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Öffentliche Finanzen & Steuern

Spenden - von wem und wofür?

Destatis, 08. Februar 2008

Das Thema Spenden ist nicht nur an Weihnachten und in Wahlkampfzeiten aktuell. Auch negative Schlagzeilen wie zurzeit von Unicef sorgen für Medienpräsenz. Im vergangenen Jahr wurde das Spendenrecht im "Gesetz zur weiteren Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements" neu geregelt. Die Auswirkungen werden sich erst in wenigen Jahren aus den Ergebnissen der Einkommensteuerstatistik ablesen lassen. Doch bereits die Daten für 2001 bis 2004 bieten interessante Aufschlüsse über die sozioökonomische Struktur der Spendenden sowie Höhe und Zweck der getätigten Spenden.

Spendenzwecke

Der Gesetzgeber fördert nicht alle erdenklichen Spenden, sondern nur Spenden für bestimmte, von ihm vorgegebene Zwecke. (§§ 10b und 34g Einkommensteuergesetz (EStG)) Den größten Bereich bilden Spenden für mildtätige, kirchliche, religiöse, gemeinnützige, wissenschaftliche und kulturelle Zwecke (im Weiteren kurz: mildtätige Zwecke). Die zweitstärkste Gruppe im Hinblick auf die Spendenhäufigkeit sind die Spenden für politische Zwecke. Unter dem Begriff „Spenden“ werden auch Mitgliedsbeiträge erfasst.

Was die Höhe der Spenden betrifft, so übersteigen mit Ausnahme des Jahres 2002 die Zuwendungen an Stiftungen – der dritte Bereich – die Spenden für politische Zwecke. Ein Steuerpflichtiger (dahinter stehen bei gemeinsamer Veranlagung von Ehegatten zwei Personen) kann Spenden für mehrere Zwecke geltend gemacht haben.

Tabelle zum Thema: Geltend gemachte Spenden

Die Spendenbereitschaft hängt zum Teil von den aktuellen Gegebenheiten ab. So aktivieren große Naturkatastrophen wie der Tsumami oder die Elbflut kurzfristig Spenden; der Verlauf der Wahlperioden wirkt auf die Parteispenden.

Größere Ansicht des Diagramms 'Geltend gemachte Spenden (Euro) und Anzahl der geltend gemachten Spenden'Bild vergrößernGeltend gemachte Spenden und Anzahl der Spenden

Das Volumen der geltend gemachten Spenden beläuft sich insgesamt auf rund 4 Milliarden Euro pro Jahr. Der stärkste Anstieg beim Spendenvolumen ist von 2001 (3,7 Mrd. Euro) auf 2002 (4,2 Mrd. Euro) zu verzeichnen (+12%), dem Jahr der Elbflut. Danach war das Volumen zwar tendenziell rückläufig, blieb aber über dem Niveau von 2001. Zunahmen von bis zu 79% sind im Stiftungsbereich zu verbuchen gewesen, während die Spenden für politische Parteien nach einem starken Anstieg im Jahr 2002 (+81%) deutlich zurückgingen (-21% und -10%).

Im Vergleich zum Spendenvolumen sind die jährlichen Veränderungen bei der Anzahl der Spendenden insgesamt weniger stark ausgeprägt (von -5% bis +4%). In den einzelnen Bereichen schwankte die Anzahl aber auch hier sehr unterschiedlich: bei den Spenden für politische Zwecke war die Anzahl von Jahr zu Jahr rückläufig, während sich die Anzahl der Spenden an Stiftungen nach einem Anstieg von 10% (2003) im Jahr 2004 fast verdoppelt hat (+98%).

Jeder dritte Einkommensteuerpflichtige spendet

Bei der Einteilung aller veranlagten Einkommensteuerzahler in Spendende und nicht Spendende fällt auf, dass der Anteil der Spendenden mit rund einem Drittel im betrachteten Zeitraum nahezu konstant ist. Auf die Spendenden entfällt jedes Jahr ein Anteil des Gesamtbetrags der Einkünfte von knapp 50 Prozent. Damit liegt das durchschnittliche Einkommen der Spendenden von rund 50 000 Euro um 66 Prozent über dem durchschnittlichen Einkommen der nicht Spendenden in Höhe von knapp 30 000 Euro. Insgesamt haben die etwa 9 Millionen Spendenden jährlich rund 4 Milliarden Euro Spenden geltend gemacht. Das sind 0,9 Prozent ihres Einkommens, das die Spendenden als Ausgaben für steuerlich anerkannte Spendenzwecke deklarieren. Von den im Veranlagungszeitraum 2003 geltend gemachten Spenden haben die Finanzbehörden Spenden im Umfang von 2,9 Milliarden Euro als abzugsfähig anerkannt. Im Durchschnitt entspricht das einer anerkannten Spende in Höhe von 107 Euro je Steuerpflichtigem bzw. 325 Euro je spendendem Steuerpflichtigen.

Größere Ansicht des Diagramms Steuerpflichtige und Gesamtbetrag der EinkünfteBild vergrößernSteuerpflichtige und Gesamtbetrag der Einkünfte

Für mildtätige beziehungsweise politische Zwecke wurden durchschnittlich 363 beziehungsweise 372 Euro und für Stiftungen 12 900 Euro gespendet.

Spenden Reiche mehr?

Mit zunehmendem Einkommen steigt die Anzahl der Steuerpflichtigen, die Spenden geltend machen. So liegt 2003 der Anteil der Steuerpflichtigen mit geltend gemachten Spenden im Einkommensbereich bis 30 000 Euro bei rund einem Vierteil, während er bei Einkommensbeziehern von 100 000 Euro und mehr bei gut zwei Dritteln liegt. Im Gegensatz dazu ist der Anteil der Spende am Einkommen in der Kategorie bis 10 000 Euro mit 3,6 Prozent am höchsten und nimmt mit zunehmendem Einkommen kontinuierlich ab. Erst die Bezieher von 100 000 Euro und mehr verwenden wieder einen überdurchschnittlichen Anteil von 1,1 Prozent ihres Einkommens für Spenden.

Fördern Kinder die Spendenbereitschaft?

Die Gesamtheit der Steuerpflichtigen besteht zu nahezu gleichen Teilen aus verheirateten Paaren und (nicht verheirateten, aber eventuell liierten) Einzelpersonen. Im Veranlagungszeitraum 2003 machen die Ehepaare 63 Prozent der Spendenden aus und tragen zu 70,1 Prozent zum Spendenvolumen bei.

Von den 5,6 Millionen spendenden Ehepaaren haben 96,9 Prozent Spenden für mildtätige, 12,0 Prozent für politische Zwecke und 0,5 Prozent an Stiftungen geltend gemacht. Unterschieden nach der Anzahl ihrer (steuerlich relevanten) Kinder ist zu sehen, dass nur Ehepaare ohne Kinder überdurchschnittlich oft Spenden für politische Zwecke aufweisen (13,6 Prozent) und die meisten Spenden an Stiftungen von Ehepaaren mit 3 oder mehr Kindern kommen (0,9 Prozent). Spenden für mildtätige Zwecke sind bei allen in gleichem Maße anzutreffen.

Betrachtet man hingegen die Höhe der gletend gemachten Spenden, so ergibt sich ein anderes Bild: Während die Ehepaare mit 3 oder mehr Kindern 65,7 Prozent ihrer Spenden für mildtätige Zwecke und 26,7 Prozent für politische Zwecke ausgeben, haben Ehepaare ohne Kinder ihre Schwerpunkte mit 71,1 Prozent bei mildtätigen Zwecken und 21,1 Prozent bei Stiftungen. Die Ehepaare mit 1 oder 2 Kindern geben etwa 86 Prozent ihrer Spenden für mildtätige Zwecke aus; die restliche Summe verteilt sich gleichmäßig auf Stiftungen und politische Zwecke.

In Bezug auf alle Steuerpflichtigen sind mit 44,6 Prozent die meisten Spendenden unter den Ehepaaren mit 3 oder mehr Kindern zu finden. Was die Höhe der Spenden betrifft, haben Einzelpersonen und Ehepaare ohne Kinder mit einem Anteil von 1,21 und 1,18 Prozent ihres Einkommens die höchste Quote, gefolgt von den Ehepaaren mit 3 oder mehr Kindern (1,15 Prozent).

Diesem Beitrag liegen die Daten der jährlichen Einkommensteuerstatistik zu Grunde, die all jene erfasst, die sich zur Einkommensteuer veranlagen ließen. Das waren im Jahr 2001 etwa 27,8 Millionen Steuerpflichtige, Tendenz bis 2004 leicht rückläufig. Etwa die Hälfte der Steuerpflichtigen sind zusammen veranlagte Ehegatten. Die Ergebnisse für 2004 sind vorläufig.

Ausführliche Ergebnisse enthält der Beitrag "Spenden in Deutschland" in Wirtschaft und Statistik 2/2006


Autorin:
Doktor Nicole Buschle - Statistisches Bundesamt

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