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Arbeitsmarkt

Später in den Ruhestand?

Destatis, 21. September 2010


Die Erwerbsbeteiligung älterer Menschen in Deutschland wächst. 2009 waren 38,7% der Personen zwischen 60 und 64 Jahren erwerbstätig und damit fast doppelt so viele wie zehn Jahre zuvor. Doch was sagt diese Zahl aus? Ist Deutschland auf einem guten Weg für eine Rente mit 67? Wie viele Menschen stehen heute bis zum regulären Renteneintrittsalter von 65 Jahren im Erwerbsleben und wie viele bis zum Alter von 67? Welche Rolle spielt Erwerbslosigkeit im Alter? Wie ist es um die Gesundheit älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bestellt? Kann überhaupt in allen Berufen länger gearbeitet werden? Der Mikrozensus ermöglicht es, diese Diskussionspunkte genauer zu beleuchten.


Die meisten gehen zwischen 58 und 64 in den Ruhestand

Größere Ansicht des Diagramms Erwerbsbeteiligung nach Alter, 1999 und 2009Bild vergrößernErwerbsbeteiligung nach Alter

Das tatsächliche Alter des Eintritts in den Ruhestand fällt für die einzelnen Menschen sehr unterschiedlich aus. Zur Betrachtung dieser Übergangsphase wurde die Erwerbsbeteiligung in jedem Altersjahr zwischen 40 und 80 Jahren berechnet. Daraus kann abgelesen werden, wie viele Personen eines bestimmten Alters noch im Erwerbsleben stehen, sei es als Erwerbstätige oder als Erwerbslose.

2009 ging die Erwerbsbeteiligung in der Bevölkerung ab einem Alter von 50 Jahren langsam zurück. Bis zu diesem Alter lag sie bei knapp 90%. Die meisten Menschen in Deutschland schieden im Alter zwischen 58 und 64 Jahren aus dem Erwerbsleben aus und damit noch vor dem aktuell geltenden gesetzlichen Rentenalter. Mit 64 Jahren beteiligte sich noch knapp jeder Vierte (23,7%) am Erwerbsleben. Von den 65-Jährigen war es nur noch jeder Neunte (11,6%). Menschen über 65 Jahre stehen nur noch relativ selten im Erwerbsleben – wenn auch teilweise bis in ein hohes Alter.


Erwerbsbeteiligung legt seit 1999 deutlich zu

Die Übergangsphase in den Ruhestand hat sich in den vergangenen zehn Jahren um ungefähr zwei Jahre nach hinten verschoben. 1999 fand für die meisten Erwerbspersonen der Übergang im Alter von 56 bis 62 Jahren statt. Damit ist die Übergangsphase unverändert lang geblieben.

Die Erwerbsbeteiligung hat in den vergangenen zehn Jahren in allen Alterstufen ab 40 Jahren zugenommen. Bis 58, also dem Beginn der Eintrittsphase in den Ruhestand, ist das hauptsächlich Folge einer gestiegenen Erwerbsbeteiligung der Frauen. Im Alter von 58 bis 64 Jahren legten im Zehnjahresvergleich die Erwerbsquoten jeweils um mehr als zehn Prozentpunkte zu und für die 60- bis 62-Jährigen sogar um mehr als 20 Prozentpunkte. Hierbei stieg die Erwerbsbeteiligung sowohl von Männern als auch von Frauen.

Wieso hat sich die Erwerbsbeteiligung älterer Menschen geändert?

Die amtliche Statistik bietet nur eingeschränkt Erklärungen für die höhere Erwerbsbeteiligung älterer Menschen. Zum Beispiel Altersteilzeit: Personen in Altersteilzeit zählen auch in der Freistellungsphase beim sogenannten Blockmodell als erwerbstätig. Doch 2009 traf dies nur auf maximal 4,3% eines Altersjahrganges zu.

Ein weiteres Beispiel sind die reduzierten Möglichkeiten über Vorruhestandsregelungen oder wegen Arbeitslosigkeit vorzeitig in den Ruhestand zu gehen: Der Anteil derjenigen, die aus diesen Gründen in den Ruhestand gingen, ist in den letzten zehn Jahren aber nur wenig zurückgegangen.

Eine wichtige Rolle für das Ruhestandsalter spielt auch die berufliche Qualifikation. Besser qualifizierte Personen arbeiten in der Regel länger und die Qualifikation älterer Menschen steigt. Allerdings hat das Ruhestandsalter für alle älteren Menschen unabhängig von ihrer beruflichen Qualifikation zugenommen.

Letztlich kann auch nicht davon gesprochen werden, dass die gestiegene Erwerbsbeteiligung vorwiegend in Form von atypischer Beschäftigung stattgefunden hat. Erwerbstätige von 58 bis 64 Jahren sind sogar seltener in atypischer Beschäftigung als die 15- bis 64-Jährigen insgesamt (19,9% gegenüber 21,9%) und auch die allgemeine Zunahme atypischer Beschäftigung im letzten Jahrzehnt fiel für diese Altersgruppe unterdurchschnittlich aus.

Neben diesen Faktoren ist daher vermutlich die gestiegene Bereitschaft der Arbeitgeber von grundsätzlicher Bedeutung, ältere Menschen einzustellen oder in Beschäftigung zu halten. Amtliche Daten hierzu liegen jedoch nicht vor.

Erwerbslosigkeit älterer Menschen seit 1999 deutlich zurückgegangen

Größere Ansicht des Diagramms Erwerbslosenquoten nach Alter, 1999 und 2009Bild vergrößernErwerbslosenquoten nach Alter

Die politisch gewollte und tatsächlich erreichte höhere Erwerbsbeteiligung älterer Menschen könnte auch eine verschärfte Erwerbslosigkeit im Alter zur Folge haben. Als erwerbslos zählen im hier verwendeten Erwerbstatuskonzept der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) alle Menschen ohne Arbeit, die aktiv eine solche suchen und ein Stellenangebot kurzfristig annehmen könnten.

2009 stellte Erwerbslosigkeit im Alter kein besonderes Problem dar. Im Alter zwischen 40 und 55 Jahren lagen die Erwerbslosenquoten relativ konstant bei rund 7% und damit sogar unter dem Gesamtdurchschnitt der 15- bis 64-Jährigen von 7,6%.Für die 56- bis 63-Jährigen lagen die Quoten etwas höher: im Schnitt bei 8,2%. Ab dem Alter von 64 Jahren waren die Erwerbslosenquoten wieder deutlich niedriger und hatten danach fast keine quantitative Bedeutung mehr.

Vor zehn Jahren sah die Situation für ältere Erwerbspersonen noch anders aus. Damals stieg die Erwerbslosenquote sukzessive ab einem Alter von 52 Jahren an und lag für die 59-Jährigen sogar bei 22,0%. Obwohl 1999 die Erwerbsbeteiligung bereits ab dem Alter von 56 Jahren zurückging, verringerte sich die Erwerbslosigkeit erst ab 60 Jahren und erst ab 65 Jahren spielte sie nur noch eine geringe Rolle.

Arbeitslosigkeit seltener als Brücke in den Ruhestand

Bei der Interpretation des Rückgangs der Erwerbslosigkeit sind sozialrechtliche Änderungen zu berücksichtigen. Für viele ältere Menschen mit schlechten Arbeitsmarktchancen stellten die Regelungen zum Arbeitslosengeld vor „Hartz IV“ eine Möglichkeit dar, den Übergang in den Ruhestand zu überbrücken, ohne Abschläge für einen frühzeitigen Rentenbezug hinnehmen zu müssen, indem sie sich arbeitslos meldeten. Diese Möglichkeit gibt es heute nur noch stark eingeschränkt, was allerdings nicht dazu geführt hat, dass diese Personen häufiger in einen vorzeitigen Ruhestand gehen, sondern meist länger erwerbstätig sind. Mit Blick auf die auslaufenden Vorruhestandsregelungen und Altersteilzeit bleibt abzuwarten, ob die Erwerbslosigkeit Älterer auch künftig auf diesem vergleichsweise niedrigen Niveau bleiben wird.

Mehr als jeder Vierte scheidet aus gesundheitlichen Gründen aus dem Erwerbsleben aus

Vor dem Hintergrund einer längeren Lebensarbeitszeit spielt die Gesundheit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer eine wichtige Rolle. So lag 2008 das Durchschnittalter für diejenigen, die in den Altersruhestand gingen, bei 63,5 Jahren. Wer hingegen aus gesundheitlichen Gründen seine Erwerbstätigkeit aufgeben musste, tat dies im Schnitt bereits mit 55,1 Jahren. Dabei waren von allen Personen, die sich 2009 im Ruhestand befanden, gerade 50% allein aus Altersgründen in den Ruhestand gegangen. Mehr als jeder Vierte (27,8%) schied aus gesundheitlichen Gründen aus dem Erwerbsleben aus und mehr als jeder Fünfte (22,3%) nutzte eine Vorruhestandsregelung oder ging direkt aus Arbeitslosigkeit in den Ruhestand.

Fast jeder Zweite in Hoch- und Tiefbauberufen ging aus Gesundheitsgründen in den Ruhestand

Größere Ansicht des Diagramms Ruheständler 2009, Gründe für das Ausscheiden aus dem ErwerbslebenBild vergrößernRuheständler 2009

Dabei sind einzelne Berufe mit spezifischen gesundheitlichen Belastungen verbunden. Am häufigsten gingen Menschen gesundheitsbedingt in den Ruhestand, wenn sie zuletzt in einem Hoch- oder Tiefbauberuf, als Fliesenleger, Heizungsbauer oder einem anderen Ausbauberuf sowie in Berufen der Holzbearbeitung tätig waren. Das war für mehr als 40% der zuletzt in diesen Berufsabschnitten tätigen Ruheständler der Fall. Aber auch Maler, Lackierer, Hilfsarbeiter und Personen in Verkehrsberufen, wozu unter anderem Berufskraftfahrer, Taxifahrer, Binnenschiffer aber auch Postzusteller zählen, gingen relativ häufig aus gesundheitlichen Gründen in Ruhestand. Bergleute schieden trotz hoher gesundheitlicher Belastungen im Beruf mit einem Anteil von 23,7% unterdurchschnittlich häufig gesundheitsbedingt aus dem Erwerbsleben aus. Hier spielen Vorruhestandsregelungen eine besondere Rolle, die von allen 2009 im Ruhestand befindlichen Bergleuten, Mineralgewinnern und –aufbereitern 45,5% genutzt hatten.

Naturwissenschaftler und Ingenieure bei guter Gesundheit

Am seltensten war für Personen in naturwissenschaftlichen und Ingenieurberufen (14,6%) die Gesundheit der Grund, um aus dem Beruf auszuscheiden. Auch bei Berufen im Büro- oder kaufmännischen Bereich, bei Technikern, und Berufen im publizistischen und künstlerischen Bereich spielte die Gesundheit seltener eine Rolle. Doch selbst dort gab rund jeder Fünfte aus gesundheitlichen Gründen die Erwerbstätigkeit auf.


Autor:
Christian Wingerter - Statistisches Bundesamt

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