Angestellte, Beamte, geringfügig Beschäftigte, Soldaten) oder als Selbstständige beziehungsweise als mithelfende Familienangehörige innerhalb Deutschlands eine auf wirtschaftlichen Erwerb gerichtete Tätigkeit ausüben. Hierzu zählen auch die geleisteten Arbeitsstunden von Personen mit mehreren gleichzeitigen Beschäftigungsverhältnissen. Hingegen gehören die bezahlten, aber nicht geleisteten Arbeitsstunden, beispielsweise wegen Jahresurlaub, Elternzeit, Feiertagen, Kurzarbeit oder krankheitsbedingter Abwesenheit nicht zum Arbeitsvolumen. Grundlage für die Definition des Arbeitsvolumens bildet das Europäische System der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (ESVG) 1995. Die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden gewinnt durch die fortschreitende Arbeitszeitflexibilisierung nicht nur für Zwecke der laufenden Arbeitsmarktbeobachtung sondern auch im Hinblick auf Produktivitätsanalysen und der Auslastung des Faktors Arbeit zunehmend an Bedeutung. Diese Angaben werden für Zwecke der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit (BA) in Zusammenarbeit mit dem Statistischen Bundesamt laufend vierteljährlich ermittelt. Die Ergebnisse über die geleistete Arbeitszeit und das Arbeitsvolumen werden im Rahmen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen nach dem Inlandskonzept (Arbeitsortkonzept) nachgewiesen. Sie umfassen damit alle effektiv geleisteten Arbeitsstunden von erwerbstätigen Personen, die einen Arbeitsplatz in Deutschland haben, unabhängig von deren Wohnort.
Wie wird der Indikator berechnet?
Grundlage der Berechnung des Arbeitsvolumens bilden die vierteljährlichen und jährlichen Erwerbstätigenangaben nach Stellung im Beruf und Wirtschaftszweigen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen. Zur Berechnung der durchschnittlichen tatsächlich geleisteten Arbeitszeit werden kalendermäßige Vorgaben, institutionelle Faktoren (wöchentliche Arbeitszeit, Urlaub), konjunkturelle Einflüsse (Kurzarbeit, bezahlte Überstunden, Arbeitszeitkontensalden), personenbezogene Komponenten (Krankenstand, Teilzeitbeschäftigung einschließlich geringfügiger Beschäftigung, Elternzeit und Altersteilzeit) sowie sonstige Einflüsse (Arbeitskampf, Nebenbeschäftigungen etc.) berücksichtigt. Als Quellen zur Berechnung der durchschnittlich geleisteten Arbeitszeit werden neben den Geschäftsstatistiken der Bundesagentur für Arbeit, Statistiken des Statistischen Bundesamtes wie beispielsweise die Ergebnisse des Mikrozensus oder dem Tarifindex, das Tarifarchiv des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI), die Krankenstandsstatistik des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) und eigene Erhebungen des IAB verwendet. Das Arbeitsvolumen ergibt sich als Produkt aus Erwerbstätigenzahl und Arbeitszeit je Erwerbstätigen.
Wann wird der Indikator veröffentlicht?
Das Statistische Bundesamt veröffentlicht regelmäßig zusammen mit den Erwerbstätigenzahlen beziehungsweise mit dem Bruttoinlandsprodukt vierteljährliche und jährliche Ergebnisse über die durchschnittlich geleisteten Arbeitsstunden und das Arbeitsvolumen in Deutschland. Vierteljährliche Angaben zur Arbeitszeit für Erwerbstätige und Arbeitnehmer sowie gegliedert nach zehn zusammengefassten Wirtschaftsbereichen (entsprechend der Klassifikation der Wirtschaftszweige (WZ) 2008 bzw. nach internationaler Abgrenzung der Nomenclature générale des activités économiques dans les Communautés Européennes (NACE) Revision1.2) werden in Deutschland schon etwa 48 Tage nach Quartalsende veröffentlicht. Erste vorläufige Jahresergebnisse liegen bereits Mitte Januar des Folgejahres vor. Die Vierteljahreszahlen sind konsistent mit den Jahresergebnissen verknüpft. Darüber hinaus stehen für die Berichtsjahre ab 1991 auch Jahresergebnisse nach 38 Wirtschaftsbereichen der Klassifikation der Wirtschaftszweige (WZ) 2008 zur Verfügung.
Detaillierte Ergebnisse und lange Zeitreihen zu den geleisteten Arbeitsstunden und dem Arbeitsvolumen können kostenfrei aus der Datenbank "GENESIS-Online" über Tabellen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen des Bundes (Code 81000: 81000-0015, 81000-0016, 81000-0113, , 81000-0114 abgerufen werden. Außerdem stehen Tabellen in der Fachserie 18, Reihe 1.2 und Reihe 1.4 der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen zur Verfügung.
Die Pressemitteilungen und der genaue Veröffentlichungskalender sind im Internetangebot des Statistischen Bundesamtes abrufbar.
Wie genau ist der Indikator?
Die frühe Erstveröffentlichung von Angaben über die geleistete Arbeitszeit erfüllt die Nutzeranforderung nach aktuellen, zeitnahen Ergebnissen, obwohl die Datengrundlage zu diesem Zeitpunkt häufig noch unvollständig ist. Da die für die Arbeitszeitrechnung des IAB benötigten Ausgangsdaten nur sukzessive im Zeitablauf anfallen, steigen Vollständigkeit und damit der Genauigkeitsgrad der Zahl der durchschnittlich geleisteten Arbeitsstunden mit zunehmendem zeitlichen Abstand zur jeweiligen Berichtsperiode. Es ist daher notwendig, die Arbeitsvolumendaten für einen bestimmten Zeitraum in mehreren Zeitabständen dem jeweiligen aktuellen Erkenntnisstand und auch im Hinblick auf neue Arbeitszeitregelungen anzupassen.
Da die Erwerbstätigenzahlen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen eine wichtige Berechnungsgrundlage für die geleisteten Arbeitsstunden bilden, hat eine Änderung der Erwerbstätigenzahlen in der Regel auch unmittelbare Auswirkungen auf die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden.
Die verwendeten Definitionen und Konzepte sind im "Europäischen System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen, ESVG 1995" geregelt, das als Anhang A der Verordnung des Rates 2223/96 im Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaft Nummer L310 vom 30. November 1996 veröffentlicht wurde.
Weitere Erläuterungen zur Arbeitszeitrechnung sind auch in verschiedenen Publikationen des IAB dargestellt, die auf Anforderung vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit, Nürnberg, bezogen sowie zum Teil im Internet (www.iab.de) heruntergeladen werden können.