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Soziales

Armutsgefährdung in den Bundesländern

Destatis, 09. Juni 2009

Wann gilt man als arm?

Sowohl im Alltagsverständnis als auch im wissenschaftlichen Diskurs gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Armutsdefinitionen. Armut kann absolut definiert werden, im Sinne eines räumlich und zeitlich unabhängigen Existenzminimums, wonach diejenigen als arm gelten, die nicht über ein Mindestmaß an lebensnotwendigen Gütern, wie Nahrung, Kleidung oder Obdach verfügen. Dieses Konzept wird heute noch auf die Entwicklungsländer angewendet; in den sogenannten Wohlstandsgesellschaften scheint absolute Armut, mit der Ausnahme weniger Gruppen (zum Beispiel Obdachlose, Straßenkinder) überwunden. Armut wird in diesen Gesellschaften relativ definiert. Arm ist demnach eine Person, die im Vergleich zum allgemeinen gesellschaftlichen Standard nicht ausreichend mit bestimmten Ressourcen versorgt ist. Die entsprechende Armutsgefährdungsschwelle wird in der Regel am Einkommen festgemacht.

Die Armutsgefährdungsquote wird gemäß der Europäischen Union definiert als der Anteil der Personen, die mit weniger als 60% des mittleren Einkommens (Median) der Bevölkerung auskommen müssen. Grundlage der im Folgenden beschriebenen Berechnungen ist die Armutsgefährdungsschwelle auf Bundesebene. Diese wird anhand des mittleren Einkommens im gesamten Bundesgebiet (Bundesmedian) errechnet. Den so ermittelten Armutsgefährdungsquoten für Bund und Länder liegt somit eine einheitliche Armutsgefährdungsschwelle zugrunde. Die auf Basis des Mikrozensus ermittelten Armutsgefährdungsschwellen für Deutschland lagen im Jahr 2007 für einen Einpersonen-Haushalt bei 764 Euro, für einen Haushalt mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern bei 1 605 Euro. (Hinweis zur Interpretation der Armutsgefährdungsschwelle).

Armutsrisiko in den Bundesländern unterschiedlich

Größere Ansicht des Diagramms Armutsgefährdungsquote auf Basis des Bundesmedians 2007Bild vergrößernArmutsgefährdungsquote nach Bundesländern

Die Armutsgefährdung ist in Deutschland in den Bundesländern unterschiedlich. Während in Mecklenburg-Vorpommern knapp ein Viertel (24,3%) und in Sachsen-Anhalt gut ein Fünftel (21,5%) der Bevölkerung weniger als 60% des mittleren Einkommens in Deutschland zur Verfügung hat, trifft dies in den südlichen Bundesländern Baden-Württemberg (10,0%) und Bayern (11,0%) nur auf rund ein Zehntel zu. Die Armutsgefährdungsquote betrug nach diesen Berechnungen im Jahr 2007 in Deutschland insgesamt 14,3%. Knapp unterhalb des Bundeswerts lag Hamburg mit 14,1%, knapp darüber Nordrhein-Westfalen mit 14,6%.

Größere Ansicht des Diagramms Armutsgefährdungsquote nach Altersgruppen 2007Bild vergrößernArmutsgefährdungsquote nach Altersgruppen

Insbesondere zwischen Ost und West gibt es deutliche Unterschiede: Während in den neuen Ländern (einschließlich Berlin) 19,5% der Bevölkerung armutsgefährdet waren, lag die Quote im früheren Bundesgebiet (ohne Berlin) mit 12,9% deutlich niedriger. Die Armutsgefährdungsquote war im Osten in nahezu allen Altersgruppen höher als im Westen. Lediglich die Gruppe der Personen ab 65 Jahren wies mit 9,3% im Osten eine geringere Quote auf als im Westen mit 11,9%. Während die Armutsgefährdungsquote der weiblichen Personen im Westen mit 13,5% höher lag als bei den männlichen (12,2%), waren im Osten keine geschlechtsspezifischen Differenzen festzustellen (für Frauen und Männer jeweils 19,5%).

Wer ist besonders von Armut betroffen?

Größere Ansicht des Diagramms Armutsgefährdungsquote von Alleinerziehenden und ihren Kindern 2007Bild vergrößernArmutsgefährdungsquote von Alleinerziehenden und ihren Kindern

Besonders von Armut bedroht sind erwerbslose Personen sowie Alleinerziehende und deren Kinder. Auch hier sind im Ländervergleich jedoch erhebliche Unterschiede festzustellen: Während die Armutsgefährdungsquote der Erwerbslosen in Baden-Württemberg mit 40,3% im Jahr 2007 den niedrigsten Wert aufwies, waren in Sachsen-Anhalt zwei Drittel aller Erwerbslosen (66,0%) armutsgefährdet. Bei den Personen in Alleinerziehenden-Haushalten waren die niedrigsten Quoten in den Stadtstaaten Berlin (28,6%) und Hamburg (29,6%) festzustellen; die höchste Quote wies auch hier Sachsen-Anhalt mit 53,7% auf.

Regionale Perspektive

Eine ergänzende Perspektive ergibt sich, wenn für die Berechnung nicht die einheitliche Armutsgefährdungsschwelle auf Basis des Bundesmedians, sondern die jeweiligen regionalen Armutsgefährdungsschwellen zugrunde gelegt werden. Diese werden dann anhand des mittleren Einkommens des jeweiligen Bundeslandes (Landesmedian) errechnet. So wird den Unterschieden im Einkommensniveau, die sich zum Beispiel in der unterschiedlichen Höhe der durchschnittlichen Bruttojahresverdienste in Ost- und Westdeutschland widerspiegeln, zwischen den Bundesländern Rechnung getragen.

Aus dieser Perspektive fallen die Unterschiede bei den Armutsgefährdungsquoten zwischen den Bundesländern deutlich geringer aus. Bei den aus dieser „regionalen Perspektive“ ermittelten Armutsgefährdungsquoten wiesen im Jahr 2007 Hamburg (16,8%) und Bremen (15,2%) die höchsten, Thüringen (12,9%) und Baden-Württemberg (13,0%) die niedrigsten Werte auf.

Tabelle: Armutsgefährdungsquoten nach Bundesländern


Autorin: Bettina Mertel - Statistisches Bundesamt

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