Aktuell niedrige Inflationsraten - Gefahr einer Deflation?
Destatis, 23. Juni 2009
Mit der Ausweitung der Wirtschafts- und Finanzkrise und dem Sturz der Weltmarktpreise für viele Rohstoffe in der zweiten Jahreshälfte 2008 sind auch in Deutschland die Teuerungsraten kräftig gesunken.
Die Inflationsrate - gemessen an der Veränderung des Verbraucherpreisindex gegenüber dem Vorjahresmonat - liegt in Deutschland seit März 2009 deutlich unter einem Prozent. Im Mai 2009 war eine Inflationsrate von null Prozent zu beobachten. Angesichts dieser Ergebnisse wird in der Öffentlichkeit die Gefahr einer Deflation diskutiert.
Preise ohne Energie stabil
Als Deflation werden wirtschaftliche Prozesse bezeichnet, die mit anhaltenden Preisniveausenkungen auf breiter Front verbunden sind. Ein Blick auf die aktuellen Zahlen zeigt, dass gegenwärtig keine Preissenkungen auf breiter Front stattfinden. Zwar erreichte die Inflationsrate mit null Prozent den niedrigsten Stand seit 22 Jahren, sie ist derzeit aber im Wesentlichen wegen der stark gesunkenen Energiepreise niedrig. Bei der Betrachtung der Verbraucherpreisentwicklung ohne Energie zeigt sich im Durchschnitt eine relativ stabile Preisentwicklung mit moderaten Steigerungsraten. Seit Januar 2008 lag die jährliche Veränderung der Verbraucherpreise ohne Energie zwischen 2,3 und 1,1%, wobei tendenziell ein leichter Abwärtstrend zu beobachten ist.
Zudem sind die negativen Veränderungsraten im Bereich der Energiepreise möglicherweise nicht anhaltend, sondern nur temporär. Die Teuerungsraten werden durch den Vergleich des aktuellen Preisniveaus mit dem Vorjahresniveau errechnet. Derzeit liegt das Energiepreisniveau deutlich niedriger als während des Energiepreisbooms vor einem Jahr. Der Vorjahresvergleich führt daher zu negativen Veränderungsraten. Unter der Voraussetzung, dass die Energiepreise nicht zurückgehen, ist wegen des Endes des Ölpreisbooms im Herbst 2008 spätestens ab Ende 2009 nicht mehr mit negativen Veränderungsraten bei den Energiepreisen zu rechnen. In diesem Fall bildet sich der stark dämpfende Einfluss der Energiepreise auf die Inflationsrate in den nächsten Monaten nach und nach zurück. Somit zeigt die aktuelle Datenlage keinen Trend, der auf einen anhaltenden Preisverfall bei den Energieträgern hindeutet.
Teuerungsraten im europäischen Vergleich
Wie haben sich die Verbraucherpreise in den anderen Ländern der Eurozone in der letzten Zeit entwickelt? Der so genannte Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) ist speziell auf die Vergleichbarkeit der Inflationsraten der Mitgliedsstaaten der Europäischen Union zugeschnitten und wird in Deutschland parallel zum nationalen Verbraucherpreisindex (VPI) berechnet. Der deutsche HVPI und der nationale VPI unterscheiden sich hinsichtlich ihres Erfassungsbereichs. So enthält der nationale VPI zusätzlich das vom Eigentümer selbst genutzte Wohneigentum, Glücksspiele, die Kraftfahrzeugsteuer und Zulassungsgebühr. Der harmonisierte Verbraucherpreisindex für Deutschland hat sich im Mai 2009 gegenüber im Mai 2008 ebenfalls nicht verändert (± 0,0%).
In allen Ländern der Eurozone lagen die Inflationsraten im Mai 2009 niedriger als im Durchschnitt des Jahres 2008. In einigen Ländern sind sogar negative Änderungsraten des Harmonisierten Verbraucherpreisindex zu beobachten. Für die Eurozone insgesamt wurde eine Inflationsrate von Null Prozent für Mai 2009 berechnet. Auch hier gilt wie in Deutschland, dass die Inflationsrate im Wesentlichen wegen der stark gesunkenen Energiepreise niedrig ist.
Autoren: Karsten Sandhop und Dr. Peter Taschowsky - Statistisches Bundesamt
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