Presse Öffentliche Schulden steigen im 3. Quartal 2020 auf Höchststand von fast 2,2 Billionen Euro

Schulden des Öffentlichen Gesamthaushalts zum 30. September 2020 um 15,6 % gegenüber dem Jahresende 2019 gestiegen

Pressemitteilung Nr. 527 vom 22. Dezember 2020

WIESBADEN – Die öffentlichen Schulden sind im 3. Quartal 2020 auf einen neuen Höchststand gestiegen: Der Öffentliche Gesamthaushalt (Bund, Länder, Gemeinden/Gemeindeverbände sowie Sozialversicherung einschließlich aller Extrahaushalte) war beim nicht-öffentlichen Bereich (Kreditinstitute sowie sonstiger inländischer und ausländischer Bereich, z. B. private Unternehmen im In- und Ausland) zum Quartalsende mit 2 195,1 Milliarden Euro verschuldet. Bereits Ende des 2. Quartals 2020 war der bis dahin höchste in der Schuldenstatistik ermittelte Schuldenstand erreicht worden (2 109,2 Milliarden Euro). Eine ähnlich hohe Verschuldung hatte es davor Ende 2012 mit 2 068,3 Milliarden Euro gegeben. Seither waren die öffentlichen Schulden jedes Jahr gesunken. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) auf Basis vorläufiger Ergebnisse weiter mitteilt, stieg die öffentliche Verschuldung zum Ende des 3. Quartals 2020 damit gegenüber dem Jahresende 2019 um 15,6 % oder 296,4 Milliarden Euro. Der Anstieg ist im Wesentlichen in der Aufnahme finanzieller Mittel für Maßnahmen zur Bewältigung der Corona-Krise begründet. Gegenüber dem 2. Quartal 2020 nahm der Schuldenstand um 4,1 % (+85,9 Milliarden Euro) zu.

Schulden des Bundes wachsen um 241,5 Milliarden Euro 

Mit Ausnahme der Sozialversicherung waren am Ende des 3. Quartals 2020 alle Ebenen des Öffentlichen Gesamthaushalts stärker verschuldet als zum Jahresende 2019. Am stärksten erhöhte sich in diesem Zeitraum die Verschuldung des Bundes, und zwar um 20,3 % beziehungsweise 241,5 Milliarden Euro auf 1 430,1 Milliarden Euro. Besonders stark stiegen dabei die Wertpapierschulden, und zwar um 207,4 Milliarden Euro. 

Schulden der Länder steigen um 9,1 % 

Die Länder waren zum Ende des 3. Quartals 2020 mit 631,1 Milliarden Euro verschuldet, dies entspricht einem Anstieg um 9,1 % beziehungsweise 52,4 Milliarden Euro gegenüber dem Jahresende 2019. Die Verschuldung ist in allen Ländern angestiegen. Prozentual nahm sie in Sachsen am stärksten zu, wo sich der Schuldenstand ausgehend von einem niedrigen Niveau auf das 2,7-Fache erhöhte (+170,9 %), gefolgt von Bayern (+26,5 %) und Bremen (+20,8 %). Die Länder mit den höchsten absoluten Zuwächsen waren Nordrhein-Westfalen (+16,4 Milliarden Euro), Bremen (+6,3 Milliarden Euro) und Niedersachsen (+5,0 Milliarden Euro).

In den meisten Ländern stand die höhere Verschuldung größtenteils im Zusammenhang mit der Corona-Krise. In Bremen ist der Anstieg vor allem auf Schuldenaufnahmen für die Bereitstellung von Barsicherheiten für Derivat-Geschäfte zurückzuführen.

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Schulden der Gemeinden und Gemeindeverbände nehmen um 2,5 Milliarden Euro zu 

Der Schuldenstand der Gemeinden und Gemeindeverbände erhöhte sich im 3. Quartal 2020 gegenüber dem Jahresende 2019 um 1,9 % beziehungsweise 2,5 Milliarden Euro auf 133,9 Milliarden Euro und damit im Vergleich zum Bund und zu den Ländern nur geringfügig. Die Entwicklung verlief aber regional unterschiedlich: Die Schulden stiegen vor allem in den Gemeinden und Gemeindeverbänden in Hessen (+7,3 %), Schleswig-Holstein (+6,6 %) und Niedersachsen (+6,2 %). Dagegen sanken die Schulden insbesondere im Saarland (‑15,1 %), in Sachsen (‑13,7 %) und in Thüringen (-5,7 %). 

Der Rückgang der Verschuldung bei den saarländischen Gemeinden und Gemeindeverbänden ist zum Großteil dadurch begründet, dass in den ersten drei Quartalen 2020 das vom Land verwaltete „Sondervermögen Saarlandpakt“ 336,0 Millionen Euro der Kassenkredite der Gemeinden und Gemeindeverbände übernommen hat. 

Die Sozialversicherung konnte ihren Schuldenstand gegenüber dem Jahresende 2019 um rund 5 Millionen Euro (-8,8 %) auf 52 Millionen Euro reduzieren. 

Methodische Hinweise:

Die in der vierteljährlichen Schuldenstatistik nachgewiesenen Schuldenstände können von den haushaltsmäßigen Schuldenständen abweichen. 

Die Verschuldung der Länder enthält auch die empfangenen Barsicherheiten aus Derivatgeschäften der Länderkernhaushalte (zum Beispiel Nordrhein-Westfalen für das 3. Quartal 2020 in Höhe von 957,8 Millionen Euro und für das Jahresende 2019 in Höhe von 1 361,4 Millionen Euro). 

Die Schulden der Kernhaushalte der Sozialversicherung wurden auf Basis des Ergebnisses der jährlichen Schuldenstatistik zum 31. Dezember 2019 mit 52 Millionen Euro fortgeschrieben. 

Mit dem Berichtsjahr 2010 wurde in der Schuldenstatistik ein geändertes Erhebungsverfahren eingeführt. Zum einen werden seitdem alle Berichtseinheiten, die nach den Regelungen der Europäischen Union zum Sektor Staat gehören, in der Schuldenstatistik erfasst sowie andere Begriffe und Abgrenzungen verwendet. So werden zum Beispiel die Kreditmarktschulden durch die Schulden beim nicht-öffentlichen Bereich ersetzt, in denen auch die Kassenkredite beim nicht-öffentlichen Bereich enthalten sind. Zum anderen liegt eine geänderte Bereichsabgrenzung zugrunde. Daher sind die Ergebnisse mit den Daten, die vor 2010 erhoben wurden, nur bedingt vergleichbar.

Weitere methodische Hinweise und Daten, einschließlich der Erläuterungen zu Abweichungen der haushaltsrechtlichen Darstellung von der amtlichen Statistik, können der Fachserie 14 Reihe 5.2 „Vorläufiger Schuldenstand des Öffentlichen Gesamthaushalts“ entnommen werden.Hingewiesen wird insbesondere auf den Qualitätsbericht der Fachserie.

Schulden des Öffentlichen Gesamthaushalts beim nicht-öffentlichen Bereich 1
– vorläufige Ergebnisse –
Körperschaftsgruppen/LänderInsgesamtVeränderung gegen-
über 30.06.2020
Veränderung gegen-
über 31.12.2019
30.09.202030.06.202031.12.20192
in Millionen Euroin %
1: Einschließlich Extrahaushalte.
2: Endgültige Ergebnisse.
3: Kernhaushalte der Sozialversicherung zum Stand 31.12.2019.
Insgesamt2 195 1362 109 1891 898 762+4,1+15,6
Bund1 430 0601 351 5331 188 581+5,8+20,3
Länder631 144624 885578 762+1,0+9,1
Gemeinden/Gemeindeverbände133 880132 719131 362+0,9+1,9
Sozialversicherung 3525257-0,0-8,8
Länder
Baden-Württemberg47 12944 42744 134+6,1+6,8
Bayern16 35516 88612 926-3,1+26,5
Brandenburg17 72317 65116 644+0,4+6,5
Hessen44 83244 18740 475+1,5+10,8
Mecklenburg-Vorpommern8 5298 3617 541+2,0+13,1
Niedersachsen63 17262 29858 166+1,4+8,6
Nordrhein-Westfalen186 612187 178170 187-0,3+9,7
Rheinland-Pfalz31 07630 02329 833+3,5+4,2
Saarland14 19914 53413 825-2,3+2,7
Sachsen3 0832 1581 138+42,9+170,9
Sachsen-Anhalt21 45321 86320 894-1,9+2,7
Schleswig-Holstein31 39531 31130 764+0,3+2,1
Thüringen15 93115 89814 580+0,2+9,3
Berlin58 04057 17553 959+1,5+7,6
Bremen36 25736 13730 006+0,3+20,8
Hamburg35 35934 79833 691+1,6+4,9
Gemeinden/Gemeindeverbände
Baden-Württemberg9 1238 9478 664+2,0+5,3
Bayern12 67713 00712 792-2,5-0,9
Brandenburg1 6351 6951 732-3,5-5,6
Hessen14 27113 85313 301+3,0+7,3
Mecklenburg-Vorpommern1 6731 6831 716-0,6-2,5
Niedersachsen13 76313 25112 960+3,9+6,2
Nordrhein-Westfalen52 72752 15151 609+1,1+2,2
Rheinland-Pfalz13 36313 31813 105+0,3+2,0
Saarland3 0603 0843 603-0,8-15,1
Sachsen2 2712 4382 631-6,8-13,7
Sachsen-Anhalt2 5132 5132 598-0,0-3,3
Schleswig-Holstein4 6194 5694 334+1,1+6,6
Thüringen2 1852 2092 317-1,1-5,7

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