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Pressemitteilung Nr.161 vom 06.05.2010


Armutsgefährdung in Deutschland und der EU – Ergebnisse aus EU-SILC (European Union Statistics on Income and Living Conditions)


WIESBADEN Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, waren im Jahr 2007 durchschnittlich 17% der Bevölkerung in der Europäischen Union armutsgefährdet. Dieser Anteil entspricht rund 85 Millionen Menschen. In Deutschland lag die Armutsgefährdungsquote mit 15% (rund 12,5 Millionen Menschen) unter dem EU-Durchschnitt. Diese und weitere Ergebnisse wurden in der 2008 durchgeführten Erhebung EU-SILC (European Union Statistics on Income and Living Conditions) ermittelt.
 
Genauso hoch wie im EU-Durchschnitt war der Anteil der armutsgefährdeten Bevölkerung mit 17% in den zwölf neuen Mitgliedstaaten, in der Eurozone (16%) lag er dagegen leicht unter dem EU-Durchschnitt. Diese Durchschnittswerte liegen zwar recht dicht beieinander, der direkte Vergleich zwischen den EU-Mitgliedstaaten offenbart jedoch ein großes Gefälle. Die meisten Armutsgefährdeten wies Lettland auf: Dort war 2007 mehr als jede/r Vierte (26%) armutsgefährdet, gefolgt von Rumänien (23%), Bulgarien (21%), Litauen (20%), Griechenland (20%) und Spanien (20%). Dagegen waren in der Tschechischen Republik nur 9% der Menschen armutsgefährdet, dies war 2007 die niedrigste Quote in der gesamten EU. Auch die Slowakei (11%) und die Niederlande (11%) wiesen ein vergleichsweise niedriges Armutsgefährdungsniveau auf.
 
Deutschland lag 2007 bei der Armutsgefährdung im zwischenstaatlichen Vergleich auf einem mittleren Rang. In Ländern, die politisch und ökonomisch mit Deutschland vergleichbar sind, waren die Armutsquoten zumeist etwas niedriger als in Deutschland: Die niedrigsten Quoten hatten hier – neben den Niederlanden (11%) – mit jeweils 12% Österreich, Dänemark und Schweden zu verzeichnen. Auch in Frankreich und Luxemburg (jeweils 13%) sowie in Finnland (14%) fielen die Quoten moderater aus als in Deutschland.
 
Die Armutsgefährdungsquote eines Landes wird nach einheitlicher EU-Definition auf der Basis eines Schwellenwertes berechnet, der als 60% des Medians des Äquivalenzeinkommens dieses Landes festgelegt ist. Der Schwellenwert für Armutsgefährdung gibt die untere Einkommensgrenze an, ab der eine Person als armutsgefährdet gilt. Dabei werden die gesamten Einkommen einschließlich der Sozialleistungen des Staates berücksichtigt. In Deutschland lag der Schwellenwert im Jahr 2007 bei 10 953 Euro jährlich. In acht EU-Staaten, das sind Luxemburg (18 550 Euro), die skandinavischen Länder Dänemark (14 497 Euro), Schweden (12 178 Euro) und Finnland (11 800 Euro), Irland (13 760 Euro) und das Vereinigte Königreich (13 119 Euro), die Niederlande (11 694 Euro) und Österreich (11 406 Euro), fielen die Schwellenwerte für Armutsgefährdung höher aus als in Deutschland. Die mit Abstand niedrigsten Schwellenwerte ergaben sich für Rumänien (1 173 Euro) und Bulgarien (1 303 Euro). Sehr niedrige Schwellenwerte waren 2007 auch für eine Reihe weiterer EU-Länder, insbesondere für osteuropäische und baltische Länder, zu verzeichnen.
 
Das Statistische Amt der Europäischen Gemeinschaften (Eurostat) veröffentlicht und aktualisiert die Ergebnisse aus den jährlichen EU-SILC (European Union Statistics on Income and Living Conditions)-Erhebungen der Mitgliedstaaten sowie weiteren, an EU-SILC (European Union Statistics on Income and Living Conditions) teilnehmenden Staaten,regelmäßig in seiner Datenbank.
 
Ergebnisse aus der deutschen EU-SILC (European Union Statistics on Income and Living Conditions)-Erhebung (LEBEN IN EUROPA) sowie methodische Erläuterungen und Publikationen sind auch über die Themenseite des Statistischen Bundesamtes erhältlich.

Für weitere amtliche EU-Statistiken steht unter www.eds-destatis.de der Europäische Datenservice (EDS) zur Verfügung.
 
Armutsgefährdung nach Alter 2007 in Deutschland und den anderen Mitgliedstaaten der EU

Region / EU-Mitgliedstaat
Schwellenwert für Armutsgefährdung
(allein Lebende/r)
Armutsgefährdungsquote nach Sozialleistungen
Insgesamt
Alter von … bis unter … Jahren
unter 18
18 - 65
65 und älter
Euro / Jahr
%
Quelle: EU-SILC (European Union Statistics on Income and Living Conditions) / LEBEN IN EUROPA 2008.
1) Eurozone bestehend aus 16 Mitgliedstaaten. -
2) Am 1. Mai 2004 und 1. Januar 2007 beigetretene zwölf neue Mitgliedstaaten.
Durchschnittswerte
EU insgesamt17201519
Eurozone 1)16191518
EU-12-neu 2)17231518
Mitgliedstaaten der Europäischen Union
Belgien  (BE)10 78815171221
Bulgarien (BG)1 30321261734
Dänemark (DK)14 4971291118
Deutschland (DE)10 95315151515
Estland (EE)3 32819171539
Finnland (FI)11 80014121223
Frankreich (FR)10 53813171311
Griechenland (GR)6 48020231922
Irland (IE)13 76016181421
Italien (IT)9 38219251621
Lettland (LV)2 89926252051
Litauen (LT)2 50220231729
Luxemburg (LU)18 5501320135
Malta (MT)5 72815201222
Niederlande (NL)11 69411131010
Österreich (AT)11 40612151115
Polen (PL)2 49317221612
Portugal (PT)4 87818231622
Rumänien (RO)1 17323332026
Schweden (SE)12 17812131116
Slowakei (SK)2 87511171010
Slowenien (SI)6 53512121021
Spanien (ES)7 75320241628
Tschechische Republik (CZ)3 63891387
Ungarn (HU)2 6391220124
Vereinigtes Königreich (UK)13 11919231530
Zypern (CY)10 02216141149
Nachrichtlich: 
Island (IS)19 3301011915
Norwegen (NO)18 98511101115



Erläuterung zur Berechnung der Armutsgefährdungsquote aus EU-SILC (European Union Statistics on Income and Living Conditions)
 
EU-SILC (englisch: Community Statistics on Income and Living Conditions) ist die EU-weit vergleichbare Datenquelle über Einkommen, Armut und Lebensbedingungen in Europa. Für die Sta­tistik gelten in allen Mitgliedstaaten einheitliche Definitionen sowie methodische Mindeststandards. Die amtliche Erhebung, deren Durchführung und Aufbereitung den Mitgliedstaaten obliegt, wird in Deutschland mit LEBEN IN EUROPA bezeichnet.
 
Ein Kernindikator, der aus LEBEN IN EUROPA ermittelt wird, ist die Armutsgefährdungsquote. Sie gibt an, wie hoch der Anteil der armutsgefährdeten Personen an der Gesamtbevölkerung ist. Zur Berechnung der Armutsgefährdungsquote wird zunächst das von allen Haushaltsmitgliedern tatsächlich erzielte Haushaltseinkommen des Vorjahres herangezogen (bei LEBEN IN EUROPA 2008 bezieht sich das Haushaltseinkommen auf das Jahr 2007). Es setzt sich zusammen aus dem Einkommen aus selbstständiger und unselbstständiger Erwerbstätigkeit, dem Einkommen aus Vermögen, Renten und Pensionen sowie empfangenen laufenden Transfers – wie zum Beispiel Arbeitslosengeld, Sozialhilfe oder Kindergeld. Direkte Steuern und Sozialbeiträge sind abgezogen. Dieses Haushaltseinkommen wird auf die Personen des Haushalts nach einem Gewichtungsschlüssel (Äquivalenzskala) verteilt, der unterschiedliche Haushaltsstrukturen berücksichtigt sowie den Umstand, dass Personen in einem Haushalt durch das Zusammenleben Einspareffekte bei den laufenden Kosten erzielen.
 
Die Äquivalenzskala weist jeder Person im Haushalt ein Gewicht zu. Die erste erwachsene Person bekommt stets das Gewicht 1. Jede weitere Person erhält ein Gewicht, das die Größenordnung des Mehrbedarfs berücksichtigen soll, der durch diese Person entsteht: Weitere Erwachsene und Kinder ab 14 Jahren erhalten das Gewicht 0,5, Kinder unter 14 Jahren das Gewicht 0,3. So ergibt sich bei einer Familie mit zwei Kindern beispielsweise das Gesamtgewicht 2,1. Das verfügbare Haushaltseinkommen wird nun durch die Summe der Gewichte dividiert. Das so ermittelte Einkommen der Personen wird als „bedarfsgewichtetes Äquivalenzeinkommen“ bezeichnet und jeder Person im Haushalt als persönliches Äquivalenzeinkommen zugeschrieben. Zu beachten ist, dass es sich beim Äquivalenzeinkommen um eine fiktive Rechengröße handelt.
 
Um das mittlere Einkommen zu ermitteln, wird der Median (Zentralwert) verwendet. Dabei werden die Personen ihrem Äquivalenzeinkommen nach aufsteigend sortiert. Der Median ist der Einkommenswert derjenigen Person, die die Bevölkerung in genau zwei Hälften teilt. Das heißt, die eine Hälfte hat mehr, die andere weniger Einkommen zur Verfügung. 60% dieses Medianwertes stellen die Armutsgefährdungsgrenze dar.
 

Weitere Auskünfte gibt:
Zweigstelle Bonn,
Silvia Deckl,
Telefon: +49 611 75 8697,



 




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Version: 2.25.5 / 20.10.2008