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Verdienste & Arbeitskosten

Verdienstabstand zwischen Frauen und Männern

Destatis, 26. August 2008


Frauen verdienen 23% weniger als Männer

Der Bruttostundenverdienst von Frauen lag nach den Ergebnissen der Verdienststrukturerhebung 2006 um 23% unter dem der Männer. Dies bedeutet nicht, dass Frauen im gleichen Unternehmen für die gleiche Tätigkeit 23% weniger verdienten. Die Ursachen für den Verdienstabstand sind vielfältig. Frauen und Männer unterscheiden sich in der Wahl ihrer Berufe, Branchen und in der Erwerbsbiografie. Diese Unterschiede sind in der Differenz von 23% enthalten. Dieser Verdienstunterschied wird daher auch unbereinigter Verdienstabstand oder englisch "unadjusted Gender Pay Gap" genannt.

Schlecht bezahlte Berufe sind meist Frauensache

Bei der Wahl des Berufes gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern. So lassen sich klassische Frauen- beziehungsweise Männerberufe identifizieren, denen kaum das jeweils andere Geschlecht nachgeht. In Berufen mit hohen Bruttojahresverdiensten, wie zum Beispiel Luftverkehrsberufen, arbeiten deutlich mehr Männer als Frauen. Gut bezahlte Berufe sind somit immer noch Männersache. In schlecht bezahlten Berufen arbeiten umgekehrt überwiegend Frauen, zum Beispiel als Friseurinnen oder Raumpflegerinnen.

Tabelle: Bruttojahresverdienste 2006 und ihre Verteilung nach Geschlecht

Erziehungsbedingte Erwerbsunterbrechungen schaden der Karriere

Größere Ansicht des Diagramms Verdienstabstand nach dem AlterBild vergrößernVerdienstabstand nach dem Alter

Beim Einstieg in das Berufsleben ist der Verdienstabstand zwischen Männern und Frauen vergleichsweise gering. Bei den 25- bis 29-Jährigen lag er im Jahr 2006 bei 8%. Bei den 35- bis 39-Jährigen betrug er mit 21% mehr als das 2,5-fache, bei den 60-Jährigen und Älteren war er mit 30% am größten. Bei der Geburt ihres ersten Kindes waren Frauen im Jahr 2006 im Durchschnitt knapp 30 Jahre alt. Hier zeigt sich, dass Frauen während und nach schwangerschafts- und mutterschutzbedingten Erwerbsunterbrechungen sowie den damit verbundenen Erziehungszeiten den Anschluss an die Verdienstentwicklung der Männer verpassen.

Kehrten Frauen nach ihren kinderbedingten Erwerbsunterbrechungen in den Beruf zurück, bedeutete dies für viele den Wechsel von der Vollzeit- in die Teilzeitbeschäftigung. Der Anteil der vollzeitbeschäftigten Frauen nahm mit dem Alter deutlich ab. Im Alter zwischen 25 und 29 Jahren waren 65% aller erwerbstätigen Frauen vollzeitbeschäftigt. Bei den 30- bis 34-Jährigen waren es 57%, bei den 35- bis 39-Jährigen nur noch 46%. Der Anteil der Frauen, die einer Teilzeitbeschäftigung nachgingen, nahm im Gegenzug zu. Bei den 25- bis 29-jährigen Frauen waren 20% teilzeitbeschäftigt. Bei den 35- bis 39-Jährigen hatte sich dieser Anteil bereits mehr als verdoppelt (41%).

Größere Ansicht des Diagramms Verteilung der Erwerbstätigen im Jahr 2006 nach BeschäftigungsartBild vergrößernVerteilung der Erwerbstätigen nach Beschäftigungsart

Die Erwerbsbiografie von Männern verlief hingegen in der Regel ohne Unterbrechungen und stets auf einem Vollzeitarbeitsplatz. Der Anteil der vollzeitbeschäftigten Männer blieb mit dem Alter dementsprechend nahezu konstant. Im Alter von 30 bis 54 Jahren arbeiteten durchschnittlich stets mehr als 90% der männlichen Beschäftigten Vollzeit.

Eine Reduzierung der Arbeitszeit ist mit finanziellen Nachteilen verbunden. Die Stundenverdienste von Teilzeitbeschäftigten sind niedriger als die der Vollzeitbeschäftigten. Betroffen davon sind vor allem Frauen. Von ihnen war 2006 ein deutlich höherer Anteil (35%) teilzeitbeschäftigt als bei den Männern (5%). Umgekehrt arbeiteten deutlich mehr Männer (82%) als Frauen (46%) in den im Vergleich zu Teilzeitjobs besser bezahlten Vollzeitarbeitsverhältnissen.


Frauen sind seltener in Führungspositionen

Größere Ansicht des Diagramms Anteil von Frauen und Männern an den jeweiligen Leistungsgruppen im Jahr 2006Bild vergrößernAnteil von Frauen und Männern nach Leistungsgruppen

Ein weiterer Grund für die höheren Männerverdienste könnte eine vergleichsweise bessere Qualifikation sein. Betrachtet man die Verteilung der erwerbstätigen Männer und Frauen bezüglich ihrer Bildungsabschlüsse, stellt man aber nur geringe Unterschiede fest. Beim Fachhochschulabschluss lagen nach den Ergebnissen der Verdienststrukturerhebung 2006 die Männer vorne. Nur geringe Unterschiede gab es bei Abiturienten, Hauptschulabschlüssen beziehungsweise bei der mittleren Reife.

Obwohl keine großen Unterschiede beim Bildungsabschluss festzustellen waren, wurden Führungspositionen trotzdem vornehmlich von Männern wahrgenommen. 70% der Leitenden Arbeitnehmer/-innen waren im Jahr 2006 Männer. Während der durchschnittliche Bruttostundenverdienst über alle Beschäftigte 16,20 Euro betrug, wurden diese Führungskräfte mit 30,87 Euro entlohnt. Dies sind knapp 91% mehr im Vergleich zum Durchschnittsverdiener.

In keinem Wirtschaftszweig verdienen Frauen mehr als Männer

Der Verdienstabstand zwischen den Geschlechtern variiert stark in den unterschiedlichen Branchen. So war er 2006 in den Wirtschaftszweigen Unternehmensnahe Dienstleistungen (30%), Kredit- und Versicherungsgewerbe (29%) sowie im Verarbeitenden Gewerbe (28%) am größten. Niedrige Verdienstabstände zwischen den Geschlechtern bestanden in den Wirtschaftszweigen Bergbau (5%), Verkehr- und Nachrichtenübermittlung (9%) sowie im Gastgewerbe (13%). In diesen Wirtschaftszweigen arbeiteten aufsummiert nur 7% aller Frauen. In keinem Wirtschaftszweig verdienten Frauen mehr als Männer.

Verdienstunterschied in den Neuen Ländern bei nur 6%

Große Verdienstunterschiede zwischen den Geschlechtern gibt es zwischen den Gebietsständen. Während im Früheren Bundesgebiet der Verdienstabstand im Jahr 2006 bei 24% lag, betrug er in den Neuen Ländern lediglich 6%. Diesem Vergleich liegen deutlich höhere Verdienste der Männer im Früheren Bundesgebiet im Vergleich zu den Neuen Ländern zugrunde. Der Bruttostundenverdienst von Männern im Früheren Bundesgebiet lag mit 18,67 Euro 46% über dem der Neuen Bundesländer mit 12,76 Euro. Bei Frauen betrug diese Differenz nur 18%, nämlich 14,20 Euro gegenüber 12,05 Euro.


Autor: Ralf Droßard - Statistisches Bundesamt


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