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Einkommen, Konsum, Lebensbedingungen

Auto, Spülmaschine, Flachbildfernseher: Standard oder Luxus?

Destatis, 29. Oktober 2013

Was für unsere Eltern oder Großeltern früher noch kostbarer Luxus war, ist für die Mehrheit von uns heute bereits eine Selbstverständlichkeit geworden: Telefon, Kühlschrank, Fernseher und Waschmaschine gehören mittlerweile in den meisten Haushalten in Deutschland zur Standardausstattung. Das ist bemerkenswert, weil es in Deutschland immer mehr Haushalte gibt, in denen aber im Schnitt immer weniger Menschen leben. Allerdings besitzt nicht jeder Haushalt eine solche Grundausstattung, ganz zu schweigen von technischen Neuheiten wie mobilen PCs oder Flachbildfernsehern. Was konnten sich die Menschen vor 50 Jahren eigentlich leisten und wie sieht es heute aus?

Haushalte vor 50 Jahren: Telefon als Luxus – Radio als Standard

Ausgewählte Gebrauchsgüter in privaten HaushaltenBild vergrößern

Seit 50 Jahren misst die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe, kurz EVS, im früheren Bundesgebiet und seit 20 Jahren im wiedervereinigten Deutschland alle fünf Jahre den Lebensstandard der Haushalte in Deutschland. Begibt man sich auf Zeitreise zurück in die Jahre 1962/63, so wird schnell deutlich, wie sich die Ausstattung der Haushalte mit Gebrauchsgütern seitdem verändert hat. Anfang der 1960er Jahre besaßen gerade einmal 14 % der Haushalte ein Telefon und 34 % eine Waschmaschine. Einen Fernseher konnte sich damals ebenfalls nur ein gutes Drittel der Haushalte leisten – allerdings noch ohne Farbe, Fernbedienung oder Flachbildschirm. Über einen eigenen Kühlschrank verfügte dagegen schon vor 50 Jahren gut die Hälfte der Haushalte. Damit gehörten Kühlschränke bereits zu den häufigsten Gebrauchsgütern in den Haushalten dieser Zeit. Noch weiter verbreitet waren damals lediglich Staubsauger und eindeutig an der Spitze: Radios. Auch wenn sich die Menschen zu Beginn der 1960er Jahre bereits die eine oder andere größere Anschaffung leisten konnten – der Besitz gleich mehrerer teurer Geräte war damals eher selten. Gerade einmal 13 % der Haushalte verfügten früher zum Beispiel über die Kombination aus Fernseher, Kühlschrank und Waschmaschine. Zum Vergleich: Heute gehören diese drei Geräte, einschließlich Telefon, in 90 % der Haushalte zur Standardausstattung.

Haushalte heute: Technische Innovationen bestimmen das Bild

Technische Geräte in privaten HaushaltenBild vergrößern

Schmalfilmkameras, Staubsauger oder Kaffeemaschinen – viele der Neuheiten von früher wurden mittlerweile vom Zeitgeist abgelöst oder gehören selbstverständlich zum Inventar der Haushalte und werden deshalb von der amtlichen Statistik nicht mehr eigens abgefragt. An ihre Stelle sind die technischen Innovationen der Gegenwart getreten: In 93 % der rund 40 Millionen Haushalte in Deutschland wird heute per Handy telefoniert. Einen Computer gibt es in 85 % der Haushalte und in 73 % aller Haushalte können Familie und Freunde mit einem digitalen Fotoapparat abgelichtet werden. Besonders rasch etablierte sich zuletzt eine weitere technische Neuheit in Deutschland: der Flachbildfernseher. Seit 2008 hat sich der Anteil der Haushalte mit einem Flachbildfernseher von 16 % auf heute 67 % mehr als vervierfacht – damit setzte er sich sogar etwas schneller durch als der Farbfernseher Mitte der 1970er Jahre. Noch bemerkenswerter waren bislang nur der Durchbruch des Handys um die Jahrtausendwende und die Entwicklung der CD-Geräte einige Jahre später. Es gibt eine Reihe weiterer Beispiele für die rasante Technisierung der privaten Haushalte innerhalb der letzten fünf Jahrzehnte, sicher jedoch ist: Während die Innovationen der modernen Informations- und Kommunikationstechnologien erst mit der Zeit in den Vordergrund gerückt sind, war die Unterhaltungselektronik bei den Haushalten schon immer beliebt.

Wer ist wie gut ausgestattet?

Ausstattung privater Haushalte 2013Bild vergrößern

Auch wenn sich in Deutschland der Lebensstandard im Laufe der Jahre erheblich verbessert hat, so gibt es dennoch soziale Unterschiede. Nicht jeder kann oder möchte sich einen Fernseher oder ein Auto anschaffen. Noch kritischer wird es bei der Kombination gleich mehrerer teurer Gebrauchsgüter. Wie unterschiedlich es bei uns zuhause aussieht, zeigt ein Vergleich der Haushaltsausstattung von Mietern mit Wohneigentümern. Bereits bei den vier "klassischen" Ausstattungsgegenständen – Telefon, Kühlschrank, Fernseher und Waschmaschine – gibt es einen Unterschied von 10 Prozentpunkten: 96 % der Wohneigentümer im Vergleich zu 86 % der Mieterhaushalte verfügten Anfang 2013 über alle vier Geräte gleichzeitig. Weitergehende Analysen zeigen: Je nachdem, welche zusätzlichen Gebrauchsgüter zu dieser Kombination hinzukommen, wird der Unterschied zwischen Eigentümern und Mietern noch größer. Kommt zu den vier Geräten beispielsweise noch ein Auto hinzu, vergrößert sich der Abstand zwischen Wohneigentümern und Mieterhaushalten auf 32 Prozentpunkte. Kommt zu den vier Geräten, neben dem Auto noch eine Spülmaschine hinzu, so steigt der Abstand sogar auf 39 Prozentpunkte. Die Unterschiede zwischen Eigentümer- und Mieterhaushalten lassen sich auf verschiedene Faktoren zurückführen: Unter anderem verfügen Mieterhaushalte häufiger über ein geringeres monatliches Haushaltsnettoeinkommen als der Durchschnitt und können sich gewisse Gebrauchsgüter daher möglicherweise einfach nicht leisten. Andererseits sind unter den Eigentümerhaushalten überdurchschnittlich viele Mehrpersonenhaushalte vertreten, für die sich bestimmte Anschaffungen eher rechnen könnten als für Einpersonenhaushalte.

Familien: Pioniere in Sachen Technik

Unterwegs telefonieren, virtuell Informationen austauschen oder online miteinander chatten und das alles rund um die Uhr und weltweit – für die Menschen vor 50 Jahren gleicht die Realität von heute wahrscheinlich eher der Vision aus einem Science-Fiction-Roman. Dabei prägen die neuen Technologien mittlerweile nicht nur am Arbeitsplatz, sondern auch zuhause längst den Alltag. Und besonders aufgeschlossen gegenüber den neuesten Trends in Sachen Technik sind Familien. Beispielsweise bei der Ausstattung mit Internet, mobilen PCs und Handys. Anfang 2013 wurden diese drei Technik-Trends schon von 81 % der Haushalte mit Kindern genutzt. Ein Rückblick zeigt: Vor zehn Jahren hatte dieser Anteil erst bei 10 % gelegen. Auch bei Haushalten ohne Kinder sind Internet, mobile PCs und Handys immer beliebter geworden, allerdings nicht in diesem Ausmaß: Im Zehnjahresvergleich stieg hier der Anteil der Haushalte, die mit allen drei Technologien ausgestattet waren, von 8 % auf 57 %. Alles in allem sind Haushalte mit Kindern nicht nur im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologien, sondern in der Regel auch mit Haushaltsgeräten, Unterhaltungselektronik und Fahrzeugen besser ausgestattet als Haushalte ohne Kinder. An dieser Stelle gibt es aber auch unter den Familien Unterschiede: Im Vergleich zu den Paaren mit Kindern sind Alleinerziehende fast ausnahmslos schlechter ausgerüstet, und das zum Teil deutlich.

Ein technisches Gerät wird auch im Alter immer beliebter

Privathaushalte mit mobilem Telefon nach Alter des HaupteinkommensbeziehersBild vergrößern

Junge Menschen und Technik – das ist ganz offensichtlich eine Verbindung, die funktioniert. Aber auch im Alter wird zumindest ein technisches Gerät, nämlich das Mobiltelefon, immer beliebter. Handys sind zwar in Haushalten von älteren Menschen nach wie vor unterrepräsentiert, aber die ältere Generation hat in den letzten zehn Jahren beim mobilen Telefonieren kräftig aufgeholt: Anfang 2013 besaßen bereits 82 % der Haushalte mit Haupteinkommensbeziehern ab 65 Jahren ein Handy. Dieser Anteil ist seit 2003 um 39 Prozentpunkte gestiegen. Sogar bei den Hochbetagten ist das Handy keine Seltenheit mehr. In der Altersstufe ab 80 Jahren nutzen inzwischen 66 % der Haushalte ein mobiles Telefon. Hier betrug das Plus seit 2003 sogar 45 Prozentpunkte. Zur Orientierung: Im Durchschnitt war der Anteil der Haushalte mit einem Handy zwar mit 93 % höher als bei den Älteren, ist in den letzten zehn Jahren aber nur um 20 Prozentpunkte angestiegen. Damit hat sich die ältere Generation dem allgemeinen Niveau deutlich angenähert, auch wenn sie es bislang noch nicht erreicht hat.


Autorin: Manuela Nöthen - Statistisches Bundesamt

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