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Bevölkerung

Familien mit Migrationshintergrund: Traditionelle Werte zählen

Destatis, 13. März 2012

Familien mit Migrationshintergrund gehören in Deutschland zum Alltagsbild. Im Jahr 2010 lebten hier 2,3 Millionen Familien mit Kindern unter 18 Jahren, bei denen mindestens ein Elternteil ausländische Wurzeln hatte. Gemessen an allen 8,1 Millionen Familien mit minderjährigen Kindern entspricht dies einem Anteil von 29%. Gegenüber dem Jahr 2005 – seitdem werden im Mikrozensus detaillierte Angaben zum Migrationshintergrund erhoben – hat sich der Anteil der Migrationsfamilien um 2 Prozentpunkte erhöht.

Regionale Konzentration

Die Familien mit Migrationshintergrund leben überwiegend im Westen Deutschlands: Der Anteil der Migrationsfamilien an allen Familien lag im Jahr 2010 im früheren Bundesgebiet mit 32% mehr als doppelt so hoch wie in den neuen Ländern (einschl. Berlin) mit 15%. Die tiefere regionale Gliederung zeigt, dass Familien mit Migrationshintergrund überdurchschnittlich oft in Ballungsgebieten leben. So liegt ihr Anteil in Großstädten ab 500.000 Einwohnern bei 43%. Dagegen hat in kleinen Gemeinden mit weniger als 5.000 Einwohnern nur rund jede 8. Familie (12%) einen Migrationshintergrund.


Kulturelle Vielfalt

Familien mit minderjährigen Kindern und Migrationshintergrund 2010Bild vergrößernHerkunftsländer

Den größten Anteil der Migrationsfamilien machen mit 21% die Familien aus, in denen mindestens ein Elternteil einen türkischen Migrationshintergrund hat. Zugewanderte Familien aus der ehemaligen Sowjetunion, darunter überwiegend Spätaussiedler/-innen, bilden mit 16% die zweitgrößte Gruppe. Es folgen die Familien mit Wurzeln auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien (9%) sowie aus den ehemaligen südeuropäischen Anwerbeländern Portugal, Spanien, Italien und Griechenland (8%).

Ungeachtet der Heterogenität und Vielfalt der Migrationsfamilien sowie der damit verbundenen unterschiedlichen Prägungen (regionale Herkunft, Sprache, Kultur, Religion, etc.) stellt man einige wesentliche Unterschiede fest, wenn man Familien mit und ohne Migrationshintergrund miteinander vergleicht.


Ehe steht bei Familien mit Migrationshintergrund hoch im Kurs

Familien mit KindernBild vergrößernFamilienform

Im Jahr 2010 war die traditionelle Familienform der Ehepaare unter den Migrationsfamilien mit 80% deutlich stärker verbreitet als unter den Familien ohne Migrationshintergrund (69%). Nur 14% der Familien mit Migrationshintergrund waren alleinerziehende Mütter und Väter (ohne Migrationshintergrund: 21%). Weitere 5% waren Lebensgemeinschaften mit minderjährigen Kindern (ohne Migrationshintergrund: 10%).



Familien mit Migrationshintergrund haben häufiger 3 und mehr Kinder

Familien nach KinderzahlBild vergrößernKinderzahl

Unterschiede zeigen sich auch beim Vergleich der Familien mit und ohne Migrationshintergrund hinsichtlich der Kinderzahl: In Familien mit Migrationshintergrund leben häufiger drei und mehr minderjährige Kinder im Haushalt als in Familien ohne Migrationshintergrund. So betreuten im Jahr 2010 rund 15% der Familien mit Migrationshintergrund drei und mehr minderjährige Kinder. Dieser Anteil betrug bei den Familien ohne Migrationshintergrund nur 9%.

Unabhängig vom Migrationsstatus überwiegen die Familien, die nur ein im Haushalt lebendes minderjähriges Kind versorgten. Der Anteil lag bei den Familien mit Migrationshintergrund allerdings niedriger (47%) als bei den Familien ohne Migrationshintergrund (55%).


Mehr Kinder, aber weniger Geld

Familien und EinkommenBild vergrößernEinkommen

Migrationsfamilien haben – trotz durchschnittlich mehr Familienmitgliedern – häufiger ein niedrigeres Familiennettoeinkommen als Familien ohne Migrationshintergrund. Während im Jahr 2010 mehr als die Hälfte (62%) der Familien mit Migrationshintergrund mit weniger als 2 600 Euro im Monat auskommen mussten, waren es bei den Familien ohne Migrationshintergrund nur 44%. Insbesondere in der Einkommensklasse von 1 300 bis 2 600 Euro lag bei den Familien mit Migrationshintergrund der Anteil deutlich höher (49%) als bei den Familien ohne Migrationshintergrund (33%). Umgekehrt waren die Anteile der Familien ohne Migrationshintergrund in den beiden oberen Einkommensklassen höher als bei den Familien mit Migrationshintergrund.

Dementsprechend sind Migrationsfamilien deutlich häufiger auf Transferzahlungen zur Finanzierung des überwiegenden Lebensunterhalts angewiesen als Familien ohne Migrationshintergrund. Für 17% der Familien mit Migrationshintergrund stellten im Jahr 2010 staatliche Transferzahlungen ("Hartz IV-Leistungen", Sozialhilfe, Arbeitslosengeld I) die Haupteinkommensquelle dar. Bei den Familien ohne Migrationshintergrund lag dieser Anteil mit 8% nur etwa halb so hoch. Generell ist jedoch festzustellen, dass sich auch die Migrationsfamilien in der überwiegenden Mehrzahl (79%) hauptsächlich über ihre eigene Erwerbstätigkeit finanzieren (Familien ohne Migrationshintergrund: 88%).

Erwerbsbeteiligung: In Familien mit Migrationshintergrund eher traditionelle Rollenverteilung

Paarfamilien 2010Bild vergrößernErwerbsbeteiligung

Arbeit und Karriere auf der einen, Familienleben und Kinderbetreuung auf der anderen Seite: beides miteinander zu verbinden, stellt für viele Eltern – unabhängig von ihrem Migrationsstatus – eine besondere Herausforderung dar. Nachfolgend werden nur Familien mit Vater und Mutter im erwerbsfähigen Alter und jüngstem Kind unter 15 Jahren betrachtet, da ältere Kinder in der Regel kaum mehr auf häusliche Betreuung angewiesen sind.

Während im Jahr 2010 bei 59% der Paarfamilien ohne Migrationshintergrund beide Elternteile, also sowohl der Vater als auch die Mutter, aktiv erwerbstätig waren, traf das lediglich auf 39% der Paare mit Migrationshintergrund zu. Bei ihnen war die eher „traditionelle Rollenverteilung“ – das heißt ausschließlich der Vater geht einer beruflichen Tätigkeit nach – mit 40% deutlich häufiger verbreitet als bei den Paarfamilien ohne Migrationshintergrund (28%). Fast doppelt so hoch war bei den Paaren mit Migrationshintergrund der Anteil derjenigen Paare, bei denen sich weder Mutter noch Vater am Erwerbsleben beteiligten (15% gegenüber 8% bei den Paaren ohne Migrationshintergrund).

Wenn beide Partner einer Erwerbstätigkeit nachgehen, zeigten sich im Jahr 2010 beim Umfang der Erwerbsbeteiligung nur relativ geringfügige Unterschiede in Abhängigkeit vom Migrationsstatus: Auch bei den Paaren mit Migrationshintergrund war die Vollzeittätigkeit des Vaters in Kombination mit einer Teilzeittätigkeit der Mutter mit 69% der Fälle das mit Abstand häufigste Modell (Paare ohne Migrationshintergrund: 72%). Bei 23% der Paare – ob mit oder ohne Migrationshintergrund – waren beide Partner vollzeittätig. Die beiden übrigen Konstellationen (Vater Teilzeit/Mutter Vollzeit sowie beide Partner in Teilzeit tätig) spielten für die Paare mit bzw. ohne Migrationshintergrund quantitativ nur eine untergeordnete Rolle.


Autoren
Anja Galster, Thomas Haustein - Statistisches Bundesamt

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