Kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland
Destatis, 14. August 2008
Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) spielen für die Beschäftigung eine wichtige Rolle und gelten als tragende Säulen unserer Wirtschaft. Dementsprechend groß ist das Interesse an Daten und Fakten über diese Unternehmen. Das Statistische Bundesamt hat daher im Rahmen einer wirtschaftsbereichsübergreifenden Analyse ausgewählte Informationen zu KMU zusammengestellt. Sie basiert auf Daten aus mehreren Unternehmensstrukturstatistiken, die das Produzierende Gewerbe, den Handel und das Gastgewerbe, den Bereich Verkehr und Nachrichtenübermittlung sowie Teile der sonstigen Dienstleistungsbranchen und damit rund 80% aller Unternehmen abdecken.
Mittelstand und kleine und mittlere Unternehmen
Im Zusammenhang mit kleinen und mittleren Unternehmen wird immer wieder auch von Mittelstand gesprochen. Der Begriff "Mittelstand" ist ein im deutschen Sprachraum historisch gewachsener Begriff, für den jedoch keine abgestimmte oder gesetzlich vorgeschriebene Definition existiert. Aufgrund der unklaren Begriffsabgrenzung ist es nicht möglich, amtliche Daten zum Mittelstand bereitzustellen.
Stattdessen hat sich im Sprachgebrauch der internationalen Wissenschaft und Statistik der Begriff "small and medium-sized enterprises" (SME) etabliert, der seine deutsche Entsprechung in "kleine und mittlere Unternehmen" gefunden hat. Die amtliche Statistik orientiert sich bei der Abgrenzung der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) an einer Empfehlung der Kommission der Europäischen Gemeinschaften vom 6. Mai 2003. Diese grenzt KMU u. a. über die Merkmale Beschäftigte und Umsatz ab, und zwar wie folgt:
Die Kommission verwendet den Begriff KMU als Oberbegriff für Kleinstunternehmen, kleine und mittlere Unternehmen. Demnach gelten Unternehmen mit weniger als 250 Beschäftigten und höchstens 50 Millionen Euro Jahresumsatz als KMU.
Kleinstunternehmen überwiegen
Die überwiegende Mehrheit der Unternehmen in den untersuchten Wirtschaftsbereichen hatte 2005 weniger als 250 Beschäftigte und erzielte maximal 50 Millionen Euro Umsatz im Jahr, zählte also zu den KMU. Dies galt für rund 1,66 Millionen (99,3%) von insgesamt 1,67 Millionen Unternehmen. Davon zählte mit 1,3 Millionen Unternehmen der überwiegende Teil zu den sogenannten Kleinstunternehmen, die über höchstens neun Beschäftigte verfügten und maximal zwei Millionen Euro Jahresumsatz aufwiesen. Nur etwa 11 500 Unternehmen waren Großunternehmen.
6 von 10 Beschäftigten in kleinen und mittleren Unternehmen tätig
KMU spielen eine wichtige Rolle für die Beschäftigung. Von den rund 20,7 Millionen Beschäftigten in den untersuchten Wirtschaftsbereichen arbeiteten fast 60% in KMU. In Kleinstunternehmen arbeiteten rund 18% der Beschäftigten, 22% in kleinen und 19% in mittleren Unternehmen.
Großunternehmen bei Umsatz, Investitionen und Wertschöpfung vorn
In Bezug auf den Umsatz dominieren die Großunternehmen. KMU waren in den untersuchten Wirtschaftsbereichen im Berichtsjahr 2005 nur für knapp ein Drittel des Umsatzes verantwortlich. Auch bei der Bruttowertschöpfung und den Bruttoinvestitionen in Sachanlagen verzeichneten KMU einen geringeren Anteil als Großunternehmen. Insgesamt erwirtschafteten KMU 46% der Bruttowertschöpfung und tätigten etwa 40% aller Bruttoinvestitionen in Sachanlagen.
Tabelle: Anteile kleiner und mittlerer Unternehmen an ausgewählten Merkmalen 2005
Wirtschaftliche Bedeutung der kleinen und mittleren Unternehmen variiert je nach Wirtschaftsbereich
Die wirtschaftliche Bedeutung der KMU ist je nach Wirtschaftsbereich unterschiedlich stark ausgeprägt. Eine besonders große Rolle spielen sie im Bau- und im Gastgewerbe. Sie erzielten im Berichtsjahr 2005 mehr als 80% des Umsatzes und beschäftigten rund 90% der tätigen Personen. Auch im Grundstücks- und Wohnungswesen und im Handel dominieren KMU. Die Industrie und die Energie- und Wasserversorgung sowie der Bereich Verkehr und Nachrichtenübermittlung werden dagegen von Großunternehmen beherrscht, wobei der Wirtschaftsbereich mit dem geringsten Anteil kleiner und mittlerer Unternehmen die Energie- und Wasserversorgung war: In dieser Branche entfielen auf KMU weniger als 10% des Umsatzes und nur gut 20% der Beschäftigten.
Neben der großen Rolle der KMU für die Beschäftigung zeigt diese Untersuchung aber auch die Bedeutung der Großunternehmen: Obwohl weniger als 1% der Unternehmen in den untersuchten Wirtschaftsbereichen Großunternehmen waren, entfielen auf sie dennoch 65% der Umsätze, 60% der Bruttoinvestitionen, 54% der Bruttowertschöpfung und 42% der Beschäftigung. Dieser Sachverhalt macht auch verständlich, warum Politik und Öffentlichkeit wesentlich sensibler auf ökonomische Notlagen von Großunternehmen reagieren als dies bei den KMU der Fall ist. Ein einzelnes Großunternehmen hat für den Arbeitsmarkt zweifellos erheblich mehr Bedeutung als ein einzelnes KMU.
Strukturelle Unterschiede zwischen kleinen und mittleren Unternehmen und Großunternehmen
Bezieht man die wichtigen Leistungsgrößen auf die Zahl der Beschäftigten, werden weitere strukturelle Unterschiede zwischen KMU und Großunternehmen ersichtlich. So zeigt sich, dass in den untersuchten Wirtschaftsbereichen in den Großunternehmen je Beschäftigten mehr umgesetzt, mehr investiert und eine höhere Bruttowertschöpfung erzielt wurde als in KMU. In Großunternehmen wurden je Beschäftigten durchschnittlich rund 300 000 Euro umgesetzt, in KMU dagegen knapp 114 000 Euro. In Kleinstunternehmen waren es sogar nur durchschnittlich knapp 74 000 Euro. Dabei steigt der Umsatz je Beschäftigten mit der Größe der Unternehmen. Gleiches gilt für die Bruttowertschöpfung je Beschäftigten, die in Großunternehmen mit knapp 68 000 Euro mehr als doppelt so groß war wie in Kleinstunternehmen (knapp 33 000 Euro). Die stetige Zunahme der Umsätze und der Bruttowertschöpfung je Beschäftigten mit der Größe der Unternehmen kann nahezu in allen Wirtschaftsbereichen beobachtet werden.
Dagegen ist dieser Zusammenhang bei den Investitionen tendenziell zwar auch vorhanden, aber weniger stark ausgeprägt. So waren 2005 in den untersuchten Wirtschaftsbereichen die Investitionen je Beschäftigten bei den Kleinstunternehmen sogar etwas höher als bei den Kleinunternehmen.
Bei der Investitionstätigkeit besteht zwischen KMU und Großunternehmen neben der Investitionshöhe ein weiterer deutlicher struktureller Unterschied: Der Anteil der Unternehmen, die im Berichtsjahr 2005 überhaupt investiert haben, war bei kleineren Unternehmen in der Regel bedeutend geringer als bei großen Unternehmen. In den untersuchten Wirtschaftsbereichen war der Anteil der investierenden Unternehmen bei den Großunternehmen mit knapp 89% doppelt so hoch wie bei den KMU, wo im Berichtsjahr 2005 nicht einmal jedes zweite KMU investierte. Bei den Unternehmen, die investierten, betrug das Investitionsvolumen bei KMU im Durchschnitt knapp 79 000 Euro, bei Großunternehmen 8,3 Millionen Euro.
Autor: Sascha Kless - Statistisches Bundesamt
Auskünfte zum Thema erhalten Sie über unser Kontaktformular





