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Pressemitteilung Nr.382 vom 08.10.2009


Sieben von zehn Freiheitsstrafen im Jahr 2008 zur Bewährung ausgesetzt


WIESBADEN – Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, sind nach den Ergebnissen der Strafverfolgungsstatistik in Deutschland im Jahr 2008 rund 874 700 Personen wegen Verbrechen oder Vergehen rechtskräftig verurteilt worden. Das waren rund 23 000 Personen (3%) weniger als im Vorjahr (898 000). Von den insgesamt 874 700 verurteilten Personen im Jahr 2008 erhielten knapp 160 000 eine Freiheits- oder Jugendstrafe. Von diesen 160 000 Verurteilten wurden wiederum 48 500 mit einer Freiheits- oder Jugendstrafe ohne Bewährung belegt; das entsprach einem Anteil von 6% an allen Verurteilten. Bei weiteren 111 000 Verurteilten (13%) wurde die Freiheits- oder Jugendstrafe zur Bewährung ausgesetzt. Damit erhielten sieben von zehn der zu Freiheits- oder Jugendstrafe verurteilten Personen die Gelegenheit, einen Gefängnisaufenthalt durch eine erfolgreiche Bewährungszeit noch zu vermeiden.

Die zahlenmäßig wichtigste strafrechtliche Sanktion ist die Geldstrafe nach allgemeinem Strafrecht. 2008 wurden 618 100 Verurteilte mit einer Geldstrafe belegt; das waren rund 71% aller Verurteilten.
Mit so genannten Zuchtmitteln und Erziehungsmaßregeln nach Jugendstrafrecht (etwa Jugendarrest, Arbeitsauflagen, Weisungen) wurden die Straftaten von weiteren 97 000 Personen (11% aller Verurteilten) sanktioniert.

Das stärker am Erziehungsgedanken ausgerichtete Jugendstrafrecht kann auch für Heranwachsende bis unter 21 Jahren angewendet werden, wenn das Gericht eine verzögerte Reife feststellt. 2008 kam annähernd bei zwei von drei verurteilten Heranwachsenden (63%) Jugendstrafrecht zur Anwendung.

Junge Menschen werden, bezogen auf ihren Anteil in der Bevölkerung, weitaus häufiger verurteilt als Ältere: Jugendliche wurden 2008 fast doppelt so oft, Heranwachsende dreimal so oft verurteilt wie Erwachsene ab 21 Jahren. Dabei ist die registrierte Kriminalität ein vorwiegend männliches Phänomen. 2008 waren 82% der Verurteilten Männer (716 100). Für Männer wie für Frauen gilt gleichermaßen, dass die Wahrscheinlichkeit einer Verurteilung im Alter von Anfang bis Mitte Zwanzig am höchsten ist. Danach geht sie kontinuierlich zurück; Kriminalität bleibt somit in den überwiegenden Fällen eine Übergangserscheinung in der Lebensgeschichte.

204 900 Personen oder 23% aller Verurteilten wurden wegen Straßenverkehrsdelikten abgeurteilt, 152 300 (17%) wegen Diebstahl beziehungsweise Unterschlagung und weitere 105 600 (12%) wegen Betrugs. Wegen Körperverletzungsdelikten mussten sich 84 500 (10% der Verurteilten) verantworten, wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz 61 300 (7%).

Ausgewählte Ergebnisse der Strafverfolgungsstatistik 2008 sind in den nachstehenden Tabellen aufgeführt. Daten zu zurückliegenden Berichtsjahren können kostenfrei unter anderem über die Tabelle 24311-0001 in der GENESIS-Online Datenbank abgerufen werden.
>>> weitere Daten und Hintergrundinformationen
Rechtskräftig verurteilte Personen
Art der Nachweisung
Verurteilte
insgesamt
Jugendliche
(14 bis unter
18 Jahre)
Heranwachsende
(18 bis unter
21 Jahre)
Erwachsene
(ab 21 Jahre)
Deutschland
2007 897 631 63 826 91 411 742 394
2008 874 691 62 216 86 163 726 312
Nach Geschlecht:
Männer 716 073 52 941 73 662 589 470
Frauen 158 618 9 275 12 501 136 842
Nach Staatsangehörigkeit:
Nicht-Deutsche 173 642 10 324 13 221 150 097
Deutsche 701 049 51 892 72 942 576 215
Je 100 000 Personen der gleichen Bevölkerungsgruppe 1 074 1 638 2 753  969
Nach der schwersten Sanktion:
Allgemeines Strafrecht758 41332 101726 312
Freiheitsstrafe 140 279 1 756 138 523
darunter:
mit Bewährungsaussetzung99 0401 49597 545
Geldstrafe618 11530 344587 771
Strafarrest19118
Jugendstrafrecht116 278 62 216 54 062
Jugendstrafe19 2556 84012 415
darunter:
mit Bewährungsaussetzung11 9904 5047 486
Zuchtmittel88 97650 34638 630
Erziehungsmaßregeln8 0475 0303 017
Nach ausgewählten Straftaten:
Straftaten im Straßenverkehr 204 942 6 319 16 484 182 139
Straftaten gegen die Person 138 289 19 112 18 354 100 823
darunter:
Körperverletzung (einschließlich gefährliche und schwere): 84 471 16 524 14 299 53 648
Straftaten gegen das Vermögen 383 893 31 206 36 399 316 288
darunter:
Diebstahl und Unterschlagung 152 296 19 486 15 260 117 550
Betrug 105 552 1 035 5 960 98 557
Sonstige Straftaten 147 567 5 579 14 926 127 062
darunter
Betäubungsmitteldelikte 61 256 2 171 8 401 50 684

 
Rechtskräftig verurteilte Personen im Jahr 2008
Art der Nachweisung
Verurteilte
insgesamt
Jugendliche
(14 bis unter
18 Jahre)
Heranwachsende
(18 bis unter
21 Jahre)
Erwachsene
(ab 21 Jahre)
Deutschland
Nach Ländern:
Baden-Württemberg 117 838 9 341 12 409 96 088
Bayern 133 476 10 393 13 622 109 461
Berlin 52 015 2 081 4 337 45 597
Brandenburg 28 718 1 543 2 695 24 480
Bremen 9 258  247  498 8 513
Hamburg 23 009 1 049 1 669 20 291
Hessen 56 515 3 660 4 489 48 366
Mecklenburg-Vorpommern 18 909  837 2 243 15 829
Niedersachsen 86 517 8 630 9 443 68 444
Nordrhein-Westfalen 182 491 13 460 16 502 152 529
Rheinland-Pfalz 40 293 3 166 4 173 32 954
Saarland 12 548  970 1 116 10 462
Sachsen 46 868 2 324 5 410 39 134
Sachsen-Anhalt 23 504 1 612 2 922 18 970
Schleswig-Holstein 20 709 1 774 1 869 17 066
Thüringen 22 023 1 129 2 766 18 128
Nachrichtlich:
Früheres Bundesgebiet und Berlin 734 669 54 771 70 127 609 771
Neue Länder 140 022 7 445 16 036 116 541


Weitere Auskünfte gibt:
Stefan Alter,
Telefon: (0611) 75-4114,



 




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Version: 2.25.5 / 20.10.2008