Demografischer Wandel

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Der demografische Wandel spielt bei der Entwicklung des Angebots von Arbeitskräften in Deutschland eine zentrale Rolle. Ein Großteil der heute Erwerbstätigen gehört zur Generation der Babyboomer und geht in den nächsten rund 15 Jahren in den Ruhestand. Die jüngeren Altersgruppen können die entstehende Lücke nicht füllen. Wie sich das aktuell und in Zukunft zahlenmäßig niederschlägt und inwiefern einige Branchen oder Regionen mehr betroffen sind als andere, zeigen wir in diesem Kapitel.

Die letzte Aktualisierung des Kapitels "Demografie" erfolgte am 11.12.2025. Dabei wurden die beiden Absätze "Zahl der Menschen im Erwerbsalter wird bis 2035 sinken" und "Deutliche regionale Unterschiede bei der Zahl der 20- bis 66-Jährigen" aktualisiert.

Zahl der Menschen im Erwerbsalter wird bis 2035 sinken

Die Zahl der Menschen im Erwerbsalter (hier: von 20 bis 66 Jahren) wird in den kommenden Jahren abnehmen. Das ist ein zentrales Ergebnis der 16. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung. Selbst bei hoher Nettozuwanderung – also einem hohen positiven Saldo aus Zu- und Fortzügen (Variante 3 in der Grafik) – würde es bis Mitte der 2030er-Jahre zu einer Abnahme um voraussichtlich 3,2 Millionen Personen kommen. Bei niedriger Nettozuwanderung (Variante 1) könnte die Zahl um 4,9 Millionen Personen sinken.

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Deutliche regionale Unterschiede bei der Zahl der 20- bis 66-Jährigen

In den westdeutschen Flächenländern ist damit zu rechnen, dass die Bevölkerung im Erwerbsalter bis Mitte der 2030er-Jahre sinken, sich dann für einige Jahre stabilisieren und anschließend je nach Variante unterschiedlich stark weiter sinken wird. Sogar bei einem hohen Wanderungssaldo und deutlich steigender Geburtenrate (Variante 5) würde die Zahl der 20- bis 66-Jährigen bis 2038 im Vergleich zur Zahl von 2024 (40,0 Millionen) um 7 % abnehmen und sich anschließend auf diesem Niveau bis 2070 halten. Geht dagegen die Nettozuwanderung ebenso wie die Geburtenrate zurück (Variante 4), würde die Zahl der Menschen im Erwerbsalter im Jahr 2070 um 30 % geringer sein als im Jahr 2024.

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In den ostdeutschen Flächenländern wird die Zahl der 20- bis 66-Jährigen unabhängig von den getroffenen Annahmen überwiegend kontinuierlich schrumpfen. Je nach Variante könnte die Zahl der Menschen im Erwerbsalter bis Ende der 2050er-Jahre voraussichtlich um 18 bis 32 % abnehmen. Die angenommene Entwicklung zu einem Rückgang von 7,2 Millionen Menschen im Jahr 2024 auf 4,5 Millionen (-37 %) bis 6,0 Millionen (-27 %) im Jahr 2070 führen.

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Die Bevölkerung in den Stadtstaaten hat einen jüngeren Altersaufbau als in den Flächenländern. Doch auch hier wäre ein Anstieg der Bevölkerung im Erwerbsalter nur bei hoher Nettozuwanderung und deutlich steigender Geburtenrate (Variante 5) möglich. Bei moderater demografischer Entwicklung (Variante 2) würde sie zunächst einige Jahre leicht abnehmen, aber bis Mitte der 2040er-Jahre wieder auf das Niveau von 2024 zurückkehren. Anschließend sinkt die Zahl der Menschen im Erwerbsalter kontinuierlich. Bei der Tendenz zu einer relativ alten Bevölkerung (Variante 4) sinkt dagegen die Zahl der 20- bis 66-Jährigen auch in den Stadtstaaten bereits bis 2035 um knapp 5 % unter den Ausgangswert von 2024 (4,0 Millionen). Im weiteren Verlauf wird sie bis Mitte der 2040er-Jahre stagnieren und anschließend noch ein weiteres Mal stark auf 77 % des Ausgangsniveaus beziehungsweise 3,1 Millionen im Jahr 2070 zurückgehen.

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Erwerbsbeteiligung der 25- bis 59-Jährigen bereits auf sehr hohem Niveau

Neben der demografischen Entwicklung beeinflusst auch die Erwerbsbeteiligung die Zahl der Arbeitskräfte, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. In Deutschland lag die Beteiligung am Arbeitsmarkt insbesondere in den Altersgruppen zwischen 25 und 59 Jahren bereits auf einem sehr hohen Niveau. So standen 2024 beispielsweise rund 93 % der Männer in den Altersgruppen von 30 bis 49 Jahren dem Arbeitsmarkt zur Verfügung. Bei den Frauen lag die Erwerbsbeteiligung unter den 25- bis 59-Jährigen deutlich über 80 % und war am höchsten für die 45- bis 49-jährigen Frauen mit 87 % Etwas geringer war die Erwerbsbeteiligung der 20- bis 24-Jährigen: Hier waren drei von vier Personen am Arbeitsmarkt aktiv. Unter den 60- bis 64-Jährigen waren es mehr als zwei von drei. Das Arbeitskräftepotenzial hierzulande ist für die meisten Altersgruppen demnach bereits stark ausgeschöpft. Der Versuch, die geburtenstarken Jahrgänge umfassender bis zum Erreichen des gesetzlichen Rentenalters im Erwerbleben zu halten beziehungsweise zu reaktivieren, könnte dem demografischen Effekt kurzfristig entgegenwirken, auch wenn er ihn langfristig nicht kompensieren kann.

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Anteil älterer Erwerbspersonen im Alter von 55 und mehr Jahren legt stetig zu

Dem Arbeitsmarkt stehen immer mehr ältere Menschen zur Verfügung. Waren 2014 noch 20,1 % der Erwerbspersonen 55 Jahre und älter, so lag ihr Anteil 2024 schon bei gut einem Viertel (26,5 %). Dieser Trend ist das Ergebnis der zunehmenden Alterung der deutschen Gesellschaft und einer verstärkten Aktivierung von Menschen in den Jahren vor dem Erreichen des gesetzlichen Rentenalters. Auch Effekte der stufenweisen Anhebung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre lassen sich erkennen. So stieg der Anteil der ab 65-Jährigen an allen Erwerbspersonen von 2,3 % im Jahr 2014 auf 3,9 % im Jahr 2024.

Allerdings ist davon auszugehen, dass diese Entwicklung nicht anhält, da in den kommenden 15 Jahren geburtenstarke Jahrgänge in Rente gehen werden. Trotz einer höheren Erwerbsbeteiligung der älteren Bevölkerung wird der Anteil von Erwerbspersonen ab 55 Jahren voraussichtlich stagnieren oder sogar zurückgehen.

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Bedarf an Pflegekräften nimmt bis zum Jahr 2049 um 33 % zu

Die steigende Zahl an Pflegebedürftigen in einer alternden Gesellschaft und deren Versorgung ist eine Herausforderung für den Pflegearbeitsmarkt. Mithilfe der Pflegekräftevorausberechnung soll die künftige Entwicklung der Zahl der Pflegekräfte eingeschätzt und mit der möglichen Entwicklung des Bedarfs an Pflegekräften verglichen werden. Der Bedarf an Pflegekräften steigt danach binnen 30 Jahren um ein Drittel (+33 %): von 1,62 Millionen Pflegekräften im Jahr 2019 auf 2,15 Millionen Pflegekräfte im Jahr 2049.

Die Entwicklung des Bedarfs unterscheidet sich zwischen den verschiedenen Einrichtungsarten stark. Aufgrund des stärkeren Wachstums an Pflegebedürftigen im Vergleich zu den Krankenhausfällen entsteht bei den (ambulanten) Pflege- und Betreuungsdiensten sowie in den Pflege-, Alten- und Behindertenheimen ein größerer Mehrbedarf an Pflegepersonal als in den Krankenhäusern. Im Detail erhöht sich die Zahl der benötigten Pflegekräfte in den (ambulanten) Pflege- und Betreuungsdiensten bis 2049 um etwa zwei Drittel (+60 %). Verglichen mit 2019 sind rund 180 000 Pflegekräfte mehr erforderlich. In den Pflege-, Alten- und Behindertenheimen sind es bis 2049 rund 240 000 Pflegekräfte mehr (+39 %). Nach absoluten Zahlen steigt also in diesen Einrichtungen der Bedarf am meisten. Krankenhäuser benötigen bis 2049 voraussichtlich rund 100 000 Pflegekräfte mehr, das entspricht einem Anstieg von 14 %.

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Bis zum Jahr 2049 werden voraussichtlich mindestens 280 000 zusätzliche Pflegekräfte benötigt

Ausgehend von einem Bedarf an 2,15 Millionen erwerbstätigen Pflegekräften im Jahr 2049 werden in Deutschland bis dahin voraussichtlich zwischen 280 000 und 690 000 Pflegekräfte fehlen.

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Zur Entwicklung der Zahl an Pflegekräften wurden zwei Varianten mit unterschiedlichem Fokus auf demografischen und gesellschaftlichen Veränderungen vorausberechnet. Die sogenannte "Trend-Variante" berücksichtigt neben der demografischen Entwicklung auch die positiven Trends am Pflegearbeitsmarkt aus den 2010er Jahren. Sie verdeutlicht somit die Potenziale, die sich für das Angebot an Pflegekräften bei einer Fortsetzung dieser Entwicklung in den Pflegeberufen ergeben. Danach steigt die Zahl der erwerbstätigen Pflegekräfte bis 2049 auf 1,87 Millionen (+15 %). Nach dieser günstigsten Variante der Vorausberechnung läge die Zahl der zur verfügbaren Pflegekräfte im Jahr 2049 um 280 000 unter dem erwarteten Bedarf.

Die sogenannte "Status quo-Variante" zeigt dagegen ausschließlich die Auswirkungen der demografischen Entwicklungen auf die künftige Zahl an Pflegekräften. Danach würde die Zahl der Pflegekräfte von 1,62 Millionen im Jahr 2019 bis 2049 auf 1,46 Millionen (-10 %) sinken. Haupttreiber dieser Entwicklung ist das verstärkte Erreichen des Renteneintrittsalters der Babyboomer-Generation in den nächsten zehn Jahren, wodurch dem Arbeitsmarkt alleine aus Altersgründen benötigte Pflegekräfte fehlen werden. Nach dieser ungünstigsten Variante der Vorausberechnung würden im Jahr 2049 rechnerisch 690 000 Pflegekräfte fehlen.

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