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Transport & Verkehr

Achtung! Schulanfang erhöht die Unfallgefahr für Kinder

Destatis, 15. September 2009

Traurige Bilanz: 2008 verunglückten auf deutschen Straßen insgesamt 25 714 Kinder im Alter von 6 bis 14 Jahren. Damit kam umgerechnet alle 20 Minuten ein Kind im Straßenverkehr zu Schaden. Etwa jeden fünften Tag starb ein 6- bis 14-jähriges Kind an den Folgen eines Straßenverkehrsunfalls (67 Kinder im Jahr 2008). Die zeitliche Entwicklung ist dennoch positiv: Im Vergleich zum Vorjahr sank die Zahl der verunglückten Kinder um 6%, die der getöteten um 13%.

Nach dem Ende der Sommerferien hat nun in allen Bundesländern die Schule wieder angefangen. Zu dieser Zeit beginnt jedes Jahr für hunderttausende Erstklässler ein neuer Lebensabschnitt. Mit dem täglichen Gang zur Schule ändert sich für viele Kinder auch die Art ihrer Beteiligung am Straßenverkehr. Während Kindergartenkinder unter sechs Jahren in der Regel in Begleitung Erwachsener unterwegs sind, bewegen sich Kinder ab dem 6. Lebensjahr mehr und mehr selbstständig als Fußgänger oder Radfahrer im Straßenverkehr. Damit ist leider auch eine höhere Unfallgefahr verbunden, wie die Ergebnisse der Straßenverkehrsunfallstatistik zeigen.

Größere Ansicht des Diagramms 'Verunglückte Kinder bei Straßenverkehrsunfällen'Bild vergrößernVerunglückte Kinder bei Straßenverkehrsunfällen

Ab dem 6. Lebensjahr haben Kinder ein höheres Risiko im Straßenverkehr zu verunglücken als jüngere. Während 2008 bei Straßenverkehrsunfällen 1 422 Kinder unter 6 Jahren - bezogen auf eine Million Einwohner dieser Altersgruppe - zu Schaden kamen, waren es bei den 6-bis 9-jährigen mehr als doppelt so viele, bei den 10- bis 14-Jährigen sogar fast dreimal so viele Kinder.



Kinder auf dem Schulweg sind besonders gefährdet

Größere Ansicht des Diagramms 'Verunglückte Kinder nach Tageszeiten'Bild vergrößernVerunglückte Kinder nach Tageszeiten

Bei Verkehrsunfällen mit Kindern von 6 bis 14 Jahren ergeben sich im Tagesverlauf zu bestimmten Uhrzeiten klare Häufungen. So verunglückten 2008 die meisten Kinder in den Zeiten, in denen sie sich normalerweise auf dem Weg zur Schule oder zurück befinden. Gemessen an den Verunglückten des gesamten Tages wurden 14% der Kinder morgens zwischen sieben und acht Uhr und 12% zwischen 13 und 14 Uhr verletzt oder getötet. Auch in ihrer Freizeit am Nachmittag sind Kinder stärker gefährdet. 23% der verunglückten Kinder kamen zwischen 16 und 18 Uhr zu Schaden.

Am häufigsten verunglückten 6- bis 14-jährige Kinder 2008 mit dem Fahrrad. 42% aller Mädchen und Jungen, die 2008 einen Unfall hatten (insgesamt 10 883), waren mit dem Rad unterwegs. Etwa jeweils ein Viertel der Unfallopfer saß in einem Pkw (27%) oder nahm als Fußgänger (25%) am Straßenverkehr teil.

Jungen sind stärker gefährdet als Mädchen

Gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil sind Jungen im Straßenverkehr stärker gefährdet als Mädchen. Im Durchschnitt des Jahres 2008 waren in Deutschland 51% aller Einwohner von 6 bis 14 Jahren männlich und 49% weiblich. Bei den verunglückten Kindern betrug der Anteil der Jungen jedoch 57% gegenüber 43% bei den Mädchen.

Insbesondere als Radfahrer kommen Jungen häufiger zu Schaden als Mädchen. So waren zwei Drittel (66%) der verunglückten Radfahrer Jungen und nur ein Drittel Mädchen. Aber auch als Fußgänger verunglückten Jungen (56%) häufiger als Mädchen (44%). Die Gründe für die höhere Unfallgefährdung dürften vor allem in der stärkeren Verkehrsbeteiligung der Jungen und in einer größeren Risikobereitschaft liegen.

Augen auf! In Wintermonaten werden Kinder leichter übersehen

Größere Ansicht des Diagramms 'Bei Straßenverkehrsunfällen verunglückte Fußgänger'Bild vergrößernBei Straßenverkehrsunfällen verunglückte Fußgänger

Das Unfallgeschehen im Jahresverlauf 2008 zeigt, dass Kinder, die zu Fuß unterwegs waren, am häufigsten im Monat November in einen Unfall verwickelt wurden. Nahezu jeder zehnte (644) verunglückte Fußgänger zwischen 6 und 14 Jahren kam in diesem Monat zu Schaden. Die wenigsten Unfälle mit Fußgängern dieser Altersgruppe passierten in den Ferienmonaten Juli und August. Bei einer genaueren Betrachtung des Unfallgeschehens in den einzelnen Monaten, auch nach Uhrzeiten, zeigt sich, dass Kinder am häufigsten in den dunklen Wintermonaten zwischen sieben und acht Uhr morgens verunglücken, also in der Zeit, in der sie sich auf dem Weg zur Schule befinden. In den Monaten November und Dezember waren es zu dieser Uhrzeit jeweils 114 Kinder, im Januar sogar 119 Kinder, die durch einen Unfall zu Schaden kamen. Grund hierfür dürften die schlechten Witterungs- und ungünstigen Lichtverhältnisse der Wintermonate sein, die dazu führen, dass die Kinder häufiger zu spät gesehen werden.

Auch die Zahl der als Radfahrer verunglückten 6- bis 14-jährigen ist jahreszeitenabhängig. In den kälteren Monaten zu Beginn des Jahres verunglückten wesentlich weniger junge Radfahrer als in der wärmeren Jahreszeit. Verglichen mit dem Durchschnitt der Monate des ersten Quartals 2008 war die entsprechende Zahl der verunglückten Fahrradbenutzer im zweiten und dritten Quartal fast dreimal so hoch. Die meisten der insgesamt 10 729 verunglückten 6- bis 14-jährigen Fahrradbenutzer kamen im Monat Juni zu Schaden (16%) und in diesem Monat wiederum am häufigsten auf dem Schulweg– morgens zwischen sieben und acht Uhr.

Mehr als die Hälfte der Unfälle wird nicht von Kindern verursacht

Kinder sind wegen der mangelnden Erfahrung im Straßenverkehr größeren Gefahren ausgesetzt, da sie Situationen eher falsch einschätzen oder unangemessen reagieren. Trotzdem sind nach Feststellung der Polizei mehr als die Hälfte der unfallbeteiligten Kinder nicht die Verursacher. Bei den betroffenen Radfahrern dieser Altersgruppe (insgesamt 11 759), hatten 49% den Unfall verursacht. Jungen waren etwas häufiger Verursacher (53%) als Mädchen (43%). Bei den 6 692 unfallbeteiligten Kindern, die zu Fuß unterwegs waren, waren sogar lediglich 39% verantwortlich für das Zustandekommen des Unfalls. Am häufigsten waren Pkw-Fahrer an Unfällen mit jungen Radfahrern und Fußgängern (78%) beteiligt.

Verkehrserziehung kann Unfälle vermeiden helfen. Das zeigen die häufigsten Fehler, durch die Kinder einen Unfall verursachen: bei den Radfahrern zwischen 6 und 14 Jahren war es in erster Linie die Benutzung der falschen Fahrbahn (17% aller Fehlverhalten). An zweiter Stelle folgten Fehler beim Einfahren in den fließenden Verkehr (16%) und danach Vorfahrt- beziehungsweise Vorrangfehler (14%). Den jungen Fußgängern wurde vor allem angelastet, beim Überschreiten der Fahrbahn nicht auf den Fahrzeugverkehr geachtet zu haben (48%). Zweithäufigstes Fehlverhalten war das Überschreiten der Fahrbahn durch plötzliches Hervortreten hinter Sichthindernissen (26%).

Diese und weitere Ergebnisse können Sie im Fachbericht "Kinderunfälle im Straßenverkehr" nachlesen, der als kostenloser Download ab sofort im Publikationsservice zur Verfügung steht.


Autorin: Ingeborg Vorndran - Statistisches Bundesamt

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