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Pressemitteilung Nr. 280 vom 16.08.2017: Mindestlohn verringert Spannweite der Tarifverdienste in einzelnen Branchen

WIESBADEN – Der Abstand zwischen den höchsten und den niedrigsten Verdienstgruppen in Tarifverträgen ist zwischen Dezember 2014 – also kurz vor Einführung des gesetzlichen Mindestlohns – und Juni 2017 gesamtwirtschaftlich um 0,2 % gesunken. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, ging die Spannweite bei ausschließlicher Berücksichtigung von Tarifverträgen, die im Dezember 2014 noch Verdienstgruppen unter dem zum Januar 2015 eingeführten Mindestlohn von 8,50 Euro hatten, im gleichen Zeitraum um 5,7 % zurück. 

Die Einführung des Mindestlohns hat die Tarifverdienststruktur besonders im Gastgewerbe verändert. Dort ist der Abstand zwischen den höchsten und niedrigsten Tarifverdiensten zwischen Dezember 2014 und Juni 2017 mit – 7,2 % am stärksten zurückgegangen. Das Gastgewerbe zählt zu den wenigen Branchen, in denen Tarifverträge vor Einführung des Mindestlohns noch Verdienstgruppen unter 8,50 Euro vorsahen. Die Spannweite verringerte sich im gleichen Zeitraum unter anderem auch in der Land- und Forstwirtschaft, Fischerei (– 1,9 %) sowie in den Bereichen Erziehung und Unterricht (– 1,2 %), Verkehr und Lagerei (– 1,1 %) und im Grundstücks- und Wohnungs­wesen (– 1,0 %). 

Innerhalb der sogenannten „Niedriglohnbranchen“ ist der Verdienstabstand ferner vor allem im Landverkehr und Transport von Rohrfernleitungen (– 3,0 %) sowie bei Wach- und Sicherheitsdiensten, Detekteien (– 1,1 %) deutlich zurückgegangen. 

Gegenläufig hat sich die Verdienststruktur von Tarifverträgen in den Branchen entwickelt, in denen der Tarifvertrag des öffentlichen Bundes und der Gemeinden (TVöD) ein hohes Gewicht hat. Dazu gehören die Öffentliche Verwaltung, Verteidigung; Sozialversicherung (+ 0,3 %), die Wasserversorgung und Entsorgung (+ 0,2 %) sowie die Energieversorgung (+ 0,1 %). Ursache hierfür ist die Einführung der neuen Erfahrungsstufe 6 für die Entgeltgruppen E9a bis E15 zum 1. März 2016. Die Beschäftigten dieser Entgeltgruppen haben somit die Möglichkeit erhalten, innerhalb ihrer Entgeltgruppe eine höhere Erfahrungsstufe zu erreichen. Dadurch sind die höchsten Verdienste gestiegen und die Spannweite zwischen den höchsten und niedrigsten Verdiensten hat sich vergrößert. 

Grundlage für diese Ergebnisse sind die Tarifverträge, die in die Berechnung des Vierteljährlichen Index der Tarifverdienste und Arbeitszeiten eingehen. Für diese Tarifverträge wurde für die genannten Zeiträume der Verdienstabstand ermittelt, in dem der jeweils höchste mit dem niedrigsten im Tarifvertrag vorgesehene Verdienst ins Verhältnis gesetzt wurde. Für die Gewichtung wurde das aktuelle Wägungsschema des Tarifindex verwendet. Als Niedriglohnbranchen werden hier die 20 Abteilungen der Wirtschaftszweigklassifikation 2008 (WZ-2-Steller) mit dem höchsten Anteil an Niedriglohnbeschäftigten bezeichnet. Niedriglohnbeschäftigte erhalten weniger als zwei Drittel des mittleren Verdienstes (also brutto 10,00 Euro je Stunde im Jahr 2014). 

Verhältnis von Höchst- zu Niedrigstverdiensten in Tarifverträgen nach Wirtschaftszweigen
Wirtschaftsabschnitt (WZ 2008)Dezember 2014Juni 2017

Veränderung

in %

Zur Erklärung:

Der Verhältniswert für die Gesamtwirtschaft von 3,032 für Dezember 2014 bedeutet, dass das tarifliche Entgelt in der höchsten Tarifgruppe im Durchschnitt 3,032-mal so hoch wie das tarifliche Entgelt in der niedrigsten Tarifgruppe war. 

Gesamtwirtschaft3,0323,025– 0,2
Land- und Forstwirtschaft, Fischerei2,5152,467– 1,9
Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden2,0692,0700,0
Verarbeitendes Gewerbe2,2392,2390,0
Energieversorgung3,4223,4250,1
Wasserversorgung und Entsorgung3,8743,8830,2
Baugewerbe1,7471,743– 0,2
Handel2,2142,2150,0
Verkehr und Lagerei2,7962,766– 1,1
Gastgewerbe2,2202,060– 7,2
Information und Kommunikation3,2473,243– 0,1
Finanz- und Versicherungsdienstleistungen2,7212,715– 0,2
Grundstücks- und Wohnungswesen2,6412,614– 1,0
Freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen2,8222,820– 0,1
Sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen2,1992,1990,0
Öffentliche Verwaltung, Verteidigung; Sozialversicherung3,8933,9060,3
Erziehung und Unterricht4,0974,049– 1,2
Gesundheits- und Sozialwesen3,0773,064– 0,4
Kunst, Unterhaltung und Erholung3,2603,256– 0,1
Erbringung von sonstigen Dienstleistungen3,3113,308– 0,1
nachrichtlich:
Tarifverträge mit Verdiensten unter 8,50 Euro (Dezember 2014)2,5452,399– 5,7
Verhältnis von Höchst- zu Niedrigstverdiensten in Tarifverträgen nach Niedriglohnbranchen
Wirtschaftszweig (WZ 2008)Dezember 2014Juni 2017Abweichung in %
Niedriglohnbranchen insgesamt2,4682,445– 0,9
Landwirtschaft, Jagd und damit verbundene Tätigkeiten3,0713,061– 0,3
Fischerei und Aquakultur
Herstellung von Nahrungs- und Futtermitteln2,1332,127– 0,3
Einzelhandel (ohne Handel mit Kraftfahrzeugen)2,4912,4930,1
Landverkehr und Transport von Rohrfernleitungen3,2463,150– 3,0
Post-, Kurier- und Expressdienste2,9983,0050,2
Beherbergung/Gastronomie2,2202,060– 7,2
Herstellung, Verleih und Vertrieb von Filmen und Fernsehprogrammen; Kinos; Tonstudios und Verlegen von Musik2,2132,2120,0
Grundstücks- und Wohnungswesen2,6412,614– 1,0
Werbung2,5022,497– 0,2
Veterinärwesen2,6032,6170,5
Vermittlung von Arbeitskräften2,2222,2210,0
Wach- und Sicherheitsdienste sowie Detekteien2,0512,028– 1,1
Gebäudebetreuung; Garten- und Landschaftsbau1,9061,9150,5
Erbringung von wirtschaftlichen Dienstleistungen für Unternehmen und Privatpersonen3,0033,0090,2
Spiel-, Wett- und Lotteriewesen2,7162,7170,0
Erbringung von Dienstleistungen des Sports, der Unterhaltung und der Erholung3,8913,9150,6
Reparatur von Datenverarbeitungsgeräten und Gebrauchsgütern2,4202,4210,0
Erbringung von sonstigen überwiegend persönlichen Dienstleistungen2,4002,4010,0

Detaillierte Daten zur Tarifentwicklung in ausgesuchten Wirtschaftszweigen bieten die Fachserie 16, Reihe 4.3 (Tarifindex) sowie die dazugehörige "Lange Reihe". Die vollständigen Quartals- und Jahresergebnisse können über die Tabellen „Vierteljährlicher Index der Tarifverdienste“ (62221-0001) und (62221-0003) und die Ergebnisse des monatlichen Index der Tarifverdienste über die Tabelle „Monatlicher Index der Tarifverdienste“ (62231-0001) in der Datenbank GENESIS-Online abgerufen werden.

Weitere Auskünfte gibt:
Sabine Touil,
Telefon: +49 (0) 611 / 75 43 27,
Kontaktformular  

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Ergebnisse und weiterführende Informationen liegen im Themenbereich Tarifverdienste, Tarifbindung vor.

Ausgewählte Tarifinformationen aus Flächentarifverträgen sind in der Tarifdatenbank zu finden.


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