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Gesundheit

Nichtraucher auf dem Vormarsch – Gesundheitsschutz hat Vorrang

Destatis, 02. Juni 2010

Rauchen gilt als das größte vermeidbare Gesundheitsrisiko unserer Zeit. Die Verringerung des Tabakkonsums und ein möglichst umfassender Schutz vor den Gefahren des Passivrauchens sind daher vordringliche gesundheitspolitische Ziele, die von Bund und Ländern mit verschiedenen präventiven und gesetzlichen Maßnahmen verfolgt werden. Dazu gehören die Erhöhung der Tabaksteuer sowie Abgabeverbote von Zigaretten an Kinder und Jugendliche, Präventionskampagnen, Werbeeinschränkungen und der Nichtraucherschutz am Arbeitsplatz und in Gaststätten.

Im Jahr 2009 wurden in Deutschland knapp 87 Milliarden Zigaretten, rund 3,8 Milliarden Zigarren oder Zigarillos, über 24 000 Tonnen Feinschnitt und gut 800 Tonnen Pfeifentabak versteuert. Das entspricht einem durchschnittlichen Konsum von drei Zigaretten täglich pro Kopf der Bevölkerung – vom Säugling bis zum Greis, die Selbstgedrehten noch nicht eingerechnet – und zusätzlich einmal in der Woche eine Zigarre oder einen Zigarillo. Welche Personen tatsächlich rauchen und wie viel sie konsumieren, zeigen die Ergebnisse des Mikrozensus.

Jede(r) Vierte über 15 Jahre raucht

Größere Ansicht des Diagramms 'Nichtraucher und Raucher 2009 - Anteil der Bevölkerung im Alter von 15 Jahren und älter'Bild vergrößernNichtraucher und Raucher

Die Warnungen vor den gesundheitlichen Risiken des Rauchens werden nach wie vor von vielen Bürgern ignoriert. Nach den Ergebnissen des Mikrozensus war im Jahr 2009 ein Viertel der Personen ab 15 Jahren, die Auskunft über ihr Rauchverhalten gaben, bekennende Raucher. Das waren 2% weniger als vor zehn Jahren. Die meisten (22%) waren regelmäßige Raucher. Gelegenheitsraucher waren mit 4% deutlich seltener.

79% der Frauen und 69% der Männer bezeichneten sich im Jahr 2009 als Nichtraucher. Vor zehn Jahren waren es fast genauso viele Frauen (78%), aber mit 65% noch etwas weniger Männer.

Der Anteil der Gelegenheitsraucher ist bei Frauen und Männern in den letzten zehn Jahren nahezu gleich geblieben. Ein deutlicher Rückgang um 5 Prozentpunkte ist seit 1999 lediglich bei den regelmäßig rauchenden Männern zu verzeichnen.

Rauchen ist out: Weniger junge Raucher als früher

Größere Ansicht des Diagramms Regelmäßige Raucher und Raucherinnen 2009Bild vergrößernRaucher und Raucherinnen

In den letzten zehn Jahren hat sich der Spitzenwert des altersspezifischen Raucheranteils in der Bevölkerung hin zu jüngeren Altersgruppen verlagert, bei den Männern zu den 25- bis 30-Jährigen, bei den Frauen zu den 20- bis 25-Jährigen. Erfreulich ist es, dass bei den sehr jungen Bevölkerungsgruppen, also bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen von 15 bis unter 20 Jahren der Anteil der Raucher seit 1999 deutlich abgenommen hat; bei den Männern von 22 auf 16% und bei den Frauen von 16 auf 12%.


Wer raucht was – und wenn ja, wie viel?

96% der Raucher greifen zu Zigaretten, 3% zu Zigarren und Zigarillos und zur Pfeife nur 1%. Shisha (Wasserpfeife), die 2009 erstmals in die Befragung aufgenommen wurde, hat über alle Altersgruppen gesehen keine Bedeutung. Sie wird von 2% der jungen Männer von 15 bis unter 20 Jahren und 1% der Frauen in dieser Altersgruppe geraucht.

Für das individuelle Gesundheitsrisiko durch Rauchen ist die Menge des Tabakkonsums mit ausschlaggebend. Mehr als drei Viertel (80%) der regelmäßigen Zigarettenraucher gaben an, im Durchschnitt 5 bis 20 Zigaretten am Tag zu rauchen. Mehr als 20 Zigaretten am Tag rauchten 14%. Nach der Definition der Weltgesundheitsorganisation sind diese als starke Raucher einzustufen. Lediglich 7% der regelmäßigen Zigarettenraucher quantifizierten ihren Zigarettenkonsum auf einen geringen Konsum - unter fünf Stück pro Tag.

Immer mehr Raucher gehen offenbar zu einem mittleren Konsum über: So ist der Anteil der starken Raucher seit 1999 kontinuierlich von 18% auf 14% gesunken. Dagegen ist der Anteil der Raucher von 5 bis 20 Zigaretten am Tag seit 1999 (74%) sogar leicht gestiegen.

Auch bei der täglich gerauchten Menge von Zigaretten gab es Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Unter den regelmäßigen Rauchern war jeder Sechste (17%) als starker Raucher einzustufen, bei den regelmäßigen Zigarettenraucherinnen war es nur jede Zehnte (10%). Demgegenüber war der Anteil der Frauen, die weniger als 5 Zigaretten am Tag rauchten, mit 9% fast doppelt so hoch wie der Anteil bei den Männern mit 5%.

Einstiegsalter ist heutzutage früher

Auch der Zeitpunkt des Rauchbeginns hat Einfluss auf das Gesundheitsrisiko der betroffenen Personen. Innerhalb der letzten 50 Jahre hat sich das "Einstiegsalter" entscheidend vermindert: Im Jahr 2009 gaben die zum Zeitpunkt der Befragung 65- bis unter 70-jährigen Männer an, im Alter von 18,5 Jahren mit dem Rauchen angefangen zu haben. Die gleichaltrigen Frauen waren schon 21,9 Jahre alt, als sie mit dem Rauchen begonnen hatten.

Jüngere Personen nennen in der Regel ein früheres "Einstiegsalter" als die älteren. Insbesondere die jüngeren Frauen sind den gleichaltrigen Männern einige Monate voraus. So haben die 15- bis unter 20-jährigen Männer ihren Rauchbeginn mit 15,6 Jahren angegeben, die gleichaltrigen Frauen mit 15,2 Jahren. Auch in der Altersgruppe der 20- bis unter 25-Jährigen begannen die Frauen mit durchschnittlich 15,7 Jahren etwas früher zu rauchen als die gleichaltrigen Männer mit 16,0 Jahren. In den nachfolgenden Altersgruppen kehrt sich dieses Verhältnis um, die Männer geben einen früheren Rauchbeginn an als die Frauen, und das Alter des Rauchbeginns verschiebt sich mehr nach oben. Im Durchschnitt über alle Altersgruppen fingen Männer mit 17,5 Jahren an zu rauchen und Frauen mit 18,3 Jahren.

Im Alter werden Raucher klug…

Die Gruppe der Nichtraucher (74%) setzt sich aus "Nie-Rauchern" (54%) und ehemaligen Rauchern (20%) zusammen. Dabei wächst der Anteil der Nichtraucher mit zunehmendem Alter der Befragten, der niedrigste Wert ist mit 62% bei den 25- bis unter 30-Jährigen zu finden. Bei den über 75-Jährigen beträgt der Anteil der Nichtraucher 95%.

Unter den Frauen haben nach eigenen Angaben 64% noch nie geraucht. Bei den Männern beträgt dieser Anteil nur 45%. Die Ausstiegsquote, d.h. der Anteil der ehemaligen Raucher, ist bei Männern mit 25% entsprechend größer als bei Frauen mit 15%. Anders als die Männer hören Frauen aber früher mit dem Rauchen wieder auf. Sie haben bis zum Alter von 35 Jahren eine höhere Aussteigerquote zu verzeichnen.

Am Geld liegt es nicht

Ein höheres Einkommen geht nicht, wie man vielleicht vermuten könnte, mit einem höheren Tabakkonsum einher. Das Gegenteil ist der Fall: Während in Haushalten mit einem monatlichen Einkommen bis zu 1 300 Euro der Anteil der Raucher 33% beträgt, liegt deren Anteil in der Einkommensklasse von 2 600 bis 4 500 Euro bei 24% und in Haushalten mit über 4 500 Euro bei 19%.

Bitteres Ende

Ein Blick auf die Todesursachenstatistik sollte jedem Raucher Anlass zum Ausstieg geben: Lungen-, Luftröhren- oder Kehlkopfkrebs - das sind Krebsarten, die mit Tabakkonsum in Zusammenhang gebracht werden - waren vierthäufigste Todesursache im Jahr 2008. Das mittlere Sterbealter der Betroffenen lag mit 69,9 Jahren um 7 Jahre unter dem Durchschnitt.

Neben diesen genannten Krebsarten muss auch davon ausgegangen werden, dass bei einer Vielzahl von Todesfällen insbesondere bei den Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder der Chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) der Konsum von Tabak mit zum Tode beigetragen haben kann.


Autorin: Evelyn Laue - Statistisches Bundesamt

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