Pressemitteilung Nr. N072 vom 21. Oktober 2026
- Umsatz von aus Russland kontrollierten Unternehmen in Deutschland auf 8,4 Milliarden Euro im Jahr 2024 gesunken
- 96 % weniger Fluggäste mit letztbekanntem Streckenziel Russland im 1. Halbjahr 2026 von deutschen Flughäfen gestartet als im 1. Halbjahr 2019 vor der Pandemie
- Zuzüge russischer Staatsangehöriger nach Deutschland seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine stark gesunken, Fortzüge aus Deutschland gestiegen
WIESBADEN – Der deutsch-russische Austausch hat seit dem Beginn des Angriffs Russlands auf die Ukraine im Februar 2022 in vielerlei Hinsicht deutlich abgenommen. Im 1. Halbjahr 2026 hat Deutschland 96,4 % weniger Waren aus der Russischen Föderation importiert als im 1. Halbjahr 2021, dem Vergleichszeitraum vor Kriegsausbruch. Im 1. Halbjahr 2026 wurden Waren im Wert von gut 0,5 Milliarden Euro aus Russland importiert, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt. Im 1. Halbjahr 2021 beliefen sich die Importe von dort noch auf 15,0 Milliarden Euro. Auch die Exporte nach Russland sind deutlich gesunken: Mit -73,1 % fiel der Rückgang im selben Zeitraum jedoch weniger stark aus als bei den Importen. Deutschland exportierte im zurückliegenden Halbjahr Waren im Wert von 3,4 Milliarden Euro nach Russland. Im 1. Halbjahr 2021 waren es noch gut 12,7 Milliarden Euro.
Die Europäische Union (EU) hat seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine eine Vielzahl von Sanktionen beschlossen, die den Handel mit Russland einschränken. Die bisherigen 21 Sanktionspakete der EU enthalten unter anderem Einfuhrverbote bestimmter Güter wie beispielsweise Energieträger oder Ausfuhrverbote insbesondere für industrie- oder militärnahe Güter, aber schränken auch den Zugang Russlands zu Kapital- und Finanzmärkten ein, schließen das Land vom Bankensystem SWIFT aus und verhängen Einreise- und Flugverbote sowie Einlaufverbote gegen die russische Schattenflotte.
Deutschland importiert Nahrungs- und Futtermittel, Metalle und chemische Erzeugnisse aus Russland
Die Importe aus Russland im Gesamtwert von gut 0,5 Milliarden Euro setzten sich im 1. Halbjahr 2026 im Wesentlichen aus Nahrungs- und Futtermitteln (206,1 Millionen Euro oder 38,7 %), aus Metallen (168,3 Millionen Euro oder 31,6 %) sowie aus chemischen Erzeugnissen (95,9 Millionen Euro oder 18,0 %) zusammen. Im 1. Halbjahr 2021 waren Erdöl und Erdgas mit Abstand die meistimportierten Güter aus Russland gewesen – mit einem Wert von 9,2 Milliarden Euro und einem Anteil von 61,5 %. Weitere wichtige Importgüter im Vergleichszeitraum vor Kriegsbeginn waren Metalle (13,5 %) sowie Kokerei- und Mineralölerzeugnisse (7,4 %).
Deutschland exportiert vor allem Pharmaerzeugnisse nach Russland
Bei den Exporten nach Russland im Gesamtwert von 3,4 Milliarden Euro entfiel im 1. Halbjahr 2026 ein Großteil auf pharmazeutische Erzeugnisse (1,5 Milliarden Euro oder 42,4 %). Dahinter folgten Maschinen (11,1 %) sowie Nahrungs- und Futtermittel (10,5 %). Im 1. Halbjahr 2021 waren knapp ein Viertel aller deutschen Exporte nach Russland Maschinen (23,4 % oder 3,0 Milliarden Euro) – vor Kraftwagen und Kraftwagenteilen (17,9 %) sowie chemischen Erzeugnissen (11,3 %).
Anteil russisch kontrollierter Unternehmen in Deutschland gesunken
Nicht nur im Außenhandel, sondern auch bei den auslandskontrollierten Unternehmen haben die deutsch-russischen Wirtschaftsverflechtungen abgenommen. Im Jahr 2024 gehörten 76 oder 0,2 % der insgesamt gut 42 400 auslandskontrollierten Unternehmen in Deutschland zu einer Muttergesellschaft mit Sitz in Russland. Die von Russland aus kontrollierten Unternehmen erwirtschafteten einen Umsatz von 8,4 Milliarden Euro, das waren 0,4 % der von auslandskontrollierten Unternehmen hierzulande erwirtschafteten Umsätze. Im Jahr 2021 hatten die 229 russisch kontrollierten Unternehmen noch einen Anteil von 0,7 % an allen auslandskontrollierten Unternehmen hierzulande. Sie erwirtschafteten damals knapp 25,4 Milliarden Euro oder 1,3 % der Umsätze aller auslandskontrollierten Unternehmen.
Auch das Geschäft deutscher Unternehmen in Russland nahm ab. Nach Angaben der Bundesbank waren 290 oder 0,9 % der insgesamt gut 32 100 von deutschen Investoren kontrollierten Auslandsunternehmen im Jahr 2024 in Russland tätig. Dort erwirtschafteten sie einen Jahresumsatz von rund 13 Milliarden Euro oder 0,4 % der Umsätze, die aus Deutschland kontrollierte Auslandsunternehmen weltweit erzielten. Im Jahr 2021 hatten die 481 aus Deutschland kontrollierten Unternehmen in Russland einen Anteil von 1,5 % an allen Auslandsunternehmen deutscher Investoren und erwirtschafteten dort rund 38 Milliarden Euro oder 1,4 % von deren Auslandsumsätzen weltweit.
Gut 39 900 Fluggäste mit letztbekanntem Ziel Russland starteten im 1. Halbjahr 2026 an deutschen Flughäfen
Dass die deutsch-russischen Beziehungen abgekühlt sind, zeigt sich auch im Flugverkehr. Wegen des bestehenden Direktflugverbots ging im 1. Halbjahr 2026 die Zahl der an deutschen Hauptverkehrsflughäfen startenden wie auch der dort landenden Fluggäste mit Direktverbindung nach und von Russland gegen null. Zum Vergleich: Vor den von Reisebeschränkungen geprägten Pandemiejahren hatte sowohl die Zahl der aus Russland ankommenden als auch die der dorthin abfliegenden Fluggäste mit Direktverbindung im 1. Halbjahr 2019 noch bei jeweils rund 1,0 Millionen Fluggästen gelegen.
Mit letztbekanntem Streckenziel Russland flogen im 1. Halbjahr 2026 noch gut 39 900 Fluggäste von deutschen Hauptverkehrsflughäfen ab – beispielsweise mit Umstieg in der Türkei oder anderen Drittstaaten ohne Direktflugverbot. Das waren 95,9 % weniger als im 1. Halbjahr 2019 (gut 978 300 Fluggäste), vor den pandemiebedingten Einschränkungen des Flugverkehrs.
Zuletzt mehr russische Staatsangehörige aus Deutschland fortgezogen als zugezogen
Das Verhältnis von Zuzügen und Fortzügen russischer Staatsangehöriger nach und aus Deutschland hat sich seit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Frühjahr 2022 gedreht. Im 1. Halbjahr 2026 zogen mehr russische Staatsangehörige aus Deutschland fort (gut 4 400) als nach Deutschland zuzogen (gut 3 800). Zu Beginn des Angriffs Russlands auf die Ukraine im 1. Halbjahr 2022 überwogen die Zuzüge russischer Staatsangehöriger nach Deutschland (12 700) noch deutlich gegenüber den Fortzügen mit gut 3 400. Auch im Jahr 2021 vor dem Angriff, das pandemiebedingt noch von Reisebeschränkungen geprägt war, hatte es im 1. Halbjahr mehr Zuzüge (gut 5 300) als Fortzüge (knapp 3 700) russischer Staatsangehöriger gegeben.
1 700 russische Bildungsausländerinnen und -ausländer starteten 2025 in Deutschland ein Studium
Der verringerte Austausch zwischen Deutschland und Russland zeigt sich auch an Hochschulen hierzulande. Im Studienjahr 2025 begannen 1 700 russische Bildungsausländerinnen und Bildungsausländer ein Studium in Deutschland. Das waren 40 % weniger als im Jahr 2021 (knapp 2 900). Im Vergleich zum Vor-Corona-Niveau im Jahr 2019 mit damals 3 100 russischen Bildungsausländerinnen und -ausländern fiel der Rückgang mit -45 % noch größer aus. Im Vergleich zum Höchststand im Jahr 2014 (gut 3 500) hat sich die Zahl mehr als halbiert (-52 %).
Methodische Hinweise:
Gegenstand der Außenhandelsstatistik ist der grenzüberschreitende Warenverkehr Deutschlands mit dem Ausland. Ausgewertet wurden die Ergebnisse auf Basis des Güterverzeichnisses für Produktionsstatistiken. Nicht inbegriffen ist der grenzüberschreitende Handel mit Dienstleistungen. Dieser wird von der Deutschen Bundesbank erhoben.
Nach der EU-Unternehmensdefinition entspricht ein Unternehmen der kleinsten Kombination Rechtlicher Einheiten, die eine organisatorische Einheit zur Erzeugung von Waren und Dienstleistungen bildet und insbesondere in Bezug auf die Verwendung der ihr zufließenden Mittel über eine gewisse Entscheidungsfreiheit verfügt. Ein Unternehmen übt eine Tätigkeit oder mehrere Tätigkeiten an einem Standort oder an mehreren Standorten aus. Ein Unternehmen kann einer einzigen Rechtlichen Einheit entsprechen oder aus mehreren Rechtlichen Einheiten bestehen.
Die Statistik über die Struktur und Tätigkeit von Auslandsunternehmenseinheiten beruht im Wesentlichen auf der Verordnung (EU) Nr. 2152/2019 vom 27. November 2019 über Europäische Unternehmensstatistiken und verpflichtet die EU-Mitgliedstaaten zu einer Datenlieferung über Kenngrößen grenzüberschreitend kontrollierter Unternehmen an das statistische Amt der Europäischen Union (Eurostat). Hierbei wird unterschieden zwischen Kenngrößen von auslandskontrollierten Unternehmen in Deutschland, und Kenngrößen von Unternehmen im Ausland, die von deutschen Investoren kontrolliert werden. Die Angaben zu auslandskontrollierten Unternehmen werden vom Statistischen Bundesamt bereitgestellt. Die Angaben zu Unternehmen im Ausland werden von der Deutschen Bundesbank erstellt.
Bei den Zahlen zu den Flugreisenden werden fluggastbezogene Zahlen zu den Passagieren an Bord betrachtet, welche in einem Flugzeug mit einem Start an einem deutschen Hauptverkehrsflughafen und einem Ziel im betroffenen Land oder umgekehrt erfasst wurden. Die Statistik erfasst den Luftverkehr an den Hauptverkehrsflughäfen mit mehr als 150 000 Fluggasteinheiten im Jahr. Die Daten sind nicht um Kalender- oder Saisoneffekte bereinigt.
Gezählt werden nur Flugreisende mit einem durchgehenden Ticket, deren Umstieg dem Berichtsflughafen in Deutschland bekannt ist. Reisen Fluggäste beispielsweise mit zwei getrennten Tickets von Deutschland in die Türkei und anschließend weiter in die Russische Föderation, so werden die Fluggäste dem letztbekannten Streckenziel Türkei zugeordnet. Zu den ankommenden Fluggästen an deutschen Flughäfen liegen keine Informationen über einen möglichen vorherigen Umstieg vor, hier ist ausschließlich der Nachweis der letzten Direktverbindung nach Deutschland möglich. Für die Fluggastzahlen im 1. Halbjahr 2026 fehlt die Meldung des Flughafens Hahn für den Berichtsmonat Juni 2026.
In der Wanderungsstatistik werden Zu- und Fortzüge dargestellt, die nach den melderechtlichen Regelungen bei den Meldebehörden registriert wurden. Ergebnisse von Zu- und Fortzügen russischer Staatsangehöriger enthalten Fälle mit unbekanntem Herkunfts- bzw. Zielland.
Bildungsausländerinnen und -ausländer sind hier Studienanfängerinnen und -anfänger mit russischer Staatsangehörigkeit, die ihre Hochschulzugangsberechtigung im Ausland bzw. an einem Studienkolleg erworben haben. Dagegen werden als Bildungsinländer/-innen mit der russischen Staatsangehörigkeit diejenigen russischen Studierenden nachgewiesen, die ihre Hochschulzugangsberechtigung in Deutschland, aber nicht an einem Studienkolleg, erworben haben.
Weitere Informationen:
Ausgewählte Tabellen bietet auch die Themenseite Außenhandel im Internetangebot des Statistischen Bundesamtes.
Weitere Informationen und Daten zu auslandskontrollierten Unternehmen in Deutschland (Inward Foreign Affiliates Statistics – IFATS) finden Sie auf der Themenseite des Statistischen Bundesamtes. Detaillierte Ergebnisse und Zeitreihen können darüber hinaus über GENESIS-Online (Tabellen 48131) abgerufen werden.
Weitere Informationen zu Direktinvestitionen deutscher Unternehmen im Ausland (Outward Foreign Affiliates Statistics – OFATS) finden Sie auf der Themenseite der Deutschen Bundesbank.
Weitere Ergebnisse zum Luftverkehr bieten die Datenbank GENESIS-Online (Tabellen 46421) sowie die Themenseite Transport und Verkehr im Internetangebot des Statistischen Bundesamtes.