Arbeiten, wenn andere schlafen
Destatis, 28. April 2010
Über drei Millionen Menschen in Deutschland arbeiten ständig oder regelmäßig nachts zwischen 23.00 und 6.00 Uhr. Weitere 2,4 Millionen Personen verzichteten nach den Ergebnissen einer ersten Auswertung des Mikrozensus 2009 zumindest gelegentlich auf ihre Nachtruhe - oder einen Teil davon - um einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Weit verbreitet ist Nachtarbeit im Produzierenden Gewerbe, im Gesundheitswesen und im Bereich Verkehr, also sind Berufsgruppen wie Bus- und Zugpersonal, Industriearbeiter, Hotelbedienstete oder Krankenhauspersonal besonders davon betroffen.
Höchststand im Jahr 2008
Seit 1999 ist der Anteil der Personen, die nachts arbeiten, von 7,2% auf 9,1% im Jahr 2008 gestiegen und erreichte damit den Höchststand seit der Wiedervereinigung. 2009 war ein deutlicher Rückgang gegenüber dem Vorjahr auf 8,3% zu verzeichnen. Dies ist vor allem auf den mit der Wirtschafts- und Finanzkrise einhergehenden Stellenabbau im produzierenden Bereich und den Ausfall von Nachtschichten zurückzuführen.
Männer arbeiten häufiger nachts
Über zwei Drittel der nachts arbeitenden Personen sind männlich und überwiegend im mittleren Lebensalter. Jeder zehnte erwerbstätige Mann arbeitete 2009 ständig oder regelmäßig zu nachtschlafender Zeit. 2008 war es sogar noch jeder neunte. Im Gegensatz dazu arbeitet nur jede siebzehnte Frau nachts. Allerdings ist auch der Anteil der Nachtarbeiterinnen seit dem Jahr 1999 von 4,6% auf 5,7% im Jahr 2009 angestiegen.
Während nur gut 5% aller Erwerbstätigen mit Fachhochschul- oder Hochschulreife ständig oder regelmäßig nachts arbeiten, liegt der entsprechende Anteil bei Personen mit Haupt- und Realschulabschluss bei 10%. Vor allem Zeitarbeitnehmer sind häufig unter den nachts Arbeitenden anzutreffen: Die übliche Arbeitszeit von fast 14% aller Zeitarbeitnehmer fiel 2009 in den Zeitraum zwischen 23.00 und 6.00 Uhr. Relativ gering ist der Anteil von Selbständigen mit Nachtarbeit (knapp 5% aller Selbständigen).
Diese Ergebnisse sind darauf zurückzuführen, dass Nachtarbeit besonders häufig in den Wirtschaftsbereichen zu finden ist, in denen Männer, Leiharbeiter und wenige Hochqualifizierte angestellt sind (siehe auch Schaubild: Erwerbstätige in Abend- und Nachtarbeit nach Wirtschaftszweigen).
Tabelle: Regelmäßige Nachtarbeit
12% der Nachtarbeiter müssen jede Nacht ran
Nicht alle Personen, die nachts arbeiten, müssen dies ständig beziehungsweise an jedem Arbeitstag tun. 12% der Nachtarbeiter arbeiten jede Nacht, 45% regelmäßig und 43% gelegentlich. Das bedeutet, dass ca. 700 000 Personen Nacht für Nacht erwerbstätig sind und erst zum Schlafen kommen, wenn andere zur Arbeit aufbrechen oder ihren Freizeitaktivitäten nachgehen.
Knapp 60% arbeiten die ganze Nacht
Die meisten Personen (58%), die nachts arbeiten, tun dies mit fünf bis sieben Stunden die ganze Nacht. 26% arbeiten nur ein bis zwei Stunden pro Nacht, 16% sind drei bis vier Stunden im Dienst. Auch bei dieser Betrachtung wird wieder der Unterschied zwischen Personen mit Haupt- oder Realschulabschluss und Personen mit (Fach-) Hochschulabschluss deutlich. Höher gebildete Nachtarbeiter arbeiten eher weniger Stunden (53% arbeiten bis zu vier Stunden pro Nacht), als Personen mit mittleren und niedrigeren Abschlüssen (37%). Das bedeutet im Umkehrschluss, dass niedriger gebildete Nachtarbeiter zu 63% die ganze Nacht arbeiten.
Selbständige (47%) und Mithelfende Familienangehörige (68%) arbeiten häufig ein bis zwei Stunden pro Nacht, abhängig Beschäftigte dagegen zu einem wesentlich größeren Anteil (64%) die gesamte Nacht.
Selbständige haben später Feierabend
Selbständige und Mithelfende Familienangehörige arbeiten deutlich häufiger abends als Arbeitnehmer. Unter "Abendarbeit" wird im Mikrozensus die Arbeitszeit verstanden, die zwischen 18.00 und 23.00 Uhr geleistet wird. 71% der Selbständigen und 56% der Mithelfenden Familienangehörigen, aber nur 43% der Arbeitnehmer haben in den drei Monaten vor der Befragung abends gearbeitet.
Die Branchen, die besonders häufig Abendarbeit erfordern, sind der Einzelhandel und das Gastgewerbe. Während die Abendarbeit im Durchschnitt aller Wirtschaftzweige 2009 leicht abnahm, gilt dies nicht für den Einzelhandel, das Gastgewerbe und einzelne Dienstleistungsbereiche.
Autorin
Katharina Puch - Statistisches Bundesamt
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