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Verdienste & Arbeitskosten

Wirtschaftskrise trifft Zeitarbeitnehmer besonders stark

Destatis, 24. November 2009

Größere Ansicht des Diagramms Entwicklung von Zeitarbeitnehmern und ArbeitslosenBild vergrößernZeitarbeitnehmer und Arbeitslose

Zeitarbeitnehmer gehören zu den ersten Arbeitnehmern, die auf Grund der Wirtschaftskrise ihren Arbeitsplatz verloren haben. Im Zuge des durch die Wirtschaftskrise verursachten Personalabbaus sank die Zahl der Zeitarbeitnehmer vom Jahr 2008 zum ersten Halbjahr 2009 deutlich um 31% auf gut 520 000. Parallel dazu nahm im gleichen Zeitraum die Zahl der Arbeitslosen um 8% zu.

Dass die Beschäftigung von Zeitarbeitnehmern generell konjunkturabhängig ist, zeigt sich auch in der Entwicklung zwischen 2002 und 2008, in der sich durch den wirtschaftlichen Aufschwung die Zahl der Zeitarbeitnehmer von knapp 320 000 auf über 760 000 mehr als verdoppelt hatte. Zeitarbeitnehmer sind Beschäftigte in Zeitarbeitsfirmen, die Arbeitskräfte für eine begrenzte Dauer anderen Unternehmen überlassen, um deren Personalbestand aufzustocken oder vorübergehend zu verstärken. Bei einer hohen Auslastung der Unternehmen werden mehr Zeitarbeitnehmer beschäftigt, um den gestiegenen Arbeitskräftebedarf zu decken. Zeitarbeit ermöglicht es Unternehmen, flexibel auf konjunkturelle Änderungen zu reagieren und stellt eine Berufschance für Arbeitslose und Berufseinsteiger dar. Allerdings müssen Zeitarbeitnehmer häufig niedrigere Löhne und im Falle eines konjunkturellen Abschwungs das Risiko einer kurzfristigen Entlassung in Kauf nehmen.

Vor allem Geringqualifizierte verlieren ihren Arbeitsplatz

Größere Ansicht des Diagramms Veränderung der Zahl der ZeitarbeitnehmerBild vergrößernVeränderungsraten der Zeitarbeitnehmer nach Leistugsgruppen

Nicht alle Arbeitnehmergruppen sind gleichermaßen von dem durch die Wirtschaftskrise verursachten Personalabbau betroffen. Besonders häufig entlassen wurden weniger qualifizierte Zeitarbeitnehmer beziehungsweise solche, die in Tätigkeiten mit niedrigen Qualifikationsanforderungen arbeiten. So sank im Zweiten Quartal 2009 im Vergleich zum Vorjahresquartal die Zahl der ungelernten Arbeitnehmer um 49% und die der angelernten Arbeitnehmer um 34%. Aber auch die Zahl der herausgehobenen Fachkräfte (-14%) und Fachkräfte (-21%) ging zurück.

Auch Verdiensteinbußen für Zeitarbeitnehmer

Die Wirtschaftskrise führte nicht nur zu zahlreichen Entlassungen, sondern wirkte sich für Zeitarbeitnehmer auch negativ auf die Verdienste aus. Nachdem Zeitarbeitnehmer im Jahr 2008 durchschnittlich deutliche Verdiensterhöhungen erzielen konnten, mussten sie im Jahr 2009 teilweise hohe Verdiensteinbußen hinnehmen. So bekamen im zweiten Quartal 2009 im Vergleich zum Vorjahresquartal Arbeitnehmer in leitender Stellung 5,5%, herausgehobene Fachkräfte 2,8% und ungelernte Arbeitnehmer 2,4% weniger Gehalt. Lediglich Fachkräfte und angelernte Arbeitnehmer hatten geringe Verdienstzuwächse.

Wer arbeitet in Deutschland als Zeitarbeitnehmer?

Der durchschnittliche Zeitarbeitnehmer ist männlich, jung und gering qualifiziert. 2006 waren drei von vier (74%) Zeitarbeitnehmern Männer. Ein Viertel (24%) war jünger als 25 Jahre und weitere 16% im Alter zwischen 26 und 30 Jahren. Mit zunehmendem Alter nahm der Anteil der Zeitarbeitnehmer ab.

Der größte Teil der Zeitarbeitnehmer hatte einen Hauptschulabschluss oder Mittlere Reife ohne Berufsausbildung (35%) oder mit Berufsausbildung (58%). Nur ein sehr kleiner Teil hatte das Abitur (4%) absolviert oder verfügte über einen Hochschulabschluss (3%). Im Vergleich zu allen Arbeitnehmern hatten Zeitarbeitnehmer einen niedrigeren Bildungsabschluss.

Zeitarbeitnehmer sind häufig Niedriglohnbezieher

Ein Zeitarbeitnehmer verdiente im zweiten Quartal 2009 mit 1 725 Euro durchschnittlich nur etwas mehr als die Hälfte des Verdienstes eines Durchschnittsarbeitnehmers (3 128 Euro). Allerdings ist dieser Verdienstabstand nicht für alle Arbeitnehmergruppen gleich stark ausgeprägt. Zeitarbeitnehmer in leitender Tätigkeit erhielten im Durchschnitt immerhin 86% des Verdienstes aller leitenden Angestellten. Im Gegensatz dazu verdienten un- und angelernte Zeitarbeitnehmer jeweils nur 69% des Gehalts aller un- und angelernten Arbeitnehmer.

Zur Definition von Niedriglohn wird meist eine Grenze bei zwei Dritteln des mittleren Verdienstes aller Arbeitnehmer gezogen. Nach Ergebnissen aus dem Jahr 2006 erhielten demnach rund zwei Drittel (67%) aller Zeitarbeitnehmer einen Niedriglohn. Unter allen Arbeitnehmern lag der Anteil der Niedriglohnbezieher dagegen nur bei einem Fünftel (20%).

Zeitarbeit bietet überwiegend kurzfristige Beschäftigung in einfachen Tätigkeiten

Größere Ansicht des Diagramms Anteil der Zeitarbeitnehmer und aller Arbeitnehmer nach Leistungsgruppen 2006Bild vergrößernZeitarbeitnehmer und alle Arbeitnehmer nach Leistungsgruppen

Die Hälfte (53%) der Beschäftigten von Zeitarbeitsfirmen waren im Jahr 2006 kürzer als ein Jahr im Unternehmen. Ein Drittel war zwischen einem und zwei Jahren und lediglich 16% war länger als zwei Jahre im Betrieb tätig.

Die meisten Jobs der Zeitarbeitnehmer waren durch ungelernte (28%) und angelernte Tätigkeiten (35%) gekennzeichnet. Ein weiteres knappes Drittel der Zeitarbeitnehmer war als Fachkraft beschäftigt. Nur 5% sind herausgehobene Fachkräfte und sogar nur 1% Arbeitnehmer in leitender Stellung.

Diese Verteilung unterscheidet sich deutlich von der aller Arbeitnehmer. Bei den Beschäftigten insgesamt war der Anteil der Un- und Angelernten im Vergleich zu den Zeitarbeitnehmern erheblich niedriger, der der Fachkräfte, herausgehobenen Fachkräfte und leitenden Arbeitnehmern hingegen deutlich höher.


Autorin: Hannah Alter - Statistisches Bundesamt
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