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Arbeitsmarkt

Erwerbsbeteiligung älterer Arbeitnehmer

Destatis, 13. Januar 2009

Vor dem Hintergrund der demografischen Veränderungen, aber auch der Diskussion um Arbeitsmarktchancen älterer Menschen steht die Erwerbsbeteiligung der 55- bis 64-Jährigen im Fokus des öffentlichen Interesses. Die Politik strebt in diesem Zusammenhang seit einigen Jahren die Erhöhung der Erwerbstätigkeit an. So wurde im Rahmen des Lissabon-Prozesses auf EU-Ebene das Ziel vereinbart, bis zum Jahr 2010 die Erwerbstätigenquote der Bevölkerung im Alter von 55 bis 64 Jahren auf mehr als 50% zu erhöhen.

Jede zweite Person im Alter von 55 bis 64 Jahren erwerbstätig

Größere Ansicht des Diagramms Erwerbstätigenquoten von Personen im Alter von 55 - 64 JahrenBild vergrößernErwerbstätigenquoten nach Ländern

In Deutschland wurde das Beschäftigungsziel für Ältere im Jahr 2007 mit einer Erwerbstätigenquote der 55- bis 64-Jährigen von 51,5% erstmals erreicht. Statistische Grundlage für die Beurteilung der Zielerreichung ist die europäische Arbeitskräfteerhebung, die jährlich in allen Mitgliedsstaaten mit einem einheitlichen Fragenprogramm erhoben wird. In Deutschland ist die Arbeitskräfteerhebung in den Mikrozensus integriert.

Im europäischen Vergleich lag Deutschland damit im Jahr 2007 im oberen Drittel der Mitgliedsstaaten und zudem deutlich über dem EU-Durchschnitt von 44,7%. Der Anstieg der Quote um 3,1 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr kann als hoch bezeichnet werden. Mit Ausnahme von Zypern liegen sonst nur nordeuropäische Staaten besser, die Niederlande und Portugal haben das Ziel ebenfalls erreicht.

Erwerbstätigkeit Älterer nimmt stark zu

Größere Ansicht des Diagramms Erwerbstätigenquoten nach AlterBild vergrößernErwerbstätigenquoten nach Alter

In den letzten zehn Jahren stieg die Erwerbstätigenquote in Deutschland in keiner anderen Altersgruppe so stark an wie in der Gruppe der 55- bis 64-Jährigen: Noch im Jahr 1997 waren nur 38,1% dieser Altersgruppe erwerbstätig, heute sind es bereits 51,5%.

Eine der Ursachen hierfür ist die Veränderung in der Zusammensetzung der Altersgruppe der 55-bis 64-Jährigen, die sich aus zwei gegenläufigen demografischen Effekten ergibt: die Anzahl der 60- bis 64-Jährigen geht seit etwa fünf Jahren zurück. Gleichzeitig steigt der Anteil der 55- bis 59-Jährigen als Folge der geburtenstärkeren Jahrgänge der 1950er-Jahre an, die im Vergleich eine höhere Erwerbsbeteiligung aufweisen. Die so geänderte Altersstruktur innerhalb der Gruppe der 55- bis 64-Jährigen trägt zu einem Anstieg der Erwerbstätigenquote bei.

Zudem ist das Bildungsniveau der Bevölkerung im Alter von 55 bis 64 Jahren kontinuierlich angestiegen. Auch dies hat einen positiven Einfluss auf die Erwerbsbeteiligung und führt häufig zu einer längeren Teilnahme am Berufsleben.

Aber auch unabhängig von demografischen Effekten hat die Erwerbstätigkeit Älterer zugenommen. Das zeigt sich, wenn man die zeitliche Entwicklung der Erwerbstätigenquoten zwischen 2005 und 2007 in den einzelnen Altersjahren der 55- bis 64-Jährigen betrachtet: In jedem einzelnen Jahrgang ist die Erwerbstätigenquote angestiegen. Hier kommen geänderte Rahmenbedingungen für die Beschäftigung Älterer zum Tragen, wie z. B. geringere Frühverrentungsmöglichkeiten.

Für die 55-Jährigen betrug die Erwerbstätigenquote im Jahr 2007 noch 73,2%. Für die Gruppe der 60-Jährigen lag sie mit 47,1% bereits merklich darunter. Mit jedem weiteren Altersjahr geht die Erwerbstätigenquote weiter zurück - bis auf 19,5% für die 64-Jährigen. Diese Entwicklung ist sowohl für Männer als auch für Frauen festzustellen, wobei die Erwerbstätigenquoten der Frauen – wie auch in der Gesamtbevölkerung – deutlich unter denen der Männer liegen. Zugleich lagen die Erwerbstätigenquoten in den Neuen Ländern, insbesondere bei den Männern, etwas unter denen im Früheren Bundesgebiet. Dabei gehen die Erwerbstätigenquoten ab der Altersgruppe der 60-Jährigen in den Neuen Ländern stärker zurück als im Früheren Bundesgebiet: Während im Früheren Bundesgebiet noch gut jede/jeder fünfte 64-Jährige erwerbstätig ist, geht nur jede/jeder achte 64-Jährige in den Neuen Ländern einer bezahlten Tätigkeit nach.

Einen Beitrag zur gestiegenen Erwerbsbeteiligung leistet auch die Zahl der Selbständigen im Alter von 55 bis 64 Jahren. Seit 2005 ist die Zahl der Selbständigen bei den 55- bis 59-Jährigen um 7,1% angestiegen und um 3,8% bei den 60- bis 64-Jährigen. Der Anstieg der Selbstständigen liegt damit in den betrachteten Altersgruppen deutlich unter dem Anstieg der abhängig Beschäftigten (plus 16,5% bei den 55- bis 59-Jährigen; plus 8% bei den 60- bis 64-Jährigen).

Gründe für die Beendigung der letzten Erwerbstätigkeit

Größere Ansicht des Diagramms Hauptgrund für Beendigung der letzten Tätigkeit von Nichterwerbstätigen 2007Bild vergrößern

Ältere, die nicht (mehr) erwerbstätig sind, geben als Hauptgründe für die Beendigung ihres letzten Arbeitsverhältnisses "Entlassung" und "Ruhestand" (vorzeitig, aus Altersgründen oder aus gesundheitlichen Gründen) an. Zu beachten ist hierbei, dass die letzte Erwerbstätigkeit nicht notwendigerweise unmittelbar vor dem Eintritt in den Ruhestand beendet worden ist, sondern ggf. bereits längere Zeit davor.

Im Vergleich der Altersgruppen der 55- bis 59-Jährigen und 60- bis 64-Jährigen sind Unterschiede im Anteil der genannten Gründe festzustellen. Während im Jahr 2007 bei den 55- bis 59-Jährigen etwa ein Drittel den Eintritt in den "Ruhestand aus gesundheitlichen oder anderen Gründen" als Hauptgrund angab, waren dies bei den 60- bis 64-Jährigen gut 60%. Knapp ein Drittel der 55- bis 59-Jährigen und 15% der 60- bis 64-Jährigen in dieser Gruppe gaben "Entlassung" oder das "Auslaufen eines befristeten Arbeitsvertrags" als wichtigsten Grund an.

Beim Vergleich zwischen den Neuen Ländern und dem Früheren Bundesgebiet fällt auf, dass in den Neuen Ländern wesentlich häufiger die Gründe "Entlassung" sowie "Auslaufen eines befristeten Vertrags" angegeben wurden. Zugleich werden die Gründe "Betreuung von Kindern oder pflegebedürftigen/behinderten Personen" und "Sonstige persönliche oder familiäre Verpflichtungen" wesentlich seltener angegeben als im Früheren Bundesgebiet.

Ausblick

Neben dem Ziel einer höheren Erwerbsbeteiligung älterer Menschen sehen die Vereinbarungen von Lissabon auch Zielwerte für die Erwerbsbeteiligung der gesamten Bevölkerung im Alter von 15 bis 64 Jahren vor. Der Anteil der Erwerbstätigen in dieser Altersgruppe lag im Jahr 2007 bei 69,4%. Damit liegt das Jahresergebnis 2007 nur knapp unter dem EU -Ziel für das Jahr 2010, das 70% beträgt. Ein Jahresergebnis für 2008 liegt zum heutigen Zeitpunkt noch nicht vor. Auf Basis bereits vorliegender vorläufiger Ergebnisse ist jedoch absehbar, dass die Erwerbstätigenquote für die Gesamtbevölkerung von 15 bis 64 Jahren im Jahr 2008 deutlich über 70% liegen wird.

Vor dem Hintergrund der Erreichung der Zielvorgaben bei den Erwerbstätigenquoten hat sich die Bundesregierung bereits weitere nationale Ziele gesetzt, die deutlich die auf EU-Ebene vereinbarten Werte übersteigen: Im Jahr 2010 soll bei der Bevölkerung im Alter von 15 bis 64 Jahren eine Erwerbstätigenquote von 73% und im Jahr 2020 von 75% erreicht werden. Die nationalen Ziele für die 55- bis 64-Jährigen wurden auf 55% im Jahr 2010 und 57% im Jahr 2020 festgelegt.

Weitere Arbeitsmarktdaten für Deutschland finden Sie in der Datenbank Genesis-Online des Statistischen Bundesamtes. Arbeitsmarktdaten der EU sind in der Online Datenbank des Statistischen Amtes der Europäischen Gemeinschaft (Eurostat) verfügbar.


Autorin:
Katharina Puch - Statistisches Bundesamt

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