Normalansicht

Navigation und Service

Logo Destatis - Statistisches Bundesamt, Link zur Startseite

Einkommen, Konsum, Lebensbedingungen

Senioren in Deutschland: Überwiegend vital und finanziell abgesichert

Destatis, 21. Dezember 2012

In den letzten Jahren ist das Thema Wohlstand beziehungsweise Armut im Alter zunehmend in den Fokus der politischen und wissenschaftlichen Diskussion gerückt. Unterbrochene Erwerbsbiografien und zurückgehende Leistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung, so die Befürchtung, könnten dafür sorgen, dass sich die Einkommenssituation von Älteren in Deutschland insgesamt langfristig verschlechtert. Die Gemeinschaftsstatistik LEBEN IN EUROPA (EU-SILC) ermöglicht eine Einschätzung der derzeitigen materiellen und auch gesundheitlichen Lebenssituation älterer Menschen in Deutschland und in Europa. Die Ergebnisse zeigen: Den deutschen Seniorinnen und Senioren geht es derzeit besser als den Ruheständlern in den meisten anderen europäischen Ländern. Also kein Grund zur Sorge? Oder gibt es in dieser Altersgruppe schon heute Probleme, die in Zukunft stärker in den Blick genommen werden müssen?

Das Einkommen von Älteren – nur leicht unter dem Durchschnitt….

Relative Einkommensposition ÄltererBild vergrößern

Die Ergebnisse aus LEBEN IN EUROPA 2010 zeigen, dass im Jahr 2009 Personen ab 65 Jahre in Deutschland mit 17 167 Euro pro Jahr über ein etwas niedrigeres mittleres Einkommen verfügten als der Bevölkerungsdurchschnitt (18 797 Euro). Damit erzielten die Älteren im Durchschnitt etwa 91 % des mittleren Einkommens der Bevölkerung. In der Mehrzahl der europäischen Länder waren die mittleren Einkommen der Seniorinnen und Senioren sowohl absolut als auch bezogen auf ihre relative Einkommensposition im Vergleich zum Durchschnitt der Gesamtbevölkerung niedriger als in Deutschland. So haben die Älteren in Schweden mit einem mittleren Einkommen von 16 127 Euro nur einen Anteil von knapp 82 % am dortigen Durchschnittseinkommen. Auch im Vereinigten Königreich sind die Werte für das mittlere Einkommen der Senioren (14 524 Euro) und die relative Einkommensposition (85 %) niedriger als in Deutschland. In Frankreich verfügten die Älteren (99,7 %) hingegen über ein fast so hohes Einkommen wie der Bevölkerungsdurchschnitt (20 058 Euro).

Tabelle: Mittleres Einkommen der Bevölkerung, der Personen ab 65 Jahre und ihre relative Einkommensposition

…. aber Frauen deutlich schlechter gestellt als Männer

Gemessen anhand der Armutsgefährdungsquote stehen Ältere in Deutschland insgesamt gut da: Nur 14,1 % der Seniorinnen und Senioren gelten als armutsgefährdet, im Vergleich zu 15,6 % der Gesamtbevölkerung. Allerdings schneiden Frauen ab 65 mit 15,9 % nur wenig besser ab als der Gesamtdurchschnitt der Frauen (16,4 %), während ältere Männer mit 12,1 % Armutsgefährdeten eine im Vergleich zu allen Männern in Deutschland (14,9 %) deutlich günstigere Position einnehmen.

Unter den Älteren treten also die geschlechterspezifischen Unterschiede, die auch in der Gesamtbevölkerung bestehen, in verstärktem Maße auf. Es spricht einiges dafür, dass sich hier die höhere Lebenserwartung von Frauen in Verbindung mit ihrer geringeren Erwerbstätigkeit in früheren Jahren auswirkt: Viele Frauen, gerade aus älteren Generationen, haben kleinere Rentenansprüche als gleichaltrige Männer erworben. Gleichzeitig überleben überdurchschnittlich viele von ihnen ihre Lebenspartner, womit zumindest ein Teil ihrer Versorgung wegfällt.

Die schlechtere finanzielle Situation der Frauen kommt auch in den Zahlen des Mikrozensus zum Ausdruck: Ältere Männer – ob verheiratet und zusammenlebend oder alleinlebend – lebten im Jahr 2011 überwiegend von Rente beziehungsweise Pension, nämlich zu 95 %. Bei den Frauen ab 65 Jahre spielt der Familienstand bei der Finanzierung des Lebensunterhalts eine wichtige Rolle. So lebte 2011 immerhin ein Viertel der Ehefrauen von den Einkünften ihrer Angehörigen, insbesondere der Ehemänner, weil – wie bereits erwähnt – ihre Beteiligung am Erwerbsleben in der Vergangenheit vermutlich gering war. Ältere alleinlebende Frauen lebten hingegen zu 96 % überwiegend von Rente oder Pension. Nur wenige Menschen im Rentenalter sind jedoch richtig reich oder wirklich arm: Ein geringer Teil (1,3 %) kann überwiegend von Vermögenswerten und den damit verbundenen Einkünften leben. Wenige sind auf Grundsicherung im Alter (Sozialhilfe) als Haupteinkommensquelle angewiesen (0,8 %). Insgesamt erhielten am Jahresende 2011 in Deutschland etwa 436 000 Menschen oder 2,6 % der Menschen ab 65 Jahre die Grundsicherung im Alter – größtenteils als Ergänzung zu ihrer Rente. Frauen waren wiederum häufiger betroffen (2,9 %) als Männer (2,2 %).

In Deutschland weniger armutsgefährdete Ältere als in Europa

Armutsgefährdungsquoten ÄltererBild vergrößern

Vergleicht man die relative Einkommenssituation der Älteren in Deutschland mit dem europäischen Ausland, so stehen diese hierzulande besser da als im Durchschnitt der gesamten Europäischen Union. EU-weit gelten 15,9 % der Personen ab 65 Jahre als armutsgefährdet, in Deutschland lediglich 14,1 %. Auffällig ist in allen Vergleichsregionen die deutlich höhere Armutsgefährdungsquote von Frauen ab 65 im Vergleich zu den Männern. Das für Deutschland beschriebene Phänomen der besonderen Lage älterer Frauen ist also europaweit noch stärker ausgeprägt. Besonders in den neuen, 2004 und 2007 beigetretenen EU-Mitgliedstaaten sind die Unterschiede zwischen Männern und Frauen in ihren materiellen Lebensverhältnissen so groß wie sonst nirgendwo in Europa: Die Armutsgefährdungsquote der älteren Männer liegt mit 9,7 % um fast acht Prozentpunkte unter derjenigen der älteren Frauen (17,3 %).

Haushalte von Älteren in Deutschland gut ausgestattet

Erhebliche materielle Einschränkungen in Europa 2010Bild vergrößern

Materieller Wohlstand lässt sich nicht nur am Einkommen messen. Die Konsumseite liefert ebenso wertvolle Informationen über den tatsächlichen Lebensstandard der privaten Haushalte, ist aber statistisch viel schwerer zu erfassen. LEBEN IN EUROPA erfragt zum einen das Vorhandensein einer Reihe wichtiger Ausstattungsmerkmale der Haushalte ab, wie das eines Telefons, einer Waschmaschine oder eines Autos. Zum anderen werden Variablen erhoben, die den finanziellen Alltag der Haushalte beschreiben, wie die Fähigkeit, unerwartete Ausgaben aus eigenen Mitteln zu bestreiten oder Schwierigkeiten, Miete und Rechnungen für Versorgungsleistungen pünktlich zu bezahlen. Als zusammengefasster Indikator wird in der europäischen Sozialberichterstattung die "erhebliche materielle Entbehrung (Deprivation)" verwendet. Diese Kennzahl gibt an, ob in einem Haushalt mehrere wichtige Ausstattungsmerkmale fehlen und/oder mehrere finanzielle Probleme auftreten.

In Deutschland, so die Ergebnisse von LEBEN IN EUROPA 2010, leben nur 4,5 % der Personen in Haushalten, die erhebliche materielle Entbehrungen hinnehmen müssen. EU-weit ist das Problem deutlich größer (8,1 %), in den neuen EU-Mitgliedstaaten betrifft es sogar fast jede fünfte Person (19,2 %). Auffällig ist, dass Personen ab 65 Jahre in Deutschland überdurchschnittlich gut abschneiden: Nur etwa zwei Prozent von ihnen leben in Haushalten, die materiell erheblich eingeschränkt sind. Dies bestätigt die Vermutung, dass hier viele Personen im Alter zumindest ihre Grundbedürfnisse mit den vorhandenen finanziellen Möglichkeiten abdecken können. Dass dies keine Selbstverständlichkeit ist, zeigen die Werte aus den neuen EU-Mitgliedstaaten: Hier leben die Älteren häufiger mit erheblichen materiellen Einschränkungen als ihre jüngeren Mitbürgerinnen und Mitbürger.

Subjektives Gesundheitsempfinden Älterer in Deutschland vergleichsweise positiv

Selbsteinschätzung des Gesundheitszustandes 2010Bild vergrößern

Das Erhebungsprogramm von LEBEN IN EUROPA enthält auch eine Reihe von Fragen zur persönlichen Einschätzung der eigenen gesundheitlichen Situation. Ziel ist es dabei, auch bei eher subjektiven Wohlstandsindikatoren international vergleichbare Daten zu gewinnen. Betrachtet man die allgemeine subjektive Gesundheitswahrnehmung der Bevölkerung, so fällt auf, dass im europäischen Vergleich die Seniorinnen und Senioren in Deutschland überdurchschnittlich zufrieden mit ihrem Gesundheitszustand sind. 38 % von ihnen geben an, ihr gesundheitlicher Zustand sei "gut" oder "sehr gut", während dies in der gesamten EU nur auf 35 % der Älteren zutrifft und in den neuen Mitgliedsländern auf nur 15 %. Umgekehrt ist in den neuen Mitgliedstaaten der Anteil der Personen ab 65, die ihren Gesundheitszustand als "schlecht" oder "sehr schlecht" bezeichnen, mit 38 % mehr als doppelt so hoch wie in Deutschland (15 %).

Bei subjektiven Indikatoren muss bedacht werden, dass sie, stärker als objektiv messbare, von einer Vielzahl von unbeobachtbaren Faktoren beeinflusst sein können. Zum Beispiel können kulturelle Unterschiede dafür sorgen, dass in einem Land über den gleichen Sachverhalt pessimistischer geurteilt wird als in einem anderen. Dennoch dürfte die relativ positive Einschätzung der eigenen Gesundheit deutscher Senioren auch mit materiellen Gegebenheiten zusammenhängen, wie beispielsweise der recht guten Gesundheitsversorgung, gerade im Vergleich zu den neuen EU-Mitgliedstaaten.

Mit zunehmendem Alter, etwa ab 75 Jahre, haben ältere Menschen dann doch stärker mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. So schätzt nur noch ein knappes Viertel der Seniorinnen und Senioren ab 75 Jahre in Deutschland den eigenen Gesundheitszustand als gut ein und 71 % haben seit mindestens einem halben Jahr gesundheitliche Probleme, die sie bei ihren täglichen Aktivitäten einschränken – Frauen häufiger als Männer. Auch die Zahlen der Pflegestatistik belegen dies: Bis zum 75. Lebensjahr liegen die Pflegequoten für Frauen und Männer auf einem ähnlichen, niedrigen Niveau (knapp 5 %). Danach steigen sie an und Frauen sind deutlich häufiger auf Pflege angewiesen als Männer. Von den 80- bis 84-Jährigen sind 22 % der Frauen pflegebedürftig, von den Männern hingegen nur 16 %. Dies hängt auch damit zusammen, dass Frauen häufiger allein leben und im Bedarfsfall schneller Pflegeleistungen beanspruchen als Männer, die zunächst meist von ihren Frauen versorgt werden.

Fazit: Senioren stehen finanziell gut da und fühlen sich relativ fit

Das Bild, das sich derzeit aus der gemeinsamen Betrachtung der Ergebnisse aus LEBEN IN EUROPA und anderen Statistiken von der Situation der Menschen ab 65 Jahre in Deutschland ergibt, ist insgesamt recht positiv. Ihre materielle Lage lässt sich als relativ komfortabel beschreiben, wobei dies für Männer eher gilt als für Frauen. Die vergleichsweise positive Einschätzung der eigenen Gesundheit spricht für die Vitalität der deutschen Seniorinnen und Senioren. Ob dieser Lebensstandard auch in Zukunft beibehalten werden kann, werden die Ergebnisse künftiger Erhebungen zeigen.


Autor: Dr. Luca Rebeggiani - Statistisches Bundesamt

Auskünfte zum Thema erhalten Sie über unser Kontaktformular.

© Statistisches Bundesamt (Destatis), 2018

Impressum – Datenschutz – Kontakt – Barrierefrei

Hinweis zur Verwendung von Cookies

Um unsere Website für Sie optimal gestalten zu können, verwenden wir Cookies. Bitte bestätigen Sie, dass Sie die Datenschutzerklärung zur Kenntnis genommen haben.

OK