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Arbeitsmarkt

Zuwanderer: Gute Deutschkenntnisse sind der Schlüssel zum Arbeitsmarkterfolg

Destatis, 23. August 2016

Mit 1,16 Millionen ausländischen Personen war die Netto­zuwanderung 2015 die höchste in der Geschichte der Bundesrepublik. Nachdem in den Jahren zuvor schon viele Zuwanderinnen und Zuwanderer aus Ost- und Südeuropa nach Deutschland kamen, waren es 2015 verstärkt Flüchtlings­migrantinnen und -migranten aus nichteuropäischen Ländern, die in Deutschland Schutz suchten. Für diejenigen von ihnen, die ein Bleiberecht in Deutschland erhalten, ist die Integration in den Arbeitsmarkt notwendig. Wie wichtig dabei gute Deutsch­kenntnisse sind, zeigt bereits die Zusatzerhebung des Mikrozensus 2014, die sich mit der Arbeitsmarkt­situation von Zuwanderern und ihren direkten Nachkommen befasst hat. Der hier verwendete Begriff des Zuwanderers unterscheidet sich vom Konzept der Bevölkerung mit Migrations­hintergrund, die das Statistische Bundesamt jährlich auf Basis des Mikrozensus veröffentlicht. Zu beachten ist, dass sich die Zusatz­erhebung auf das Jahr 2014 bezieht und die Asyl- und Schutz­suchenden des Jahres 2015 daher nicht in die Erhebung einbezogen waren.

Zuwanderer der 1. und 2. Generation

Altersstruktur von Zuwanderern und Einheimischen 2014Bild vergrößern

Betrachtet man die Zuwanderung nach Deutschland, muss man zwischen verschiedenen Personen­gruppen differenzieren. Personen, die im Ausland geboren sind, werden als Zuwanderinnen und Zuwanderer der ersten Generation bezeichnet. Zu dieser Gruppe gehörten 2014 neben den (Spät-)Aussiedlern und Flüchtlingen (insbesondere aus dem ehemaligen Jugoslawien) auch Personen aus Ländern der Europäischen Union, die zum Zweck der Arbeits­aufnahme nach Deutschland immigriert sind. In Deutschland geborene Personen, bei denen mindestens ein Elternteil im Ausland geboren wurde, werden als Zuwanderinnen und Zuwanderer der zweiten Generation bezeichnet. Hierzu zählen beispielsweise die Kinder der Arbeits­migranten der 1960er-Jahre ohne persönliche Migrations­erfahrung.

Zuwanderer der ersten Generation weisen eine ähnliche Alters­struktur auf wie Einheimische, also Personen, die in Deutschland geboren wurden, ebenso wie deren Eltern. Dagegen sind die Zuwanderer der zweiten Generation deutlich jünger: 2014 waren fast zwei Drittel der Zuwanderer der zweiten Generation zwischen 20 und 34 Jahre alt. Dieser Anteil betrug bei der einheimischen Bevölkerung und den im Ausland geborenen Zuwanderern jeweils lediglich rund 30 %.

Schwächere Erwerbstätigen­quote der im Ausland geborenen Zuwanderer, insbesondere der Frauen

Die Erwerbstätigenquote der nicht in Deutschland geborenen Zuwanderinnen und Zuwanderer lag 2014 mit 69,3 % um rund zehn Prozent­punkte niedriger als die der einheimischen Bevölkerung (79,6 %). Mit 75,5 % bewegte sich die Erwerbs­tätigenquote der Zuwanderer der zweiten Generation zwischen diesen Personen­gruppen. Frauen, die im Ausland geboren wurden und dann nach Deutschland zugewandert sind, tun sich offensichtlich am schwersten auf dem Arbeitsmarkt: Ihre Erwerbstätigen­quote lag lediglich bei 60,6 % gegenüber 75,9 % bei der einheimischen Bevölkerung und immerhin noch 74,0 % bei den Frauen der zweiten Zuwanderer­generation. Hinzu kommt, dass ein gutes Drittel dieser Frauen gar keine bezahlte Tätigkeit ausgeübt oder gesucht hat, während es bei den einheimischen Frauen nur ein gutes Fünftel war. Die Erwerbs­tätigenquote der männlichen Zuwanderer bleibt zwar ebenfalls hinter der der einheimischen Männer zurück, wenn auch weniger stark als bei den Frauen. Während 83,2 % der einheimischen Bevölkerung erwerbstätig waren, lag die Erwerbstätigen­quote bei den im Ausland geborenen Zuwanderern bei 78,4 %. Zuwanderer der zweiten Generation waren noch seltener erwerbstätig (76,9 %). Dabei fällt auf, dass die 25- bis 44-jährigen Männer der zweiten Zuwanderer­generation niedrigere Erwerbstätigen­quoten hatten als ihre im Ausland geborenen Alters­genossen – und das obwohl sie in Deutschland ausgebildet wurden.

Bei der Erwerbslosenquote zeigen sich ebenfalls deutliche Unterschiede zwischen der einheimischen Bevölkerung und den Zuwanderinnen und Zuwanderern. Unter den Zuwanderern der zweiten Generation betrug der Anteil der Erwerbslosen gemessen an allen Erwerbs­personen 7,1 %. Bei den im Ausland geborenen Zuwanderern lag die Erwerbslosen­quote mit 8,3 % fast doppelt so hoch wie bei der einheimischen Bevölkerung (4,2 %).

Exkurs: Ausgewählte Erwerbstätigen­quoten von Zuwanderern in der Europäischen Union

Je besser die Deutschkenntnisse, desto höher die Erwerbs­beteiligung

Erwerbstatigenquote  der einheimischen und Zuwanderer der ersten Generation 2014Bild vergrößern

Im Folgenden werden nur Zuwanderer der ersten Generation und Einheimische miteinander verglichen. Bei den Zuwanderern der zweiten Generation sollten Deutsch­kenntnisse eine geringere Barriere darstellen, da diese in Deutschland geboren und aufgewachsen sind. Deshalb wird diese Gruppe nicht näher in die Betrachtungen einbezogen. Bei den Deutsch­kenntnissen der Zuwanderer der ersten Generation handelt es sich um eine Selbst­einschätzung der Befragten.

Während 2014 die Erwerbstätigen­quote bei Zuwanderinnen und Zuwanderern mit Grund­kenntnissen der deutschen Sprache nur bei 52,3 % lag, stieg sie kontinuierlich mit zunehmenden Sprach­kenntnissen auf 77,3 % bei Zuwanderinnen und Zuwanderern mit fließenden Deutsch­kenntnissen an. Damit erreichte sie in dieser Gruppe fast das Niveau der Quote bei den Einheimischen (79,6 %). Insbesondere bei den Frauen, die im Ausland geboren und nach Deutschland zugewandert sind, spielt der Spracherwerb eine wichtige Rolle für die Integration in den Arbeitsmarkt. Frauen mit Grund­kenntnissen der deutschen Sprache haben lediglich eine Erwerbs­tätigenquote von 36,1 %. Diese steigt mit dem Erlernen der Sprache auf 72,2 % an (einheimische Frauen: 75,9 %). Umgekehrt nehmen die Erwerbs­losen­quoten mit abnehmenden Deutsch­kenntnissen zu. Zuwanderinnen und Zuwanderer mit nur geringfügigen Sprach­kenntnissen haben eine Erwerbslosen­quote von 13,7 % gegenüber 4,2 % bei der einheimischen Bevölkerung.

Ohne gute Deutsch­kenntnisse weniger qualifizierte Tätigkeiten

Zugewanderte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit Grund­kenntnissen der deutschen Sprache, die nicht in Deutschland geboren sind, fanden sich 2014 häufig als Hilfsarbeits­kräfte auf dem Arbeitsmarkt wieder (43,2 % gegenüber 6,0 % bei den Einheimischen). Ein gutes Fünftel arbeitete in Handwerks­berufen und nur 8,7 % konnten mit Grund­kenntnissen eine hoch­qualifizierte Tätigkeit ausüben. Auch hier zeigt sich wieder, dass Zuwanderer der ersten Generation mit der Verbesserung ihrer Sprach­kenntnisse auch ihre berufliche Stellung verbessern konnten. Zuwanderer der ersten Generation mit fließenden Sprach­kenntnissen waren nur zu 14,3 % als Hilfsarbeits­kräfte tätig. Sie arbeiteten auch häufiger in Büro­berufen oder im Handel und übten sehr viel öfter eine hoch­qualifizierte Tätigkeit aus (30,3 %).

Tabelle: Sprachkenntnisse und Berufe von Zuwanderern der ersten Generation

Überqualifikation bei Arbeitnehmern – abhängig von den Deutsch­kenntnissen?

Überqualifizierte Zuwanderer der ersten Generation 2014Bild vergrößern

Deutschkenntnisse haben einen Einfluss auf die Arbeitsmarkt­beteiligung: Je besser die Sprach­fähigkeiten der im Ausland geborenen Zuwanderinnen und Zuwanderer, desto eher üben sie eine qualifizierte Tätigkeit aus. Dies sagt jedoch noch nichts über die Übereinstimmung von Anforderungen im Beruf und der tatsächlichen Qualifikation aus. Wie hoch kann auf Dauer die Zufriedenheit mit einem Beruf sein, wenn man für diesen überqualifiziert ist?

In der Zusatzerhebung des Mikrozensus aus dem Jahr 2014 wurde neben den Deutsch­kenntnissen auch das Ausmaß der Überqualifikation erfasst. Die Befragten wurden gebeten anzugeben, ob die ausgeübte Tätigkeit ihrer Qualifikation entspricht.

Je besser die Deutschkenntnisse, desto seltener schätzten sich die Zuwanderer der ersten Generation als überqualifiziert ein. Unter den Zuwanderinnen und Zuwanderern der ersten Generation, die Deutsch als Mutter­sprache sprechen, lag der Anteil der Überqualifizierten mit 12,8 % fast auf dem gleichen Niveau wie bei den Einheimischen (11,0 %). Etwa einer von fünf im Ausland geborenen Zuwanderinnen und Zuwanderern mit fließender Sprach­beherrschung bzw. fortgeschrittenen Kenntnissen hingegen schätzte sich als überqualifiziert ein. Bei Zuwanderinnen und Zuwanderern, die lediglich Anfänger- bzw. Grundkenntnisse der deutschen Sprache aufweisen, lag der Anteil der Überqualifizierten mit 18,5 % etwas niedriger. Dies kann zum Teil darauf zurückgeführt werden, dass sich unter diesen Personen überdurchschnittlich viele Menschen befinden, die per se seltener überqualifiziert sein können, da sie nur über eine geringe Bildung verfügen.

Es zeigt sich, dass die Deutsch­kenntnisse mit der Überein­stimmung von Qualifikation und Anforderungen in der ausgeübten Tätigkeit zusammenhängen. In der Wahrnehmung der Betroffenen selbst spielt dieser Zusammenhang keine herausragende Rolle. Denn fragt man nach dem Hauptgrund für die Überqualifikation, gab nur etwa jeder zehnte Zuwanderer an aufgrund mangelnder Deutsch­kenntnisse für seinen Job überqualifiziert zu sein. Jeder vierte Zuwanderer nannte die fehlende Anerkennung im Ausland erworbener Bildungs­abschlüsse (24,9 %) als Grund für die fehlende Übereinstimmung von beruflicher Qualifikation und den Anforderungen am Arbeitsplatz. Rund 40 % gaben andere Gründe an.


Autorin: Lisa Günther - Statistisches Bundesamt
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