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Arbeitsmarkt

Erwerbstätigkeit 2014 weiterhin auf Wachstumskurs

Destatis, 12. Feburar 2015

Im Jahr 2014 waren nach ersten vorläufigen Berechnungen in Deutschland Rund 42,7 Millionen Menschen erwerbstätig, 371 000 oder 0,9 % mehr als ein Jahr zuvor. Damit setzte sich der seit 2006 anhaltende Anstieg der Erwerbstätigkeit in Deutschland weiter fort. Gleichzeitig erreichte 2014 die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland im achten Jahr in Folge einen neuen Höchststand.

Ausgewählte ErwerbslosenquotenBild vergrößern

Die Zahl der Erwerbslosen nach internationaler Abgrenzung sank im Jahr 2014 um 94 000 Personen (– 4,3 %) auf 2,1 Millionen, dem niedrigsten Stand in Deutschland seit der Wiedervereinigung. In der EU ist Deutschland am wenigsten von Erwerbslosigkeit betroffen: Die jüngsten Ergebnisse für Dezember 2014 weisen für Deutschland eine saisonbereinigte Erwerbslosenquote von 4,8 % aus, gefolgt von Österreich mit 4,9 %. Innerhalb der EU ist nach wie vor die Erwerbslosigkeit in Griechenland (Quote im Oktober 2014: 25,8 %) und Spanien (Quote Dezember 2014: 23,7 %) am höchsten. Allerdings verzeichnete Griechenland in der EU zuletzt den größten Rückgang der Erwerbslosenquote im Vorjahresvergleich. In den USA lag die Erwerbslosenquote im Dezember 2014 bei 5,6 %, 1,1 %-Punkte niedriger als im Dezember 2013.

Gemessen an der Zahl der Erwerbstätigen und Erwerbslosen hat sich der Arbeitsmarkt in Deutschland im Jahr 2014 somit weiterhin sehr positiv entwickelt. Beachtlich ist insbesondere der kräftige Anstieg der Erwerbstätigkeit, der im Jahr 2014 größer ausfiel als im Jahr zuvor (2013: + 248 000 Personen bzw. + 0,6 %), das von einer schwachen wirtschaftlichen Dynamik gekennzeichnet war.

Arbeitsmarkt profitiert von Zuwanderung und Abbau der "Stillen" Reserve

Der Anstieg der Erwerbstätigkeit wurde auch 2014 durch die Zuwanderung ausländischer Arbeitskräfte begünstigt, insbesondere aus den süd- und osteuropäischen Krisenländern und den EU-Beitrittsländern. Darüber hinaus steigt seit Jahren die Erwerbsbeteiligung von Menschen, die zuvor nicht aktiv am Erwerbsleben teilgenommen haben und auch nicht als Arbeitslose registriert waren (sogenannte "Stille Reserve"). Dabei handelt es sich insbesondere um Frauen, die beispielsweise nach einer erziehungsbedingten Unterbrechung in den Beruf zurückkehren. Aufgrund dieser beiden Entwicklungen – der Zuwanderung und der gestiegenen Erwerbsneigung – ist das Arbeitskräfteangebot nach Schätzungen des Institutes für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit im Jahr 2014 um fast 140 000 Personen gestiegen. Ohne diese Effekte wäre das Arbeitskräfteangebot allein infolge der demografischen Entwicklung um 300 000 Personen gesunken und ein Anstieg der Erwerbstätigkeit in der für 2014 festgestellten Größenordnung nicht möglich gewesen.

Die Erwerbslosigkeit sank zuletzt nur noch in einem vergleichsweise geringen Umfang infolge der guten Arbeitsmarktlage, weil die Profile der Arbeitsuchenden oftmals nicht zu den Stellenanforderungen passen. Zudem gibt es einen Sockel an Erwerbslosen, die bereits seit langer Zeit ohne Beschäftigung sind.

Zusammenhang zwischen Beschäftigungsentwicklung und Konjunktur schwächt sich ab

Bruttoinlandsprodukt und ErwerbstätigkeitBild vergrößern

Alle Daten deuten darauf hin, dass sich seit dem Krisenjahr 2009 in Deutschland ein autonomer, d.h. von der konjunkturellen Entwicklung abgekoppelter positiver Beschäftigungstrend herausgebildet hat. Eine konjunkturunabhängige autonome Beschäftigungsentwicklung lässt sich insbesondere für das Rezessionsjahr 2009 belegen: Trotz des massiven Einbruchs der Wirtschaftsleistung in diesem Jahr wurde per Saldo keine Beschäftigung abgebaut, sondern stattdessen Arbeitskräfte "gehortet" und damit Produktivitätseinbußen hingenommen. Auch in den nachfolgenden Jahren dürfte es mit Blick auf den demografischen Wandel ein solches "Labour Hording" gegeben haben, um der erwarteten künftigen Verknappung des Arbeitskräfteangebots durch vorausschauende Personalplanung zu begegnen und um später längere und damit teure Rekrutierungsprozesse zu vermeiden.

Für das vergangene Jahr lässt sich eine Fortsetzung dieser Entwicklung (noch) nicht belegen. Die vorliegenden Zahlen sprechen eher dafür, dass 2014 die stabile Konjunktur einen spürbaren Beitrag zu dem kräftigen Anstieg der Erwerbstätigkeit geleistet hat. So erhöhte sich das Bruttoinlandprodukt im Jahr 2014 um 1,5 %, bei einem Wachstum der Erwerbstätigenzahl um 0,9 %. Im Jahr 2013 stieg das Bruttoinlandprodukt um moderate 0,1 %, wogegen sich die Erwerbstätigenzahl um 0,6 % erhöhte.

Weit überdurchschnittliche Zuwächse bei der Erwerbstätigkeit gab es – wie schon in den Vorjahren – auch im Jahr 2014 bei der Zahl der voll sozialversicherungspflichtigen Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigten, während andere Beschäftigungsformen wie die ausschließlich geringfügig entlohnte Beschäftigung (Minijobs) oder die Arbeitsgelegenheiten (Ein-Eurojobs) rückläufig waren.

Anhaltender Strukturwandel begünstigt die Abkopplung

In der längerfristigen Betrachtung dürfte zudem der sektorale Strukturwandel von den produzierenden Bereichen zu den weniger konjunkturreagiblen Dienstleistungen dazu beigetragen haben, dass der Zusammenhang zwischen Konjunktur und Beschäftigung im Laufe der Jahre schwächer geworden ist. Im Jahr 2014 hat sich dieser Trend weiter fortgesetzt. So verzeichneten die Dienstleistungen auch 2014 die größten Beschäftigungsgewinne. In den Dienstleistungsbereichen wuchs die Zahl der Erwerbstätigen insgesamt um 324 000 Personen (+ 1,0 %). Den größten Anteil daran hatten wiederum die Öffentlichen Dienstleister, Erziehung, Gesundheit mit + 112 000 Erwerbstätigen (+ 1,1 %). Zwar gab es 2014 auch in den produzierenden Bereichen Beschäftigungsgewinne; sie fielen jedoch deutlich geringer aus als in der Summe der Dienstleistungsbereiche. Im Jahr 2014 erhöhte sich die Zahl der Erwerbstätigen im Produzierenden Gewerbe (ohne Baugewerbe) um 20 000 Personen (+ 0,2 %), im Baugewerbe um durchschnittlich 17 000 Personen (+ 0,7 %) und in der Land- und Forstwirtschaft sowie Fischerei um 10 000 Personen (+ 1,5 %).


Autoren: Stephan Lüken, Ulf-Karsten Keil - Statistisches Bundesamt
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