Neue Wege zum Studium
Destatis, 24. März 2009
Von Politik und Wirtschaft kommt in den letzten Jahren verstärkt der Ruf nach Vereinfachung der Zugangsbedingungen zu deutschen Hochschulen. Nicht allein der Erwerb der allgemeinen, fachgebundenen oder Fachhochschulreife in einer Schule soll den Weg zum Studium öffnen. Vielmehr müsse heutzutage auch Berufstätigen, die über keine der traditionellen Hochschulzugangsberechtigungen verfügen, der Zugang zur deutschen Hochschule ermöglicht werden. Wer bereits als Meister, Techniker oder in anderer Führungsposition seine Kompetenz unter Beweis gestellt habe, erfülle wichtige Voraussetzungen für ein erfolgreiches Studium. In Zeiten von Mangel an Fachkräften sei es für die Sicherung und Aufwertung des Wirtschaftsstandortes Deutschland unabdingbar, neue Potenziale zu erschließen.
Die politische Umsetzung dieses Ziels wurde am 22. Oktober 2008 gemeinsam von Bund und Ländern mit der "Qualifizierungsinitiative für Deutschland" beschlossen. Sie enthält unter anderem das von der Bundesregierung aufgelegte Aufstiegsstipendium, das engagierten Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung und Praxiserfahrung größere Chancen zur Aufnahme eines Studiums und damit zu qualifizierter Weiterbildung eröffnen soll. Ganz aktuell einigten sich die Länder auf der Plenarsitzung der Kultusministerkonferenz am 5. und 6. März 2009, die Voraussetzungen zum Hochschulzugang für beruflich Qualifizierte länderübergreifend einheitlich zu formulieren.
Starker Anstieg bei beruflich qualifizierten Studienanfängern/-innen
Waren es im Studienjahr 2000 noch 1 220 beruflich Qualifizierte, die ein Studium an Deutschlands Hochschulen begannen, qualifizierten sich 2007 bereits 3 030 Studienanfänger beziehungsweise –anfängerinnen allein durch ihre Berufsausbildung in Kombination mit Praxiserfahrung für ein Studium. Damit erhöhte sich innerhalb des Zeitraums 2000 bis 2007 der Anteil der beruflich qualifizierten an allen Studierenden im ersten Hochschulsemester von rund 0,4% auf mehr als das Doppelte, nämlich über 0,8%. Durch die oben erwähnte Qualifizierungsinitiative strebt die Politik nun an, den Anteil dieser Personengruppe bis 2012 deutlich zu erhöhen. Zielwerte wurden bisher nicht festgelegt.
Die statistisch gemessene Zahl für die beruflich qualifizierten Studienanfänger und –anfängerinnen stellt eine Untergrenze dar. Bisher wurden die Hochschulzugangsvoraussetzungen für beruflich Qualifizierte in den einzelnen Ländern unterschiedlich festgelegt. Deshalb besteht Grund zur Annahme, dass teilweise die Betreffenden nicht ihrer eigenen Kategorie, sondern anderen Kategorien wie beispielsweise Externen- oder Begabtenprüfung zugeordnet wurden (vgl. Auszug aus Schlüsselverzeichnis für Studenten- und Prüfungsstatistik WS 2008/2009 und SS 2009).
Auch die beruflich Qualifizierten können die allgemeine, fachgebundene oder Fachhochschulreife erhalten.
Fast die Hälfte aller beruflich qualifizierten Studienanfänger beziehungsweise –anfängerinnen gelangten über die fachgebundene Hochschulreife zum Studium. Diese dürfen zunächst ausschließlich die Fachrichtung studieren, für die sie sich qualifiziert haben. Im Bundesdurchschnitt waren das im Jahr 2007 rund 0,4% aller Studierenden im ersten Hochschulsemester.
Oftmals ist der erfolgreiche Berufsabschluss als Techniker oder Meister mit dem Erwerb der Fachhochschulreife verbunden. Deutschlandweit kamen 2007 zwei von fünf beruflich Qualifizierten oder 0,3% der Studienanfänger beziehungsweise –anfängerinnen insgesamt zum Studium über die Fachhochschulreife. Nur ein beruflich Qualifizierter von fünf oder weniger als 0,2% der Erstimmatrikulierten gelangten über die allgemeine Hochschulreife zu einem Studienplatz.
Fachhochschulen werden von den beruflich Qualifizierten bevorzugt
2007 haben fast zwei Drittel der beruflich Qualifizierten ihr Studium an einer Fachhochschule begonnen. Rund ein Drittel nahm ein Studium an einer Universität, einer pädagogischen oder einer theologischen Hochschule auf. Mit einem Anteil von 3% wurden nur wenige an einer Verwaltungsfachhochschule immatrikuliert.
Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften am beliebtesten
2007 schrieben sich 46% der beruflich Qualifizierten, die ein Studium an deutschen Hochschulen begannen, bei den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften ein. Betrachtet man die Studienanfänger beziehungsweise –anfängerinnen insgesamt, so ist auch für sie diese Fächergruppe mit einem Anteil von einem Drittel die bedeutendste. Die Ingenieurwissenschaften standen auf Rang zwei der Skala der beliebtesten Fächergruppen der beruflich Qualifizierten mit 23% der Erstsemestler. Über alle Studienanfänger beziehungsweise –anfängerinnen hinweg gesehen immatrikulierte sich hier nur ein knappes Fünftel. Das geringste Interesse der beruflich Qualifizierten fanden die Sprach- und Kulturwissenschaften mit einem Anteil von knapp 8%. Dagegen entschieden sich deutschlandweit 19% aller Studienanfänger und –anfängerinnen für diese Fächergruppe.
Beruflich Qualifizierte studieren erfolgreich
2007 schlossen 1 190 Personen, die über eine berufliche Qualifikation zum Studium zugelassen worden waren, erfolgreich ihr Studium ab. Stellt man den Anteil der beruflich Qualifizierten an den Absolventen beziehungsweise Absolventinnen des Jahres 2007 in Höhe von 0,5% dem Anteil der beruflich Qualifizierten an allen Studienanfängern beziehungsweise -anfängerinnen des Jahres 2002 in Höhe von 0,6% gegenüber (rund fünf Jahre beträgt die durchschnittliche Studiendauer), so ergibt sich ein Unterschied von 0,1 Prozentpunkten. Aufgrund dieser marginalen Differenz kann man darauf schließen, dass beruflich qualifizierte Studierende genauso erfolgreich ihr Studium absolvierten wie andere Studenten beziehungsweise Studentinnen.
Autorin:
Astrid Stroh - Statistisches Bundesamt
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