Preissteigerungen bei Nahrungsmitteln im EU-Vergleich
Destatis, 21. Mai 2008
Heftiger Preisanstieg bei Lebensmitteln in der Europäischen Union
Der heftige Preisanstieg bei Lebensmitteln ist nicht auf Deutschland beschränkt – in fast allen Europäischen Union (EU)-Staaten sind die Nahrungsmittelpreise in den letzten Monaten stark gestiegen. Im März und im April 2008 lagen sie im Durchschnitt der Europäischen Union jeweils um über 7% höher als ein Jahr zuvor – dies sind die höchsten Teuerungsraten seit Juni 2001. Damals gab es beispielsweise einen deutlichen Preisschub bei Fleisch und Fleischwaren. Ein wichtiger Grund für die Verteuerung im Jahr 2001 waren die Tierseuchen BSE und Maul- und Klauenseuche.
Heute spielen vor allem die gestiegene Nachfrage nach Agrarrohstoffen auf dem Weltmarkt, hohe Preise für Energie, Saaten und Düngemittel sowie veränderte Essgewohnheiten in Schwellen- und Entwicklungsländern eine wichtige Rolle für die Preissteigerungen bei Nahrungsmitteln. Zudem führten geringere Ernteergebnisse für Getreide in verschiedenen Ländern zu einer Verknappung des Angebots am Weltmarkt. Auch werden heute viele Anbauflächen für die Herstellung von Biokraftstoffen genutzt, was zu einem knapperen Nahrungsmittelangebot und damit zu steigenden Preisen beiträgt.
Von den Preissteigerungen besonders betroffen sind die osteuropäischen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union (EU). In den drei baltischen Staaten sowie in Ungarn, Slowenien, Bulgarien und Rumänien lagen die Preissteigerungen bei Nahrungsmitteln im April 2008 im zweistelligen Bereich.
Überdurchschnittliche Inflationsraten wurden aber auch in solchen Staaten gemessen, die bereits seit vielen Jahren zur Europäischen Union zählen. So lag der Harmonisierte Verbraucherpreisindex für Nahrungsmittel in Österreich, Dänemark, Irland und im Vereinigten Königreich im April 2008 jeweils über dem Europäischen Union (EU)-Durchschnitt von 7,1%. In Deutschland betrug die Teuerungsrate für Nahrungsmittel 6,4%.
Starke Preissteigerungen bei Brot und Getreideerzeugnissen
Besonders verteuert haben sich in der EU wie auch in Deutschland Grundnahrungsmittel wie Milchprodukte, Brot und Getreideerzeugnisse. Die Teuerungsraten für Brot und Getreideerzeugnisse lagen im April 2008 in fast allen Mitgliedsstaaten der EU deutlich über dem jeweiligen Vorjahreswert Lediglich sieben EU-Staaten meldeten einstellige Inflationsraten für Getreideprodukte im April 2008 (darunter Deutschland: + 8,4%). In allen anderen lag die Teuerung oberhalb der 10%-Marke.
Milchprodukte ebenfalls wesentlich teurer
Bei Milch, Käse und Eiern erreichten die Preissteigerungen in der EU in den Monaten Februar bis April 2008 fast 15% gegenüber dem Vorjahresmonat und somit über die letzten 10 Jahre betrachtet einen Höchstwert. Die in fast allen EU-Ländern registrierte Zunahme der Veränderungsraten fiel in einigen Staaten besonders stark aus, darunter in Deutschland, wo die Preise im April 2008 um 21,6% höher lagen als ein Jahr zuvor. (Tabelle: Preissteigerungen April 2008 gegenüber April 2007 in den EU-Mitgliedsstaaten in %).
Auch bei Milchprodukten tragen veränderte Essgewohnheiten und die damit einhergehende Zunahme der Nachfrage in Ländern wie China und Indien zum Anstieg der Teuerungsrate bei.1 Weiterhin spielt das relativ starre Milchangebot in der Europäischen Union eine Rolle, das unter anderem durch das Quotensystem für die Milcherzeugung bedingt ist. Dies führt dazu, dass das Angebot auf Änderungen bei der Nachfrage eher unflexibel reagiert. So lässt sich auch erklären, dass trotz hohem Nachfragedruck beim Export von Milchprodukten aus der EU die Mengen tendenziell nicht gestiegen sind. Zudem wurden schon seit 2004 Interventionsbestände ("Butterberge" und "Milchseen") in der EU kontinuierlich verringert.
Stabilere Entwicklung bei Fleisch, Fisch und Gemüse
Bei Nahrungsmitteln wie Fleisch und Fisch blieben die Inflationsraten in der EU insgesamt auf vergleichsweise niedrigem Niveau. Auch für Gemüse wurden in den letzten Monaten im EU-Durchschnitt relativ geringe Teuerungsraten gemessen - im April 2008 lagen die Preise sogar etwas niedriger als ein Jahr zuvor.
Preistreibende Faktoren variieren von Land zu Land
Während der Anstieg der Nahrungsmittelpreise in allen EU-Staaten zugenommen hat, ist der Einfluss der einzelnen Faktoren, die zur steigenden Inflation führen, von Land zu Land unterschiedlich. Wichtig sind in diesem Zusammenhang die landesspezifische Einzelhandelsstruktur sowie die Wettbewerbsbedingungen. Sind beispielsweise die Gewinnmargen aufgrund ausgeprägter Konkurrenz gering, können Erhöhungen bei den Rohstoffpreisen zu stärkeren Ausschlägen bei den Verbraucherpreisen führen. Ein weiterer Grund für divergierende Preisentwicklungen sind die unterschiedlichen Handelsbeziehungen der einzelnen EU-Staaten.
1 Vgl. hierzu auch Schmidt und Linz (2007), Milchpreise im Sommer 2007. STATmagazin September 2007, Statistisches Bundesamt
Autoren: Karsten Sandhop - Statistisches Bundesamt
Daniel O'Donnell - Statistisches Bundesamt, Europäischer Datenservice (EDS)
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