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Arbeitsmarkt

Alles beim Alten: Mütter stellen Erwerbstätigkeit hinten an

Destatis, 04. März 2010

Eine ausgewogene Teilhabe von Frauen und Männern am Berufs- und Familienleben zu erreichen, ist ausschlaggebend für die Gleichstellung der Geschlechter. Auch heutzutage gehen Mütter deutlich seltener einer Erwerbstätigkeit nach, als ihre Partner: 2008 waren rund sechs von zehn Frauen mit minderjährigen Kindern unter 15 Jahren in Deutschland erwerbstätig. Für Männer ist eine Familiengründung kaum mit einer beruflichen Veränderung verbunden: Unter ihnen war lediglich rund jeder Zehnte nicht erwerbstätig.

Insgesamt gab es 2008 in Deutschland 6,9 Millionen Mütter und 5,9 Millionen Väter im erwerbsfähigen Alter, die sich der Herausforderung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf stellten. Sie lebten mit mindestens einem leiblichen Kind oder einem Stief-, Pflege- oder Adoptivkind unter 15 Jahren in einem Haushalt zusammen.

Je älter das Kind, desto höher ist die Erwerbsbeteiligung von Müttern

Größere Ansicht des Diagramms Anteil erwerbstätiger Mütter 2008Bild vergrößernAnteil erwerbstätiger Mütter

In welchem Umfang Mütter von minderjährigen Kindern ihre Erwerbstätigkeit aufgeben beziehungsweise unterbrechen, hängt unter anderem davon ab, wie alt ihre Kinder sind. Je älter das Kind, desto geringer wird der Betreuungsbedarf und ein zunehmender Teil der Frauen kehrt wieder bzw. stärker in das Erwerbsleben zurück.

2008 war weniger als ein Drittel (29%) der Mütter mit jüngstem Kind im Krippenalter von unter drei Jahren aktiv erwerbstätig. Von den Müttern mit jüngstem Kind im Kindergartenalter (3-5 Jahre) waren es sechs von zehn Müttern (59%). Kommen die Kinder ins Grundschulalter (6-9 Jahre) nimmt der Anteil der erwerbstätigen Mütter weiter zu (65%). Auch mit dem Wechsel der Kinder auf eine weiterführende Schule (10 bis 14 Jahre) steigt der Anteil der arbeitenden Mütter noch einmal leicht an (70%).

Bei den Vätern ist die Beteiligung am Erwerbsleben weitestgehend unabhängig vom Heranwachsen der Kinder. Sie lag im Jahr 2008 – je nach Alter des jüngsten Kindes – zwischen 83% und 86%.


Fast drei Viertel der erwerbstätigen Mütter arbeiten Teilzeit

Größere Ansicht des Diagramms Erwerbstätigkeit von Müttern und Vätern 2008Bild vergrößernErwerbstätigkeit von Müttern und Vätern

Eine hohe Erwerbstätigenquote beider Geschlechter steht jedoch nicht allein für eine ausgeglichene Integration in den Arbeitsmarkt. Auch der Umfang der Arbeitszeit muss berücksichtigt werden. Teilzeitarbeit ermöglicht es vielen Frauen einerseits, Beruf und Familie zeitlich besser zu vereinbaren. Andererseits bedeutet reduzierte Arbeitszeit aber auch, auf Teile des Lohnes und der Altersvorsorge zu verzichten.

Generell ist Teilzeitarbeit unter Frauen deutlich stärker verbreitet als unter Männern. So arbeiteten im Jahr 2008 insgesamt fast drei Viertel (73%) der erwerbstätigen Mütter im Alter von 15 bis 64 Jahren auf Teilzeitbasis. Das Alter der Kinder wirkt sich auf den Anteil der Teilzeitbeschäftigungen unter allen arbeitenden Müttern kaum aus. Auch mit jüngstem Kind zwischen 10 und 14 Jahren sind mehr als zwei Drittel (70%) der erwerbstätigen Mütter teilzeitbeschäftigt. Im Gegensatz zu den Müttern verändert sich auch der Umfang der Erwerbsbeteiligung von Vätern mit jüngstem Kind unter 15 Jahren kaum. Die Teilzeitquote der Väter lag – je nach Alter des jüngsten Kindes im Haushalt –zwischen 4% und 6%.


Ostdeutsche Mütter liegen vorne

Auch zwanzig Jahre nach der deutschen Einheit unterscheidet sich die Erwerbsbeteiligung von Müttern mit Kindern unter 15 Jahren zwischen dem früheren Bundesgebiet (ohne Berlin) und den neuen Ländern (einschließlich Berlin). Zwar liegen ostdeutsche Mütter mit einer durchschnittlichen Erwerbsbeteiligung von 58% lediglich um 3 Prozentpunkte vor den westdeutschen (55%), allerdings entscheiden sich von den erwerbstätigen Müttern im Osten wesentlich mehr dafür, einer Vollzeit-Tätigkeit nachzugehen. Jede zweite erwerbstätige Frau mit jüngstem Kind unter 15 Jahren arbeitete in den neuen Ländern auf einer vollen Stelle. Insgesamt war deren Vollzeitquote (53%) dadurch mehr als doppelt so hoch wie die westdeutscher Mütter (22%).

Ob die Mütter im Osten der Republik dabei mehr Unterstützung von ihren Männern bekommen, ist fraglich. Zwar lag der Teil der voll arbeitenden Väter (zwischen 90% und 93%) um ein paar Prozentpunkte niedriger als im Westen (95% bis 96%), dies dürfte jedoch vorrangig mit der schwierigeren Arbeitsmarktlage in den neuen Ländern zu tun haben.

Eher verantwortlich für die schnellere Re-Integration der Frauen in den Arbeitsmarkt dürfte die im Osten gut ausgebaute Kleinkinderbetreuung sein. Sie ermöglicht es den Frauen, früher und in höherem Umfang ins Arbeitsleben zurück zu kehren. 2008 waren ostdeutsche Mütter mit Kindern aller Altersgruppen häufiger (wieder) erwerbstätig. Sowohl mit Kindern im Krippenalter (Ost: 33%; West 27%), im Kindergartenalter (Ost: 63%; West: 57%) als auch im Grundschulalter (Ost: 71%; West: 64%) war der Abstand zu westdeutschen Müttern mit 6 bzw.--beziehungsweise 7 Prozentpunkten Vorsprung ähnlich groß. War das jüngste Kind 10 bis unter 14 Jahre alt, lagen die Erwerbstätigenquoten dann sowohl bei ost- als auch bei westdeutschen Müttern bei 70%.


Unterschiedliche Motive für die Ausübung einer Teilzeittätigkeit in Ost und West

Größere Ansicht des Diagramms Grund der Teilzeittätigkeit von Müttern 2008Bild vergrößernGrund der Teilzeittätigkeit von Müttern

Die Gründe, warum sich Mütter für eine Teilzeit-Stelle entscheiden, ermöglichen weitere Rückschlüsse über die unterschiedlichen Erwerbsmuster in Ost und West. Denn in den neuen Ländern geben wesentlich weniger teilzeitbeschäftigte Mütter (52%) als im früheren Bundesgebiet (89%) an, wegen persönlicher oder familiärer Verpflichtungen Teilzeit zu arbeiten. Für fast vier von zehn Müttern (38%) lag im Osten der Grund für eine Einschränkung des Beschäftigungsumfangs in einem Mangel an Vollzeitarbeitsplätzen. Das bedeutet, dass Teilzeit-Arbeit für Mütter im Osten häufiger notwendiges Übel bedeutet, wohingegen sich westdeutsche Frauen überwiegend für ihre Familien aus dem Erwerbsleben zurückziehen. Gründe hierfür sind sicherlich der höhere ökonomische Druck, der auf den Frauen im Osten lastet. Für Mütter im Westen hingegen ist häufiger die traditionelle Rollenteilung Motivation, die Arbeit zu reduzieren.

Da die Vereinbarkeit von Familie und Beruf insbesondere für Frauen eine besondere Herausforderung darstellt, bleibt nun abzuwarten, wie sich die familien-, sozial- bzw. arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen der jüngeren Vergangenheit (zum Beispiel Einführung des Elterngeldes oder Ausbau der Kinderbetreuung für unter Dreijährige) auswirken. Neben den staatlichen Fördermaßnahmen spielen in diesem Entwicklungsprozess aber auch das Angebot an familienfreundlichen Arbeitszeitmodellen sowie persönliche Einstellungen eine zentrale Rolle.

Weitere detaillierte Informationen zur Erwerbsbeteiligung von Müttern und Vätern – auch im Zeitvergleich seit 1996 – können kostenfrei über die Tabelle Erwerbstätigenquoten (12211-0606) in der GENESIS-Online Datenbank abgerufen werden.


Autor
Stefan Rübenach - Statistisches Bundesamt

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