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Unternehmen, Handwerk

Engagement deutscher Unternehmen im Ausland

Destatis, 21. April 2008


Unternehmen verlagern zunehmend wirtschaftliche Tätigkeiten ins Ausland. Gesicherte Informationen zu diesem Globalisierungsphänomen und über die Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit und den Arbeitsmarkt fehlten bisher allerdings weitgehend. Der folgende Beitrag enthält erste Ergebnisse einer EU-weiten Erhebung, in der 20 000 deutsche Unternehmen aus fast allen Bereichen der Wirtschaft zu Ursachen, Umfang und Auswirkungen wirtschaftlicher Verlagerungen auf freiwilliger Basis befragt wurden.

Unternehmensverlagerungen in der Industrie beliebt

Rund 14% der größeren Unternehmen mit 100 und mehr Beschäftigten haben zwischen 2001 und 2006 Aktivitäten vom heimischen Standort ins Ausland verlagert. Vor allem in der Industrie ist dieses Globalisierungsphänomen - mit einem Anteil der verlagernden Unternehmen von 20% - überdurchschnittlich ausgeprägt. In der übrigen Wirtschaft waren lediglich 7% der Unternehmen an Verlagerungen ins Ausland beteiligt.

Hauptmotiv: Märkte erschließen und Kosten senken

Größere Ansicht des Diagramms Motive für Verlagerungen ins AuslandBild vergrößernMotive für Verlagerungen

Wenn deutsche Unternehmen ein Standbein jenseits der Grenze suchen, spielen vor allem die Erschließung neuer Märkte sowie Kostenüberlegungen eine wesentliche Rolle im Entscheidungsprozess. So sind die Präsenz im ausländischen Markt und attraktive Lohnkosten für jeweils 82% der Unternehmen wichtige oder sehr wichtige Aspekte ihrer Überlegungen. Die übrigen Kosten sind für 74% der Unternehmen von vergleichbar großer Bedeutung. Außerdem stellen für jeweils mehr als die Hälfte der Unternehmen steuerliche Anreize sowie die eigene strategische Ausrichtung wichtige oder sehr wichtige Kriterien dar. Andere Motive wie die Produktentwicklung, der Zugang zu Fachwissen oder eine geringere staatliche Regulierungsdichte im Ausland sind für die Mehrzahl der Unternehmen weniger ausschlaggebend bei Verlagerungsentscheidungen.

Verlagerungen erfüllen die Erwartungen der Unternehmen

Größere Ansicht des Diagramms Auswirkungen der Verlagerungen wirtschaftlicher Aktivitäten ins AuslandBild vergrößernAuswirkungen der Verlagerungen

Die Erwartungen an ein Engagement im Ausland werden durch die überwiegend positiven Erfahrungen von Unternehmen, die in der Vergangenheit bereits verlagert haben, bestätigt. Das Ziel eines besseren Zugangs zu neuen Märkten erfüllt sich bei mehr als der Hälfte aller Unternehmen. Rund zwei Drittel der Unternehmen verzeichnen positive Auswirkungen auf die Lohnkosten und die Hälfte der Unternehmen stellt infolge einer Verlagerung auch eine Senkung der übrigen Kosten fest. Insgesamt können fast drei Viertel aller Unternehmen ihre Position im Wettbewerb durch eine Verlagerung ins Ausland stärken.

Wesentliche unternehmerische Nachteile werden hingegen im Zuge einer Auslagerung von Aktivitäten kaum gesehen. Allenfalls kann die Neuausrichtung der Logistik einen höheren Aufwand als vorher notwendig machen.

Zielrichtung: neue Europäische Union (EU)-Länder und China

Größere Ansicht des Diagramms Verlagerung von Unternehmensaktivitäten nach ZielregionenBild vergrößernVerlagerung nach Zielregionen

Die Attraktivität einzelner Regionen und Länder als Verlagerungsziel weist deutliche Unterschiede auf und hängt auch von der Branche ab, zu der ein verlagerndes Unternehmen gehört. Vor allem die neuen EU-Mitgliedstaaten standen in den vergangenen Jahren im Fokus von Unternehmensverlagerungen. Dort wurden 60% aller verlagernden Unternehmen aktiv, wobei die Industrieunternehmen mit 62% das meiste Engagement zeigten. Die Unternehmen im Handel sowie in den Dienstleistungsbereichen wählten für ihre Standortverlagerungen zu jeweils etwas mehr als die Hälfte die neuen EU-Länder.

Demgegenüber wurden in den bisherigen EU-Staaten mit 30% der verlagernden Unternehmen nur halb so viele Unternehmen tätig wie in den beigetretenen Ländern. Außerdem war hier die Industrie mit lediglich 26% ihrer verlagernden Unternehmen unterdurchschnittlich beteiligt. Der Handel betrieb dort 43% seiner Verlagerungsaktivitäten und die Unternehmen in den Dienstleistungsbereichen 38%.

Außerhalb Europas sind die Märkte Chinas das attraktivste Ziel für Verlagerungen. Dorthin gingen 36% aller Verlagerungen, wobei wiederum die Industrie mit 38% überdurchschnittlich beteiligt war. Bei den Unternehmen im Handel sowie in den Dienstleistungsbereichen fiel etwa jede dritte Verlagerungsentscheidung zu Gunsten Chinas.

Tabelle: Zielregionen von Verlagerungen in den verschiedenen Wirtschaftsbereichen

Industrie verlagert bevorzugt ihr Kerngeschäft

Rund 60% der Unternehmen, die ins Ausland verlagerten, suchten einen neuen Standort für ihr Kerngeschäft und etwa 62% für Hilfsfunktionen. Hierunter fallen am häufigsten Funktionen der Bereiche Marketing, Vertrieb und damit verbundene Dienstleistungen (24% der verlagernden Unternehmen) sowie Logistik und Ingenieursleistungen einschließlich verwandter technischer Leistungen (jeweils 17% der verlagernden Unternehmen). Dabei unterscheiden sich die entsprechenden Anteile zwischen den Wirtschaftsbereichen zum Teil erheblich: Rund 67% der ins Ausland verlagernden Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes suchten neue Standorte für ihr Kerngeschäft, im weniger technologieintensiven Bereich sogar rund 71%. In den anderen Wirtschaftsbereichen taten dies lediglich rund 40%, doch wurden hier deutlich häufiger Hilfsfunktionen verlagert (81%) als im Verarbeitenden Gewerbe (56%).

Tabelle: Verlagerungen ins Ausland in den verschiedenen Wirtschaftsbereichen nach Unternehmensfunktionen

Arbeitsplätze: Qualifikation entscheidet

Größere Ansicht des Diagramms Arbeitsplatzeffekte durch Verlagerung von Unternehmensaktivitäten ins AuslandBild vergrößernArbeitsplatzeffekte

Eine Verlagerung von Unternehmensfunktionen bedeutet in der Regel auch eine Abwanderung von Arbeitsplätzen. Insgesamt haben die größeren Unternehmen in den letzten Jahren durch Verlagerungen 188 000 Stellen in Deutschland abgebaut. Ebenfalls verlagerungsbedingt wurden jedoch gleichzeitig 105 000 neue Arbeitsplätze am heimischen Standort geschaffen, also rund 56% der verlagerten Arbeitsplätze.

Allerdings entscheiden die für einen Arbeitsplatz erforderliche Qualifikation sowie die Branchenzugehörigkeit der Unternehmen über das Verhältnis von verlagerten zu neu geschaffenen Arbeitsplätzen. So wurden in der gesamten Wirtschaft 125 000 gering qualifizierte Arbeitsplätze verlagert und lediglich 37% als neue Stellen mit vergleichbarer Qualifikation am bisherigen Standort eingerichtet. In der Industrie wurden 95 000 gering qualifizierte Arbeitsplätze verlagert und nur ein Drittel davon neu geschaffen.

Demgegenüber stehen den 63 000 in der Gesamtwirtschaft verlagerten Arbeitsplätzen mit höherer Qualifikation 59 000 neu geschaffene gegenüber, dies sind 94%. Vergleichbar ist diese Relation auch bei den Unternehmen im Hochtechnologiebereich der Industrie. Im Dienstleistungsbereich wurden sogar mehr höher qualifizierte Arbeitsplätze neu geschaffen als verlagert. Insbesondere die wissensintensiven Dienstleistungsunternehmen richteten 20% mehr qualifizierte Arbeitsplätze neu ein als sie ins Ausland verlagerten.

Tabelle: Arbeitsplatzeffekte durch Verlagerungen


Autor: Hartmut Höh - Statistisches Bundesamt
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