Normalansicht

Navigation und Service

Logo Destatis - Statistisches Bundesamt, Link zur Startseite

Arbeitsmarkt

Erwerbsbeteiligung in Deutschland und Europa

Lissabon-Ziel in erreichbarer Nähe?

Destatis, 02. Januar 2008

Größere Ansicht des Diagramms 'Erwerbstätigenquoten in der Europäischen Union'Bild vergrößernErwerbstätigenquoten in der Europäischen Union

Im Jahr 2000 beschlossen die damaligen EU-Regierungschefs auf dem Treffen des Europäischen Rates in Lissabon, bis zum Jahr 2010 die "Union zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt zu machen". Um das Ziel dieser sogenannten Lissabon-Strategie zu erreichen, wurden zahlreiche Unterziele in Bereichen wie wirtschaftlicher Rahmen, Erwerbstätigkeit, Forschung und Innovation, sozialer Zusammenhalt und Umwelt formuliert. Mit sogenannten Strukturindikatoren wird jährlich im Frühjahrsbericht die Zielerreichung in allen Bereichen überprüft.

Zielmarke: 70%

Im Bereich Erwerbstätigkeit wurde das Ziel formuliert, den Anteil der Erwerbstätigen an der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter zwischen 15 und 64 Jahren bis 2010 auf 70% zu steigern. Statistische Grundlage für die Beurteilung der Zielerreichung ist die europäische Arbeitskräfteerhebung, die jährlich in allen Mitgliedsstaaten mit einem einheitlichen Fragenprogramm erhoben wird. In Deutschland ist die Arbeitskräfteerhebung in den Mikrozensus integriert.

Deutschland im oberen Mittelfeld

Nach den Ergebnissen der Arbeitskräfteerhebung waren im Jahr 2006 67,5% der Deutschen im erwerbsfähigen Alter erwerbstätig. Die deutsche Erwerbstätigenquote lag damit 3,1 Prozentpunkte über dem EU-Mittelwert von 64,4%. Im Spektrum der 27 EU-Mitgliedsstaaten bewegt sich Deutschland mit dem elften Platz im oberen Mittelfeld.

Damit wurde die Zielvorgabe sowohl national als auch auf europäischer Ebene noch nicht erreicht.

In der Europäischen Union einschließlich der zwei Staaten Bulgarien und Rumänien, die erst im Januar 2007 der EU beitraten, arbeiteten 2006 nach den Daten der Arbeitskräfteerhebung über 210 Millionen Menschen im Alter zwischen 15 und 64 Jahren.

Auch mehr Frauen und ältere Menschen sollen arbeiten

In Lissabon wurden auch Vorgaben für die Erwerbstätigenquoten arbeitsmarktpolitisch wichtiger Teilgruppen gemacht. So soll die Erwerbstätigenquote der Frauen bis 2010 auf mindestens 60% erhöht werden. Deutschland hatte dieses Ziel bereits 2005 erreicht und verzeichnete 2006 eine Quote von 62,2%. Der EU-Mittelwert liegt mit 57,2% noch unter der Zielmarke. Auch die Erwerbstätigenquote der 55- bis 64-Jährigen soll gesteigert werden und bis 2010 bei 50% liegen. Deutschland ist mit einer Quote von 48,4% gerade noch 1,6 Prozentpunkte von diesem Ziel entfernt. Die EU-Staaten insgesamt müssen die Quote älterer Erwerbstätiger noch um 6,5 Prozentpunkte steigern.

Vier nordeuropäische Länder liegen vorne

Die einzelnen Mitgliedsstaaten müssen nach der Lissabon-Strategie diese Ziele nicht bindend erreichen; wichtig ist nur, dass die gesamte EU sie nicht verpasst. Trotzdem dienen die Ziele auch als Messlatte für die einzelnen Mitgliedsstaaten. Die vier nordeuropäischen Länder Dänemark, die Niederlande, Schweden und das Vereinigte Königreich sowie Österreich weisen bereits Gesamt-Erwerbstätigenquoten auf, die über dem Lissabon-Ziel liegen. Spitzenreiter ist Dänemark mit 77,4%. Sieben Mitgliedsstaaten verfügen über Erwerbstätigenquoten von weniger als 60%. Dies sind die Slowakei, Rumänien, Bulgarien, Italien, Ungarn, Malta und Polen als Schlusslicht mit 54,5%.

Es bleibt noch einiges zu tun

Sowohl mit Blick auf den EU-Wert für das Jahr 2006 als auch auf die Mehrheit der Mitgliedsstaaten bleibt also noch einiges zu tun und die Bemühungen müssten mit Blick auf die Veränderungen seit dem Beschluss von Lissabon gesteigert werden. Seit 2000 hat der EU-Mittelwert von 62,2% um 2,2 Prozentpunkte zugenommen. Deutschland hat zu dieser Zunahme nur unterdurchschnittlich beigetragen. Aber auch Musterländer wie Dänemark haben im betrachteten Zeitraum ihre Erwerbstätigenquote nur geringfügig gesteigert. Deutlich zur Zielerreichung beigetragen haben Bulgarien, Estland, Spanien und Lettland mit Steigerungen ihrer Erwerbsquoten von 7 und mehr Prozentpunkten.

Weitere Arbeitsmarktdaten für die EU finden sich in der Online Datenbank des Statistischen Amtes der Europäischen Gemeinschaft (Eurostat).

Lesen Sie auch die Beiträge

Erwerbstätigkeit: Steigende Erwerbstätigenzahl nicht nur auf Wirtschaftswachstum zurückführbar

Beschäftigungsfelder von Männern und Frauen


Autor:
Christian Wingerter - Statistisches Bundesamt

Auskünfte zum Thema erhalten Sie über unser Kontaktformular.

© Statistisches Bundesamt (Destatis), 2018

Impressum – Datenschutz – Kontakt – Barrierefrei

Hinweis zur Verwendung von Cookies

Um unsere Website für Sie optimal gestalten zu können, verwenden wir Cookies. Bitte bestätigen Sie, dass Sie die Datenschutzerklärung zur Kenntnis genommen haben.

OK