Normalansicht

Navigation und Service

Logo Destatis - Statistisches Bundesamt, Link zur Startseite

Bevölkerung

Kind und Beruf: Nicht alle Mütter wollen beides

Destatis, 26. Februar 2013

Die Familiengründung stellt viele Eltern vor die große Herausforderung, Arbeit und Familie unter einen Hut zu bringen. Ganztagsschulen, Kindergärten und Kinderkrippen sowie Elterngeld sollen Müttern und Vätern den Spagat zwischen Berufs- und Privatleben erleichtern. Dabei sind es insbesondere die Mütter, die – gewollt oder ungewollt – ihre Erwerbsbeteiligung zugunsten der Familie einschränken. Jedoch nicht für jede Mutter ist die Frage nach der Vereinbarkeit von Familie und Beruf schwer zu beantworten. Für manche stellt sie sich erst gar nicht.

Kinderbetreuung ist überwiegend Müttersache…

Mütter und Väter mit KindernBild vergrößern

Rund jede vierte Mutter (26%), die 2011 ein Kind unter 15 Jahren betreute, arbeitete nicht und suchte auch keinen Job. Vor allem in den ersten drei Lebensjahren des Kindes ist für Mütter die eigene Berufstätigkeit häufig kein Thema. Bei den Vätern ist die traditionelle „Ernährerrolle“ immer noch weit verbreitet. Von den Vätern mit Kindern unter 15 Jahren waren nur 3% nicht erwerbstätig und auch nicht auf Arbeitsuche. Väter und Mütter, die sich in Elternzeit befinden, zählen dabei zu den Erwerbstätigen.


…aber Erwerbstätigkeit von Müttern nimmt zu

Zehn Jahre zuvor waren Mütter mit Kindern unter 15 Jahren noch seltener berufstätig als heute. Im Jahr 2001 gingen nur 62 % einer Erwerbstätigkeit nach. 31 % waren nicht erwerbstätig und suchten auch keine Arbeit. Die Erwerbsbeteiligung von Vätern mit Kindern unter 15 Jahren hat sich im Vergleich zu 2001 kaum verändert.


Vier von zehn Müttern mit Kindern im Krippenalter konzentrieren sich auf die Familie

Nicht erwerbstätige und nicht Arbeit suchende Mütter 2011Bild vergrößern

Ob und in welchem Umfang Mütter einer beruflichen Tätigkeit nachgehen, steht in engem Zusammenhang mit dem Alter des jüngsten Kindes in der Familie. Dabei gilt: je jünger das Kind, desto seltener beteiligen sich Mütter am Erwerbsleben. Der Anteil der Mütter, die dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehen, ist am höchsten, wenn sie Kinder unter drei Jahren betreuen. Im Jahr 2011 traf das auf 44% der Mütter mit Kindern in dieser Altersgruppe zu. Diese Mütter waren nicht erwerbstätig und suchten auch keine Arbeit. Von den Müttern mit jüngstem Kind im Kindergartenalter (3-5 Jahre) war es nur noch jede vierte Mutter (24%). Kommen die Kinder ins Grundschulalter (6-9 Jahre) nimmt dieser Anteil weiter ab (19%). Auch mit dem Wechsel der Kinder auf eine weiterführende Schule (10 bis 14 Jahre) sinkt der Anteil der Mütter, die nicht erwerbstätig sind und auch keine Arbeit suchen, noch einmal leicht (16%).


Betreuungsaufgaben verhindern häufig die Arbeitsuche

Mütter, die als Hauptgrund für ihre Nichtarbeitsuche "Betreuung" angeben 2011Bild vergrößern

Die Gründe, warum nicht erwerbstätige Mütter keine Arbeit suchen, konzentrieren sich stark auf die Kinderbetreuung. Für mehr als die Hälfte (55%) der nicht erwerbstätigen Mütter mit Kindern unter 15 Jahren war das 2011 das Hauptmotiv. Auch hier gilt: Je jünger die Kinder sind, desto intensiver ist in der Regel die Betreuung, die sie benötigen. Die nicht erwerbstätigen Mütter mit Kindern unter drei Jahren geben am häufigsten an, aufgrund von Betreuungsaufgaben keine Arbeit zu suchen (69%).

Daneben gibt es auch sonstige persönliche oder familiäre Gründe dafür, dass Mütter dem Arbeitsmarkt fernbleiben (24%). Hat beispielsweise der Mann ein hohes Einkommen, dann besteht für die Ehefrau möglicherweise nicht die wirtschaftliche Notwendigkeit, ebenfalls arbeiten zu gehen. Gesundheitliche Gründe (5%) sowie eine schulische oder berufliche Aus- bzw. Weiterbildung (5%) nennen Mütter mit Kindern unter 15 Jahren nur selten als Gründe für die Nichtarbeitsuche. 11% der Mütter suchten keine berufliche Tätigkeit, weil aus ihrer Sicht der Arbeitsmarkt keine Beschäftigungsmöglichkeiten bietet oder andere Gründe sie von einer Arbeitsuche abhalten.

Kein Job gewünscht oder keine Betreuungsmöglichkeit gefunden?

Einfluss der BetreuungssituationBild vergrößern

Der Ausbau der Kindertagesbetreuung für unter Dreijährige hat noch nicht den Umfang erreicht, der den ab dem 1. August 2013 geltenden Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz Rechnung tragen kann. Welchen Einfluss hat der Mangel an Betreuungsplätzen auf die Nichtarbeitsuche von Müttern? Die Antwort ist vergleichsweise schlicht: häufig keinen. Für 70% der nicht erwerbstätigen Mütter mit Kindern unter 15 Jahren hatte im Jahr 2011 die Betreuungssituation keinen Einfluss auf die Entscheidung, keine bezahlte Tätigkeit zu suchen. 30% der Mütter waren hingegen nicht auf Arbeitsuche, weil geeignete Betreuungseinrichtungen entweder nicht verfügbar oder nicht bezahlbar waren. Berücksichtigt werden hier ausschließlich Mütter, die Angaben zu dieser freiwilligen Frage gemacht haben.

Ein sehr ähnliches Bild ergibt sich bei den Müttern, deren jüngstes Kind im Krippenalter ist. Auch bei ihnen hatte die Betreuungssituation ganz überwiegend keinen Einfluss auf die Entscheidung, keine Arbeit zu suchen (69%).

Für viele Eltern können die von der Politik eingeführten Maßnahmen eine Hilfe zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf sein. Sie sind ein Angebot, das jedoch nicht alle Mütter und Väter in Anspruch nehmen. Dennoch sind die 30 % der Mütter, die aufgrund mangelnder Betreuungsmöglichkeit keine Arbeit suchen, nicht zu vernachlässigen. Die Diskussionen um den Ausbau der Krippenplätze und das Für und Wider des Betreuungsgeldes zeigen, dass uns das Thema auch in Zukunft weiter beschäftigen wird.

Tabelle: Mütter und Väter mit jüngstem Kind unter 15 Jahren 2001 und 2011 nach Erwerbsbeteiligung


Autorin Julia Weinmann - Statistisches Bundesamt
Auskünfte zum Thema erhalten Sie über unser Kontaktformular.

© Statistisches Bundesamt (Destatis), 2017

Impressum – Kontakt – Barrierefrei