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Bevölkerungsvorausberechnung

Was sind Bevölkerungsvorausberechnungen der amtlichen Statistik?

Bevölkerungsvorausberechnungen zeigen, wie sich die Bevölkerungszahl und der Altersaufbau der Bevölkerung unter bestimmten Annahmen zur Entwicklung wesentlicher Komponenten der Bevölkerungsbewegung - Geburtenhäufigkeit, Sterblichkeit und Wanderungen - innerhalb eines festgelegten Zeithorizonts verändern. Da sich demographische Prozesse allmählich vollziehen und auf die Bevölkerungssituation oft erst nach mehreren Jahrzehnten vollständig auswirken, werden für amtliche Bevölkerungsvorausberechnungen häufig längere Zeiträume von 30 bis 50 Jahren gewählt. Somit ist es möglich, noch unsichtbare, jedoch "vorprogrammierte" künftige Veränderungen sichtbar zu machen und wichtige Frühindikatoren für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu liefern.
Das Statistische Bundesamt führt Bevölkerungsvorausberechnungen seit Anfang der 1950er Jahre durch. Seit den 1960er Jahren stimmen das Statistische Bundesamt und die Statistischen Ämter der Länder die auf Bund- und Länderebenen zu treffenden Annahmen - darunter auch Binnenwanderungen - sowie methodische Fragen im Rahmen der so genannten "koordinierten Bevölkerungsvorausberechnungen" untereinander ab. Die Ergebnisse dieser Vorausberechnungen sind für Bund und Länder konsistent.
Die Bevölkerungsvorausberechnungen des Statistischen Bundesamtes werden wissenschaftlich von einem Expertengremium begleitet. Ihm gehören Vertreterinnen und Vertreter der Wissenschaft, Fachleute, die eigene Bevölkerungsvorausberechnungen durchführen, und besonders interessierte Nutzer an.

Wie wird eine Bevölkerungsvorausberechnung durchgeführt?

Eine Bevölkerungsvorausberechnung wird anhand einer national und international bewährten und weit verbreiteten Kohorten-Komponenten-Methode mit deterministischen Annahmen realisiert. Zunächst werden Annahmen zur Entwicklung der Geburtenhäufigkeit, der Lebenserwartung und der Wanderungen bis zum Zieljahr getroffen. Sie basieren auf Untersuchungen der bisherigen Verläufe der genannten Komponenten und der sie bestimmenden Faktoren als auch auf den Hypothesen zu den aus heutiger Sicht absehbaren zukünftigen Trends. In der Regel werden verschiedene Annahmen zum Verlauf der einzelnen Komponenten getroffen, die in der Kombination mehrere Varianten der Bevölkerungsvorausberechnung ergeben.

Die eigentliche Fortschreibung geht von der tatsächlichen Bevölkerung in der Gliederung nach einzelnen Altersjahren und Geschlecht zu einem bestimmten Stichtag aus und wird für jedes einzelne Jahr des Vorausberechnungszeitraums durchgeführt. Die bereits lebenden Jahrgänge werden hierbei in die nächst höhere Altersstufe übernommen, indem sie um erwartete Sterbefälle vermindert und um den jeweiligen Wanderungssaldo korrigiert werden. Gleichzeitig werden die Lebendgeborenen hinzugefügt, die die neu hinzukommenden Jahrgänge bilden. Die neuen Jahrgänge werden ebenfalls von Jahr zu Jahr um die erwarteten Sterbefälle und den Wanderungssaldo berichtigt. Die Anzahl der Lebendgeborenen und der Gestorbenen wird berechnet, indem die altersspezifischen Annahmen zur Geburtenhäufigkeit und zur Sterblichkeit auf die jeweils vorhandene Bevölkerung angewendet werden. Die Wanderungen in der Vorausberechnung ergeben sich aus dem angenommenen Wanderungssaldo und seiner Altersstruktur. 
Die Vorausberechnungen für Deutschland einerseits und für die Bundesländer andererseits erfolgen separat. Dadurch wird sichergestellt, dass sowohl für Deutschland insgesamt als auch für jedes Bundesland klar definierte untereinander abgestimmte Annahmen vorliegen. Die Wenn-Dann-Szenarien sind deshalb für die Nutzer transparent und nachvollziehbar. Bei einem top-down Verfahren (Aufbrechen des Bundesergebnisses nach Ländern) oder einem bottom-up Modell (Addition der Länderergebnisse zu einem Bundesergebnis) wäre diese Bedingung entweder für die Länder oder für Deutschland nicht gewährleistet.

Wie genau sind die Bevölkerungsvorausberechnungen?

Bevölkerungsvorausberechnungen basieren auf Hypothesen und sind deshalb mit Unsicherheiten behaftet. Ihre Ergebnisse hängen zum einen von der aktuellen Bevölkerungszahl und -struktur und zum anderen von den Annahmen zur Entwicklung der Geburtenhäufigkeit, Lebenserwartung und der Wanderungen ab. Da der Verlauf der einzelnen Komponenten mit zunehmendem Abstand vom Basiszeitpunkt immer schwerer vorhersehbar ist, haben langfristige Bevölkerungsvorausberechnungen einen Modellcharakter.
Die Berechnung von mehreren Szenarien erlaubt es, die Spannbreite möglicher Veränderungen bei alternativen Annahmen zur Entwicklung der bestimmenden Komponenten aufzuzeigen. Bei unvorhersehbaren Ereignissen - wie z.B. Seuchen, Kriegen oder Naturkatastrophen - bzw. bei einer unerwarteten Wendung im generativen Verhalten der Bevölkerung - wie z.B. der "Pillen-Knick" ab Mitte der 60er Jahre - oder in den Wanderungen kann auch die Berechnung von alternativen Varianten die Treffsicherheit einer Bevölkerungsvorausberechnung nicht erhöhen.
Der Wert der Bevölkerungsvorausberechnungen besteht allerdings nicht darin, die künftige Entwicklung exakt "vorherzusagen". Vielmehr sollen sie zeigen, wie sich Bevölkerungszahl und -struktur unter bestimmten Voraussetzungen verändern könnten.


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Telefon:  +49 611 75 4866


 




>>> Statistik von A bis Z (weitere Definitionen)




 

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Version: 2.25.5 / 20.10.2008