Normalansicht

Navigation und Service

Logo Destatis - Statistisches Bundesamt, Link zur Startseite

Soziales

Elterngeld - eine erste Bilanz

Destatis, 28. Oktober 2008

Am 1. Januar 2007 hat das Elterngeld das bisherige Erziehungsgeld als familienpolitische Leistung bei Geburt eines Kindes abgelöst. Für die im Jahr 2007 geborenen Kinder lässt sich eine erste Bilanz ziehen, wie viele Mütter und Väter Elterngeld bezogen haben, wie hoch es war und wie lange es in Anspruch genommen wurde.

Elterngeld auch für Väter attraktiv

Größere Ansicht des Diagramms Kinderanteil von Vätern mit ElterngeldbezugBild vergrößernKinderanteil von Vätern mit Elterngeldbezug

Von Januar 2007 bis einschließlich Juni 2008 wurden insgesamt 752 000 Anträge auf Elterngeld für im Jahr 2007 geborene Kinder bewilligt; davon waren 103 000 Anträge von Vätern (14%) und 649 000 von Müttern (86%). Beim Erziehungsgeld, das Ende 2006 ausgelaufen ist, lag der Anteil der Bewilligungen für Väter zuletzt nur bei knapp über 3%. Von den bundesweit rund 103 000 Elterngeldanträgen von Vätern wurden rund 2 500 für Mehrlingsgeburten mit insgesamt 5 200 Kindern bewilligt. Daraus ergibt sich eine Gesamtzahl von rund 106 000 Neugeborenen, bei denen der Vater Elterngeld bezogen hat. Bezogen auf die 685 000 im Jahr 2007 geborenen Kinder entspricht dies einem Anteil von 15%. Berlin und Bayern liegen mit jeweils 19% Väteranteil über dem Bundesdurchschnitt, im Saarland lag dieser Wert hingegen bei 7%.

Väter nehmen verstärkt „Partnermonate“ in Anspruch

Der Väteranteil an den bewilligten Anträgen ist kontinuierlich angestiegen. Während im ersten Quartal 2007 erst 7% der Anträge für Väter bewilligt wurden, erhöhte sich deren Anteil auf 12% zwischen Januar 2007 bis März 2008.

Eine mögliche Ursache liegt darin, dass Väter erst gegen Ende der ersten 14 Lebensmonate des Kindes "Partnermonate" in Anspruch nehmen. Fast jede Mutter (rund 625 000 beziehungsweise 96%) hat unmittelbar nach der Geburt des Kindes Elterngeld bezogen. Von den Vätern taten dies 29% (rund 30 000), jeder vierte Vater (rund 25 000 bzw. 24%) hatte dagegen ab dem zwölften Lebensmonat des Kindes eine Auszeit für die Babybetreuung eingeplant.

Mütter planen längere Bezugsdauer

Größere Ansicht des Diagramms  Bezugsdauer von Elterngeld für VäterBild vergrößernBezugsdauer von Elterngeld für Väter

Mehr als drei Viertel (575 000 beziehungsweise 77%) aller Elterngeld Beziehenden planen eine Bezugsdauer des Elterngeldes von zwölf Monaten; für zwei Monate will jeder Zehnte (74 000) Elterngeld beziehen. Auch hier zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen Vätern und Müttern. Rund 562 000 Mütter (87%) wollen Elterngeld für zwölf Monate in Anspruch nehmen, bei Vätern tun dies nur 13 000 (13%). Väter entscheiden sich mehrheitlich für eine Bezugsdauer von zwei Monaten (rund 67 000 beziehungsweise 65%). Nur 1% der Mütter (7 000) bleibt dagegen für zwei Monate in "Babyzeit". Besonders hoch war der Anteil der Väter, die Elterngeld nur für zwei Monate beantragten, mit 74% in Bayern; 8% der Väter in Bayern planten einen Elterngeldbezug von zwölf Monaten. Am häufigsten nahmen Väter in Bremen Elterngeld für zwölf Monate in Anspruch (24%).

Eltern waren vor der Geburt des Kindes überwiegend erwerbstätig

Mehr als die Hälfte der Mütter (53% beziehungsweise 342 000), denen für ihr 2007 geborenes Kind Elterngeld bewilligt wurde, war vor der Geburt des Kindes erwerbstätig, bei den Vätern waren dies 78% (81 000). Ostdeutsche Mütter gingen vor der Geburt ihres Kindes eher einer Erwerbstätigkeit (58%) nach als Mütter in Westdeutschland (52%). Bei den Vätern ist die Erwerbsbeteiligung in Ost (78%) und West (79%) fast gleichauf. In Bayern waren mit 86% die meisten Väter, die Elterngeld bezogen, vor der Geburt erwerbstätig. In Berlin (69%) und Bremen (68%) traf dies hingegen bei deutlich weniger Vätern zu.

Väter, die vor der Geburt des Kindes erwerbstätig waren, beziehen zu 69% (56 000) Elterngeld für zwei Monate und lediglich 7 200 Väter (9%) für zwölf Monate. Demgegenüber nehmen 85% (290 000 von 342 000) der erwerbstätigen Mütter Elterngeld für zwölf Monate in Anspruch. Der Anteil der erwerbstätigen Mütter, die zwei Monate Elterngeld beziehen, liegt bei 1% (2 400 Mütter). In Bremen beansprucht etwas mehr als die Hälfte der erwerbstätigen Väter (54%) Elterngeld für zwei Monate und 17% für zwölf Monate. Im Vergleich dazu erhalten drei Viertel der Väter in Bayern (13 000 von 17 000 bzw. 75%), die vor der Geburt ihres Kindes erwerbstätig waren, Elterngeld für zwei Monate und 7% (1 200 von 17 000 Vätern) für zwölf Monate.

Knapp ein Drittel der Eltern bekommen 300 Euro Elterngeld

Von den rund 752 000 Müttern und Vätern, denen für ihr 2007 geborenes Kind zwischen Januar 2007 und Juni 2008 Elterngeld bewilligt wurde, erhielten 399 000 Mütter und Väter (53%) das Elterngeld auf Basis des Einkommensersatzes. Einkommensersatz erhalten Mütter und Väter, die vor der Geburt des Kindes erwerbstätig waren. Dazu werden auch Leistungen gerechnet, die bei Reduzierung des Einkommens zum Beispiel durch Teilzeitarbeit oder als Geringverdienstzuschlag gezahlt werden. 50 000 Mütter und Väter (6,5% von allen Elterngeldempfängern) bezogen zusätzlich zum Einkommensersatz noch Geschwisterbonus und/oder einen Mehrlingszuschlag. Der Geschwisterbonus beträgt zehn Prozent des Elterngeldbetrages, mindestens 75 Euro; der Mehrlingszuschlag beläuft sich auf je 300 Euro für das zweite und jedes weitere Kind.

353 000 Mütter und Väter (47%) erhielten Elterngeld auf Basis des Mindestbetrags. Rund 230 000 dieser Mütter und Väter (31% von allen Elterngeldbeziehern) erhielten ausschließlich den Mindestbetrag von 300 Euro. Rund 123 000 Mütter und Väter (16%) bezogen zusätzlich zum Mindestbetrag einen Geschwisterbonus und/oder einen Mehrlingszuschlag. Der Mindestbetrag wird in der Regel an Mütter und Väter gezahlt, die vor der Geburt des Kindes nicht erwerbstätig waren. Dies traf auf 93% der Mütter und Väter zu, die Elterngeld auf Basis des Mindestbetrags erhielten. Die übrigen 7% waren vor der Geburt erwerbstätig; bei ihnen wurde das Elterngeld auf den Mindestbetrag aufgestockt, da der Einkommensersatz weniger als 300 Euro betrug.

In Bayern (60%), Brandenburg und Sachsen (je 59%) war der Anteil der Väter und Mütter, die Elterngeld auf Basis des Einkommensersatzes bezogen, am größten, in Bremen (42%), Nordrhein-Westfalen (48%) und Niedersachsen (49%) am niedrigsten.

In Bremen (58%), Nordrhein-Westfalen (52%), Niedersachsen (51%) erhielt dementsprechend mehr als jeder Zweite Elterngeld auf Basis des Mindestbetrags. In Bayern (40%) sowie Brandenburg und Sachsen (41%) war dieser Anteil am niedrigsten.

Väter erhalten höheres Elterngeld

Größere Ansicht des Diagramms durchschnittliche Höhe des ElterngeldesBild vergrößernDurchschnittliche Höhe des Elterngeldes

Der durchschnittlich gewährte Anspruch auf Elterngeld lag im untersuchten Zeitraum bei 643 Euro. Väter erhielten im Schnitt 973 Euro im Monat, Mütter bezogen im Durchschnitt monatlich 590 Euro.

Im regionalen Vergleich zeigen sich deutliche Unterschiede in der Höhe des durchschnittlichen Elterngeldanspruchs insbesondere bei Vätern: Im früheren Bundesgebiet lag der Durchschnitt des bewilligten Elterngeldes für Väter bei 1 023 Euro; in den neuen Bundesländern dagegen bei 795 Euro. Bei Müttern waren die Unterschiede zwischen Ost (566 Euro) und West (594 Euro) deutlich geringer. Mütter und Väter in Bayern (634 beziehungsweise 1 147 Euro), Hessen (619 beziehungsweise 1 062 Euro) und Hamburg (657 beziehungsweise 1 038 Euro) erhielten den höchsten durchschnittlichen Betrag an Elterngeld. Der geringste durchschnittliche Elterngeldbetrag wurde Müttern und Vätern in Sachsen-Anhalt (537 beziehungsweise 749 Euro), Sachsen (571 beziehungsweise 794 Euro) und Mecklenburg- Vorpommern (549 beziehungsweise 798 Euro) bewilligt.


Autoren: Annica Böttcher, Sascha Krieger - Statistisches Bundesamt

Auskünfte zum Thema erhalten Sie über unser Kontaktformular

© Statistisches Bundesamt (Destatis), 2017

Impressum – Kontakt – Barrierefrei