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Gesundheit

Krankenpflege - Berufsbelastung und Arbeitsbedingungen

Destatis, 18. August 2009

Im Jahr 2007 arbeiteten rund 4,4 Millionen Beschäftigte im Gesundheitswesen. Die mit Abstand größte Berufsgruppe unter den Gesundheitsdienstberufen stellen die "Gesundheits- und Krankenpflegerinnen/-pfleger" mit insgesamt 712 000 Beschäftigten dar. Aber nicht nur aufgrund der hohen Beschäftigtenzahl, sondern insbesondere wegen der verantwortungsvollen Tätigkeit bei der Pflege und Betreuung der Patienten hat diese Berufgruppe eine zentrale Bedeutung für die medizinische Versorgung der Bevölkerung – ein Grund sich mit ihrer Belastung und den Arbeitsbedingungen zu beschäftigen. Hierzu werden Daten der Gesundheitspersonalrechnung, Grunddaten der Krankenhausstatistik des Bundes und der Länder und des Mikrozensus herangezogen.

Gesundheits- und Krankenpflegerinnen/-pfleger arbeiten primär in Krankenhäusern (490 000 Beschäftigte) und in der ambulanten Pflege (98 000 Beschäftigte). Der weitaus größte Teil dieser Berufsgruppe sind Frauen mit rund 85%. Die Zahl der beschäftigten Gesundheits- und Krankenpflegerinnen/-pfleger insgesamt ist zwischen den Jahren 1997 und 2007 von 678 000 auf 712 000, also um 5% gestiegen. Gleichwohl sind die auf die volle tarifliche Arbeitszeit umgerechneten Beschäftigten, die sogenannten Vollkräfte, im gleichen Zeitraum von 518 000 auf 512 000 zurückgegangen. Dies ist auf den Abbau von Vollzeitstellen um knapp 12% und die Zunahme der teilzeit- und geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse um rund 39% in dieser Berufsgruppe zwischen 1997 und 2007 zurückzuführen.

Belastung des Pflegepersonals in Krankenhäusern

Durch die Krankenhausstatistik werden jährlich unter anderem die Zahl der behandelten Patientinnen und Patienten, also die Behandlungsfälle, die Belegungs- beziehungsweise Berechnungstage, das entspricht der Zahl der zu versorgenden Betten, und die sogenannten Pflegevollkräfte ausgewiesen. Diese drei Größen werden zur Berechnung von zwei Pflegedienstbelastungszahlen herangezogen: der durchschnittlichen Zahl der Behandlungsfälle je Pflegevollkraft pro Jahr (Behandlungsfälle/Pflegevollkräfte) und der durchschnittlichen Zahl der zu versorgenden Betten je Pflegevollkraft pro Jahr (Belegungstage/Pflegevollkräfte). Weil der Anteil der Gesundheits- und Krankenpflegerinnen/-pfleger am Pflegepersonal insgesamt in den Jahren 1997 bis 2007 zwischen 87% und 91% betrug, sind die im folgenden dargestellten Pflegedienstbelastungszahlen auch für Gesundheits- und Krankenpflegerinnen/-pfleger aussagekräftig.

Tabelle Belastungszahlen je Pflegevollkraft im Berichtsjahr

Gemessen an der durchschnittlichen Zahl der Behandlungsfälle innerhalb eines Jahres ist die Pflegepersonalbelastung im betrachteten Zeitraum um rund 21% gestiegen. Werden hingegen die durch eine Pflegevollkraft im Jahresdurchschnitt zu versorgenden Betten herangezogen, so ist die Belastung des Pflegepersonals im gleichen Zeitraum um 5% zurückgegangen. Die gegenläufige Entwicklung beider Pflegedienstbelastungszahlen hat folgende Ursache: In den Krankenhäusern gingen die Pflegevollkräfte zwischen den Jahren 1997 und 2007 um insgesamt 43 000 beziehungsweise rund 13% zurück. Im gleichen Zeitraum ist die Zahl der jährlichen Behandlungsfälle in Krankenhäusern um rund 750 000 oder knapp 5% gestiegen. Hieraus resultiert eine steigende Zahl an Behandlungsfällen für eine Pflegevollkraft pro Jahr. Die Zahl der zu versorgenden Betten ist neben der Zahl der Behandlungsfälle auch von der Verweildauer in den Krankenhäusern abhängig. Zwischen den Jahren 1997 und 2007 ging die durchschnittliche Verweildauer der Patientinnen und Patienten in Krankenhäusern von 10,4 auf 8,3 Tage zurück. Dies hat zur Folge, dass die Zahl der durch eine Pflegevollkraft zu versorgenden Betten trotz steigender Patientenzahlen und einem deutlichen Rückgang der Pflegevollkräfte pro Jahr sinkt.

Allerdings greifen die Pflegebelastungszahlen allein etwas zu kurz, wenn man die Auswirkungen des demografischen Wandels nicht berücksichtigt. Im Jahr 2007 waren gut 43% der Behandlungsfälle in Krankenhäusern 65 Jahre und älter, im Jahr 1997 waren es noch rund 32%. Da bei Menschen im höheren Alter die Selbstversorgungsfähigkeit abnimmt und die Multimorbidität, das heißt das gleichzeitige Vorliegen mehrerer Erkrankungen zunimmt, dürfte das Pflegepersonal in Krankenhäusern durch den steigenden Anteil älterer Patientinnen und Patienten zunehmend belastet sein.

Schichtdienst, Wochenend- und Nachtarbeit

Größere Ansicht des Diagramms Samstags-, Sonn- und / oder Feiertags-, Abend- und NachtarbeitBild vergrößernArbeitszeiten

Auf Basis der Mikrozensusdaten 2007 werden die Arbeitsbedingungen, arbeitsbedingte Gesundheitsprobleme und belastende Faktoren bei der Arbeit von Gesundheits- und Krankenpflegerinnen/-pflegern analysiert und mit den Beschäftigten in Gesundheitsdienstberufen und in der Gesamtwirtschaft verglichen. Ergebnisse für die beiden letztgenannten Gruppen werden jeweils ohne Gesundheits- und Krankenpflegerinnen/-pfleger ausgewiesen. Die Analyse umfasst alle Selbständigen und abhängig Beschäftigten.

Die ambulante und (teil-)stationäre medizinische Versorgung der Bevölkerung muss zu allen Tages- und Nachtzeiten sichergestellt sein. Daher wird von Gesundheits- und Krankenpflegerinnen/-pflegern große Arbeitsflexibilität verlangt. Rund 69% von ihnen arbeiteten im Jahr 2007 ständig, regelmäßig oder gelegentlich im Schichtdienst. Die Vergleichswerte für die Beschäftigten in Gesundheitsdienstberufen und in der Gesamtwirtschaft waren mit rund 17% und 14% deutlich niedriger. Zudem waren Gesundheits- und Krankenpflegerinnen/-pfleger besonders stark von ständiger, regelmäßiger oder gelegentlicher Samstagsarbeit (85%), Sonn- und oder Feiertagsarbeit (84%), Abendarbeit (82%) und Nachtarbeit (58%) betroffen.

Überstunden und Wochenarbeitszeit

Größere Ansicht des Diagramms 'Wichtigster Grund für Mehrarbeit'Bild vergrößernMehrarbeitsgründe

Ein weiterer Gesichtspunkt zur Beurteilung der Arbeitsbedingungen von Gesundheits- und Krankenpflegerinnen/-pflegern sind Überstunden und die geleistete Wochenarbeitszeit. Im Jahr 2007 arbeiteten knapp 22% dieser Berufsgruppe in der Berichtswoche mehr als normalerweise. Bei den Beschäftigten in Gesundheitsdienstberufen und in der Gesamtwirtschaft waren die Anteile ähnlich hoch (21% bzw. 20%). Als wichtigster Grund spielten bezahlte und unbezahlte Überstunden bei Gesundheits- und Krankenpflegerinnen/-pflegern allerdings eine erheblich geringere Rolle als bei den Vergleichsgruppen; vielmehr dominierte der Stundenausgleich (auch gleitende Arbeitszeit).

Im Jahr 2007 betrug die durchschnittliche Wochenarbeitszeit bei Gesundheits- und Krankenpflegerinnen/-pflegern durchschnittlich 32,0 Stunden, bei Beschäftigten in Gesundheitsdienstberufen 37,0 Stunden und bei Beschäftigten in der Gesamtwirtschaft 35,7 Stunden. Dabei gingen Gesundheits- und Krankenpflegerinnen/-pfleger und Beschäftigte in Gesundheitsdienstberufen wesentlich häufiger einer Teilzeitbeschäftigung nach als die Beschäftigten in der Gesamtwirtschaft. Bei vollzeitbeschäftigten Gesundheits- und Krankenpflegerinnen/-pflegern beträgt die durchschnittliche Wochenarbeitszeit 38,4 Stunden. Hiermit arbeiten sie durchschnittlich 6,1 Stunden weniger als Vollzeitbeschäftigte in Gesundheitsdienstberufen und 3,1 Stunden weniger als Vollzeitbeschäftigte in der Gesamtwirtschaft. Mit durchschnittlich 22,8 Stunden arbeiten teilzeitbeschäftigte Gesundheits- und Krankenpflegerinnen/-pfleger im Mittel 1,1 Stunden mehr pro Woche als Teilzeitbeschäftigte in Gesundheitsdienstberufen und in der Gesamtwirtschaft. Die Wochenarbeitszeit der geringfügig Beschäftigten unterscheidet sich in den drei betrachteten Gruppen kaum voneinander.

Stress und arbeitsbedingte Gesundheitsprobleme

Größere Ansicht des Diagramms Hauptbelastungsfaktoren bei der ArbeitBild vergrößernHauptbelastungsfaktoren

Im Mikrozensus 2007 wurden in einem Ad-hoc-Modul unter anderem arbeitsbedingte Gesundheitsprobleme und belastende Faktoren bei der Arbeit erhoben. Von den befragten Gesundheits- und Krankenpflegerinnen/-pflegern gaben 16% an, dass sie in den letzten 12 Monaten mindestens ein arbeitsbedingtes Gesundheitsproblem hatten. Hingegen war der Anteil der Beschäftigten in Gesundheitsdienstberufen und in der Gesamtwirtschaft mit mindestens einem arbeitsbedingten Gesundheitsproblem in den letzten 12 Monaten mit 6,4% bzw. 6,5% deutlich niedriger. Gelenk-, Knochen- oder Muskelbeschwerden und zwar insbesondere im Rückenbereich wurden von allen Vergleichsgruppen als Hauptbeschwerden genannt. Auch hier lag der Anteil der betroffenen Gesundheits- und Krankenpflegerinnen/-pfleger mit 87% höher als bei den Beschäftigten in Gesundheitsdienstberufen (76%) und in der Gesamtwirtschaft (77%).

Eine Analyse der ausgefallenen Arbeitstage bedingt durch das schwerwiegendste genannte arbeitsbedingte Gesundheitsproblem zeigt, dass betroffene Gesundheits- und Krankenpflegerinnen/-pfleger in den letzten 12 Monaten mit durchschnittlich 38,1 Fehltagen deutlich länger ausfallen als Beschäftigte mit arbeitsbedingten Gesundheitsproblemen in Gesundheitsdienstberufen und in der Gesamtwirtschaft (28,3 beziehungsweise 21,8 Fehltage). Die Zahl der ausgefallenen Arbeitstage basieren auf einer Selbsteinschätzung der Befragten.

Als Hauptbelastungsfaktoren bei der Arbeit wurden von allen drei Vergleichsgruppen "schwierige Körperhaltungen, Bewegungsabläufe oder Hantieren mit schweren Lasten" sowie "Zeitdruck und Arbeitsüberlastung" genannt. Auffällig war auch hier, dass die Gesundheits- und Krankenpflegerinnen/-pfleger deutlich häufiger unter "schwierigen Körperhaltungen, Bewegungsabläufen oder Hantieren mit schweren Tätigkeiten" (35%) sowie "Zeitdruck und Arbeitsüberlastung" (33%) leiden als die Beschäftigten in Gesundheitsdienstberufen (15% und 24%) und in der Gesamtwirtschaft (7% und 15%).

Fazit

Unsere Betrachtung zeigt, dass Gesundheits- und Krankenpflegerinnen/-pfleger besonderen Belastungen ausgesetzt sind. Die Ergebnisse der Untersuchung können wie folgt zusammengefasst werden: Steigende Patientenzahlen und Verkürzungen der Verweildauer in Krankenhäusern führen bei gleichzeitigem Pflegepersonalabbau zu einer Arbeitsverdichtung. Nach den Ergebnissen des Mikrozensus 2007 sind Gesundheits- und Krankenpflegerinnen/-pfleger bezogen auf Schichtarbeit, Wochenend- und Feiertagsarbeit sowie Nachtarbeit besonders stark belastet. Es wurde weiter deutlich, dass diese Berufsgruppe besonders häufig unter arbeitsbedingten Gesundheitsproblemen leidet. Zudem ist ihre Tätigkeit im besonderen Ausmaß durch schwierige Körperhaltungen, Bewegungsabläufe oder Hantieren mit schweren Lasten sowie Zeitdruck und Arbeitsüberlastung gekennzeichnet.

Die nächste Ausgabe des STATmagazins widmet sich dem Thema "Gesundheitsrisiko am Arbeitsplatz".



Autorin: Anja Afentakis - Statistisches Bundesamt

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