Milchpreise im Sommer 2007
Destatis, 14. September 2007
Preisentwicklung der letzten 15 Jahre
Mit der Ankündigung der Zentralen Markt- und Preisberichtstelle für Erzeugnisse der Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft (ZMP), dass im August 2007 mit erheblichen Preissteigerungen insbesondere für Milch und Molkereiprodukte zu rechnen sei, sind die Lebensmittelpreise in Deutschland wieder in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerückt. Dabei verlief der Preisanstieg bei Lebensmitteln in den letzten Jahren sehr moderat. Im Durchschnitt sind die Nahrungsmittelpreise in den zurückliegenden 15 Jahren deutlich weniger angestiegen als der Verbraucherpreisindex insgesamt.
Einen deutlichen Preisschub gab es bei den Nahrungsmitteln zuletzt im Jahr 2001 – als unter anderem die Tierseuchen BSE und Maul- und Klauenseuche verstärkt auftraten. Zwischen Januar 2001 und Januar 2002 sind die Nahrungsmittelpreise um über sechs Prozent gestiegen.
Im anschließenden Zeitraum von 2002 bis 2006 haben sich die Lebensmittelpreise hingegen im Trend wenig verändert. Die Preise für Molkereiprodukte sind von Januar 2002 bis Dezember 2006 sogar leicht gefallen.
Nahrungsmittelpreise im internationalen Vergleich
Das vergleichsweise geringe Preisniveau bei den Lebensmitteln findet im europäischen Vergleich seine Bestätigung. Die Tabelle zeigt für unsere Nachbarländer sowie für den EU-Durchschnitt den Preisabstand zu Deutschland in Prozent für den Bereich "Milch, Käse und Eier" und für Nahrungsmittel insgesamt.
Nahrungsmittel insgesamt waren zwar im EU-Durchschnitt etwa sechs Prozent günstiger als in Deutschland. Milch, Käse und Eier waren hingegen in der EU durchschnittlich 15 Prozent teurer als hier. Im Vergleich etwa zu Frankreich waren gerade die deutschen Molkereiprodukte und Eier deutlich günstiger, während die Nahrungsmittelpreise insgesamt fast gleichauf lagen.
Preise für Molkereiprodukte kommen in Bewegung
Seit Beginn des Jahres 2007 befinden sich jedoch die Preise für Milchprodukte in Deutschland deutlich im Aufwärtstrend. Sowohl die deutschen Einfuhrpreise für Milch als auch die Milchabgabepreise der Molkereien in Deutschland haben in diesem Zeitraum deutlich angezogen. Die Preiswelle ist mittlerweile auch bei den deutschen Verbrauchern angekommen.
Gründe für die Verteuerungen
Die Gründe für die Preisbewegung sind vielfältig. Einerseits steigt weltweit die Nachfrage nach Milchprodukten. In den Schwellenländern erfreuen sich westliche Ernährungsgewohnheiten steigender Beliebtheit und die Weltbevölkerung nimmt stetig zu.1)
Andererseits ist das Angebot an Rohmilch relativ unflexibel. So sind die Flächen mit günstigen Produktionsbedingungen auf der Welt begrenzt. In der EU lässt darüber hinaus das Quotensystem für die Milcherzeugung einigen Ländern wenig Spielraum zur Ausweitung der Produktion. So erklärt sich, dass beim Export von Milchprodukten aus der EU die Mengen trotz Nachfragedruck relativ wenig ansteigen. Weiterhin wurden die Interventionsbestände der EU an Milchprodukten (die "Butterberge" und "Milchseen") schon seit 2004 kontinuierlich verringert und zur globalen Marktversorgung mit heranzogen. Solange das Angebot durch den Abbau von Beständen ergänzt werden konnte, änderten sich die Preise noch kaum. Seit jedoch die Überschussproduktion an Magermilchpulver und Butter vollständig abgebaut ist, gibt es eine Lücke zwischen Angebot und Nachfrage und die Preise legen außergewöhnlich stark zu.
Zum Teil dürften auch spekulationsbedingte Bewegungen an den Spotmärkten für Milchprodukte eine Rolle spielen. Bei den deutschen Erzeugerpreisen für Milchpulver zeigte sich im Juli 2007 ein Preisanstieg von über 60% im Vergleich zum Vorjahresmonat.
Auf der Verbraucherstufe kommt die Preiswelle mit leichter Verzögerung an, da zwischen Molkereien und Einzelhandel langfristige Verträge üblich sind, die für eine gewisse Zeit Preisstabilität zulassen. Wenn die Kontrakte auslaufen, werden die Preise angepasst, wie kürzlich bei Milch und zuletzt bei Butter.
1) Vgl. hierzu OECD -FAO : Agricultural Outlook 2007-2016, Paris, OECD, 2007, S. 114 f.
Autoren: Professor Doktor André Schmidt - European Business School,
Doktor Stefan Linz - Statistisches Bundesamt
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