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Arbeitsmarkt

Arbeitsmarkt: Stabile Entwicklung in unsicheren Zeiten

Destatis, 31. Januar 2013


Angesichts eines im Vergleich zu den beiden Vorjahren schwierigeren wirtschaftlichen Umfeldes hat sich der Arbeitsmarkt 2012 in Deutschland als robust erwiesen und gemessen an der Zahl der Erwerbstätigen und Erwerbslosen insgesamt sehr positiv entwickelt. Nach ersten vorläufigen Berechnungen waren im Jahr 2012 in Deutschland 41,6 Millionen Menschen erwerbstätig – so viele wie nie zuvor. Im Vergleich zum Vorjahr errechnet sich ein Zuwachs um jahresdurchschnittlich 449 000 Personen (+ 1,1 %). Damit ist die Zahl der Erwerbstätigen im siebten Jahr in Folge gestiegen.

Erwerbslosenquoten im internationalen VergleichBild vergrößern

Die Zahl der Erwerbslosen nach internationaler Abgrenzung verminderte sich im Jahr 2012 um 184 000 Personen (– 7,4 %) auf 2,32 Millionen – dem niedrigsten Stand der Erwerbslosigkeit seit 1991. Daraus resultiert eine jahresdurchschnittliche Erwerbslosenquote von 5,3 %, mit der Deutschland auch im europäischen und internationalen Vergleich nach wie vor sehr gut abschneidet. Innerhalb Europas haben nach den Monatszahlen für November 2012 lediglich Österreich und Luxemburg geringere Erwerbslosenquoten vorzuweisen.



Erfreuliche Entwicklung bei den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten

Der Anstieg der Erwerbstätigkeit im Jahr 2012 wurde – wie schon 2010 und 2011 – überwiegend vom Aufbau voll sozialversicherungspflichtiger Beschäftigungen getragen. Diese Erwerbstätigengruppe reagiert erfahrungsgemäß am stärksten auf den Konjunkturverlauf. Dabei dürfte es nach ersten vorläufigen Schätzungen Zuwächse sowohl bei sozialversicherungs­pflichtigen Vollzeit- als auch bei Teilzeitstellen gegeben haben. Leicht zugelegt hat auch die Zahl der Selbstständigen einschließlich mithelfender Familienangehöriger (+ 7 000). Demgegenüber waren marginale Beschäftigungsformen (Summe aus Minijobs, kurzfristige Beschäftigungen und Ein-Eurojobs) wie in den beiden Jahren zuvor insgesamt rückläufig.

Für sich genommen sprechen diese vorläufigen und noch recht grob gegliederten Strukturdaten nicht für einen fortgesetzten Rückgang abhängiger Vollzeitbeschäftigungen, der häufig auch als "Erosion des Normalarbeitsverhältnisses" beschrieben wird. Gegenüber dem Jahr 1991 zeigt die Erwerbstätigen­entwicklung allerdings eine deutliche Zunahme so genannter "atypischer Beschäftigungsverhältnisse", zu denen Teilzeitbeschäftigungen von weniger als 20 Wochenstunden, geringfügige Beschäftigungen, befristete Arbeitsverhältnisse und Leiharbeit gerechnet werden (zur langfristigen Entwicklung siehe den STATmagazin-Beitrag "Licht und Schatten am Arbeitsmarkt" vom 11. 1. 2012).


Leichter Rückgang der Zeitarbeit

Während in den Jahren 2010 und 2011 ein Großteil des Beschäftigten­zuwachses auf die Zeitarbeit entfiel, hat sich diese Entwicklung im Jahr 2012 nicht weiter fortgesetzt. In den Jahren 2010 und 2011 profitierte die Zeitarbeit vor allem vom Aufholprozess im Produzierenden Gewerbe. Dort werden viele Leiharbeitnehmer eingesetzt, insbesondere um auf Schwankungen in der Auftragslage möglichst schnell und flexibel reagieren zu können. 2009 war die Wirtschaftsleistung im Produzierenden Gewerbe infolge der Finanzkrise massiv eingebrochen. Leiharbeit wurde demzufolge abgebaut, aber mit Einsetzen der wirtschaftlichen Erholung in den Jahren 2010 und 2011 auch wieder vermehrt in Anspruch genommen. In diesen beiden Jahren wuchs die Zahl der Leiharbeitnehmer insgesamt jeweils um deutlich mehr als 100 000 Personen. Im Zuge der abflachenden konjunkturellen Dynamik dürfte die Zahl der Leiharbeitnehmer ab dem zweiten Quartal 2012 unter das Niveau des Vorjahres gesunken sein. Inwieweit die für die Zeitarbeit ab dem 1. November 2012 geltenden "Branchenzuschläge", die diese Beschäftigungs­form tendenziell verteuern, dieses Ergebnis beeinflusst haben, lässt sich derzeit noch nicht abschätzen.

In der Zeitarbeitsbranche waren nach Ergebnissen der Arbeitnehmerüberlassungsstatistik im Jahresdurchschnitt 2011 insgesamt 882 000 Leiharbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen beschäftigt; sie stellten damit einen Anteil von 2,5 % an der Gesamtzahl aller Arbeiter und Angestellten in Deutschland.

Steigende Arbeitskräfte-Zuwanderung aus dem Ausland

Nach Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (BA) hat es im Jahr 2012 eine (Netto-)Zuwanderung von etwa 170 000 Erwerbspersonen aus dem Ausland gegeben. Dies hat dazu beigetragen, dass der Anstieg der Erwerbstätigkeit im Jahr 2012 stärker ausfiel (+ 449 000) als der Rückgang der Erwerbslosigkeit (– 184 000).
Nach den jüngsten Ergebnissen der Beschäftigungsstatistik der BA für den Berichtsmonat Oktober 2012 ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig und geringfügig entlohnten Beschäftigten mit einer Staatsangehörigkeit der von der Schuldenkrise am stärksten betroffenen südeuropäischen Länder Griechenland, Spanien, Portugal und Italien im Vergleich zum Vorjahr überproportional gestiegen, und zwar insgesamt um + 33 000 oder 7,6 % (im Vergleich zu + 1,1 % Zuwachs bei allen Beschäftigten). Noch größer war allerdings mit + 88 000 Arbeitnehmern (+ 31 %) der Anstieg der Beschäftigtenzahlen aus den acht neuen EU-Mitgliedstaaten Polen, Ungarn, Tschechien, Slowakei, Slowenien, Estland, Lettland und Litauen, für die seit dem 1. Mai 2011 die uneingeschränkte Arbeitnehmerfreizügigkeit gilt.


Autor:
Stephan Lüken - Statistisches Bundesamt
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