Normalansicht

Navigation und Service

Logo Destatis - Statistisches Bundesamt, Link zur Startseite

Land- & Forstwirtschaft, Fischerei

Idylle ade! Vom Bauern zum Unternehmer

Destatis, 15. März 2011

Längst entspricht die Idylle, die viele Zuschauer an der Fernsehserie "Bauer sucht Frau" schätzen, nicht mehr der Realität auf den meisten deutschen Bauernhöfen. Wiederkäuende Kühe auf einer saftig grünen Wiese, glücklich scharrende Hühner und sich genüsslich suhlende Schweine sind nicht der Standard einer modernen Landwirtschaft. Die neuesten Zahlen der Landwirtschaftszählung 2010 zeichnen ein differenziertes Bild deutscher Betriebe, ihrer Flächenbewirtschaftung und Viehhaltung. Und die Befragung hat ergeben: Viele Bauern sind tatsächlich auf der Suche - nach einem Nachfolger.

Weniger Höfe; dafür größer…

Der technische Fortschritt macht es möglich – ein Hofbesitzer kann heute deutlich größere Flächen und Tierbestände als noch vor einigen Jahrzehnten bewirtschaften. Wer heute als selbstständiger Landwirt arbeitet, ist häufig mehr Unternehmer als Bauer. Insgesamt gab es 2010 in Deutschland rund 301 000 landwirtschaftliche Betriebe, rund 21 000 weniger als bei der Agrarstrukturerhebung 2007.

Ein Blick auf die Größenklassenstruktur zeigt, dass viele Höfe (auch heute noch) über eine - vergleichsweise kleine - landwirtschaftlich genutzte Fläche zwischen 20 und 50 Hektar verfügen.

Tabelle: Landwirtschaftliche Betriebe und landwirtschaftlich genutzte Fläche

Größere Ansicht des Diagramms 'Entwicklung landwirtschaftlicher Betriebe nach ausgewählten Größenklassen zwischen 2007 und 2010'Bild vergrößernDiagramm

Die Tendenz geht zu weniger, aber dafür größeren Höfen. Denn während in allen Größenklassen bis 100 Hektar die Zahl der wirtschaftenden Höfe sank, haben Betriebe mit 100 oder mehr Hektar Fläche kontinuierlich zugenommen.

Eine Begleiterscheinung des Strukturwandels ist das stetige Wachstum der Betriebe. Denn die aus einer Betriebsaufgabe frei gewordenen Flächen werden von anderen Höfen übernommen. So bewirtschaftete 2010 ein Landwirt in Deutschland durchschnittlich eine Fläche von 56 Hektar, vier Hektar (7%) mehr als noch 2007.

… und mit mehr Tieren

Auch bei der Viehhaltung zeichnet sich eine Unternehmenskonzentration ab. In knapp drei Viertel (72%) aller landwirtschaftlichen Betriebe wurden 2010 Tiere gehalten, darunter rund 13 Millionen Rinder, 27 Millionen Schweine und 131 Millionen Hühner, Enten und Gänse. Im Vergleich zur Agrarstrukturerhebung 2007 ging die Anzahl landwirtschaftlicher Betriebe mit Tierhaltung um etwa 21 000 Betriebe (9%) auf 217 000 zurück.

Aber auch wenn sich die Zahl der Vieh haltenden Betriebe reduzierte, nahmen die Tierbestände weniger stark ab — der Bestand an Schweinen und Geflügel erhöhte sich sogar leicht. Hintergrund ist die Spezialisierung der Viehhaltung: In 57% aller Vieh haltenden Betriebe wurde nur eine Tierart gehalten. Der Grad der Spezialisierung ist dabei in Betrieben mit Geflügel- und Schweinehaltung besonders hoch. So gab es beispielsweise insgesamt rund 61 000 Betriebe mit Geflügelhaltung. In 15% dieser Betriebe standen fast zwei Drittel (64%) des gesamten Geflügelbestandes. Ähnlich verhält es sich bei den Schweinen. Lediglich ein Drittel der 61 000 Betriebe mit Schweinen war auf die Schweinehaltung spezialisiert. In diesen Betrieben wurden jedoch beinahe zwei Drittel (61%) aller Schweine gehalten.

Höfe setzen auf mehrere Einkommensquellen…

Nur knapp jeder zweite landwirtschaftliche Familienbetrieb dient heute noch als Haupteinkommensquelle für seinen Inhaber. Die andere Hälfte führt den Betrieb im Nebenerwerb und bestreitet den Lebensunterhalt überwiegend aus anderen Quellen, zum Beispiel über eine zusätzliche Erwerbstätigkeit außerhalb der Landwirtschaft.

…und werden multifunktionaler

Immer mehr Landwirte tragen neben ihrer landwirtschaftlichen Produktion zunehmend auch mit nicht landwirtschaftlichen Arbeiten zur Stärkung des ländlichen Raums bei. Rund jeder Dritte verfügte 2010 mindestens über ein zusätzliches Standbein. Die Zahl der Betriebe, die auf weitere Einkommensalternativen setzen, ist damit seit 2007 um fast ein Drittel (31%) gestiegen. Am häufigsten (41%) wurde zusätzliches Einkommen aus der Erzeugung erneuerbarer Energien gewonnen. Dies sind unter anderem Wind- und Biogasanlagen oder die Verwertung von Biomasse (Raps, Mais oder Holz) zur Erzeugung von Wärme und Strom. Auch vertragliche Arbeiten (28%), zum Beispiel für andere Höfe als auch Arbeiten im Forst (24%) wurden häufig genannt.

Der Nachwuchs fehlt

Größere Ansicht des Diagramms 'Hofnachfolge in Einzelunternehmen mit einem 45 Jahre und älteren Betriebsinhaber 2010'Bild vergrößernDiagramm

Die ungeklärte Hofnachfolge stellt zahlreiche Landwirte in Deutschland vor eine große Herausforderung, vor allem wenn der Betrieb seit Generationen bewirtschaftet wird. Denn Bauernhöfe wurden und werden häufig an die eigenen Kinder weitergegeben. Und die deutschen Bauern sind nicht mehr die Jüngsten: Mehr als zwei Drittel (68%) waren 2010 bereits 45 Jahre oder älter. Von ihnen hat noch nicht einmal jeder dritte (30%) landwirtschaftliche Einzelunternehmer einen Nachfolger gefunden. Das bedeutet, dass mehr als zwei Drittel dieser Landwirte zum Zeitpunkt der Befragung noch nicht wussten, an wen sie ihren Hof übergeben könnten. Auch wenn den meisten noch etwas Zeit bleibt, um einen Nachfolger zu finden, werden Hofaufgaben den Strukturwandel weiter beschleunigen. Denn 20% der Landwirte ohne Nachfolger waren 60 Jahre oder älter und standen damit kurz vor der Rente.

Bei der Klärung der Betriebsweiterführung lässt sich eine Tendenz erkennen: Je größer der Betrieb ist und je stärker er als Erwerbsquelle dient, desto häufiger wird frühzeitig ein Nachfolger bestimmt.

Der landwirtschaftliche Beruf: Nicht nur "learning by doing"

Wer sind die Hofnachfolger? Die Frage nach dem Verwandtschaftsgrad wurde nicht gestellt, jedoch liegt nahe, dass es auch heute noch meist eigene Kinder oder Verwandte sind, die die Bauernhöfe in Zukunft übernehmen werden. Die designierten Jungbauern verfügten fast alle (97%) über mindestens eine abgeschlossene Berufsbildung. Mehr als die Hälfte (57%) der Hofnachfolger hatte zur eigenen Vorbereitung eine landwirtschaftliche Ausbildung abgeschlossen, einige (9%) sogar noch eine zusätzliche, nicht landwirtschaftliche. Und auch die Praxis ist für die meisten bereits Alltag: Vier von fünf Hofnachfolgern arbeiteten bereits ständig oder zumindest gelegentlich auf dem Hof mit.

Familiäre Unterstützung nimmt ab

Die Landwirtschaft ist traditionell ein Wirtschaftssektor, der durch familiäre Unterstützung geprägt ist. 2010 waren rund 1,1 Millionen Arbeitskräfte (-5% gegenüber 2007) in der Landwirtschaft tätig. Darunter waren mehr als die Hälfte Familienarbeitskräfte. Doch auch hier verändern sich die Strukturen: Immer weniger Familienangehörige sind am arbeitsreichen Hofalltag beteiligt. Gegenüber 2007 ging die Zahl der Familienbetriebe um 8% zurück und damit auch die der Familienarbeitskräfte (-12%). Dagegen stieg die Zahl der ständig angestellten Arbeitskräfte - auch als eine Folge des vermehrten Zusammenschlusses der Landwirte in Personengesellschaften.


Autoren: Doktor Torsten Blumöhr und Kerstin Hänsel - Statistisches Bundesamt

Auskünfte zum Thema erhalten Sie über unser Kontaktformular

© Statistisches Bundesamt (Destatis), 2017

Impressum – Kontakt – Barrierefrei