Presse Zahl der Privathaushalte kann bis zum Jahr 2050 um bis zu 5 % zurückgehen

Pressemitteilung Nr. 386 vom 5. November 2026

  • Bei moderater Bevölkerungsentwicklung oder relativ alter Bevölkerung sinkt langfristig die Zahl der Privathaushalte
  • Die Zahl der Einpersonenhaushalte steigt weiter: Im Jahr 2050 wird etwa jede vierte Person in Privathaushalten alleine wohnen

WIESBADEN – Die Zahl der Privathaushalte in Deutschland wird bis zum Jahr 2050 bei einer moderaten Entwicklung von Geburten, Lebenserwartung und Zuwanderung oder unter Annahme einer relativ alten Bevölkerung sinken. Dies zeigt die Haushaltsvorausberechnung 2026 des Statistischen Bundesamtes (Destatis). Demnach geht die Zahl der Privathaushalte nach diesen Vorausberechnungsvarianten von 41,8 Millionen im Ausgangsjahr 2024 um 2 % bis 5 % auf 40,9 bis 39,7 Millionen im Jahr 2050 zurück. Damit würde sich der seit der deutschen Vereinigung im Jahr 1990 beobachtete Anstieg der Zahl privater Haushalte umkehren. Nur bei einer zukünftig relativ jungen Bevölkerung – also einer deutlich steigenden Geburtenrate kombiniert mit einer hohen Nettozuwanderung – wird die Zahl der Privathaushalte bis 2050 nicht unter das Ausgangsniveau des Jahres 2024 fallen (+1 %).

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Die Haushaltsvorausberechnung 2026 zeigt die Entwicklung der Privathaushalte bis zum Jahr 2050 unter den bereits heute angelegten demografischen Strukturen. Erstmals wurden bei der Haushaltsvorausberechnung drei Annahmen zur künftigen Bevölkerungsentwicklung betrachtet: Bei der mittleren Annahme verändern sich die demografischen Einflussfaktoren Geburtenhäufigkeit, Lebenserwartung und Wanderung nur moderat. Bei der Annahme einer relativ alten Bevölkerung wird von einer anhaltend niedrigen Geburtenrate, einem starken Anstieg der Lebenserwartung und einem niedrigen Wanderungssaldo ausgegangen. Demgegenüber basiert die Annahme einer relativ jungen Bevölkerung auf einer deutlich steigenden Geburtenrate, einem geringen Anstieg der Lebenserwartung und einer hohen Nettozuwanderung.

Deutlich mehr Einpersonenhaushalte in der Altersgruppe ab 60 Jahren

Einpersonenhaushalte machen bereits heute die größte Gruppe unter den Privathaushalten aus. Ihre Zahl wird nach der neuen Haushaltsvorausberechnung von 17,9 Millionen im Jahr 2024 auf 18,5 Millionen (relativ alte Bevölkerung) bis 19,2 Millionen (relativ junge Bevölkerung) im Jahr 2050 steigen. Damit werden dann 23 % bis 24 % aller Menschen in Privathaushalten alleine wohnen (2024: 21 %). Dabei nimmt die Zahl der Einpersonenhaushalte bei den 20- bis unter 40-Jährigen voraussichtlich ab. Ursachen dafür sind unter anderem der Rückgang der Bevölkerung in dieser Altersgruppe sowie tendenziell immer spätere Familiengründungen. Bei den 40- bis unter 60-Jährigen fallen die Veränderungen je nach Berechnungsvariante unterschiedlich aus. Für die Altersgruppen ab 60 Jahren ergeben sich in allen drei Varianten Zuwächse bei der Zahl der Einpersonenhaushalte. Besonders stark sind die Anstiege bei den 60- bis unter 70-Jährigen sowie den Hochaltrigen (80 Jahre und älter).

Zahl der Zwei-, Drei- und Vierpersonenhaushalte sinkt in allen Berechnungsvarianten

Die Zahl der im Jahr 2024 rund 13,6 Millionen Zweipersonenhaushalte, der 4,8 Millionen Dreipersonenhaushalte und der 3,9 Millionen Vierpersonenhaushalte wird bei der Fortsetzung der Trends in der Haushaltszusammensetzung bis 2050 bei allen drei Berechnungsvarianten sinken. Demgegenüber wird die Zahl der Haushalte mit fünf und mehr Personen (2024: 1,6 Millionen) unter der Annahme einer relativ jungen Bevölkerung um 3 % wachsen.

Bis zu 12 % weniger Privathaushalte in ostdeutschen Flächenländern im Jahr 2050

Regionale Unterschiede in der Entwicklung der Privathaushalte sind im Wesentlichen durch den aktuellen Altersaufbau und die künftige Bevölkerungsentwicklung in den Ländergruppen (westdeutsche und ostdeutsche Flächenländer sowie Stadtstaaten) bedingt. Ob die Gesamtzahl der Privathaushalte bis 2050 steigt, stagniert oder fällt, unterscheidet sich in den westdeutschen Flächenländern und Stadtstaaten stark zwischen den einzelnen Vorausberechnungsvarianten. In den ostdeutschen Flächenländern nimmt die Zahl der Privathaushalte dagegen bei jeder der drei betrachteten Varianten ab. Am stärksten wäre der Rückgang bei einer relativ alten Bevölkerung. Dann gäbe es im Jahr 2050 in den ostdeutschen Flächenländern 12 % weniger Privathaushalte als im Ausgangsjahr 2024.

Methodische Hinweise:

Als (Privat-)Haushalt zählt jede zusammenwohnende und eine wirtschaftliche Einheit bildende Personengemeinschaft (Mehrpersonenhaushalte) sowie Personen, die allein wohnen und wirtschaften (Einpersonenhaushalte). Gemeinschaftsunterkünfte gelten nicht als Haushalte, können aber Privathaushalte beherbergen, zum Beispiel Personalwohnungen. Haushalte mit mehreren Wohnsitzen werden mehrfach gezählt, da sie an jedem Wohnsitz Wohnraum und Infrastruktureinrichtungen in Anspruch nehmen.

Im Unterschied hierzu wird bei Veröffentlichungen des Mikrozensus seit 2020 nicht mehr die Definition der Privathaushalte, sondern eine abweichende Definition der "Hauptwohnsitzhaushalte" (entsprechend auch „Personen in Hauptwohnsitzhaushalten“) zugrunde gelegt.

Die Haushaltsvorausberechnung 2026 umfasst die Zeitspanne von 2025 bis 2050. Als Basis dienen Variante 2 (moderate Bevölkerungsentwicklung), Variante 4 (relativ alte Bevölkerung) und Variante 5 (relativ junge Bevölkerung) der 16. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung. Auf Grundlage der Haushaltsmitgliederquoten aus dem Mikrozensus wurden für alle drei Varianten der Bevölkerungsvorausberechnung je zwei Szenarios der künftigen Entwicklung berechnet. Das Trendszenario schreibt die langfristigen Veränderungen in der Verteilung der Bevölkerung nach Haushalten unterschiedlicher Größe fort. Für das Status-quo-Szenario wurden die Ausgangsverhältnisse im Haushaltsbildungsverhalten konstant gehalten. Beide Varianten spiegeln die Auswirkungen der künftigen Bevölkerungsentwicklung auf die Haushaltszahl und -struktur wider. Die Trendvariante berücksichtigt darüber hinaus die Verhaltensänderungen der Bevölkerung bei der Bildung der Privathaushalte und stellt somit ein umfassenderes Zukunftsmodell dar. Die in dieser Pressemitteilung genannten Angaben sind Ergebnisse der Trendvariante.

Langfristige Vorausberechnungen können nicht die Zukunft vorhersagen. Sie zeigen die Auswirkungen bereits angelegter Strukturen auf die künftige Entwicklung der Bevölkerung und Privathaushalte und liefern quantitative "Wenn-Dann-Aussagen". Dabei stützen sie sich auf eine fundierte Datengrundlage, aus der sich Annahmen über die künftige Entwicklung der demografischen Faktoren ableiten lassen. Den Nutzerinnen und Nutzern erlaubt ein Variantensystem eine bewusste Wahl einer geeigneten Variante, je nach aktueller demografischer Situation und betrachtetem Zeithorizont.

Weitere Informationen:

Alle Ergebnisse zur künftigen Entwicklung der Privathaushalte und der Bevölkerung in Privathaushalten in Deutschland, nach Bundesländern und Ländergruppen sind in der Datenbank GENESIS-Online (Tabellen 12421) verfügbar. Begleitend informiert ein Webartikel auf der Themenseite "Demografische Vorausberechnungen" im Internetangebot des Statistischen Bundesamtes ausführlich über die Annahmen, die Methodik und ausgewählte Ergebnisse der Haushaltsvorausberechnung.

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