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Umwelt

Leistungsstarke Autos bremsen Erfolge beim Umweltschutz

Destatis, 27. Oktober 2015

In der Diskussion um manipulierte Abgaswerte in der Autoindustrie rückt auch die ökologische Bilanz der Pkw-Nutzung der privaten Haushalte wieder stärker in den Fokus. Sie wurde in den vergangenen Jahren durch einen kräftigen Zuwachs des Fahrzeugbestandes und der Gesamtfahrleistungen beeinflusst sowie insbesondere durch eine hohe Zunahme leistungsstarker, dieselbetriebener Fahrzeuge. Als Ergebnis dieser Entwicklung kam es seit 2010 zu keiner weiteren Senkung: weder beim Kraftstoff­verbrauch noch bei den CO2-Emissionen der von den privaten Haushalten genutzten Pkw.

Einsparpotenzial beim Kraftstoffverbrauch ausgeschöpft?

Dieselverbrauch privater PkwBild vergrößern

2013 haben die privaten Haushalte 36,6 Milliarden Liter an Kraftstoffen verbraucht (Diesel und Benzin, ohne Autogas); das waren 83 % des Kraftstoffverbrauchs aller in Deutschland zugelassenen Pkw. Gegenüber 2005 sank der Kraftstoff­verbrauch insgesamt leicht um 3,2 %. Die Einsparungen wurden allesamt in den Jahren vor 2010 erreicht. Seither konnten jedoch keine weiteren Verbrauchsminderungen erzielt werden.

Während der Gesamtverbrauch an Benzin im Betrachtungszeitraum um knapp 20 % zurückging, nahm er beim Diesel kräftig zu (+ 57 %). In der Klasse der leistungsstärksten Fahrzeuge mit mehr als 100 kW (Kilowatt) hat sich der Dieselverbrauch sogar mehr als verdreifacht. Auch bei den leistungsstarken Benzinern hat sich der Kraftstoffverbrauch erhöht – allerdings nur um 8 %.

Obwohl die Autohersteller immer kleinere und leichtere Motoren (Stichwort: Downsizing) entwickeln und stetige Fortschritte bei der Verbrauchsoptimierung erzielen, stellt sich die Frage, warum der Kraftstoffverbrauch der privaten Haushalte seit 2005 nicht deutlicher gesunken ist und in jüngster Zeit sogar stagnierte.

Tabelle: Bestände, Fahrleistungen, Kraftstoffverbrauch und C02-Emissionen von Pkw der privaten Haushalte

Private Haushalte fahren immer leistungsstärkere Fahrzeuge

Bestand privater PkwBild vergrößern

Neben steigenden Fahrzeugbeständen – 2013 gab es einen Zuwachs um 7,0 % gegenüber 2005 – ist seit einigen Jahren ein ausgeprägter Trend zu leistungsstärkeren Fahrzeugen zu beobachten. Im Durchschnitt hatten die Neuzulassungen des Jahres 2013 nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) eine Motorleistung von 101 kW (137 PS). 2005 lag die Motorleistung durchschnittlich noch bei 90,7 kW (123 PS), das heißt sie ist bei den Neuzulassungen im Durchschnitt um gut 11 % angestiegen. Eine Ausnahme von diesem Trend gab es lediglich im Jahre 2009 mit der Abwrackprämie. Damals lag die durchschnittliche Motorleistung der Neuzulassungen bei 87 kW, das heißt noch unter dem Wert für 2005.

Für die steigende Motorleistung der Fahrzeuge quer durch alle Segmente gibt es vielerlei Gründe: So haben die Kunden immer höhere Anforderungen an die Sicherheits- und Komfortausstattung oder das Platzangebot der Fahrzeuge. Allradantrieb, die Wahl von Automatik- oder Doppelkupplungsgetriebe sowie der Trend zu großen Felgen und breiten Reifen tragen dazu bei, dass die Fahrzeuge insgesamt an Größe, Höhe, Gewicht und Luftwiderstand zunehmen und deshalb eine stärkere Motorisierung benötigen, um die entsprechende Leistung zu bringen. In Folge dieser Entwicklung lag der Anteil der Fahrzeuge mit über 100 kW Leistung an allen Fahrzeugen der privaten Haushalte im Jahr 2013 bei gut 27 %, 2005 waren es erst knapp 15 % gewesen.

Auch der demografische Wandel macht sich hier bemerkbar. Die älter werdende Autokäuferschaft möchte vor allem bequeme Autos fahren. Dazu gehört auch eine höhere Sitzposition, die einen besseren Überblick über das Straßengeschehen bietet. All diese Vorteile scheinen in den Augen der Autokäufer vor allem die so genannten SUV-Fahrzeuge (Sport Utility Vehicle) zu bieten. Deren Anteil an den Neuzulassungen ist seit einigen Jahren sprunghaft angestiegen: Hatten diese Fahrzeuge 2005 noch einen Marktanteil von knapp 6 % (knapp 200 000 der Neuzulassungen), so waren es 2014 bereits mehr als 17 % (fast 530 000 Fahrzeuge).

Verdieselung der Pkw-Flotte schreitet voran

Bestand privater Pkw nach KraftstoffartBild vergrößern

Der Bestand an Dieselfahrzeugen ist zwischen 2005 und 2013 um gut 48 % auf 10,5 Millionen Fahrzeuge gestiegen. Damit erreichten Pkw mit Dieselmotoren einen Anteil von fast 27 % am gesamten Fahrzeugbestand. Der Zuwachs erfolgte überwiegend bei den Fahrzeugen mit einer Motorleistung von mehr als 100 kW, die 2013 fast die Hälfte (48 %) aller Dieselfahrzeuge ausmachten. 2005 hatte der Anteil der leistungsstarken Fahrzeuge an allen Dieselfahrzeugen erst bei knapp 19 % gelegen.

Der Bestand an Benzinfahrzeugen ist von 2005 bis 2013 um etwa 3 % auf 28,5 Millionen Fahrzeuge gesunken Auch bei den Benzinern kam es zu einer Verschiebung hin zu den leistungsstarken Fahrzeugen. 2005 waren erst 14 % der Fahrzeuge mit mehr als 100 kW ausgestattet, 2013 waren es bereits fast 20 %.

Fahrleistung steigen

Die durchschnittliche Anzahl der Kilometer, die im Jahr von den Pkw der privaten Haushalte gefahren werden, hat im Vergleichszeitraum um 3,9 % abgenommen. Ein wesentlicher Grund für den Rückgang könnte darin liegen, dass immer mehr Haushalte einen Zweitwagen im Einsatz haben. Dadurch verteilen sich die von den Haushalten durchgeführten Fahrten auf eine größere Anzahl von Fahrzeugen.

Trotz gesunkener Jahresfahrleistungen kam es auf Grund der kräftigen Zunahme der Fahrzeugbestände zu einem Anstieg der Gesamtfahrleistungen um 3,6 %. Dabei sind die Fahrleistungen bei den Dieselfahrzeugen zwischen 2005 und 2013 um 57 % gestiegen, die Fahrleistungen der Benziner sind dagegen – noch deutlicher als der Bestandsabbau – um knapp 15 % gesunken. Dies ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass vor allem Vielfahrer von Benzinern auf Dieselfahrzeuge umgestiegen sind.

Stärkere Motorisierung verhindert weitere Einsparungen beim Spritverbrauch

Trotz der Zunahme der Fahrzeugbestände – und hier vor allem der leistungsstarken Modelle mit hohem Spritverbrauch – und der gestiegenen Fahrleistungen ist der Kraftstoffverbrauch der Pkw in den privaten Haushalten zwischen 2005 und 2013 dennoch leicht um 3,2 % gesunken.

Verbrauchsmindernd wirkten sich vor allem die gesunkenen Durchschnittsverbräuche der Fahrzeuge aus. Sie sind im Betrachtungszeitraum von 7,9 l/100 km auf 7,4 l/100 km gefallen. Rechnerisch ergab sich dadurch eine Einsparung von 3 906 Millionen Litern Kraftstoff. Diese Einsparungen konnten sowohl durch technische Verbesserungen erzielt werden (beispielsweise durch Leichtbau, Verbesserung der Einspritztechnik oder den Einbau einer Start-Stopp-Automatik), als auch möglicherweise durch eine kraftstoffsparende Fahrweise. Bei den Benzinern wirkte sich dieser Effekt noch stärker aus als bei den Dieselfahrzeugen.

Daneben hat auch die Umschichtung der Bestände von Benzin- auf Dieselfahrzeuge zu einer signifikanten Einsparung beigetragen. Dieselfahrzeuge verbrauchen im Durchschnitt bedeutend weniger Kraftstoff (6,8 l/100 km) als Benziner (7,8 l/100 km). Per Saldo ergab sich daraus ein rechnerischer Rückgang des Verbrauchs um 1 108 Millionen Liter.

Tabelle: Einflussfaktoren auf den Kraftstoffverbrauch der privaten Haushalte

Dagegen hat der enorme Zuwachs an leistungsstärkeren Fahrzeugen – mit einem wesentlich höheren Durchschnittsverbrauch – einen deutlich verbrauchssteigernden Effekt. So verbraucht ein SUV nach Untersuchungen des CAR Instituts der Universität Duisburg-Essen aufgrund der Größe, des erhöhten Luftwiderstandes und dem höheren Gewicht bis zu einem Viertel mehr Kraftstoff als ein vergleichbares Fließheck- oder Stufenheckmodell. Bei beiden Antriebsarten ergibt sich aus der gestiegenen Motorleistung ein erheblicher Mehrverbrauch von zusammen 3 785 Millionen Litern.

Wenn die Fahrzeugflotte von 2013 noch die Motorleistungen von 2005 gehabt hätte, wäre der Kraftstoffverbrauch statt um 3,2 % um 13,2 % zurückgegangen.

CO2-Emissionen hätten sehr viel deutlicher gesenkt werden können

CO2-Emissionen privater PkwBild vergrößern

2013 haben die Pkw der privaten Haushalte 90,1 Millionen Tonnen CO2 emittiert; das waren lediglich 1,5 Millionen Tonnen oder 1,6 % weniger als 2005. Wie beim Kraftstoffverbrauch auch konnten die CO2-Emissionen bis 2010 erfolgreich reduziert werden – seither nehmen sie wieder leicht zu.

Die Dieselfahrzeuge der privaten Haushalte haben 2013 etwa 57 % mehr Kohlendioxid ausgestoßen als im Jahr 2005 (+ 12,4 Millionen Tonnen). Bei den Benzinern sank der CO2-Ausstoß dagegen um fast 20 % (- 13,9 Millionen Tonnen) und damit etwas stärker als der Anstieg bei den Dieselfahrzeugen.

Mit der Struktur der Motorleistungen des Jahres 2005 hätten im Jahr 2013 weitere 9,5 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden können. Statt einer Emissionsminderung von 1,6 % wären dann 12 % weniger an CO2-Emissionen angefallen.

Hält der Trend zu stärker motorisierten Fahrzeugen an und wird nicht durch gegenläufige Einflüsse, wie beispielsweise weitere Fortschritte bei der Verbrauchsreduktion, kompensiert, dann ist für die Zukunft wieder mit einem spürbaren Anstieg des Kraftstoffverbrauchs und – als Folge davon – der CO2-Emissionen durch die Pkw der privaten Haushalte zu rechnen.


Autorin: Petra Fehrentz - Statistisches Bundesamt
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