Einleitung
Der Nominallohnindex zeigt, wie sich die durchschnittlichen Bruttomonatsverdienste einschließlich Sonderzahlungen aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der Gesamtwirtschaft entwickeln würden, wenn die Struktur der Beschäftigten im Vergleichszeitraum unverändert bliebe.
Der Reallohnindex setzt den Nominallohnindex in Beziehung zum Verbraucherpreisindex, der die durchschnittliche Preisentwicklung von Waren und Dienstleistungen misst, die private Haushalte für Konsumzwecke kaufen. Damit gibt er Auskunft darüber, wie sich die Kaufkraft der Löhne verändert:
Reallohnindex = Nominallohnindex/Verbraucherpreisindex * 100
Für die Berechnung des vierteljährlichen Reallohnindex wird vorab das arithmetische Mittel aus den entsprechenden Werten des monatlichen Verbraucherpreisindex gebildet.
Wichtig ist, dass sich der Nominallohnindex und der Verbraucherpreisindex auf dasselbe Basisjahr beziehen (beispielsweise 2022 = 100). Ist das nicht der Fall, müssen die Werte zunächst umbasiert werden, also auf ein gemeinsames Basisjahr umgerechnet werden (siehe Abschnitt "Umbasierungen").
Konzeption des Nominallohnindex als Laspeyres-Kettenindex
Ziel des Nominallohnindex ist es, die reine Entwicklung der Verdienste widerzuspiegeln. Der Index soll nicht durch Struktureffekte beeinflusst werden: Veränderungen in der Zusammensetzung der Beschäftigten – etwa der Anteil von Voll- oder Teilzeitkräften – sollen folglich keinen Einfluss auf die Verdienstentwicklung haben.
Um dieses Ziel zu erreichen, wird der Nominallohnindex nach der Methode von Laspeyres berechnet. Dabei gibt es zwei Varianten: den Festbasisindex und den Kettenindex. Beide halten die Beschäftigtenstruktur konstant, unterscheiden sich aber darin, welche Struktur zugrunde gelegt wird:
- Beim Laspeyres-Festbasisindex bleibt die Struktur des Basisjahres festgeschrieben.
- Beim Laspeyres-Kettenindex wird jedes Jahr die Struktur des Vorjahres berücksichtigt.
Der Laspeyres-Kettenindex weist einen entscheidenden Vorteil gegenüber dem Laspeyres-Festbasisindex auf: Der Kettenindex zeigt, wie sich die durchschnittlichen Bruttoverdienste der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer verändert hätten, wenn im jeweiligen Vergleichszeitraum dieselbe Struktur der Arbeitnehmerschaft bestanden hätte wie im Vorjahr. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass die dem Index zugrundeliegenden Strukturen veralten und somit nicht mehr repräsentativ für die aktuelle Struktur sind. Ein weiterer Vorteil des Kettenindex besteht darin, dass dieser unabhängig davon ist, ob das Basisjahr wirklich ein "Normaljahr" war und damit repräsentativ für die Folgejahre ist.
Gleichzeitig führt dieses Vorgehen zu dem Nachteil, dass der Kettenindex die Anpassungsprozesse aller zwischen Basis- und Berichtsperiode liegenden Jahre berücksichtigt. Die Veränderungsraten des Index über längere Zeiträume sind schwieriger zu interpretieren, da sich durch die jährlichen Wechsel des Basiszeitraums Preis-1 , Verdienst- und Mengeneffekte in diesen Zahlen vermischen. Da aber in der Regel die Veränderungsraten zum Vorjahreszeitraum im Fokus des Interesses stehen, fällt dieser Nachteil in der kurzfristigen Betrachtung nicht ins Gewicht.
Beispiel des Laspeyres-Kettenindex für das 1. Quartal 2024 (2022=100):
Beim Laspeyres-Kettenindex wird die Struktur des Vorjahres verwendet. Die jährlichen Veränderungsraten werden miteinander verkettet, um eine fortlaufende Zeitreihe mit festem Basisjahr zu erhalten. Der Kettenindex ist somit eine Kette von Indizes, die jeweils die Struktur des Vorjahres konstant halten.
Bruttomonatsverdienst als zentrale Größe des Nominallohnindex
Bei der Konzeption des Nominallohnindex wurde bewusst der Bruttomonatsverdienst und nicht der Bruttostundenverdienst als zentrale Größe gewählt. Auf diese Weise soll der Reallohnindex widerspiegeln, dass die Kaufkraft der Beschäftigten gegebenenfalls aufgrund einer höheren Zahl bezahlter Arbeitsstunden gestiegen ist. Würde nur der Bruttostundenverdienst betrachtet, bliebe dieser Effekt unsichtbar.
Einfluss von Sonderzahlungen oder Stunden auf die Verdienstentwicklung
Um zu verstehen, wie sich Sonderzahlungen oder Arbeitsstunden auf die Verdienstentwicklung auswirken, lassen sich drei Effekte unterscheiden:
- Sonderzahlungseffekt: Die Differenz zwischen der Veränderungsrate des Nominallohnindex und des Index der Bruttomonatsverdienste ohne Sonderzahlungen zeigt, welchen Einfluss Sonderzahlungen auf die Verdienstentwicklung haben.
- Reiner Verdiensteffekt: Der Index der Bruttostundenverdienste ohne Sonderzahlungen spiegelt die reine Veränderung der Verdienste wider.
- Stundeneffekt: Der Index der bezahlten Stunden zeigt, welchen Einfluss die geleistete Arbeitszeit auf die Verdienstentwicklung hat.
Berücksichtigung von verschiedenen Beschäftigtengruppen
In den Nominallohnindex gehen nicht nur Daten von Vollzeitbeschäftigten ein, sondern auch von Teilzeitkräften, geringfügig Beschäftigten und Auszubildenden. Das liegt daran, dass Beschäftigte mit reduzierter Arbeitszeit – insbesondere im Dienstleistungssektor – zunehmend an Bedeutung gewinnen. Die Bedeutung der geringfügig Beschäftigten für die Veränderung der durchschnittlichen Bruttomonatsverdienste in der Gesamtwirtschaft ist als gering einzustufen. Für die Berücksichtigung dieser Personengruppe spricht jedoch vor allem die Vollständigkeit und somit größere Akzeptanz der Ergebnisse.
Die Panelstruktur des Nominallohnindex
Damit wirklich "Gleiches mit Gleichem" verglichen werden kann, basiert der Nominallohnindex seit der Verdiensterhebung (VE) 2022 auf einem Arbeitnehmerpanel. Zuvor wurde ein Betriebspanel aus der Vierteljährlichen Verdiensterhebung (VVE) genutzt.
Das bedeutet: Ein Betrieb und dessen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer werden nur dann in die Berechnung des Nominallohnindex einbezogen, wenn sie sowohl im aktuellen Berichtszeitraum als auch im Vorjahr Teil der Erhebung waren. Für Betriebe, die aufgrund der rollierenden Stichprobe der VE aus der Erhebung herausfallen, wird ein Kompensationsfaktor berechnet. Für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wird dieser nicht berechnet – hier gelten Jobwechsel oder Renteneintritte als reale Veränderungen und fließen in die Ergebnisse mit ein.
Zeitliche Vergleiche des Nominallohnindex
Der Nominallohnindex steht seit dem Jahr 2007 zur Verfügung. Bis einschließlich des 4. Quartals 2021 wurde er auf Grundlage der VVE berechnet. Diese Erhebung erfasste die Verdienstentwicklung von Vollzeit-, Teilzeit- und geringfügig Beschäftigten in Betrieben des Produzierenden Gewerbes und des Dienstleistungsbereichs mit mindestens zehn (in ausgewählten Wirtschaftszweigen fünf) sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten.
Zu Beginn des Jahres 2022 wurde die VVE durch die VE abgelöst. Die VE bietet eine deutlich größere Vollständigkeit: Alle Beschäftigungsverhältnisse (unter anderem zusätzlich Auszubildende und Altersteilzeitbeschäftigte) in Landwirtschaft, Produzierendem Gewerbe und Dienstleistungsbereich bei Betrieben mit mindestens einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten werden erfasst.2
Dieser Qualitätsgewinn bringt im Jahr 2022 – dem Jahr des Übergangs von der VVE zur neuen VE – einen Bruch in den Zeitreihen der Verdienstindizes mit sich, der methodisch nicht vollständig herausgerechnet werden kann. Um Datennutzenden eine durchgehende und möglichst gut vergleichbare Zeitreihe anbieten zu können, wurden die Zeitreihen zwischen der VVE (bis zum 4. Quartal 2021) und der VE (ab dem 1. Quartal 2022) mit der durchschnittlichen jährlichen Veränderungsrate der letzten zehn Jahre verknüpft. Dies führt dazu, dass die Veränderungsraten der Berichtsquartale 2022 im Vergleich zum entsprechenden Zeitraum des Vorjahres jeweils auf empirisch erhobenen Angaben und auf durchschnittlichen Veränderungsraten der letzten zehn Jahre aus der VVE beruhen.
Umbasierungen
Der Reallohnindex wird aus dem Verhältnis von Nominallohnindex und Verbraucherpreisindex berechnet. Damit beide Indizes direkt vergleichbar sind, müssen sie dasselbe Basisjahr verwenden. Der Verbraucherpreisindex wird standardmäßig alle fünf Jahre auf ein neues Basisjahr umgestellt (2015, 2020, 2025). Zur besseren Vergleichbarkeit wird auch der Nominallohnindex in diesen Intervallen auf das neue Basisjahr umgerechnet.
Bei dieser rein rechnerischen Umbasierung wird der gerundete Indexwert des neuen Basisjahres auf 100 gesetzt. Dazu wird der bisherige Indexwert durch 100 geteilt, wodurch je Indexwert ein Umrechnungsfaktor entsteht.
Beispiel der Umbasierung auf das neue Basisjahr 2025 (bisher: 2022=100):
Mit diesem Faktor werden anschließend alle bisherigen Indexwerte auf die neue Basis umgerechnet:
Dank der Methodik des Laspeyres-Kettenindex sind beim Wechsel des Basisjahres keine Revisionen der bereits veröffentlichten Veränderungsraten erforderlich – abgesehen von minimalen, rundungsbedingten Anpassungen im Bereich der Nachkommastellen.
Gliederungsebenen des Nominallohnindex
Der Nominallohnindex wird untergliedert nach Gebietsstand, Branchen, beruflichem Ausbildungsabschluss (seit 2022), Geschlecht und bei Vollzeitbeschäftigten nach Quintilen (=fünf Verdienstgrößenklassen, seit 2022) ausgegeben. Die Verdienstgrößenklasse ergibt sich für Vollzeitbeschäftigte aus den durchschnittlichen Bruttomonatsverdiensten einschließlich Sonderzahlungen eines Jahres.
Überblick über die wichtigsten Neuerungen des Nominallohnindex und aller weiteren Verdienstindizes ab 2022
- Seit dem Berichtsjahr 2022 werden nicht nur vierteljährliche Verdienstindizes berechnet, sondern auch monatliche Schnellindizes auf Basis des vorläufigen Datenmaterials der VE. Der Quartalsindex wird weiterhin auf Basis des endgültigen Datenmaterials der VE berechnet. Der Jahresindex wird als arithmetisches Mittel der vier Quartalsindizes berechnet. In den Zeiten der VVE hat eine Neuberechnung der Jahresindizes stattgefunden, die abgelöst ist.
- Verdienstindizes nach Leistungsgruppen wurden durch den beruflichen Ausbildungsabschluss abgelöst. Gänzlich neu hinzugekommen als Analyseeinheit sind die Quintile (=fünf Verdienstgrößenklassen von Vollzeitbeschäftigten).
- Mit der VE liegen auch für geringfügig Beschäftigte Angaben zur Arbeitszeit vor. Deswegen werden seit dem Berichtsjahr 2022 alle Indexarten für alle Beschäftigten (einschließlich geringfügig Beschäftigte) berechnet. Zusätzlich gibt es alle Indexarten auch ausschließlich für Vollzeitbeschäftigte.
- Das Betriebspanel der Verdienstindizes wurde auf ein Arbeitnehmerpanel erweitert.
Weitere Informationen
In der GENESIS-Online Datenbank finden Sie die Nominallohn- und Reallohnindizes in den Tabellen unter dem Code 62361. Weitere Informationen zur VE sind im Qualitätsbericht der VE zu finden.
Fußnoten:
1: Preiseffekte beziehen sich auf den Verbraucherpreisindex, der im Reallohnindex enthalten ist.
2: Angaben zu Betrieben ohne sozialversicherungspflichtig Beschäftigte liegen ab der VE 2022 für den Berichtsmonat April vor und werden bei den Indizes nicht berücksichtigt.