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Arbeitsmarkt

Gesundheitsrisiken am Arbeitsplatz

Destatis, 01. September 2009

2007 litten in Deutschland nach eigenen Angaben rund 2,4 Millionen Erwerbstätige (6,3%) unter arbeitsbedingten Gesundheitsbeschwerden. Dies ergab eine Zusatzerhebung zur EU-harmonisierten Arbeitskräfteerhebung, bei der rund 80 000 Personen (etwa 0,1% der Bevölkerung) zur gesundheitlichen Beeinträchtigungen am Arbeitsplatz befragt wurden. Relevant war hierbei die Selbsteinschätzung der Befragten, nicht ein ärztlicher Befund. Die gesellschaftliche Bedeutung gesundheitlicher Beeinträchtigungen am Arbeitsplatz durch Erwerbstätigkeit wurde vor kurzem auch in der Tarifauseinandersetzung der Beschäftigten in Kindergärten und Kindertagesstätten deutlich.

Beschwerden des Bewegungsapparates liegen vorne

Größere Ansicht des Diagramms arbeitsbedingte Gesundheitsbeschwerden ErwerbstätigerBild vergrößernGesundheitsbeschwerden Erwerbstätiger

In erster Linie klagten die Erwerbstätigen über Beschwerden des Bewegungsapparates. So nannten 984 000 Erwerbstätige (2,6%) "Rückenleiden", "Beschwerden an Nacken, Schultern, Armen und Händen" (1,6%) und "Probleme mit Hüfte, Beinen oder Füßen" (0,6%). Danach wurden von den Erwerbstätigen "psychische Erkrankungen wie z. B. Stress, Beklemmungen" (0,6%) als schwerwiegendste Belastung angeführt. Andere Formen erwerbsbedingter Gesundheitsprobleme wie "Atembeschwerden und Lungenerkrankungen", "Herz-/ Kreislaufprobleme" oder "Kopfschmerzen und Augenprobleme" nannten jeweils lediglich 0,2% der Erwerbstätigen.



Wer leidet unter arbeitsbedingten Gesundheitsbeschwerden?

Ältere Menschen haben wesentlich häufiger arbeitsbedingte Gesundheitsprobleme als jüngere. Bei den über 50-Jährigen war rund jeder Elfte (8,8%) betroffen. Erwartungsgemäß seltener litten jüngere Erwerbstätige: In der Altersgruppe zwischen 35 und 49 Jahren waren es 6,6%, bei den unter 35–jährigen Erwerbstätigen noch 3,6%.

Das Geschlecht spielt in Zusammenhang mit arbeitsbedingten Gesundheitsproblemen eine untergeordnete Rolle: Frauen und Männer waren laut der Befragung in etwa gleichem Maße von Knochen-, Gelenk- oder Muskelbeschwerden (4,7% bzw. 4,8%) betroffen. Auch bei den übrigen Gesundheitsproblemen unterscheiden sich Angaben für männliche und weibliche Erwerbstätige nur geringfügig.

Demgegenüber wirkt sich die Art der ausgeübten Tätigkeit sehr wohl auf den Gesundheitszustand aus. So litten Arbeitskräfte im Bereich "Landwirtschaft und Fischerei" am häufigsten (10,8%) unter Beschwerden des Bewegungsapparates. Aber auch "Anlagen- und Maschinenbediener" waren vergleichsweise stark (7,4%) davon betroffen. Weit unter dem Durchschnitt aller Erwerbstätiger von 4,7% liegen die Anteile bei Wissenschaftlern (2,9%) und Führungskräften (3,3%), wenngleich auch sie diese Art Beschwerden als Hauptursache arbeitsbedingter Gesundheitsprobleme nannten.

Arbeitsfähigkeit wird beeinträchtigt

Größere Ansicht des Diagramms Erwerbstätige mit arbeitsbedingten Gesundheitsproblemen nach Dauer der ArbeitsunfähigkeitBild vergrößernGesundheitsprobleme nach Dauer der Arbeitsunfähigkeit

Arbeitsbedingte gesundheitliche Beschwerden wirken sich auch auf die Arbeitsfähigkeit aus. Zusammengerechnet fehlten mehr als die Hälfte (56,6%) der Erwerbstätigen mit arbeitsbedingten Gesundheitsbeschwerden 2 oder mehr Arbeitstage. 21,7% mussten die Arbeit für 2 bis 9 Tage unterbrechen. Ein weiteres Drittel (rund 33,0%) von Ihnen fehlte aufgrund der Beschwerden 10 Tage und mehr. Für immerhin 2,0% der Erwerbstätigen waren die gesundheitlichen Beeinträchtigungen so schwerwiegend, dass sie angaben, ihre Arbeit voraussichtlich gar nicht mehr aufnehmen zu können.

Bei fast einem Viertel (22,5%) der Betroffenen hatten die Beschwerden keine gravierenden Folgen: sie waren spätestens am Folgetag wieder am Arbeitsplatz. Eine Arbeitsunterbrechung von einem Tag nannten 7,8%.



"Stress, Mobbing und Co." – Psychische Belastungsfaktoren der Arbeit

Größere Ansicht des Diagramms Erwerbstätige nach Berufsgruppen, die körperlichen oder psychischen Belastungen ausgesetzt warenBild vergrößernKörperliche und psychische Belastungen nach Berufsgruppen

Arbeit kann auch unabhängig von akuten Beschwerden als gesundheitlich belastend empfunden werden. Im Rahmen der Arbeitskräfteerhebung 2007 wurde daher auch untersucht, ob die Erwerbstätigkeit eine Belastung darstellt, die sich negativ auf das Wohlbefinden auswirkt – und zwar in körperlicher oder psychischer Hinsicht.

Psychische Belastungen spielen im Arbeitsalltag eine größere Rolle als körperliche. Jeder achte Erwerbstätige (12,3%) gab an, bei der Arbeit psychischen Belastungen ausgesetzt zu sein, die sich negativ auf das Wohlbefinden und damit auf die Arbeitsfähigkeit auswirken. Die dominierenden Faktoren sind hierbei der Zeitdruck und die Arbeitsüberlastung. 11,2% der Erwerbstätigen waren überwiegend aus diesen Gründen belastet. Mit deutlichem Abstand hierzu wurden spezifische personenbezogene Gründe wie Mobbing oder Belästigung (0,8%) oder gar Gewalt oder Gewaltandrohung (0,3%) genannt.

Insgesamt zeigen sich hinsichtlich der psychischen Auswirkungen nur geringe Unterschiede nach dem Geschlecht. Frauen waren etwas häufiger Opfer von Mobbing (0,9% im Vergleich zu 0,7% der Männer), aber etwas seltener Arbeitsbelastung und Zeitdruck ausgesetzt (10,1% gegenüber 12,2%).

Wie schon bei den oben betrachteten arbeitsbedingten Gesundheitsbeschwerden nehmen auch psychische Belastungen mit steigendem Alter zu.

Von psychischen Belastungen sind die verschiedenen Berufsgruppen unterschiedlich betroffen: Wissenschaftler, die etwa 14,4% aller Erwerbstätigen ausmachen, standen am stärksten unter Zeitdruck und Arbeitsüberlastung. 17,6% von ihnen äußerten entsprechende Beschwerden. Führungskräfte – 5,5% der Erwerbstätigen – gaben in 16,9% aller Fälle Zeitdruck und Arbeitsüberlastung an. In den übrigen Berufsgruppen klagte etwa jeder neunte Befragte (10,8%) über psychische Belastungen am Arbeitsplatz.


"Sich krummlegen müssen" – Körperliche Belastungsfaktoren der Arbeit

Rund jeder neunte Erwerbstätige (11,0%) fühlte sich 2007 bei der Arbeit körperlich belastet. Dabei wurden am häufigsten Belastungsfaktoren wie "schwierige Körperhaltungen oder das Hantieren mit schweren Lasten" (6,1%), gefolgt von "Lärm oder Vibrationen" (2,3%) sowie "Staub, Rauch, Chemikalien, Dämpfe bzw. Gase" (2,1%) genannt. "Unfallgefahren" waren 0,5% der Erwerbstätigen ausgesetzt.

Männer empfinden häufiger physische Belastungen als Frauen. 13,0% der Männer, aber nur 8,7% der Frauen gaben an, körperlich belastet gewesen zu sein.

Auch die körperlichen Belastungen nehmen entsprechend den arbeitsbedingten Gesundheitsbeschwerden mit steigendem Alter zu: Besonders betroffen (13,4%) war die Altersgruppe von 55 bis 59 Jahren. Unter 25–Jährige sahen sich hingegen weit weniger häufig körperlichen Belastungen durch die Arbeit (7,0% der Erwerbstätigen in dieser Altersgruppe) ausgesetzt.

Unter den verschiedenen Berufsgruppen sind von körperlichen Belastungen erwartungsgemäß körperlich arbeitende Erwerbstätige besonders betroffen: Bei etwa jedem fünften Anlagen- und Maschinenbediener (20,9%), Handwerker (19,6%) und Beschäftigten in Landwirtschaft oder Fischerei (19,3%) wirkten sich die körperlichen Belastungen am Arbeitsplatz negativ auf die Gesundheit aus. Personen mit Bürotätigkeiten sind in dieser Beziehung eindeutig besser gestellt: Nur jeder Zwanzigste (4,7%) der Bürokräfte und kaufmännischen Angestellten gab entsprechende Belastungen an.


Arbeitsunfälle

Auch Arbeitsunfälle beeinträchtigen die Gesundheit Erwerbstätiger und führen mitunter zu längeren Arbeitsausfällen: Rund 909 000 Personen (2,4 %) gaben an, im Verlauf der letzten 12 Monate vor der Befragung einen (847 000) oder mehrere (62 000) Arbeitsunfälle erlitten zu haben. Dabei spielte keine Rolle, ob die erfassten Unfälle einer Berufsgenossenschaft oder ähnlichen Einrichtungen gemeldet wurden; entscheidend waren die Angaben der Befragten im Interview. Nicht berücksichtigt wurden Unfälle auf dem Weg von und zur Arbeitsstätte.

Männer waren doppelt so häufig von Arbeitsunfällen betroffen wie Frauen.

Arbeitsunfälle passieren häufiger in jungen Jahren: im Alter von unter 45 Jahren lag der Anteil bei 2,7 % der Erwerbstätigen, im Alter von 45 Jahren und mehr bei 1,8%.

Das Risiko eines Arbeitsunfalls hängt stark von der ausgeübten Tätigkeit ab. Am größten ist die Gefahr bei Tätigkeiten wie "Anbauen, Gewinnen und Herstellen", die typisch für Industrie, Landwirtschaft und Bergbau sind: 5,3% der Erwerbstätigen, die schwerpunktmäßig solche Arbeiten ausführten, erlitten einen Arbeitsunfall. Erhöht war das Risiko zudem bei Tätigkeiten, die "Sichern, Bewachen oder militärische Aufgaben" zum Inhalt hatten (5,1%) bzw. bei denen Maschinen bedient (4,1%) oder Fahrzeuge geführt wurden (2,9%). Am wenigsten unfallträchtig ist das Arbeiten im Bereich "Büro, EDV, Forschen". Hier lag die Unfallrate nur bei einem Prozent.

Nicht jeder Arbeitsunfall führt zwangsläufig zu einer längeren Abwesenheit vom Arbeitsplatz. Jede vierte Person mit Arbeitsunfall gab an, bereits am Folgetag ihre Arbeit wieder aufgenommen zu haben. Mehr als jeder Zweite (60%) war nach zwei Wochen wieder am Arbeitsplatz. Jeder siebte Erwerbstätige mit Arbeitsunfall (15%) fiel infolge des Unfalls jedoch über einen Monat bei der Arbeit aus.


Fazit

Die große Mehrzahl der Erwerbstätigen in Deutschland sieht ihre Erwerbstätigkeit nicht als gesundheitliche Belastung an. Dennoch fühlte sich immerhin gut jeder zehnte Erwerbstätige bei der Arbeit körperlichen oder psychischen Belastungen ausgesetzt. Wichtigste Belastungsfaktoren waren dabei Zeitdruck und Arbeitsüberlastung. Allerdings führten die Belastungen nicht in jedem Fall zu akuten Gesundheitsbeschwerden. Spitzenreiter bei gesundheitlichen Beschwerden sind Probleme mit Rücken und Bewegungsapparat. Deutlich seltener treten Arbeitsunfälle auf.

Arbeitsbedingte Gesundheitsbeschwerden werden relativ häufiger von älteren Beschäftigten beklagt – sie sind allerdings stark vom ausgeübten Beruf und der jeweiligen Tätigkeit abhängig.


Autor
Andreas Grau - Statistisches Bundesamt

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