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Umwelt

Abfallwirtschaft: Hohe Wiederverwertung, kaum noch Deponierung von Abfällen

Destatis, 28. November 2007

Oberstes Ziel der Abfallwirtschaft ist die Abfallvermeidung. In zweiter Linie ist die Verwertung der Beseitigung von Abfällen immer vorzuziehen. Wieweit diese Ziele erreicht wurden, zeigen die Abfallbilanz und die sogenannten Verwertungsquoten, die anhand des im Rahmen der Abfallbilanz ermittelten Abfallaufkommens berechnet wurden.

Starker Rückgang von Teilkomponenten des Abfallaufkommens

Aus den Angaben über die Anlieferung von Abfall an Behandlungsanlagen sowie weiteren Information wie z. B. über gefährliche Abfälle sowie Siedlungsabfälle, die aus verschiedenen Datenquellen stammen, wird im Statistischen Bundesamt aus den Einzelinformationen eine Abfallgesamtrechnung, die Abfallbilanz, erstellt. Demnach sind die Abfallgruppen Siedlungsabfälle, Bau und Abbruchabfälle, Bergematerial aus dem Bergbau und Abfälle aus Produktion und Gewerbe die wichtigsten Komponenten des Gesamtaufkommens an Abfall.

Größere Ansicht des Diagramms Zusammensetzung des Abfallaufkommens 2005Bild vergrößernZusammensetzung des Abfallaufkommens

Im Jahr 2005 fielen 331,9 Millionen Tonnen Abfälle an. Die Menge der Bauabfälle macht mit 56% mehr als die Hälfte des Abfallaufkommens in Deutschland aus. Die anderen Teilmengen des Abfalls sind das Bergematerial aus dem Bergbau mit 16% sowie die Abfälle aus Produktion und Gewerbe mit 14% und die Siedlungsabfälle mit jeweils 14%. In allen Abfällen sind teilweise auch gefährliche Abfälle enthalten, im Jahr 2005 insgesamt 18,5 Millionen Tonnen. Wurden im Jahr 2002 noch 381,2 Millionen Tonnen Abfälle an Entsorgungsanlagen angeliefert, waren es 2003 nur rund 366 Millionen Tonnen. Im Jahr 2005 sank die Menge weiter auf rund 332 Millionen Tonnen. Der rückläufige Trend bei der entsorgten Abfallmenge hängt hauptsächlich mit der ebenfalls sinkenden Menge der Bau- und Abbruchabfälle und diese wiederum mit der nachlassenden Bautätigkeit zusammen.

Die Siedlungsabfälle, die mit einer Summe von 46,6 Millionen Tonnen im Jahr 2005 gut 14% des Aufkommens bilden, beinhalten die Abfallmengen aus Haushalten und die anderen, hausmüllähnlichen Siedlungsabfälle. Im Jahr 2005 betrugen die Haushaltsabfälle insgesamt rund 41,4 Millionen Tonnen. An der mengenmäßigen Entwicklung der Haushaltsabfälle können Veränderungen im Verhalten der privaten Endverbraucher festgestellt werden. Haushaltsabfälle sind zum Beispiel Hausmüll und hausmüllähnliche Gewerbeabfälle, die über die öffentliche Müllabfuhr eingesammelt werden, Sperrmüll, kompostierbare Abfälle aus der Biotonne und getrennt gesammelte Fraktionen. In den Jahren 2002 bis 2005 nahm die entsorgte Menge des Hausmülls sowie die hausmüllahnlichen Gewerbeabfälle, die gemeinsam über die öffentliche Müllabfuhr eingesammelt werden, ab. Während 2002 noch 17,1 Millionen Tonnen eingesammelt wurden (oder 32% der gesamten Siedlungsabfälle), waren es 2005 nur noch 13,9 Millionen Tonnen, das sind nur noch 30% der gesamten Siedlungsabfälle. Daraus kann geschlossen werden, dass sich das Bewusstsein der Bevölkerung im Hinblick auf die Wiederverwertbarkeit der Abfälle geschärft hat und der Trend zur verstärkten Abfalltrennung der Haushaltsabfälle geht. Alle getrennt gesammelten Fraktionen (Bioabfälle und Wertstoffe) betrugen im Jahr 2005 zusammen 25,0 Millionen Tonnen oder 54% der Siedlungsabfälle. Im Jahr 2002 waren es 26,4 Millionen Tonnen oder 56% der Siedlungsabfälle. 7,9 Millionen Tonnen der getrennt gesammelten Fraktionen bestanden 2005 aus Papier, Pappe oder Kartonagen.

Steigende Abfallverwertungsquoten

Größere Ansicht des Diagramms Verwertungsquoten der HauptabfallströmeBild vergrößernVerwertungsquoten der Hauptabfallströme

Eine nachhaltige Abfallwirtschaft liegt umso mehr vor, wenn die Relation von wiederverwendeten Stoffen zum Abfallaufkommen (Verwertungsquote) nennenswert groß ist bzw. im Zeitablauf deutlich größer wird. Bei den Siedlungsabfällen und den Abfällen aus Produktion und Gewerbe kann eine deutliche Tendenz zur Wiederverwertung seit 2002 beobachtet werden. Im Schnitt ist bei den Abfällen insgesamt eine Verwertungsquote von 66% erreicht, das heißt dass von jeder an einer deutschen Abfallentsorgungsanlage angelieferten Tonne Abfall zwei Drittel in irgendeiner Form wieder in den Stoffkreislauf zurück fließen. Gerade die quantitativ so bedeutungsvollen Bauabfälle zeichnen sich seit Jahren durch eine hohe Wiederverwertungsquote von fast 90% aus. Bei den Siedlungsabfällen zeigt sich, dass der Verwertungsgedanke stark Fuß gefasst hat. Gerade die getrennte Sammlung von Glas, Papier und Verpackungen führt zu einer in den letzten 15 Jahren stark gestiegenen Verwertungsquote von deutlich unter 10% (1990) auf nun 62% bei den Siedlungsabfällen.

Deponierung von Abfällen stark rückläufig

Parallel zur steigenden Verwertung von Abfällen wird immer weniger Abfall deponiert. In Deutschland wurden im Jahr 2005 rund 45,7 Millionen Tonnen Abfälle auf 1 948 Deponien abgelagert. Im Jahr 2004 war die deponierte Abfallmenge mit 56,7 Millionen Tonnen noch 11 Millionen Tonnen höher gewesen. Der Rückgang um 19% kann vor allem auf die seit Juni 2005 geltende Anforderung der Abfallablagerungsverordnung zurückgeführt werden, nach der keine biologisch abbaubaren Siedlungsabfälle mehr unbehandelt deponiert werden dürfen. Im Jahr 2005 wurden 3,9 Millionen Tonnen Siedlungsabfälle deponiert, was einem Rückgang um 54% zum Vorjahr entspricht. Auch bei den abgelagerten Abfällen aus der Abfallbehandlung, den sogenannten Sekundärabfällen, war im Jahr 2005 eine überdurchschnittliche Abnahme (– 26%) auf 8,2 Millionen Tonnen gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen. Eine weitere Ursache für den Rückgang der Abfallablagerung insgesamt lässt sich vermutlich auf die schleppende Baukonjunktur im Jahr 2005 zurückführen. Mit der bereits beschriebenen Abnahme der Bau- und Abbruchabfälle insgesamt ging auch die Menge der deponierten Bau- und Abbruchabfälle, der größten Stofffraktion, um 9% auf 23,2 Millionen Tonnen zurück.

Größere Ansicht des Diagramms relative Bedeutung von AbfallentsorgungsanlagenBild vergrößernRelative Bedeutung von Abfallentsorgungsanlagen

Im Gegenzug führte die geringere Ablagerungsquote zu einem Anstieg der behandelten Abfallmengen in mechanisch-biologischen und thermischen Abfallbehandlungsanlagen auf 2,5 beziehungsweise 19,5 Millionen Tonnen (+ 64% beziehungsweise + 6%). Ebenso kann der Anstieg der Mitverbrennung in Feuerungsanlagen auf 11,1 Millionen Tonnen (+ 17%) auf das Ablagerungsverbot zurückgeführt werden.



Autoren:
Dr. Bernd Becker, Hermann Knichel - Statistisches Bundesamt

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