Inhaltsverzeichnis
Wesentliches zur 16. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung auf einen Blick
Ausgangsjahr, Zeithorizont und Design
Ausgangssituation und Annahmen zu demografischen Komponenten
Wegweiser zu Varianten und Modellrechnungen
- Entwicklung der Bevölkerungszahl
- Zahl der jungen Menschen im Alter bis 17 Jahre
- Zahl der Menschen im Erwerbsalter von 20 bis 66 Jahren
- Zahl der Menschen im Seniorenalter ab 67 Jahren
- Struktur der Bevölkerung nach Altersgruppen
- Jugend-, Alten- und Gesamtquotienten
Regionale Bevölkerungsentwicklung
Links zu den ausführlichen Ergebnissen und weiteren Informationen
In dem Abschnitt "Saldo der Wanderungen über die Grenzen Deutschlands" wurden am 2. Februar 2026 Korrekturen vorgenommen. Die beiden korrigierten Werte sind kursiv hervorgehoben und haben keine Konsequenz für die Vorausberechnung.
Vorbemerkung
Zweck der langfristigen Bevölkerungsvorausberechnungen
11. Dezember 2025 - Bevölkerungsvorausberechnungen, auch als Bevölkerungsprojektionen bezeichnet, verdeutlichen und berechnen die künftigen Auswirkungen heute bereits angelegter Strukturen und erkennbarer Veränderungen. Da sich die Bevölkerung in der Regel allmählich verändert und die demografischen Prozesse (Geburtenhäufigkeit, Sterblichkeit und Wanderungen) weit in die Zukunft hineinwirken, liefern langfristige Bevölkerungsprojektionen wichtige Hinweise auf künftige demografische Veränderungen. Sie sind deshalb für vorausschauendes politisches und wirtschaftliches Handeln unverzichtbar.
Aussagekraft und Unsicherheitsfaktoren
Die amtlichen Bevölkerungsvorausberechnungen erheben jedoch keinen Anspruch, die Zukunft vorherzusagen. Sie liefern "Wenn-Dann-Szenarien" und helfen damit zu verstehen, wie sich die Bevölkerungszahl und die Bevölkerungsstruktur unter bestimmten demografischen Voraussetzungen entwickeln würden. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass es immer wieder zu großen Krisen mit internationalem Ausmaß kommen kann, die Deutschlands Demografie unmittelbar betreffen. Die Covid-19-Pandemie erhöhte die Sterblichkeit der alternden Bevölkerung, was eine rückläufige Lebenserwartung in den Jahren 2020 bis 2022 zur Folge hatte. Infolge des Krieges in Syrien und der russischen Invasion in die Ukraine hat Deutschland Phasen außergewöhnlich hoher Zuwanderung erlebt. Die Zuwanderung überwiegend junger Menschen führte nicht nur zu einer Bevölkerungszunahme, sondern auch zur Verjüngung der Altersstrukur. Der ungewöhnlich hohe Wanderungssaldo der Jahre 2015 und 2022 konnte nicht in den Annahmen früherer Vorausberechnungen antizipiert werden.
Ein weiterer häufig genannter Unsicherheitsfaktor für die Bevölkerungsentwicklung ist das Klima. Regional haben Klimaereignisse in den vergangenen Jahrzehnten einschneidende Folgen gehabt. Bisher zeigt die Studienlage jedoch für europäische Länder keine eindeutige und so messbare Wirkung des Klimas auf die Bevölkerungsentwicklung, dass sie in die Annahmen einer Bevölkerungsprojektion auf Bundes- und Landesebene einfließen kann (Hoffmann, R. et al. "Climate change and population: Demographic perspectives on the 21st century's defining challenge").
Bevölkerungsvorausberechnung erstmals auf Basis des Zensus 2022
Zentrale Grundlage für die Bevölkerungsvorausberechnung sind aktuelle und valide Bevölkerungszahlen. Um verlässliche Zahlen zu erhalten, werden ergänzend zur amtlichen Bevölkerungsfortschreibung in regelmäßigen Abständen Bestandsaufnahmen der Bevölkerungszahl durchgeführt. Die letzte Bestandsaufnahme dieser Art fand mit dem Zensus 2022 statt und wurde als registergestützte Bevölkerungszählung durchgeführt. Er wurde durch eine Stichprobe ergänzt und mit einer Gebäude- und Wohnungszählung kombiniert. Ermittelt wurde, dass die Bevölkerung zwischen Zensus 2011 und Zensus 2022 um 2,5 Millionen gewachsen ist. Dieses Bevölkerungswachstum war allerdings nicht so stark wie durch die amtliche Bevölkerungsfortschreibung ausgewiesen, sondern um 1,4 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner geringer. Dabei ist zu berücksichtigen, dass rund 71 % der Abweichung auf die ausländische Bevölkerung zurückzuführen ist. Tendenziell war die Überschätzung der ausländischen Bevölkerung in den östlichen Bundesländern höher als in den westlichen Bundesländern. Mit der Verwendung der fortgeschriebenen Zahlen auf Basis des Zensus 2011 für die Jahre 2012 bis 2021 sowie den Zahlen auf Basis des Zensus 2022 für die Jahre ab 2022 würde ein Zeitreihenbruch entstehen. Daher werden für die Bevölkerungsvorausberechnung und die im Weiteren abgebildeten Grafiken sofern möglich die Bevölkerungszahlen einer Rückrechnung (2012-2021) verwendet.
Langer Zeithorizont hilft den demografischen Wandel zu verstehen
Die aktuelle Lage und das demografische Geschehen sind, wie auch schon zum Zeitpunkt früherer Vorausberechnungen, von großen Unsicherheiten gekennzeichnet. Trotzdem schaut die 16. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung über den Zeithorizont von gut 45 Jahren bis 2070 voraus. Auf diese Weise werden mittel- und langfristige Auswirkungen von beobachteten Entwicklungen offengelegt und bestimmt. Der demografische Wandel wird besser sichtbar. Die Gesellschaft kann dadurch mögliche problematische Veränderungen rechtzeitig erkennen und gegebenenfalls gegensteuern.
System aus mehreren Varianten und Modellrechnungen
Der 16. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung liegt die sogenannte Kohorten-Komponenten-Methode zugrunde. Die Gesamtbevölkerung wird dabei nach Kohorten, das heißt nach Geburtsjahrgängen, und Geschlecht unterteilt. Zu den Komponenten zählen die demografischen Einflussfaktoren wie Geburtenhäufigkeit, Sterblichkeit und Wanderungen.
Als Zukunftsmodelle weisen die Bevölkerungsprojektionen Unsicherheiten auf. Deshalb wird nicht nur eine mögliche Entwicklung betrachtet, sondern ein System aus mehreren Varianten. Die Varianten ergeben sich aus der Kombination von deterministischen (eindeutig quantifizierten) Annahmen zu demografischen Komponenten. Sie repräsentieren unterschiedliche Optionen der künftigen Entwicklung. Den Nutzerinnen und Nutzern erlaubt ein Variantensystem somit eine bewusste Wahl einer oder mehrerer geeigneter Varianten je nach aktueller demografischer Situation und betrachtetem Zeithorizont.
Für alle Bevölkerungsprojektionen gilt, dass sie keine Strukturbrüche berücksichtigen können, die durch unvorhersehbare künftige Ereignisse ausgelöst werden. Auch neue Tendenzen, die sich erst zu einem späteren Zeitpunkt als nachhaltig erweisen, können die künftige Bevölkerungsentwicklung verändern. Deshalb werden Vorausberechnungen immer wieder aktualisiert.
Fachkreis Bevölkerungsvorausberechnungen
Das Statistische Bundesamt hat zur wissenschaftlichen Begleitung seiner Bevölkerungsvorausberechnungen den Fachkreis "Bevölkerungsvorausberechnungen" einberufen. Ihm gehören Vertreterinnen und Vertreter der Wissenschaft sowie Fachleute an, die eigene Vorausberechnungen durchführen. Sie präsentieren und diskutieren in diesem Rahmen auch eigene Arbeiten. Die Annahmen der 16. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung wurden im Fachkreis beraten. Das Statistische Bundesamt bedankt sich für die wertvolle Unterstützung bei:
- Dr. Roman Hoffmann (International Institute for Applied Systems Analysis),
- Dr. Jana Hoymann (Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung),
- Dr. Eva Kibele (Statistisches Landesamt Bremen),
- Prof. Dr. Sebastian Klüsener (Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung)
- Prof. Dr. Michaela Kreyenfeld (Hertie School of Governance),
- Dr. Thomas Liebig (OECD, Abteilung für Internationale Migration),
- Dr. Claus Schlömer (Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung),
- Dr. Tomáš Sobotka (ÖAW Austrian Academy of Sciences, Vienna Institute of Demography).
Ausgangsjahr, Zeithorizont und Design
Die 16. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung beruht auf dem Bevölkerungsstand vom 31.12.2024. Sie erstreckt sich bis zum Jahr 2070 und beschreibt die mögliche künftige Bevölkerungsentwicklung anhand von 27 Varianten. Diese erlauben, die aus heutiger Sicht absehbaren künftigen Entwicklungen aufzuzeigen und Aussagen über den Einfluss der demografischen Komponenten Geburtenhäufigkeit, Sterblichkeit und Wanderungen auf die Bevölkerungsentwicklung zu treffen. Darüber hinaus bietet die 16. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung drei Modellrechnungen für analytische Zwecke, die rein hypothetische Entwicklungsszenarien abbilden (siehe Variantenübersicht).
Die Vorausberechnung liefert Ergebnisse für Deutschland und für die Bundesländer. Die Berechnungen für Bund und Länder beruhen auf abgestimmten und konsistenten Annahmen und auf gleichen Methoden.
Bevölkerung im Jahr 2024
Am Ende des Ausgangsjahrs 2024 lebten 83,6 Millionen Menschen in Deutschland. Die demografische Alterung ist in Deutschland schon lange kein Zukunftsthema mehr. Das Durchschnittsalter der Bevölkerung war 2024 mit 45 Jahren um gut fünfeinhalb Jahre höher als im Jahr der deutschen Vereinigung (1990: 39 Jahre). Besonders anschaulich zeigen sich die Veränderungen anhand der Alterung der stark besetzten Jahrgänge von Mitte der 1950er bis Ende der 1960er Jahre, die zur sogenannten Babyboomer-Generation gehören (Grafik 1). Im Jahr 1990 bildeten sie als 20- bis 35-Jährige die größte Altersgruppe. Das sind sie auch heute noch, sie sind aber in das höhere Erwerbsalter und teilweise bereits ins Rentenalter gekommen. Ihr Übergang vom Erwerbs- ins Rentenalter wird sich bis Ende der 2030er-Jahre fortsetzen. Die Zahl der Menschen im Alter ab 70 Jahren ist zwischen 1990 und 2024 von 8,0 Millionen auf 13,7 Millionen Personen gestiegen. Bemerkenswert sind hier die Auswirkungen der gestiegenen Lebenserwartung, die bei den Männern schneller als bei den Frauen gestiegen ist. Bei den höheren Altersklassen wird deutlich, dass mittlerweile nicht nur Frauen, sondern auch deutlich mehr Männer ein höheres Lebensalter erreichen.
Die hohen Wanderungsgewinne von Mitte der 2010er-Jahre bis 2024 haben der Schrumpfung der Bevölkerungszahl entgegengewirkt. Ohne diese Entwicklung wäre die Schrumpfung aufgrund der negativen Differenz zwischen den Geburten und den Sterbefällen unvermeidlich gewesen. Sie haben auch die jungen Jahrgänge gestärkt und zur Verjüngung des Erwerbspersonenpotenzials beigetragen. Auf die Alterung der Gesamtbevölkerung, die derzeit vor allem durch das Aufsteigen der Babyboomer-Generation ins höhere Alter bestimmt ist, hatten sie dagegen kaum Einfluss.
Grafik 1
Ausgangssituation und Annahmen zu demografischen Komponenten
Geburtenhäufigkeit
Eine zentrale Komponente der künftigen Bevölkerungsentwicklung ist die Zahl der jährlich geborenen Kinder. Diese Größe hängt von der Zahl der potenziellen Mütter und von der relativen Geburtenhäufigkeit ab. Die Zahl der Frauen im fertilen, also gebärfähigen Alter ist für die bereits lebenden Frauen- und Mädchenjahrgänge bekannt. Ihre Weiterentwicklung ergibt sich weitgehend aus den künftigen Wanderungen und Geburten. Zur relativen Geburtenhäufigkeit müssen dagegen Annahmen getroffen werden. Diese beziehen sich auf die wichtigsten Fertilitätsmaße: die altersspezifischen Geburtenziffern (Relation zwischen der Zahl der geborenen Kinder von Müttern eines bestimmten Alters und der Zahl aller Frauen dieses Alters) und die zusammengefasste Geburtenziffer (im Weiteren auch Geburtenrate genannt).
Die Fertilitätsannahmen haben empirischen Charakter. Die Datengrundlage hierfür bilden die laufende Geburtenstatistik und der Mikrozensus (siehe "Kinderlosigkeit und Mutterschaft"). Die Festlegung der Annahmen berücksichtigt sowohl die langfristigen Trends im Geburtenverhalten als auch die Besonderheiten des aktuellen Geburtenrückgangs (siehe Pötzsch, O. "Der dritte Geburtenrückgang im vereinigten Deutschland – Analysen und Hintergründe").
Langfristige Trends und neue Tendenzen in der Fertilität
Die jährliche zusammengefasste Geburtenziffer bewegt sich seit Mitte der 1970er-Jahre in einem relativ engen Korridor zwischen 1,3 und 1,6 Kindern je Frau. Abweichungen von diesem Niveau gab es in den 1990er-Jahren als die Geburtenziffer bis auf 1,24 Kinder je Frau im Jahr 1994 sank. Zwischen 2016 und 2021 erlebte Deutschland eine Phase mit relativ hoher Geburtenhäufigkeit zwischen 1,55 und 1,61 Kindern je Frau. Seit 2022 sank die Geburtenziffer jedoch deutlich und betrug 2024 nur noch 1,35 Kinder je Frau, was etwa dem Niveau des Jahres 2009 entspricht (1,36).
Für die Ableitung der Annahmen zur künftigen Fertilitätsentwicklung ist jedoch nicht allein das Niveau und die Entwicklung der zusammengefassten Geburtenziffer entscheidend. Zum einen wird ihr Verlauf von äußeren Faktoren beeinflusst. Diese können das Geburtenverhalten kurzfristig beeinflussen, ohne dass sich die Geburtenneigung grundlegend ändert (zum Beispiel die starke Zuwanderung im Jahr 2015 oder die Corona-Pandemie in den Jahren 2020 bis 2022). Zum anderen kann die jährliche zusammengefasste Geburtenziffer die tatsächliche Geburtenneigung in der Lebensperspektive unter- oder überschätzen, wenn das Durchschnittsalter der Frauen bei Geburt über eine längere Zeit zu- oder abnimmt. Die in der Grafik 2 dargestellte endgültige Kinderzahl je Frau zeigt, dass die Gesamtfertilität der Frauenjahrgänge 1945 bis 1980 stets höher war als die zusammengefasste Geburtenziffer in den Kalenderjahren, in denen Frauen dieser Jahrgänge 30 Jahre alt waren. Zu dieser Konstellation kam es, weil sich das Timing der Geburten hin zu höherem fertilen Alter verschoben hat. Im letzten Jahrzehnt hat sich allerdings das Geburtenverhalten verändert und es ist derzeit offen, ob sich der Trend zum späteren "Nachholen" der im jüngeren Alter nicht realisierten Geburten im gleichen Umfang fortsetzen wird. Bei den Überlegungen zur künftigen Fertilitätsentwicklung wurden deshalb weitere wichtige Aspekte untersucht und berücksichtigt, auf die im Weiteren eingegangen wird.
1. Altersspezifische Trends und Durchschnittsalter bei Geburt
Für die Geburtenhäufigkeit in Deutschland waren in den letzten 50 Jahren stabile altersspezifische Trends charakteristisch. Die Geburtenhäufigkeit im jüngeren fertilen Alter von 15 bis 24 Jahren ging seit Anfang der 1980er-Jahre fast kontinuierlich zurück. Ob und in welchem Umfang dieser Rückgang in höherem fertilen Alter kompensiert beziehungsweise überkompensiert wurde, bestimmte das Niveau der zusammengefassten Geburtenziffer.
Die kumulierte Geburtenziffer in der Altersgruppe 25 bis 34 Jahre hat den größten Anteil an der Gesamtfertilität. Sie war zwar seit Anfang der 1980er-Jahre überwiegend stabil, die wenigen Ausschläge hatten aber spürbare Auswirkungen. So trug der Anstieg der Geburtenziffern in dieser Altersgruppe ganz wesentlich zur höheren zusammengefassten Geburtenziffer in den Jahren 2016 bis 2021 bei. Ihr Rückgang bedingte dagegen sinkende zusammengefasste Geburtenziffern in den Jahren 2022 bis 2024. Bemerkenswert ist, dass sich ein Rückgang der Geburtenhäufigkeit im Alter 25 bis 34 Jahre bereits in den Jahren 2017 bis 2020 abgezeichnet hat.
Die Geburtenhäufigkeit im höheren fertilen Alter ab 35 Jahren stieg von Mitte der 1980er-Jahre bis 2021 beständig. Seit 2007 bringen Frauen im Alter von 35 bis 49 Jahren durchschnittlich mehr Kinder zur Welt als im Alter von 15 bis 24 Jahren. In den Jahren 2022 bis 2024 sanken aber auch in dieser Altersgruppe die Geburtenziffern, jedoch weniger stark als in der Altersgruppe von 25 bis 34 Jahren.
Diese Veränderungen in der altersspezifischen Geburtenhäufigkeit beeinflussten die Entwicklung des Durchschnittsalters der Frauen bei einer Geburt. Zwischen 1990 und 2021 nahm dieses um 3,9 Jahre von 27,6 auf 31,5 Jahre zu (Altersberechnung auf Basis der altersspezifischen Geburtenziffern). Die Ursache für diesen Anstieg in den Jahren 2016 bis 2020 war jedoch nicht das zunehmende "Nachholen" der Geburten im höheren Alter. Vielmehr stieg es, weil die Geburtenraten im Alter unter 30 Jahren sanken, während die Geburtenraten im Alter ab 30 Jahren stagnierten. Als aber ab 2022 auch im höheren fertilen Alter die Geburtenhäufigkeit sank, nahm das Durchschnittsalter bei Geburt ab. Im Jahr 2022 sank es zum ersten Mal seit 1990 leicht auf 31,3 Jahre und blieb auf diesem Niveau bis zum Jahr 2024.
2. Unterschiede im Fertilitätsniveau nach der Staatsangehörigkeit der Frauen
Die Geburtenziffern der Frauen mit deutscher Staatsangehörigkeit sind niedriger als die der Frauen mit ausländischer Staatsangehörigkeit. Im Schnitt der letzten zehn Jahre 2015 bis 2024 lag die zusammengefasste Geburtenziffer der deutschen Frauen bei 1,40 und die der Ausländerinnen bei 2,13 Kindern je Frau.
Die Geburtenziffer der deutschen Frauen stieg zwischen 2011 und 2016 von 1,34 auf 1,46 Kinder je Frau. Nach einigen Jahren der Stagnation nahm sie im Jahr 2021 leicht zu und sank dann bis auf 1,23 Kinder je Frau im Jahr 2024. Dies ist der niedrigste Wert in den letzten 30 Jahren. Die Geburtenziffer der Ausländerinnen betrug Anfang der 2010er-Jahre 1,82 Kinder je Frau. In den Jahren 2014 bis 2016 nahm sie insbesondere infolge der Zuwanderung der Schutzsuchenden aus Syrien, Afghanistan und dem Irak deutlich zu und erreichte im Jahr 2016 den Wert von 2,38 Kindern je Frau. Nach 2016 sank die Geburtenziffer der ausländischen Frauen mit Ausnahme des Jahres 2021 kontinuierlich. Im Jahr 2024 lag sie mit 1,84 Kindern je Frau wieder auf dem Niveau der Jahre 2011 und 2012.
Im Hinblick auf die Annahmen ist insbesondere relevant, dass die ausländischen Frauen bei Geburt um rund 2 Jahre jünger sind als die deutschen Frauen. Während das Alter der deutschen Frauen bei Geburt in den Jahren 2022 bis 2024 durchschnittlich unverändert 31,8 Jahre betrug, stieg es bei den ausländischen Frauen von 29,6 auf 29,8 Jahre.
3. Geburtenfolge
Die Geburtenhäufigkeit unterscheidet sich nach der Reihenfolge einer Geburt (im Weiteren Geburtenfolge), das heißt der Geburt des ersten, des zweiten, des dritten und der weiteren Kinder im Leben der Mutter. Der Rückgang in den Jahren 2022 bis 2024 betraf alle Geburtenfolgen, wobei die Geburtenziffern beim zweiten Kind vergleichsweise stärker gesunken sind.
Am höchsten sind in Deutschland die Geburtenziffern bei der Geburt des ersten Kindes. Sie sind von besonderer Bedeutung, nicht nur im Hinblick auf die künftige Entwicklung der zusammengefassten Geburtenziffer, sondern auch der Kinderlosenquote (Anteil der kinderlosen Frauen an allen Frauen eines Jahrgangs). Sie geben Hinweise darauf, wann im Leben der Frauen der Übergang von der Kinderlosigkeit zur Mutterschaft überwiegend erfolgt. Es zeigt sich, dass die Geburtenhäufigkeit beim ersten Kind nach 2016 fast kontinuierlich abgenommen hat, mit Ausnahme des Jahres 2021. Im Jahr 2024 war sie schließlich geringer als im Jahr 2011 mit einer ähnlichen zusammengefassten Geburtenziffer wie 2024 (1,39 Kinder je Frau). Die Geburtenziffern beim ersten Kind nahmen im Alter unter 30 Jahren spürbar ab, während sie zugleich im Alter ab 30 Jahre kaum gestiegen sind. Die Frauen wurden dadurch zwar durchschnittlich älter beim ersten Kind, jedoch vor allem infolge geringerer Fertilität im jüngeren Alter. Für einen spürbaren Anstieg der Fertilität wäre dagegen erforderlich, dass die Geburtenhäufigkeit im mittleren fertilen Alter steigen würde, während sie sich im Alter unter 30 Jahren zumindest stabilisiert.
4. Kohortenfertilität
Die endgültige Kinderzahl je Frau – die sogenannte Kohortenfertilität – hat sich zwischen den Jahrgängen 1945 und 1968 von 1,80 auf 1,49 verringert. Das Absinken bei den Frauen der 1960er-Jahrgänge war Folge des Geburtenrückgangs während der Transformationsprozesse der 1990er-Jahre. Bei den Frauen der 1970er- und frühen 1980er-Jahrgänge nahm die Kohortenfertilität wieder zu. Nach aktueller Schätzung werden die Frauen des Jahrgangs 1980 voraussichtlich durchschnittlich 1,61 Kinder zur Welt bringen. Diese Erholung der endgültigen Kinderzahl ging auf eine deutliche Erhöhung der Fertilität im Alter nach 30 Jahren zurück. Sie vollzog sich vor allem nach dem Jahr 2010 und unter insgesamt günstigen Rahmenbedingungen. Dazu zählen vor allem die gute wirtschaftliche Lage und die niedrige Arbeitslosigkeit in Kombination mit neuen familienpolitischen Maßnahmen. Mit dem Ausbau der Kleinkinderbetreuung und der Einführung des Elterngelds (ab 2007) wurden bessere Voraussetzungen für die Realisierung der Kinderwünsche geschaffen. Zugleich haben die Frauen der 1970er-Jahrgänge im jüngeren fertilen Alter vergleichsweise wenig Kinder zur Welt gebracht und haben die Chance genutzt, ihre Kinderwünsche im höheren fertilen Alter unter verbesserten Voraussetzungen zu realisieren. Außerdem hat sich in den 2010er-Jahren die Zahl der Frauen aus Ländern mit traditionell höherer Fertilität erhöht, was auch zum Anstieg der jährlichen zusammengefassten Geburtenziffer und zur Erholung der Kohortenfertilität beigetragen hat.
Der Geburtenrückgang seit 2022 könnte sich auf die Kohortenfertilität der späten 1980er- und der 1990er-Jahrgänge negativ auswirken. Insbesondere wenn sich das aktuelle Absinken der Geburtenziffern im Alter ab 30 Jahre über einen längeren Zeitraum fortsetzen würde, wird dies zur Abnahme der endgültigen Kinderzahl führen.
Für die Annahmen ist außerdem relevant, dass die durchschnittliche Kinderzahl je Mutter in den letzten fast vier Jahrzehnten zwischen den Jahrgängen 1945 und 1985 nur leicht um den Wert von 2,0 Kindern schwankte. Etwas niedriger war sie mit 1,96 Kindern je Mutter bei den Jahrgängen 1968 bis 1972. Die Mütter der Jahrgänge 1978 bis 1982, die bei der letzten Mikrozensusbefragung zur Kinderlosigkeit im Jahr 2022 noch im fertilen Alter von 40 bis 44 Jahren waren, haben durchschnittlich 2,1 Kinder zur Welt gebracht. Der Anteil der Mütter an den Frauenjahrgängen ist aber aufgrund der steigenden Kinderlosenquote beständig gesunken: von 88 % im Jahrgang 1945 auf 78 % im Jahrgang 1968. Bei den Jahrgängen 1971 bis 1975 hat er sich aber bei 80 bis 81 % vorerst stabilisiert. Die künftige Höhe der endgültigen Kinderzahl wird von der Entwicklung dieser beiden Parameter beeinflusst.
5. Internationaler Kontext
Der aktuelle Geburtenrückgang erfolgt in Deutschland vor dem Hintergrund einer abnehmenden Fertilität im europäischen Umfeld. Im Jahr 2011 lag die zusammengefasste Geburtenziffer in Deutschland mit 1,39 Kindern je Frau beträchtlich unter dem europäischen Durchschnitt von 1,59. Mit Geburtenraten von über 2,0 Kindern je Frau standen damals Frankreich und Irland an der Spitze der EU. Infolge des Geburtenanstiegs 2012 bis 2016 rückte Deutschland im Jahr 2016 ins europäische Mittelfeld auf. Seit 2017 sank aber die Geburtenrate nicht nur in Deutschland, sondern auch im europäischen Durchschnitt. Somit lag Deutschland im Jahr 2023 mit einer ähnlich niedrigen Geburtenrate wie im Jahr 2011 von 1,38 Kindern je Frau immer noch im Mittelfeld. Der Höchstwert in der Europäischen Union war mit 1,81 Kindern je Frau in Bulgarien bereits viel niedriger als 2011. Die Geburtenraten in Frankreich und Irland sanken deutlich auf 1,66 beziehungsweise auf 1,50 Kinder je Frau. In acht EU-Mitgliedstaaten ist die Geburtenrate unter die Marke von 1,30 Kindern je Frau gefallen (Eurostat, 2025).
Drei Annahmen zur künftigen Geburtenhäufigkeit in Deutschland
Schwankungen in der Geburtenhäufigkeit in den letzten fünfzehn Jahren haben die Unsicherheiten einer Zeitreihenextrapolation für die Ableitung der Annahmen erhöht. Neben der Zeitreihenanalyse bildeten deshalb die Ergebnisse umfassender Fertilitätsuntersuchungen sowie die Diskussion der Annahmen im Fachkreis und mit den Statistischen Landesämtern die Grundlagen für die Festlegung der folgenden drei Annahmen.
Zur künftigen Entwicklung der Geburtenhäufigkeit wurde angenommen, dass die zusammengefasste Geburtenziffer 2025 im Vergleich zu 2024 leicht abnehmen wird. Für die langfristige Perspektive wurden drei unterschiedliche Entwicklungsszenarien in Betracht gezogen: eine dauerhaft niedrige Geburtenhäufigkeit (G1), eine Rückkehr auf einen moderaten Pfad (G2) sowie eine schnelle Erholung und ein deutlicher Anstieg der Geburtenziffer (G3). Alle Szenarien gehen von einem leichten Anstieg des Durchschnittsalters der Frauen bei Geburt aus. Die Annahmen haben keinen Anspruch, die Geburtenhäufigkeit in den einzelnen Jahren vorherzusagen. Sie zeigen lediglich die Entwicklungspfade auf, entlang derer sich die Geburtenziffer, ausgehend von den Trends der Vergangenheit und des aktuellen Erkenntnisstands, entwickeln könnte.
Annahme G1: Stagnation auf niedrigem Niveau
Die Annahme G1 "niedrige Geburtenrate" zeigt, wie sich das Verharren der Fertilität auf niedrigem Niveau über einen langen Zeitraum auf die Bevölkerungsentwicklung auswirken würde. Sie geht von einem kurzfristigen Sinken und anschließender Stagnation der zusammengefassten Geburtenziffer bei 1,29 Kindern je Frau aus. Infolge dieser Entwicklung wird die endgültige Kinderzahl je Frau zuerst mittelfristig von derzeit 1,58 auf 1,62 steigen. Danach wird sie beständig sinken und gegen Ende des Projektionszeitraums 1,30 Kinder je Frau betragen. Die Kohortenfertilität auf diesem Niveau würde einen deutlichen Wandel im Geburtenverhalten bedeuten, mit einer stärkeren Verbreitung von Ein-Kind-Familien und Kinderlosigkeit. Zu dieser Entwicklung könnte es kommen, wenn positive Voraussetzungen für Familien, vor allem eine sichere Wirtschaftslage, sicheres Haushaltseinkommen, qualitative Kleinkinderbetreuung und Schulbildung in der Zukunft ausbleiben beziehungsweise abgebaut würden.
Annahme G2: Moderater Anstieg auf 1,47 Kinder je Frau
In der Annahme G2 "moderate Entwicklung der Geburtenrate" sinkt zuerst die zusammengefasste Geburtenziffer in den Jahren 2025 und 2026 gegenüber 2024 leicht. Anschließend steigt sie allmählich bis Ende der 2030er-Jahre auf 1,45 Kinder je Frau und im weiteren Verlauf auf 1,47 Kinder je Frau. Der Haupttreiber dieser Entwicklung ist der Anstieg der Geburtenhäufigkeit im Alter 25 bis 34 Jahre auf ein Niveau, das dem Durchschnitt der Jahre 1997 bis 2020 entspricht. Außerdem steigt die Fertilität im Alter ab 35 Jahren allmählich wieder an und erreicht Anfang der 2040er-Jahre das relativ hohe Niveau der Jahre 2015 bis 2020. Infolge dieser Entwicklung wird die endgültige Kinderzahl je Frau zuerst mittelfristig von derzeit 1,58 auf 1,62 steigen und anschließend bei den Frauen der 1990er-Jahrgänge abnehmen. Ab den Jahrgängen der 2000er-Jahre wird sie sich bei 1,47 Kindern je Frau stabilisieren. Bei diesem Szenario wird die Kinderlosenquote von derzeit 20 % auf rund 23 % steigen und die Kinderzahl je Mutter von aktuell 2,0 auf 1,9 abnehmen.
Annahme G3: Deutlicher Anstieg auf 1,65 Kinder je Frau
Die Annahme G3 "deutlich steigende Geburtenrate" geht davon aus, dass der aktuelle Rückgang der Geburtenziffer schnell überwunden wird. Eine schnelle Erholung der Fertilität im Alter ab 30 Jahren würde dabei vor allem mit einem verstärkten "Nachholen" der im jüngeren Alter nicht realisierten Geburten einhergehen. Aber auch im jüngeren Alter wird eine Stabilisierung der Geburtenhäufigkeit angenommen. Die zusammengefasste Geburtenziffer wird auch in dieser Annahme zunächst im Jahr 2025 auf 1,32 Kinder je Frau sinken. Anschließend wird sie bis 2030 auf 1,55 und im weiteren Verlauf auf 1,65 Kinder je Frau steigen. Die endgültige Kinderzahl wird zunächst bei den späten 1990er-Jahrgängen auf etwa 1,56 abnehmen, ab den 2000er-Jahrgängen aber kontinuierlich steigen und am Ende des Projektionszeitraums 1,64 Kinder je Frau betragen.
Modellannahme GR: 2025 Rückgang, danach Anstieg auf das Bestandserhaltungsniveau von 2,1 Kindern je Frau
Neben den Annahmen, die aus empirischen Trends der Vergangenheit abgeleitet wurden und ein realistisches Spektrum der künftigen Fertilitätsentwicklung abbilden, wurde auch eine rein hypothetische Annahme zur Geburtenziffer auf dem Bestandserhaltungsniveau von 2,1 Kindern je Frau aufgenommen. Die zusammengefasste Geburtenziffer steigt hier linear bis zum Jahr 2030 auf 2,1 Kinder je Frau und bleibt danach konstant. Diese modellhafte Annahme dient den Sensitivitätsanalysen. Mit ihrer Hilfe kann zum Beispiel gezeigt werden, welchen Effekt diese Geburtenrate auf die Bevölkerungsentwicklung unter Ausschluss der Außenwanderungen haben würde.
Annahmen zur künftigen Geburtenhäufigkeit in den Bundesländern
Die regionalen Unterschiede verlaufen im Wesentlichen zwischen den westdeutschen Flächenländern, ostdeutschen Flächenländern und den Stadtstaaten. So war der Fertilitätsrückgang nach 2016 in Ostdeutschland bereits stärker ausgeprägt als in den westlichen Bundesländern. Der Geburtenanstieg im Jahr 2021 hat sich auf Westdeutschland beschränkt, in den ostdeutschen Flächenländern stagnierte dagegen die Geburtenziffer beziehungsweise nahm nur leicht zu. Seit 2022 nimmt sie im Osten deutlich stärker ab als in Westdeutschland. In den Stadtstaaten Berlin und Hamburg ist die Geburtenziffer besonders niedrig und die Mütter bei Geburt durchschnittlich älter als in den übrigen Bundesländern. Im Stadtstaat Bremen sind dagegen die Geburtenziffern etwas höher und das Durchschnittsalter bei Geburt geringer.
Die drei Annahmen G1, G2 und G3 zur künftigen Fertilitätsentwicklung in den Bundesländern sind konsistent mit den Annahmen für Deutschland. Zugleich berücksichtigen sie die landesspezifischen Unterschiede im Niveau und in der Entwicklung der Geburtenhäufigkeit. Für das Jahr 2025 wurde angenommen, dass die zusammengefasste Geburtenziffer gegenüber dem Jahr 2024 von -6 % in den Stadtstaaten bis -2 % in den westlichen Flächenländern sinken wird. Die Zielwerte für das Jahr 2070 nach einzelnen Bundesländern können dem Statistischen Bericht (Tabelle 12421-b02) entnommen werden.
Lebenserwartung
Die Annahmen zur künftigen Entwicklung der Sterblichkeit werden mithilfe der Maßzahl "Lebenserwartung" veranschaulicht. Dieser Indikator wird in der Regel für Männer und Frauen getrennt ausgewiesen. Die Annahmen zur künftigen Entwicklung der Lebenserwartung werden aus den Trends der Vergangenheit sowie aus den Entwicklungen und der Höhe der Lebenserwartung in anderen Ländern abgeleitet. Weitere Informationen zum Thema Lebenserwartung finden Sie auf dieser Themenseite.
Verlangsamung des Anstiegs der Lebenserwartung und Einfluss der Corona-Pandemie
Die Lebenserwartung ist über Jahrzehnte hinweg nahezu kontinuierlich angestiegen. Detaillierte Informationen zur langfristigen Entwicklung der Lebenserwartung bei Geburt sowie im Alter von 65 Jahren seit Ende des 19. Jahrhunderts bietet unser Webartikel. Seit etwa 2010 nimmt die Lebenserwartung weniger stark zu als in den vorangegangenen Jahrzehnten. Nachdem über einen langen Zeitraum jährliche Anstiege der Lebenserwartung bei Geburt von 0,2 bis 0,4 Jahren verzeichnet werden konnten, lagen sie in den 2010er-Jahren für beide Geschlechter bei ungefähr 0,1 Jahren. Im Zuge der Corona-Pandemie kam es dann ab 2020 für drei Jahre in Folge zu einem Rückgang der Lebenserwartung. In den Jahren 2023 und 2024 ist die Lebenserwartung wieder deutlich angestiegen. Das Vor-Corona-Niveau wurde dadurch wieder erreicht.
Faktoren für die weitere Entwicklung
Langfristig wird aufgrund der bisherigen Entwicklung und der bereits deutlich höheren Lebenserwartung in einigen räumlich naheliegenden Regionen angenommen, dass die Lebenserwartung in Deutschland weiter ansteigen wird. Im Vergleich zu früheren Generationen werden die verbesserten Lebensumstände, zurückgehender Tabak- und Alkoholkonsum sowie der medizinische Fortschritt auch künftig aller Voraussicht nach zu einem weiteren Anstieg der Lebenserwartung führen. Verbesserte Bildungsmöglichkeiten können ebenfalls mit einer steigenden Lebenserwartung einhergehen, da höhere Bildungsniveaus häufig mit gesundheitsförderndem Verhalten, besserem Gesundheitswissen und verbessertem Zugang zu medizinischer Versorgung zusammenhängen.
Zugleich gibt es Entwicklungen, die eine weitere Steigerung der Lebenserwartung abschwächen könnten. Mit dem wachsenden Anteil älterer Menschen wird das Gesundheitssystem künftig stärker gefordert sein, was sich möglicherweise auf die allgemeine Versorgungsqualität auswirken könnte (siehe beispielsweise OECD 2023). Hinzu kommt, dass weitere Pandemien und andere Infektionskrankheiten auftreten können. Bereits der verlangsamte Anstieg der Lebenserwartung im vergangenen Jahrzehnt wurde teilweise mit gehäuft auftretenden schweren Grippewellen in Verbindung gebracht. Auch die zunehmende Verbreitung chronischer Krankheiten und von Übergewicht könnte den weiteren Anstieg der Lebenserwartung bremsen. So wird beispielsweise von einer stärkeren Verbreitung der Diabetes ausgegangen – einer Erkrankung, die mit erhöhter Sterblichkeit einhergeht. Im internationalen Vergleich steht Deutschland zudem bei der Sterblichkeit aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen weiterhin ungünstig da. Die künftige Entwicklung der Lebenserwartung hängt somit auch davon ab, inwieweit dieser Rückstand gegenüber anderen Ländern aufgeholt werden kann.
Einfluss von künstlicher Intelligenz (KI)
Durch die Möglichkeiten der KI wird ebenso ein positiver Effekt auf die Entwicklung der Lebenserwartung vermutet. So liegt nahe, dass mithilfe von KI künftig durch verbesserte Gesundheitsüberwachung und gezieltere Vorbeugung frühere Diagnosen möglich werden könnten. Der Ausbau der individualisierten Medizin wäre hierdurch möglich. Medikamentenentwicklung und Alternsforschung könnten aus gegenwärtiger Sicht ebenfalls durch den Einsatz von KI effizienter voranschreiten. Auch im Pflegebereich sind Erleichterungen denkbar — beispielsweise durch den Einsatz von Robotik und die Automatisierung von Berichtspflichten, was zu einem gezielteren Personaleinsatz führen kann. Allerdings weisen Fachleute auch auf mögliche Risiken hin: So könnten Datenschutzprobleme, Verzerrungen der Algorithmen und eine übermäßige Technologisierung des Gesundheitswesens neue ethische und soziale Herausforderungen schaffen. Zudem bestehe die Gefahr, dass technologische Ungleichheiten den Zugang zu hochwertigen KI-gestützten Gesundheitsdiensten erschweren. Gewisse Dienste könnten somit theoretisch vorhanden, aber gerade für die ältere Bevölkerung teilweise unerreichbar sein.
Drei Annahmen zur künftigen Entwicklung der Lebenserwartung in Deutschland
Insgesamt wurden für die 16. koordinierte Vorausberechnung drei Annahmen zur Entwicklung der Lebenserwartung bis zum Jahr 2070 getroffen. Als Basis dient dabei die Sterbetafel aus dem Dreijahreszeitraum 2022/2024. Der Wert für die Lebenserwartung im Jahr 2024 wurde ebenfalls berücksichtigt. Die Annahmen beruhen in unterschiedlichem Ausmaß auf der Einschätzung, wie stark sich die zuvor genannten Faktoren künftig auswirken werden. In der niedrigen Variante ("geringer Anstieg") wird davon ausgegangen, dass die hemmenden Einflüsse stärker zum Tragen kommen. In der hohen Variante hingegen wird angenommen, dass sich die Faktoren, die für einen weiteren Anstieg der Lebenserwartung sprechen, deutlicher durchsetzen. Auf diese Weise bilden die Annahmen ein Spektrum aus heutiger Sicht absehbarer künftiger Entwicklungen ab. Die Variante mit moderatem Anstieg ist eine Kombination aus der niedrigen und der hohen Variante.
Annahme L1 zur Lebenserwartung (geringer Anstieg)
In der Annahme L1 "geringer Anstieg" ergibt sich für Männer im Jahr 2070 eine durchschnittliche Lebenserwartung bei Geburt von 82,6 Jahren und für Frauen von 85,9 Jahren. Das ist ein Zuwachs von 4,1 beziehungsweise 2,8 Jahren im Vergleich zur Lebenserwartung in Deutschland 2022/2024. Die Differenz in der Lebenserwartung von Männern und Frauen verringert sich bis 2070 von 4,7 auf 3,4 Jahre. 65-jährige Männer und Frauen können immer noch mit weiteren 20,2 beziehungsweise 22,8 Jahren rechnen – das sind 2,5 beziehungsweise 1,9 Jahre mehr als 2022/2024. Die Grundlage der niedrigen Annahme L1 bildet die kurzfristige Trendentwicklung zwischen 2010/2012 und 2019/2021. Es wird angenommen, dass sich der erst seit vergleichsweise kurzer Zeit beobachtete Trend zu einem langsameren Anstieg der Lebenserwartung bis zum Jahr 2070 fortsetzen wird. Werte für die Lebenserwartung bei Geburt, die andere europäische Länder bereits gegenwärtig realisieren, würden nach dieser Annahme zum Ende des Vorausberechnungszeitraums erreicht werden. Die Sonderentwicklungen im Zuge der Corona-Pandemie werden nicht vollständig berücksichtigt, um ihnen bei der Trendableitung aus einem vergleichsweise kurzen Zeitraum kein übermäßiges Gewicht zu verleihen.
Annahme L2 zur Lebenserwartung (moderater Anstieg)
Bei der Annahme L2 "moderater Anstieg" erreichen Männer im Jahr 2070 bei Geburt eine durchschnittliche Lebenserwartung von 84,5 Jahren und Frauen von 87,7 Jahren. Dies entspricht für Männer einem Anstieg um 6,1 Jahre und für Frauen um 4,5 Jahre im Vergleich zur Sterbetafel 2022/2024. Die Differenz in der Lebenserwartung zwischen Männern und Frauen reduziert sich entsprechend von 4,7 auf 3,2 Jahre. 65-jährige Männer können im letzten Vorausberechnungsjahr noch 21,7 Jahre, gleichaltrige Frauen 24,2 Jahre erwarten. Die Grundlage der mittleren Annahme L2 bildet die Kombination aus der langfristigen Trendentwicklung seit 1970/1972 und der kurzfristigen Trendentwicklung zwischen 2010/2012 und 2019/2021. Werte für die Lebenserwartung bei Geburt, die andere europäische Länder bereits gegenwärtig realisieren, würden nach dieser Annahme etwa zur Mitte des Vorausberechnungszeitraums erreicht werden.
Annahme L3 zur Lebenserwartung (starker Anstieg)
In der Annahme L3 "starker Anstieg" können Männer bei Geburt eine durchschnittliche Lebenserwartung von 86,4 Jahren und Frauen von 89,3 Jahren in 2070 erreichen. Das sind für Männer 7,9 und für Frauen 6,1 Jahre mehr als 2022/2024. Die Differenz in der Lebenserwartung zwischen Männern und Frauen sinkt von 4,7 auf 2,9 Jahre. 65-jährige Männer beziehungsweise Frauen können noch 23,2 beziehungsweise 25,5 Jahre erwarten. Die hohe Lebenserwartungsannahme L3 basiert auf der Trendentwicklung seit 1970/1972. Zudem wurde angenommen, dass die Lebenserwartung bis zum Jahr 2026 besonders stark ansteigen wird – in ähnlichem Ausmaß wie in den Jahren 2023 und 2024. Eine derartige Entwicklung ist zu erwarten, wenn die Aufholeffekte nach der Pandemie tatsächlich solange andauern, bis der Trend vor 2020 wieder erreicht ist.
Damit sich die Verminderung des Sterberisikos in den höheren Altersstufen ähnlich wie in den vergangenen Jahrzehnten bis zum Jahr 2070 fortsetzt, ist es notwendig, dass das Tempo des medizinischen Fortschritts weiter zunimmt. Für derartige Fortschritte könnten beispielsweise die neuen Möglichkeiten im Rahmen der KI sorgen. Zudem müsste der Konsum von Alkohol und das Rauchen auch künftig deutlich abnehmen, damit diese wesentlichen Risikofaktoren für eine vorzeitige Sterblichkeit zunehmend an Bedeutung verlieren. Werte für die Lebenserwartung bei Geburt, die andere europäische Länder bereits gegenwärtig realisieren, würden nach dieser Annahme im Laufe der 2030er-Jahre erreicht werden.
Annahme L3 ist im Hinblick auf das Niveau der Lebenserwartung im Jahr 2070 vergleichbar mit der Sterblichkeitsannahme, die im Rahmen der aktuellen Bevölkerungsvorausberechnungen der UN für Deutschland getroffen wurde (siehe 2024 Revision of World Population Prospects).
Grafik 10
Annahmen zur Lebenserwartung für die Bundesländer
Die für Deutschland abgeleiteten Trends wurden weitgehend auf die Entwicklung in den Bundesländern übertragen. Einige Bundesländer haben allerdings im Jahr 2024 ihre bisherigen Höchstwerte bei der Lebenserwartung nach den Verlusten der Coronazeit noch nicht wieder erreicht. Für diese Länder wurde zusätzlich angenommen, dass sie ihre bisherigen Höchstwerte selbst in der niedrigen Annahme (L1) im Jahr 2026 wieder erreichen werden. Hintergrund dieser Annahme ist, dass es nach Einbrüchen im Trend der steigenden Lebenserwartung in zahlreichen Kontexten fast immer zu einem schnellen Wiederanstieg auf das jeweilige Vorkrisenniveau (siehe beispielsweise Schöley und andere 2022) kam. Diese Perspektive wurde bei der Annahmensetzung entsprechend regional differenziert berücksichtigt.
Bei vergleichbaren (relativen) Trends wird die Lebenserwartung langfristig in den Bundesländern, die bereits gegenwärtig eine vergleichsweise hohe Lebenserwartung aufweisen, etwas weniger stark ansteigen als in Bundesländern, die noch eine etwas geringere Lebenserwartung bei Geburt haben. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern reduzieren sich infolgedessen im Vorausberechnungszeitraum. Bei den Männern sinkt die Differenz zwischen dem Bundesland mit der niedrigsten und dem mit der höchsten Lebenserwartung im Vorausberechnungszeitraum je nach Annahme von aktuell 4,0 Jahren auf rund 2,4 bis 3,0 Jahre. Bei den Frauen ist diese Differenz mit 2,2 Jahren bereits gegenwärtig deutlich geringer – sie nimmt im Vorausberechnungszeitraum auf 1,2 bis 1,7 Jahre ab. Die Annahmen zur Lebenserwartung bei Geburt im Jahr 2070 nach Bundesländern können dem Statistischen Bericht (Tabelle 12421-b03) entnommen werden.
Methodische Anmerkungen
Das Sterblichkeitsniveau und die durchschnittliche Lebenserwartung werden regelmäßig mithilfe sogenannter Periodensterbetafeln nachgewiesen. Die durchschnittliche Lebenserwartung zeigt, wie viele Lebensjahre männliche beziehungsweise weibliche Neugeborene zu erwarten hätten, wenn das zum Zeitpunkt ihrer Geburt beobachtete Sterberisiko in den einzelnen Altersjahren während ihres ganzen Lebens unverändert bliebe. Für Personen, die ein bestimmtes Alter schon erreicht haben, beispielsweise für die 65-Jährigen, wird die Zahl der weiteren Lebensjahre mit der sogenannten durchschnittlichen ferneren Lebenserwartung ausgedrückt.
Für die Festlegung der Annahmen wurde das Sterberisiko für Männer und Frauen in jeder einzelnen Altersstufe untersucht, um auf diese Weise die lang- und kurzfristigen Veränderungen in der Vergangenheit festzustellen und durch Trendextrapolation (nach dieser Methode) in die Zukunft vorauszuberechnen. Künftig werden dabei verstärkt höhere Altersstufen den Anstieg der Lebenserwartung beeinflussen. In niedrigen Altersstufen ist das Sterberisiko bereits sehr gering – eine Verbesserung wirkt sich entsprechend kaum noch auf die Entwicklung der Gesamtlebenserwartung aus.
Wanderungssaldo
Saldo der Wanderungen über die Grenzen Deutschlands
Die künftige Bevölkerungszahl und Altersstruktur werden neben den Geburten und Sterbefällen durch den Saldo der Wanderungen – die Differenz zwischen Zuzügen nach und Fortzügen aus Deutschland – beeinflusst. Der Saldo hängt auf der einen Seite vom Migrationspotenzial und Migrationsdruck in den Herkunftsgebieten ab. Dies kann infolge politischer, wirtschaftlicher, demografischer und ökologischer Entwicklungen stark schwanken. Auf der anderen Seite wirken sich die wirtschaftliche Attraktivität und Stabilität Deutschlands, die deutsche Migrationspolitik, aber auch Beschlüsse auf Ebene der Europäischen Union sowie je nach Lage internationale Abkommen zur Regulierung der Migrationsströme auf die Zu- oder Abwanderung aus. Auch Bildungsmigration spielt eine Rolle, sei es für ein Studium, eine Berufsausbildung oder eine sonstige Qualifikation. Die künftige Entwicklung ist aufgrund dieser vielfältigen Faktoren nur sehr schwer voraussehbar. Die Annahmensetzung beruht daher auf der Kombination aus einer kritischen Auseinandersetzung mit diesen Faktoren, der Analyse langfristiger Trends des Außenwanderungssaldos als auch der Berücksichtigung von Entwicklungen am aktuellen Rand.
Im Zeitverlauf ist der Wanderungssaldo durch starke Schwankungen gekennzeichnet: Phasen hoher Zuwanderungsüberschüsse wechselten sich ab mit Zeiten niedriger Außenwanderungssalden. Dabei können Veränderungen auch sehr rasch vor sich gehen. Für diese Bewegungen waren unterschiedliche Gründe maßgeblich (siehe Grafik). Nach jedem deutlichen Anstieg der Nettozuwanderung gab es in der Regel Gegenbewegungen, die die Zuwanderung verringert haben. Dazu gehörten politische Regelungen, aber auch Auswirkungen von Veränderungen der wirtschaftlichen Lage. Zwischen 1990 und 2024 betrug der Wanderungssaldo insgesamt 12,5 Millionen Personen, was einem durchschnittlichen Wanderungsgewinn von 356 000 Personen pro Jahr entspricht. Betrachtet man den gesamten Zeitraum seit 1955 – in den auch mehrere Jahre mit negativen Wanderungssalden fielen – ergibt sich ein jährlicher durchschnittlicher Wanderungssaldo von 252 000 Personen.
Grafik 11
Im Jahr 2022 gab es mit rund 1 462 000 mehr Zu- als Fortzügen den höchsten Wanderungssaldo seit 1950. Seitdem geht die Nettozuwanderung zurück: Waren im Jahr 2023 noch rund 663 000 Personen mehr nach Deutschland zugezogen als fortgezogen, so waren es im Jahr 2024 rund 35 % weniger (430 000 Personen). Ausschlaggebend war ein weiterer Rückgang der Zuzüge, vor allem aus den Hauptherkunftsländern von Asylsuchenden und aus den Staaten der EU. Die Fortzüge blieben nahezu stabil. Im Jahr 2024 fiel die Nettozuwanderung aus EU-Ländern zum ersten Mal seit 2008 negativ aus (-34 000 Personen), wozu vor allem rückläufige Zuzüge aus Polen, Rumänien und Bulgarien beitrugen.
Betrachtet man die Zusammensetzung der Nettozuwanderung nach Staatsangehörigkeit, bestätigt sich das Bild der Verschiebung hin zu Nicht-EU Ländern. Waren im Jahr 2019 mit Rumänien und Bulgarien noch zwei EU-Länder unter den Top-5, findet sich 2024 das erste EU-Land an 21. Stelle (Spanien). Wie auch schon 2022 und 2023 entfällt die höchste Nettozuwanderung im vergangenen Jahr auf Staatsangehörige aus der Ukraine und Syrien, gefolgt von Indien, der Türkei und Afghanistan.
In den ersten sieben Monaten des Jahres 2025 gab es 122 000 mehr Zu- als Fortzüge und damit deutlich weniger als in den Vergleichszeiträumen in 2024 (248 000) und 2023 (354 000). Der Saldo mit EU-Ländern blieb weiter negativ. Der positive Saldo ergab sich allein aus einem Wanderungsgewinn gegenüber Nicht-EU-Ländern. Auf die Ukraine entfielen hiervon rund 33 000 Personen, was ebenfalls einen signifikanten Rückgang im Vergleich zum Vorjahr bedeutete.
Bei der Festlegung der Annahmen zum Saldo der Außenwanderung wurden folgende Überlegungen berücksichtigt:
1. Am Arbeitskräftebedarf orientierte Migrationspolitik
Deutschland erlebt eine spürbare Alterung des Erwerbspersonenpotenzials: 40 % aller Menschen im erwerbsfähigen Alter zwischen 20 und 66 Jahren waren 2024 älter als 49 Jahre. Die Nachfrage nach Arbeitskräften ist bereits heute in einigen Branchen und Berufen hoch. Bis Ende der 2030er-Jahre werden stark besetzte Jahrgänge aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Zugleich werden die alternde Babyboomer-Generation und die steigende Lebenserwartung zu einem Anstieg der Zahl der Hochaltrigen und der Pflegebedürftigen führen. Um den aktuellen und künftigen Fach- und Arbeitskräftebedarf zu decken, soll auch entsprechende Zuwanderung gefördert werden. Diesem Zweck dienen das 2020 in Kraft getretene Fachkräfteeinwanderungsgesetz und das Gesetz und die Verordnung zur Weiterentwicklung der Fachkräfteeinwanderung, deren Regelungen seit November 2023 nach und nach in Kraft getreten sind (Fachkräfteeinwanderungsgesetz). Grundsätzlich ist Deutschland vor allem aufgrund seiner Wirtschaftskraft ein attraktives Einwanderungsland, auch wenn konjunkturelle Abschwächung die Zuwanderung von Fachkräften derzeit dämpft. Eine Entscheidung für Zuwanderung nach Deutschland wird auch dadurch gestützt, dass die Zuwanderinnen und Zuwanderer hier inzwischen häufig Netzwerke vorfinden.
2. Krisen können Zuwanderung auslösen
In den letzten Jahren kam es zweimal zu sehr hohen Zuwanderungen, die durch Ereignisse im Ausland bestimmt waren, nämlich die Kriege in Syrien und in der Ukraine. Zumindest mittelfristig ist damit zu rechnen, dass die Ursachen für Flucht und Verfolgung nicht entfallen und es zu weiterer Zuwanderung Schutzsuchender nach Deutschland kommen wird. Auch durch Klima und Wetter bedingte Katastrophen können die Wanderungsbewegung verstärken. Zugleich sollen die nach der starken Zuwanderung 2015 und 2022 getroffenen Maßnahmen dazu beitragen, die Zuwanderung aus humanitären Gründen stärker zu regulieren.
3. Abschwächung der Nettozuwanderung aus Osteuropa
Bis vor Kurzem kam das Gros der Nettozuwanderung aus dem europäischen Ausland nach Deutschland. Allerdings stehen insbesondere die Staaten Osteuropas vor einer starken Alterung ihrer Bevölkerung. Dadurch nimmt das Abwanderungspotenzial in der bisher wichtigsten Herkunftsregion ab, da die jungen Menschen auf ihrem jeweiligen einheimischen Arbeitsmarkt gebraucht werden.
Drei Annahmen zur künftigen Entwicklung des Wanderungssaldos
Wie zur Geburtenhäufigkeit und zur Sterblichkeit wurden auch zur Entwicklung des Wanderungssaldos drei Annahmen getroffen. Diese Annahmen gehen mittel- bis langfristig von einer Nettozuwanderung nach Deutschland aus, die den Annahmen der vorangegangenen 15. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung entspricht. Die angenommenen Wanderungssalden berücksichtigen somit weiterhin die Erfahrungen der 2010er-Jahre. Zwischen 2010 und 2021 wanderten per Saldo im Jahresdurchschnitt 424 000 Personen nach Deutschland ein. Sogar im durch die Pandemie und spürbare Reisebeschränkungen gekennzeichneten Jahr 2020 betrug der Wanderungssaldo 220 000 Personen. Unter Einbeziehung der letzten 15 Jahre (2010 bis 2024) ergibt sich ein durchschnittlicher Saldo von über einer halben Million Menschen pro Jahr. Vor dem Hintergrund der beschriebenen Entwicklungen im aktuellen Jahr 2025 und der wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen können jedoch mittelfristig wieder deutlich niedrigere Wanderungssalden nicht ausgeschlossen werden. Gleichzeitig ist davon auszugehen, dass weiterhin mit Zuwanderung aufgrund des steigenden Arbeitskräftebedarfs sowie mit humanitärer Migration zu rechnen ist. Sehr schwer vorherzusehen ist die mögliche Rückkehr von Schutzsuchenden. Das alles spiegelt sich in den unterschiedlichen Annahmen wider.
Die starke Zuwanderung von Schutzsuchenden aus der Ukraine, zu denen vor allem Frauen, Kinder und ältere Personen gehören, führte im Jahr 2022 zu spürbaren Verschiebungen in der üblicherweise relativ stabilen Alters- und Geschlechtsstruktur des Wanderungssaldos. Mittlerweile hat diese sich jedoch wieder an übliche Muster angeglichen, sodass in der Vorausberechnung bei der Verteilung des Wanderungssaldos nach Alter der Durchschnitt der Jahre 2019, 2023 und 2024 angelegt wird. Somit werden die beiden aktuellsten Jahre um das Jahr 2019 als Stützjahr vor Beginn der Corona-Pandemie erweitert.
Annahme W1 zum Wanderungssaldo (niedrig)
Die Annahme W1 bildet ein niedriges Wanderungsniveau ab. Falls die wirtschaftliche Entwicklung ungünstig verläuft und im Vorausberechnungszeitraum Phasen wie in den 2000er-Jahren häufiger auftreten, wäre eine solche Entwicklung möglich. Dabei sinkt der Wanderungssaldo von 430 000 Menschen im Jahr 2024 auf 150 000 im Jahr 2025 und bleibt ab dann konstant auf diesem Niveau. Zwischen 2025 und 2070 würden bei dieser Annahme insgesamt 6,9 Millionen Menschen per Saldo einwandern.
Annahme W2 zum Wanderungssaldo (moderat)
In der mittleren Annahme W2 sinkt der Wanderungssaldo von 430 000 Personen im Jahr 2024 auf 225 000 im Jahr 2025, bevor er bis 2030 kontinuierlich auf 250 000 Menschen pro Jahr zunimmt. Anschließend bleibt der Wanderungssaldo konstant. Zwischen 2025 und 2070 würden bei dieser Annahme insgesamt gut 11,4 Millionen Personen per Saldo einwandern. Der langfristige Wert dieser Annahme entspricht nahezu dem jährlichen Durchschnittswert des Wanderungssaldos der letzten 70 Jahre (1955 bis 2024) von 252 000 Personen. Ein Wanderungssaldo auf diesem Niveau wird mittel- bis langfristig nur mit substanzieller Zuwanderung aus Nicht-EU Ländern möglich sein.
Annahme W3 zum Wanderungssaldo (hoch)
Die Annahme W3 geht von einem sehr hohen Wanderungsniveau aus. Hier wird angenommen, dass neben der arbeitsmarktorientierten Einwanderung immer wieder humanitäre Zuwanderung erfolgen würde. Das bedeutet, dass auch dieser Wanderungssaldo eine dauerhaft starke Zuwanderung aus dem nicht-europäischen Ausland voraussetzt. Bei dieser Annahme sinkt zuerst der Wanderungssaldo von 430 000 Personen im Jahr 2024 auf 300 000 im Jahr 2025. Ab dann nimmt er kontinuierlich bis 2030 auf 350 000 Menschen zu. Anschließend bleibt der Wanderungssaldo konstant. Zwischen 2025 und 2070 würden bei dieser Annahme insgesamt gut 16,0 Millionen Personen per Saldo einwandern.
Unter den angenommenen konstanten Werten werden mehrjährige Durchschnitte verstanden; die tatsächlichen Wanderungssalden werden aller Voraussicht nach auch künftig starken Schwankungen unterliegen. Neben den beschriebenen Annahmen W1, W2 und W3 gibt es zwei hypothetische Szenarien mit einem Außenwanderungssaldo von Null und ein Szenario mit konstantem Wanderungssaldo auf dem Niveau des Ausgangsjahres 2024 (430 000 Personen).
Grafik 12
Wanderungen über die Grenzen der Bundesländer
Außenwanderung
Die Annahmen zum Außenwanderungssaldo nach Bundesländern wurden von den Annahmen für Deutschland abgeleitet. Die Verteilung des Gesamtwanderungssaldos für Deutschland erfolgte unter der Berücksichtigung des Landesanteils am Wanderungssaldo im Durchschnitt der Jahre 2019, 2023 und 2024. Demnach entfallen die größten Anteile auf Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg, die kleinsten auf Mecklenburg-Vorpommern, das Saarland und Bremen. Um den Einfluss möglicher Sonderentwicklungen zu reduzieren, wurde wie schon in früheren koordinierten Bevölkerungsvorausberechnungen ein zusätzlicher Faktor herangezogen – der Landesanteil an der Bevölkerung Deutschlands im Durchschnitt der gleichen Jahre. Der Wanderungsanteil ist mit dem Gewicht 80 % und der Bevölkerungsanteil mit dem Gewicht 20 % in die Berechnungen eingegangen. Die Verteilung des Wanderungssaldos nach Alter und Geschlecht entspricht im kompletten Vorausberechnungszeitraum dem bundesdeutschen Durchschnitt der Jahre 2019, 2023 und 2024.
Binnenwanderung zwischen den Bundesländern
Der Binnenwanderungssaldo eines Bundeslandes ist die Differenz zwischen den Zuzügen aus dem und den Fortzügen in das übrige Bundesgebiet. Betrachtet man die Entwicklung der letzten 25 Jahre, so zeigt sich, dass es jeweils nur ein Bundesland gibt, das durch Binnenwanderung durchweg Bevölkerung verloren hat (Thüringen) oder gewonnen hat (Schleswig-Holstein). Bei allen anderen Bundesländern gab es sowohl positive wie auch negative Binnenwanderungssalden.
Die Binnenwanderung im Vorausberechnungszeitraum wurde anhand der altersspezifischen Fortzugsquoten (das heißt der Anteile der fortziehenden Personen an der Landesbevölkerung) berechnet. Die Ausgangswerte für die Fortzugsquoten entsprechen dem Durchschnitt der Jahre 2019, 2023 und 2024. Zwischen 2025 und 2050 sinken diese auf 50 % des Basisniveaus und werden ab dann auf diesem Wert konstant gehalten. Die Zuzüge eines Bundeslandes ergeben sich als Summe der Fortzüge der übrigen 15 Länder in dieses Land. Die Berechnung erfolgte für jedes Vorausberechnungsjahr gleichzeitig für alle Länder und wurde in den Ergebnissen für das jeweilige Jahr berücksichtigt. Die Annahmen zum Außenwanderungssaldo nach Bundesländern können dem Statistischen Bericht (Tabelle 12421-b04) entnommen werden.
Wegweiser zu Varianten und Modellrechnungen
Die 16. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung für Deutschland umfasst neun Hauptvarianten (Varianten 1 bis 9), 18 weitere Varianten (Varianten 10 bis 27) sowie drei hypothetische Berechnungen (Modellrechnungen 1 bis 3). Die Gesamtzahl der Varianten ergibt sich aus der Kombination der jeweils drei Annahmen zur Geburtenhäufigkeit, zur Lebenserwartung und zum Wanderungssaldo. Für die Bundesländer und Ländergruppen (westdeutsche Flächenländer sind Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Schleswig-Holstein; ostdeutsche Flächenländer sind Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen; Stadtstaaten sind Berlin, Bremen, Hamburg) liegen Ergebnisse nach den neun Hauptvarianten vor. Die Übersicht der Annahmen enthält eine kurze Beschreibung der Annahmen zu den drei demografischen Komponenten, die Übersicht der Varianten enthält eine Kurzbeschreibung der Varianten.
Die Wahl der geeigneten Varianten hängt vom Zeithorizont und der Bevölkerungsgruppe (beispielsweise einer bestimmten Altersgruppe) ab, die im Fokus der Betrachtung oder möglicher weiterführender Schätzungen steht. Mithilfe der getroffenen Annahmen wird eine Spannweite der möglichen Entwicklungen aufgezeigt, die dabei berücksichtigt werden sollte. Folgende Einordnung soll die Orientierung bei der Variantenwahl erleichtern.
Die Varianten 1 bis 3 zeigen, wie sich die Bevölkerung bei moderaten Veränderungen in der Geburtenhäufigkeit und Lebenserwartung bei unterschiedlich hohem Wanderungssaldo entwickeln würde. Der durchweg positive Wanderungssaldo wirkt sich unmittelbar auf die Größe und Altersstruktur der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter aus.
Dabei wurde bei allen drei Varianten angenommen, dass sich die jährliche Geburtenrate ausgehend von 1,35 Kindern je Frau im Jahr 2024 langfristig erholen und auf 1,47 Kinder je Frau im Jahr 2070 steigen wird (G2). Die Lebenserwartung bei Geburt wird zugleich bis 2070 für Männer um 6,1 Jahre und für Frauen um 4,5 Jahre auf 84,5 Jahren beziehungsweise 87,7 Jahre im Vergleich zur Sterbetafel 2022/2024 zunehmen (L2). Die Annahmen zum Wanderungssaldo betragen in der Variante 1 (G2L2W1) langfristig 150 000 Personen pro Jahr, in der Variante 2 (G2L2W2) 250 000 Personen pro Jahr und in der Variante 3 (G2L2W3) 350 000 Personen pro Jahr.
Die Varianten 4 und 5 zeigen die Spannweite der künftigen Alterung. Eine starke Alterung ergibt sich in der Variante 4 (G1L3W1) aus der Kombination der Annahme einer niedrigen Geburtenrate (G1: 1,29 Kinder je Frau), einem deutlichen Anstieg der Lebenserwartung bei Geburt (L3: 86,4 Jahre für Männer und 89,3 Jahre für Frauen) und einem geringen Wanderungssaldo (W1: 150 000 Personen pro Jahr).
Eine relativ junge Bevölkerung ergibt sich dagegen aus den Annahmen zur Variante 5 (G3L1W3). Diese setzt voraus, dass sich die Geburtenrate schnell erholen und bis 2070 auf 1,65 Kinder je Frau steigen wird (G3), die Lebenserwartung wird zugleich langsamer steigen (L1: 82,6 Jahren für Männer und 85,9 für Frauen) und der Wanderungssaldo 350 000 Personen pro Jahr betragen (W3).
Die Varianten 6 und 7 verdeutlichen die Auswirkungen der unterschiedlichen Entwicklungen der Geburtenraten. Beiden Varianten liegen die gleichen Annahmen zu Lebenserwartung (L2) und Wanderung (W2) zugrunde. In der Variante 6 wird eine niedrige Geburtenhäufigkeit (G1), in Variante 7 dagegen eine steigende Geburtenrate (G3) angenommen.
Ergänzend dazu zeigen die Varianten 8 und 9, wie sich der unterschiedlich starke Anstieg der Lebenserwartung auf die Bevölkerungsentwicklung auswirkt. Sie beruhen auf den gleichen Annahmen zur Geburtenhäufigkeit (G2) und Wanderung (W2). Die Variante 8 geht von einem niedrigen Anstieg der Lebenserwartung aus, wie er sich in den 2010er Jahren andeutete (L1). In der Variante 9 wird ein starker Anstieg der Lebenserwartung angenommen (L3).
Die Varianten 10 (G1L1W1) und 11 (G3L3W3) ergeben die maximale Spanne für die Entwicklung der Bevölkerungszahl, die sich aus der Kombination der getroffenen Annahmen ergeben würde.
Die weiteren Varianten 12 bis 27 beruhen auf den übrigen Kombinationsmöglichkeiten der Annahmen. Je nach realer Entwicklung kann die eine oder andere Variante bei der kurzfristigen Betrachtung besonders hilfreich sein.
Außerdem werden für wissenschaftliche Zwecke drei Modellrechnungen angeboten: Modellrechnung M1 (G2L2W0) zeigt, wie sich die Bevölkerung ohne Außenwanderung entwickeln würde. Modellrechnung M2 (GRL2W0) veranschaulicht die Auswirkungen eines angenommenen Anstiegs der Geburtenrate auf das Bestandserhaltungsniveau von 2,1 Kindern pro Frau auf die Bevölkerung ohne Außenwanderung. Die Modellrechnung M3 (GkLkWk) schließlich zeigt, was die Verstetigung der Verhältnisse des Ausgangsjahres 2024 in der Geburtenhäufigkeit, Sterblichkeit und Wanderung auf Dauer für die Bevölkerungsentwicklung bedeuten würde.
Ergebnisse für Deutschland
Entwicklung der Bevölkerungszahl
Ende 2024 lebten in Deutschland rund 83,6 Millionen Menschen. Die Bevölkerung Deutschlands wächst infolge eines positiven Saldos der Zuzüge nach und der Fortzüge aus Deutschland. Ohne Nettozuwanderung würde die Bevölkerung seit Langem schrumpfen, da die Zahl der Gestorbenen die Zahl der Geborenen seit 1972 jedes Jahr übersteigt.
Geburtendefizit würde sich ohne Wanderung auf über 600 000 vergrößern
Die geburtenstarken Jahrgänge, die heute im Alter zwischen Mitte 50 und Ende 60 sind, rücken im Vorausberechnungszeitraum in das hohe Alter auf, in dem die Sterblichkeit natürlicherweise am höchsten ist. Dadurch wird die Zahl der Sterbefälle für längere Zeit bei über einer Million liegen – je nach Entwicklung der Lebenserwartung kann sie auf bis zu 1,2 Millionen steigen. Die Lücke zwischen der Zahl der Geburten und der Sterbefälle wird für mehrere Jahrzehnte hoch bleiben oder sogar weiterwachsen. Bei einer moderaten Entwicklung der Geburtenhäufigkeit und der Lebenserwartung ohne Wanderungen (Modellrechnung M1, G2L2W0) würde das Geburtendefizit zwischen 2024 und Mitte der 2050er-Jahre von 331 000 auf 614 000 zunehmen und anschließend bis 2070 wieder etwas sinken. Voraussichtlich wird es aber auch in Zukunft durch die Nettozuwanderung mehr oder weniger stark vermindert.
Weniger als 75 Millionen Menschen im Jahr 2070 bei moderater Entwicklung
In acht von neun Hauptvarianten der 16. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung nimmt die Bevölkerungszahl ab. Einzig bei der Variante "relativ junge Bevölkerung" (Variante 5 (G3L1W3)) bliebe die Bevölkerungszahl in etwa konstant. Bei einem niedrigen Wanderungssaldo (in den Varianten 1 (G2L2W1) und 4 (G1L3W1)) würde die Bevölkerungszahl bis 2070 auf unter 70 Millionen zurückgehen. Fiele der Wanderungssaldo moderat aus (W2 bei Variante 2 und 6 bis 9), würde die Bevölkerungszahl ebenfalls abnehmen, wenn auch weniger stark. Bei einer moderaten Entwicklung der drei Komponenten würde die Bevölkerungszahl 74,7 Millionen Personen betragen (Variante 2 (G2L2W2)). Insgesamt ergibt sich für das Jahr 2070 in den Hauptvarianten eine Spannweite in der Bevölkerungszahl von 67,0 Millionen (Variante 4, G1L3W1) bis 83,2 Millionen Menschen (Variante 5 (G3L1W3)).
Von allen 27 Varianten steigt nur bei denjenigen die Bevölkerungszahl zwischen 2024 und 2070 an, bei denen neben einem hohen Wanderungssaldo zusätzlich eine deutlich steigende Geburtenrate zugrunde liegt (Varianten 11 (G3L3W3) und 21 (G3L2W3)). Variante 11 ist gleichzeitig diejenige, die im Jahr 2070 zu einem Bevölkerungsmaximum von 86,5 Millionen führen würde. Variante 10 (G1L1W1) ergäbe das Bevölkerungsminimum von 63,9 Millionen.
Grafik 13
Größten Einfluss haben die Annahmen zum Wanderungssaldo
Bei deutlich steigender Geburtenrate (Variante 7, G3L2W2) wird die Bevölkerungszahl im Jahr 2070 um 4,0 Millionen höher sein als bei einer moderaten Geburtenentwicklung (Variante 2, G2L2W2). Eine niedrige Geburtenrate (Variante 6, G1L2W2) würde dagegen zu einer um 3,5 Millionen niedrigeren Bevölkerungszahl führen. Der Einfluss der Geburtenhäufigkeit auf die Bevölkerungszahl ist somit etwas weniger stark ausgeprägt als der Einfluss der Nettozuwanderung.
Die Annahmen zur Lebenserwartung haben eine noch geringere Auswirkung auf die Bevölkerungszahl als die Annahmen zur Geburtenhäufigkeit. Beim niedrigen Anstieg der Lebenserwartung (Variante 8, G2L1W2) würde die Bevölkerungszahl 2070 um 1,6 Millionen geringer sein als beim mittleren Anstieg (Variante 2, G2L2W2). Bei einem starken Anstieg (Variante 9, G2L3W2) dagegen wäre die Bevölkerungszahl um 1,5 Millionen höher.
Veränderungen im Altersaufbau
Der aktuelle Bevölkerungsaufbau von 2024 wird durch stark besetzte Jahrgänge der Babyboomer dominiert, die derzeit im Alter zwischen Mitte 50 und Ende 60 sind. Bereits seit einigen Jahren wechseln die stark besetzten Jahrgänge ins Seniorenalter. Dieser Übergang wird sich überwiegend bis Mitte der 2030er-Jahre vollziehen. An die Stelle der Babyboomer rücken zahlenmäßig kleinere Geburtsjahrgänge. Die Relationen zwischen den einzelnen Altersgruppen werden sich dadurch im Vergleich zu heute deutlich verschieben.
Grafik 14
Zahl der jungen Menschen im Alter bis 17 Jahre
Im Jahr 1990 betrug die Gesamtzahl der unter 18-jährigen Kinder und Jugendlichen 15,3 Millionen Menschen. Bis Mitte der 1990er-Jahre stieg sie auf 15,9 Millionen und sank dann kontinuierlich bis 2013 auf 13,0 Millionen. Zwischen 2014 und 2024 nahm sie durch die gestiegene Nettozuwanderung und höhere Geburtenzahlen um etwa eine Million auf 14,0 Millionen Menschen zu.
Zahl der Kinder und Jugendlichen von Geburten und Nettozuwanderung abhängig
Anschließend kann sich die Zahl der Kinder und Jugendlichen unter dem Einfluss von Geburten und Nettozuwanderung unterschiedlich entwickeln. Eine Stabilisierung auf dem Niveau von etwa 13 Millionen unter 18-Jährigen wäre nur bei einer deutlich steigenden Geburtenhäufigkeit möglich (Variante 7, G3L2W2). Für einen leichten Anstieg auf einen Wert über 14 Millionen wäre zudem ein dauerhaft hoher Wanderungssaldo (Variante 5, G3L1W3) nötig. Bei einer moderaten Entwicklung der Geburtenhäufigkeit (Variante 2, G2L2W2) beziehungsweise bei einer niedrigen Geburtenhäufigkeit (Variante 6, G1L2W2) würde dagegen die Zahl der jungen Menschen stark abnehmen und im Jahr 2070 rund 11,1 Millionen beziehungsweise 9,4 Millionen betragen.
Grafik 15
Zahl der Kinder unter 6 Jahren wird von Geburtenentwicklung bestimmt
Die Zahl der unter 6-Jährigen wird von der Entwicklung der Geburten bestimmt und weniger stark von der Zuwanderung beeinflusst. Sie wird im Jahr 2025 – wie die bereits vorliegenden vorläufigen Geburtenzahlen zeigen - in allen Varianten im Vergleich zu 2024 zurückgehen. Langfristig könnte das aktuelle Niveau von 4,5 Millionen bei deutlich steigender Geburtenrate (Variante 7 (G3L2W2)) in etwa gehalten werden. Die Zahl der Kinder dieses Alters würde sich im Vorausberechnungszeitraum zwischen 4,2 Millionen und 4,4 Millionen bewegen. Bei gleichzeitig hohem Wanderungssaldo (Variante 5 (G3L1W3)) kann sie leicht bis auf 4,7 Millionen zunehmen. Bei niedrigen Geburtenhäufigkeiten (Variante 6 (G1L2W2)) könnte die Zahl der Kinder unter 6 Jahren jedoch auch durchgehend abnehmen bis auf 2,9 Millionen im Jahr 2070.
Wieder steigende Zahl der Kinder und Jugendlichen im Schulalter ab 2040 nur bei dauerhaft hohem Wanderungssaldo möglich
Die Entwicklung der Bevölkerung im Schulalter zwischen 6 und 17 Jahren ist erst mit Zeitversatz von den aktuell sehr niedrigen Geburtenraten betroffen. Diese Altersgruppe wird zunächst bis 2028 in allen Varianten von 9,5 auf 9,6 Millionen anwachsen. Ihre Weiterentwicklung hängt nach einer rund 10-jährigen Phase des Rückgangs dann vom künftigen Geburten- und Wanderungsniveau ab. Nur eine deutlich steigende Geburtenhäufigkeit in Kombination mit einem dauerhaft hohen Wanderungssaldo (Variante 5 (G3L1W3)) würde bis 2070 zu einem leichten Anstieg auf wieder 9,6 Millionen führen. Bereits ein moderater Wanderungssaldo (Variante 7 (G3L2W2)) würde bei ebenfalls deutlich steigenden Geburtenraten einen Rückgang der Kinder und Jugendlichen im Schulalter auf 8,8 Millionen bedeuten. Bei moderaten demografischen Veränderungen (Variante 2 (G2L2W2)) oder wenn die Geburtenhäufigkeit im Vorausberechnungszeitraum niedrig bleibt (Variante 6 (G1L2W2)) würde die Zahl der 6- bis 17-Jährigen langfristig stark rückläufig sein und 2070 nur noch 7,5 Millionen beziehungsweise 6,5 Millionen betragen.
Zahl der Menschen im Erwerbsalter von 20 bis 66 Jahren
Im Jahr 2024 waren 51,2 Millionen Menschen im erwerbsfähigen Alter (hier: zwischen 20 und 66 Jahren). Zuvor war die Bevölkerung im Erwerbsalter von 2015 bis 2021 von 51,5 auf 50,7 Millionen zurückgegangen. Im Jahr 2022 hat sie aufgrund der hohen Einwanderung aus der Ukraine um 577 000 Personen wieder zugenommen.
In der gesamten Nachkriegszeit erreichte die Zahl der 20- bis 66-Jährigen Mitte der 1990er-Jahre einen Höchststand von 53,2 Millionen. Während die Babyboomer-Generation das Erwerbspersonenpotenzial in den 1990er-Jahren deutlich verjüngt hat, trägt sie mittlerweile zu seiner Alterung bei. Derzeit sind knapp 50 % aller Menschen im Erwerbsalter 45 Jahre und älter. Wenn die stark besetzten Jahrgänge in den kommenden rund 15 Jahren aus dem Erwerbsalter ausscheiden, wird das Erwerbspersonenpotenzial bis Mitte der 2030er-Jahre schrumpfen.
Grafik 16
Zunächst Rückgang der Bevölkerung im Erwerbsalter je nach Höhe des Wanderungssaldos
Die Zahl der Menschen im Erwerbsalter wird bis 2035 bei einem langfristigen Wanderungssaldo von 350 000 Personen pro Jahr und einer moderaten Entwicklung der Geburtenhäufigkeit und Lebenserwartung (Variante 3 (G2L2W3)) voraussichtlich um 3,2 Millionen abnehmen. Bei einem Wanderungssaldo von 250 000 Personen pro Jahr (Variante 2 (G2L2W2)) würde die Abnahme 4,0 Millionen Personen betragen und bei einem Wanderungssaldo von 150 000 Personen pro Jahr (Variante 1 (G2L2W1)) 4,9 Millionen.
Ohne Nettozuwanderung würde sich das Erwerbspersonenpotenzial alleine bis 2035 um rund 6,2 Millionen Menschen verringern (Modellrechnung G2L2W0). Um diese Verluste abzufangen, müssten zwischen 2025 und 2035 per Saldo jährlich etwa 570 000 Menschen im Alter zwischen 20 und 66 Jahren nach Deutschland zuwandern.
Ab 2035 kann sich das Erwerbspersonenpotenzial vorläufig stabilisieren
Nach 2035 kann voraussichtlich mit einer mehrjährigen Stabilisierungsphase auf dem jeweils erreichten Niveau gerechnet werden. Wie stark der weitere Rückgang nach dieser Phase ausfällt, hängt dann erneut wesentlich von der Zuwanderung ab. Bei hoher Zuwanderung in Kombination mit einer deutlich steigenden Geburtenhäufigkeit (Variante 5 (G3L1W3)) könnte das erreichte Niveau bis Ende des Vorausberechnungszeitraums mit 47 Millionen Menschen in etwa gehalten werden. Bei niedriger Zuwanderung oder moderater Zuwanderung kommt es zu einem Rückgang, der je nach Annahme zur Geburtenentwicklung unterschiedlich stark ausgeprägt ist. In Grafik 17 wird die Spanne der künftigen Entwicklung anhand der Varianten 1 bis 3 dargestellt. Im Jahr 2070 sind dann voraussichtlich zwischen 37,1 Millionen (Variante 1 (G2L2W1)) und 45,3 Millionen Menschen (Variante 3 (G2L2W3)) im Alter zwischen 20 und 66 Jahren.
Zahl der Menschen im Seniorenalter ab 67 Jahren
Die Zahl der Menschen im Alter ab 67 Jahren stieg zwischen 1990 und 2024 um 62 % von 10,4 Millionen auf 16,7 Millionen. Bis Ende der 2030er-Jahre wächst diese Zahl um weitere vier bis fünf Millionen auf mindestens 20,5 Millionen. Die künftige Entwicklung ist für diese Altersgruppe im Wesentlichen durch den aktuellen Altersaufbau vorherbestimmt. Die Entwicklung der Sterblichkeit wirkt sich vor allem bei den höheren Altersklassen und erst gegen Ende des Vorausberechnungszeitraums aus. Der Einfluss der Geburten und Wanderungen spielt lange Zeit eine kleine Rolle. Erst in den 2060er-Jahren wirkt sich eine hohe Nettozuwanderung aus. Da auch die Zuwanderinnen und Zuwanderer altern, ist die Zahl der 67-Jährigen und Älteren in der Variante mit hohem Wanderungssaldo (Variante 3, G2L2W3) im Jahr 2070 ähnlich hoch wie in der Variante mit niedrigem Wanderungssaldo, niedriger Geburtenrate und hoher Lebenserwartung (Variante 4, G1L3W1).
Auf und Ab bei der Bevölkerung im Alter zwischen 67 und 79 Jahren
Für die Entwicklung der Bevölkerung im Alter zwischen 67 und 79 Jahren liefern unterschiedliche Varianten der 16. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung einen sehr ähnlichen Verlauf. Die Zahl der 67- bis 79-Jährigen steigt bereits seit 2022 und liegt 2024 bei 10,7 Millionen Personen. Dieser ansteigende Trend setzt sich bis Mitte der 2030er-Jahre fort, sodass diese Altersgruppe im Jahr 2037 rund 14 Millionen Menschen umfasst. Anschließend wechseln die stark besetzten Jahrgänge allmählich in die Gruppe der ab 80-Jährigen. Deshalb sinkt die Zahl der 67- bis 79-Jährigen zwischen 2038 und 2050 auf 11 Millionen bis 12 Millionen und steigt danach wieder leicht auf bis zu 12 Millionen im Jahr 2070.
Zahl der ab 80-Jährigen wird erst von Babyboomern geprägt und dann von deren Kindern
Die Zahl der Menschen ab 80 Jahren liegt noch bis etwa 2030 bei rund 6 Millionen. Ab Anfang der 2030er-Jahre nimmt sie dann für etwa 20 Jahre kontinuierlich zu. Im Jahr 2050 liegt sie je nach angenommener Entwicklung der Lebenserwartung bei 8,5 Millionen (Variante 5 (3L1W3)) bis 9,8 Millionen (Variante 4 (G1L3W1)). Zwischen 2050 und 2060 wird die Zahl der Menschen ab 80 Jahren aufgrund der Sterblichkeit der stark besetzten Babyboomer-Jahrgänge jeweils um bis zu 1,1 Millionen sinken. Danach kann sie jedoch bis 2070 um etwa dieselbe Größenordnung wieder zunehmen, da dann die Kinder dieser Generation ins hohe Alter kommen ("Echo-Effekt"). Auch die durch die hohe Zuwanderung um 2015 verstärkten Jahrgänge erreichen zum Ende des Vorausberechnungszeitraums dieses Alter.
Grafik 18
Struktur der Bevölkerung nach Altersgruppen
Im Jahr 2024 waren je rund ein Fünftel der Gesamtbevölkerung Kinder und junge Menschen unter 20 Jahren und ein Fünftel im Alter von 67 Jahren und älter. Etwa drei Fünftel der Bevölkerung waren im erwerbsfähigen Alter von 20 bis 66 Jahren.
Anteil der unter 20-Jährigen bleibt zunächst stabil
Der Anteil der unter 20-Jährigen bleibt bis Anfang der 2030er-Jahre voraussichtlich stabil unter 20 %. Anschließend liegt er bis zum Jahr 2070 bei einer Entwicklung mit relativ junger Altersstruktur (Variante 5 (G3L1W3)) weiterhin bei 19 %. Bei moderater Entwicklung von Geburtenhäufigkeit, Lebenserwartung und Wanderungssaldo (Variante 2 (G2L2W2)) wird er auf etwa 17 % fallen. Bei einer stärkeren Alterung (Variante 4 (G1L3W1)) wird er dagegen auf 14 % im Jahr 2070 abnehmen.
Anteil der Menschen im Erwerbsalter sinkt in den nächsten 15 Jahren
Der Anteil der Menschen im Erwerbsalter (hier: von 20 bis 66 Jahren) sinkt in den nächsten 15 Jahren in allen Varianten der Vorausberechnung deutlich. Im Jahr 2037 beträgt er voraussichtlich 57 bis 58 %. Bis 2070 wird er bei einer Entwicklung mit relativ junger Altersstruktur (Variante 5, G3L1W3) beziehungsweise bei moderater demografischer Entwicklung (Variante 2, G2L2W2) auf dem jeweils erreichten Niveau verharren. Bei einer Entwicklung mit relativ alter Altersstruktur (Variante 4, G1L3W1) sinkt er bis 2070 weiter auf 53 %.
Anteil der Menschen ab 67 Jahren steigt
Der Anteil der 67-Jährigen und Älteren wird dagegen in allen Hauptvarianten der 16. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung steigen. Ein besonders steiler Anstieg auf 24 (Variante 5, G3L1W3) bis 27 % (Variante 4, G1L3W1) ist bis 2040 zu erwarten. Anschließend kann der Anteil der ab 67-Jährigen nur bei einer relativ jungen Altersstruktur (Variante 5, G3L1W3) in etwa gleichbleiben. In allen übrigen Varianten steigt er, wenn auch deutlich langsamer als zuvor beim Übergang der stark besetzten Jahrgänge in diese Altersgruppe. Im Jahr 2070 liegt er dann bei 24 (Variante 5, G3L1W3) bis 33 % (Variante 4, G1L3W1).
Bis zu 15 % Hochaltrige im Jahr 2070
Im Jahr 2024 lag der Anteil der sogenannten Hochaltrigen ab 80 Jahren bei 7 %. Er wird insbesondere bis 2050 auf bis zu 13 % zunehmen. Sobald auch die Kinder der Babyboomer-Generation und die großen Jahrgänge, die durch die Zuwanderung zahlenmäßig deutlich verstärkt wurden, dieses Alter erreichen, kann der Anteil auf bis zu 15 % im Jahr 2070 weiter steigen.
Durchschnittsalter steigt in allen Hauptvarianten
Das Durchschnittsalter der Bevölkerung wird von 44,9 Jahren im Jahr 2024 in allen neun Hauptvarianten der 16. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung ansteigen – auf bis zu 51,7 Jahre im Jahr 2070 (Variante 4 (G1L3W1)). Nur bei der Entwicklung mit einer relativ jungen Altersstruktur (Variante 5 (G3L1W3)) würde der aktuelle Wert nur um etwa ein Jahr auf 45,8 Jahre ansteigen.
Jugend-, Alten- und Gesamtquotienten
In welchem Ausmaß die Bevölkerung im Erwerbsalter sowohl die jüngere als auch die ältere Bevölkerung – im weitesten Sinne – zu versorgen hat, zeigen die Relationen zwischen den einzelnen Altersgruppen. Wird der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter die jüngere Bevölkerung, für deren Aufwachsen, Erziehung und Ausbildung gesorgt werden muss, gegenübergestellt, so ergibt sich der Jugendquotient. Wird die Zahl der Personen im Rentenalter, also der potenziellen Empfängerinnen und Empfänger von Leistungen der Rentenversicherung und anderer Alterssicherungssysteme, auf die Zahl der Personen im Erwerbsalter bezogen, ergibt sich der Altenquotient. Beide Quotienten zusammen addieren sich zum Gesamtquotienten.
Gegenwärtige Altersstruktur bestimmt den Altenquotienten noch für längere Zeit
Die getroffenen Annahmen zur Entwicklung der demografischen Komponenten und die Altersstruktur der bereits lebenden Bevölkerung bestimmen den Altenquotienten noch für längere Zeit. So wird der Übergang der stark besetzten Jahrgänge aus dem Erwerbs- ins Seniorenalter zum Anstieg des Altenquotienten bis mindestens Mitte der 2030er-Jahre führen.
Unterschiede in den Annahmen wirken sich ab Mitte der 2030er-Jahre aus
Ab Mitte der 2030er-Jahre wirken sich zunehmend die Unterschiede in den Annahmen zu den demografischen Komponenten auf die Quotienten aus. Die Spannweite ihrer künftigen Entwicklung zeigen die Variante 5 (G3L1W3) mit der relativ jungen Bevölkerung und die Variante 4 (G1L3W1) mit der relativ alten Bevölkerung. Zum Vergleich wird außerdem die Variante 2 (G2L2W2) heranzogen, die von einer moderaten Entwicklung der demografischen Komponenten ausgeht.
Jugendquotient steigt in den nächsten Jahren an
Im Jahr 2024 lag der Jugendquotient bei 30. Das heißt, auf 100 Personen im Erwerbsalter (hier: von 20 bis 66 Jahren) kommen aktuell 30 Personen unter 20 Jahren. Bei einer Entwicklung mit relativ junger Altersstruktur wird sich der Jugendquotient allmählich mit leichten Schwankungen auf 34 im Jahr 2070 zubewegen (Variante 5, G3L1W3). In der Variante mit moderater Entwicklung (Variante 2, G2L2W2) kann das Niveau von 30 im Jahr 2024 ebenfalls mit leichten Schwankungen über den gesamten Vorausberechnungszeitraum gehalten werden. In der Variante mit relativ alter Bevölkerung (Variante 4, G1L3W1) wird der Jugendquotient bis Mitte der 2040er-Jahre kontinuierlich auf 26 sinken und sich dann auf diesem Niveau bewegen.
Altenquotient steigt bis 2038 steil an
Der Altenquotient wird bis 2038 steil ansteigen: von derzeit 33 auf 43 bei der Entwicklung mit einer relativ jungen Altersstruktur (Variante 5, G3L1W3), auf 45 bei einer moderaten Entwicklung (Variante 2, G2L2W2) oder auf 47 bei der Entwicklung mit einer relativ alten Altersstruktur (Variante 4, G1L3W1). Anschließend sinkt er bei der relativ jungen Bevölkerung etwas und liegt im Jahr 2070 wieder bei 43. Auch bei moderater Entwicklung sinkt er nach dem steilen Anstieg ganz leicht. Zum Ende des Vorausberechnungszeitraums wird nach einem etwas weniger starken Anstieg dann ein Wert von 51 erreicht: Auf 100 Personen im Erwerbsalter kämen dann 51 Personen im Seniorenalter. Bei der relativ alten Bevölkerung hält der Altenquotient dagegen nach 2038 für eine kurze Zeit das Niveau, steigt dann jedoch kontinuierlich auf 61 im Jahr 2070.
Potenzielle Belastung der Bevölkerung im Erwerbsalter wird höher liegen
Die Entwicklung des Gesamtquotienten zeigt, dass die potenzielle Belastung der Bevölkerung im Erwerbsalter – unabhängig von den getroffenen Annahmen – mindestens bis Ende der 2030er-Jahre deutlich zunehmen wird. Während 2024, im Ausgangsjahr der Vorausberechnung, 100 Personen im Erwerbsalter 63 potenziell zu Versorgende gegenüberstanden, werden es 2038 bereits 75 sein. Sollte die Geburtenhäufigkeit künftig steigen, die Nettozuwanderung dauerhaft auf hohem Niveau bleiben und die Lebenserwartung geringer steigen (Variante 5, G3L1W3), wird dieses Verhältnis nach 2038 nur noch geringfügig weiter steigen und 2070 schließlich bei 77 liegen. Bei moderater Entwicklung (Variante 2, G2L2W2) kann der Wert bis zum Ende des Vorausberechnungszeitraums auf 81 steigen, bei einer relativ alten Bevölkerungsstruktur (Variante 4, G1L3W1) allerdings auch auf 87.
Grafik 19
Regionale Bevölkerungsentwicklung
Für die Bundesländer und Ländergruppen liegen Ergebnisse nach neun Varianten vor (Variante 1 bis Variante 9). Ausführliche Ergebnisse finden Sie im Statistischen Bericht und in unserer Datenbank GENESIS-Online.
Deutliche regionale Unterschiede bereits im Startjahr
Zwischen den Bundesländern bestehen teilweise deutliche Unterschiede in der Bevölkerungsgröße. Im Jahr 2024 war Nordrhein-Westfalen mit 18,0 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern das größte Bundesland. Dort lebten somit in etwa so viele Menschen wie in Österreich und der Schweiz im Jahr 2024 zusammen (jeweils rund 9 Millionen). Bremen hatte mit 0,7 Millionen Menschen die wenigsten Einwohnerinnen und Einwohner, gefolgt vom Saarland mit 1,0 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern. In allen ostdeutschen Flächenländern lebten zusammen 12,4 Millionen Menschen. Das waren 0,8 Millionen weniger als in Bayern.
Wie sich die Bevölkerung der Bundesländer künftig verändern wird, hängt zum einen ab von den Annahmen zu Geburten, Wanderung und Lebenserwartung und zum anderen vom Altersaufbau im Ausgangsjahr der Vorausberechnung. Ein Vergleich des Altersaufbaus (Grafik 20) einzelner Bundesländer zeigt, dass die wesentlichen Unterschiede zwischen den westdeutschen Flächenländern, den ostdeutschen Flächenländern und den Stadtstaaten bestehen. Im folgenden Überblick werden deshalb die wesentlichen künftigen Veränderungen am Beispiel dieser Ländergruppen beschrieben.
Relativ junge Bevölkerung in den Stadtstaaten, relativ alte in den ostdeutschen Flächenländern
Ein Blick auf den Altersaufbau macht deutlich, dass die Bevölkerung in den ostdeutschen Flächenländern durchschnittlich deutlich älter ist als in den westdeutschen Flächenländern und insbesondere in den Stadtstaaten. Der Anteil der 67-Jährigen und Älteren an der jeweiligen Bevölkerung betrug 2024 in den östlichen Flächenländern 24 %, in den westlichen Flächenländern 20 % und in den Stadtstaaten 17 %.
Für die Größe der künftigen Geburtsjahrgänge spielt neben der Geburtenziffer die Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter, insbesondere zwischen Mitte 20 und Ende 30, eine wichtige Rolle. Die Besonderheiten des aktuellen Altersaufbaus führen dazu, dass die Zahl der potenziellen Mütter in den nächsten drei Jahrzehnten geringer sein wird als in den 2010er-Jahren. Ein Rückgang der Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter steht vor allem in den westdeutschen Flächenländern und in den Stadtstaaten bevor.
Bevölkerungszahl künftig bei moderater Entwicklung rückläufig in westlichen und östlichen Flächenländern, tendenziell stabil in Stadtstaaten
Nur bei einem dauerhaft hohen Wanderungssaldo und steigender Geburtenrate (Variante 5, relativ junge Bevölkerung, G3L1W3) kann in den westdeutschen Flächenländern die aktuelle Bevölkerungszahl in etwa gehalten werden (siehe GENESIS, Tabelle 12421-0003). Bereits bei einer moderaten Entwicklung der demografischen Faktoren (Variante 2 (G2L2W2)) und insbesondere bei niedrigem Wanderungssaldo und niedriger Geburtenrate (Variante 4, relativ alte Bevölkerung, G1L3W1) würde die Bevölkerungszahl in den westlichen Flächenländern zurückgehen (um 10 % beziehungsweise 19 %).
In den ostdeutschen Flächenländern nimmt die Bevölkerungszahl voraussichtlich ab ‑ unabhängig von den getroffenen Annahmen. In der Variante 4 (relativ alte Bevölkerung, G1L3W1) fällt jedoch der Rückgang mit 30 % deutlich stärker aus als in der Variante 5 (relativ junge Bevölkerung, G3L1W3) mit 14 %.
Anders als in den Flächenländern ist in den Stadtstaaten unter bestimmten Annahmen ein Bevölkerungswachstum möglich. So würde die Bevölkerungszahl in der Variante "relativ junge Bevölkerung" (Variante 5 (G3L1W3)) um 16 % zunehmen. Moderate Entwicklung der demografischen Faktoren (Variante 2 (G2L2W2)) würde in den Stadtstaaten zu einer stabilen beziehungsweise um 2 % höheren Bevölkerungszahl führen. Bei einer relativ alten Bevölkerung (Variante 4 (G1L3W1)) sinkt die Bevölkerung um 11 %.
Künftig nur leichte Verschiebungen in den Relationen zwischen den Bundesländern
Die unterschiedlichen Entwicklungen der Bevölkerungsgröße führen bis 2070 voraussichtlich zu leichten Verschiebungen in den Relationen zwischen den Bundesländern. So steigen vor allem die Anteile von Berlin, Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Hamburg an der Bevölkerung Deutschlands tendenziell, während die Anteile Nordrhein-Westfalens und der ostdeutschen Flächenländer tendenziell abnehmen.
Bevölkerungsentwicklung in den westdeutschen Flächenländern
Zu den wichtigsten Veränderungen der künftigen Bevölkerungsentwicklung in den westdeutschen Flächenländern gehören ein zu erwartender Rückgang der Bevölkerung im Erwerbsalter und ein deutlicher Anstieg der Zahl der 67-Jährigen und Älteren. Im Laufe der nächsten 10 bis 15 Jahre wird diese Altersgruppe stärker zunehmen als in den 2010er-Jahren. Die künftige Entwicklung der jungen Bevölkerung unter 20 Jahren weist je nach gewählten Annahmen eine größere Spannweite der künftigen Entwicklung auf.
Westdeutsche Flächenländer: Zahl der Menschen im Alter unter 20 Jahren kann sich stabilisieren, ist aber tendenziell rückläufig
Die künftige Entwicklung der Menschen im Alter unter 20 Jahren hängt in starkem Maße vom Wanderungssaldo und von den Geburten ab. Je nach angenommener Nettozuwanderung wird die jüngere Altersgruppe zahlenmäßig gestärkt. Außerdem bremst ein positiver Wanderungssaldo den Rückgang der Frauen im gebärfähigen Alter ab und führt somit zu mehr Geburten. Ohne die Nettozuwanderung würde die Zahl der potenziellen Mütter in den nächsten 20 Jahren noch stärker abnehmen, da die schwach besetzten 1990er- und 2000er-Jahrgänge im wichtigsten fertilen Alter sein werden.
Im Jahr 2024 lebten in den westdeutschen Flächenländern 12,3 Millionen unter 20-Jährige. Ein künftiger Rückgang der jungen Bevölkerungsgruppe kann in den westdeutschen Flächenländern nur mit einem hohen Wanderungssaldo und einer deutlich steigenden Geburtenrate verhindert werden (Variante 5 (G3L1W3)). Nur dann würde das Niveau von 2024 für etwa 20 Jahre gehalten werden. Bis 2070 wäre anschließend in dieser Variante ein Anstieg auf etwa 4 % über dem Wert von 2024 zu erwarten. Bei einer moderaten Entwicklung (Variante 2 (G2L2W2)) wird die Zahl der unter 20-Jährigen bis Mitte der 2040er-Jahre um 13 % abnehmen, danach einige Zeit stagnieren und anschließend weiter sinken (2070: -19 % gegenüber 2024). Bei niedrigem Wanderungssaldo und niedriger Geburtenrate (Variante 4 (G1L3W1)) würde sich die Zahl der jungen Menschen bis 2070 im Vergleich zu 2024 um 38 % verringern und nur noch 7,6 Millionen betragen.
Westdeutsche Flächenländer: Zahl der 20- bis 66-Jährigen sinkt
Die Bevölkerung im Erwerbsalter von 20 bis 66 Jahren würde von 40,0 Millionen im Jahr 2024 bis Mitte der 2030er-Jahre sinken, sich dann für einige Jahre stabilisieren und anschließend je nach Variante unterschiedlich stark weiter sinken. Sogar bei einem hohen Wanderungssaldo und deutlich steigender Geburtenrate (Variante 5 (G3L1W3)) würde die Zahl der 20- bis 66-Jährigen bis 2038 im Vergleich zur Zahl von 2024 um 7 % abnehmen und sich anschließend auf diesem Niveau bis 2070 halten. Bei einer moderaten Entwicklung (Variante 2 (G2L2W2)) würde dagegen die Zahl der Menschen im Erwerbsalter bis 2038 um 9 % auf 36,4 Millionen abnehmen, dann nur bis Mitte der 2040er-Jahre stabil bleiben und anschließend bis 2070 auf 32,2 Millionen weitersinken (–19 % gegenüber 2024). Sollte es zu einem niedrigen Wanderungssaldo (Variante 4 (G1L3W1)) kommen, würde die Zahl der Menschen im Erwerbsalter bis 2040 um 11 % und im Jahr 2070 um mehr als 30 % geringer sein als im Jahr 2024.
Westdeutsche Flächenländer: Bis 2039 rund 30 % mehr Seniorinnen und Senioren
Die Zahl der 67-Jährigen und Älteren wird bis Ende der 2030er-Jahre in allen Varianten der Vorausberechnung ähnlich stark steigen. Im Jahr 2024 betrug sie 12,7 Millionen. Bis zum Jahr 2039 nimmt sie im Vergleich zu 2024 voraussichtlich um 26 (Variante 5 (G3L1W3)) bis 31 % (Variante 4 (G1L3W1)) zu. Dann werden in den westdeutschen Flächenländern je nach Variante zwischen 15,9 Millionen (Variante 5 (G3L1W3)) und 16,6 Millionen Menschen (Variante 4 (G1L3W1)) im Alter ab 67 Jahren leben. Danach wird die Zahl der ab 67-Jährigen leicht sinken (Variante 2 (G2L2W2) und 5 (G3L1W3)) beziehungsweise bis 2050 relativ stabil bleiben (Variante 4 (G1L3W1)) und ab Mitte der 2050er-Jahre allmählich wieder steigen. Im Jahr 2070 würde sie zwischen 15,8 Millionen (Variante 5 (G3L1W3)) und 17,1 Millionen Menschen (Variante 4 (G1L3W1)) betragen.
Die Zahl der potenziellen Rentenbeziehenden je 100 Personen im Erwerbsalter 20 bis 66 Jahre (Altenquotient) würde dabei von 31 im Jahr 2024 auf voraussichtlich 43 bis 47 im Jahr 2039 steigen und anschließend entweder relativ stabil bleiben (Variante 5 (G3L1W3)) oder – wie in Variante 2 (G2L2W2) und in Variante 4 (relativ alte Bevölkerung, G1L3W1) – allmählich weitersteigen. Im Jahr 2070 würde dann der Altenquotient zwischen 43 und 61 betragen.
Bevölkerungsentwicklung in den ostdeutschen Flächenländern
Für die Bevölkerungsentwicklung in den ostdeutschen Flächenländern ist charakteristisch, dass die demografische Alterung bereits gegenwärtig weit vorangeschritten ist. Im Jahr 2024 war hier der Altenquotient mit 42 (67-Jährige und Ältere je 100 Menschen von 20 bis 66 Jahren) auf dem Stand, den die westdeutschen Flächenländer voraussichtlich erst Anfang der 2030er-Jahre erreichen werden. Der bevorstehende Bevölkerungsrückgang im Erwerbsalter kann hier auch durch eine hohe angenommene Nettozuwanderung nicht mehr verhindert werden. Ein Blick auf den aktuellen Altersaufbau zeigt, dass die Jahrgänge, die nach der deutschen Vereinigung im Jahr 1990 zur Welt kamen, zahlenmäßig deutlich kleiner sind. Dieser bemerkenswerte Einschnitt im Bevölkerungsaufbau wird sich auch langfristig auf die jüngeren und die älteren Altersgruppen auswirken.
Ostdeutsche Flächenländer: Deutlicher Rückgang der jungen Bevölkerung
Im Jahr 2024 lebten in den ostdeutschen Flächenländern 2,2 Millionen unter 20-Jährige. Ein künftiger Rückgang der jungen Bevölkerungsgruppe könnte in Ostdeutschland im Unterschied zu den westdeutschen Flächenländern auch nicht bei einem hohen Wanderungssaldo verhindert werden. Bei der moderaten Entwicklung (Variante 2 (G2L2W2)) wird die Zahl der unter 20-Jährigen bis Anfang der 2040er-Jahre um 25 % abnehmen, sich danach leicht erholen und anschließend weiter sinken (2070: -31 % gegenüber 2024). Bei niedrigem Wanderungssaldo und niedriger Geburtenrate (Variante 4 (G1L3W1)) würde sich die Zahl der jungen Menschen bis 2070 im Vergleich zu 2024 sogar fast halbieren und nur noch 1,1 Millionen betragen. Nur bei einem hohem Wanderungssaldo und deutlich steigender Geburtenrate (Variante 5 (G3L1W3)) würde das Niveau zum Ende der Erholungsphase bis 2070 gehalten werden und dann etwa 11 % niedriger als 2024 liegen.
Ostdeutsche Flächenländer: Deutlicher Rückgang der Bevölkerung im Erwerbsalter
Die Bevölkerung im Erwerbsalter von 20 bis 66 Jahren wird ausgehend von 7,2 Millionen im Jahr 2024 überwiegend kontinuierlich schrumpfen. Je nach Variante könnte die Zahl der Menschen im Erwerbsalter bis Ende der 2050er-Jahre voraussichtlich um 18 bis 32 % abnehmen. Anschließend wird sie sich entweder stabilisieren (Variante 5 (G3L1W3)) oder in unterschiedlichem Ausmaß weiter zurückgehen (Variante 2, G2L2W2 und Variante 4, G1L3W1). Im Jahr 2070 würde die angenommene Entwicklung zu einem Rückgang auf 4,5 Millionen (-37 %) bis 6,0 Millionen (-27 %) führen.
Ostdeutsche Flächenländer: Noch 10 bis 15 Jahre Anstieg und dann Rückgang der Zahl der Seniorinnen und Senioren
Die Zahl der 67-Jährigen und Älteren stieg in den ostdeutschen Flächenländern bereits zwischen 2013 und 2024 um rund 11 % auf 3,0 Millionen. Sie wird noch je nach Variante bis 2036 beziehungsweise 2038 steigen und zwischen 3,4 Millionen und 3,5 Millionen betragen. Die 1970er-Jahrgänge sind schwach besetzt. Sie sind durch den Geburtenrückgang in den 1970er-Jahren und die Abwanderung in den 1990er-Jahren gekennzeichnet. Mit dem Aufsteigen dieser Jahrgänge ins Rentenalter kommt es ab dem Jahr 2037 zum ersten Rückgang der Zahl der ab 67-Jährigen in den ostdeutschen Flächenländern. Der zweite spürbare Rückgang erfolgt nach einer vorübergehenden Stabilisierung ab 2057. Zu dieser Abnahme führt der Übergang der schwach besetzten 1990er-Jahrgänge ins Rentenalter. Dieser Rückgang setzt sich bis 2070 fort und führt zum weiteren Absinken der Zahl der ab 67-Jähigen auf voraussichtlich 2,8 Millionen (Variante 5 (G3L1W3)) bis 3,1 Millionen (Variante 4 (G1L3W1)), also annähernd auf das Ausgangsniveau.
Der langfristige Rückgang der Bevölkerung ab 67 Jahren führt allerdings nicht zum Sinken des Altenquotienten in den ostdeutschen Flächenländern. Der Grund dafür ist die Schrumpfung der Zahl der Menschen im Erwerbsalter, die mindestens bis 2057 (Variante 5 (G3L1W3)) erfolgen wird. Die Zahl der potenziellen Rentenbezieherinnen und -bezieher je 100 Personen im Erwerbsalter (hier: 20 bis 66 Jahre) wird folglich von 42 im Jahr 2024 auf voraussichtlich 52 (Variante 5 (G3L1W3)) bis 68 (Variante 4 (G1L3W1)) im Jahr 2057 steigen. Erst nach 2057 wird der Altenquotient leicht abnehmen. Im Jahr 2070 würde er je nach Variante 47 bis 68 betragen.
Bevölkerungsentwicklung in den Stadtstaaten
Die Bevölkerung in den Stadtstaaten hat einen jüngeren Altersaufbau als die Bevölkerung in den Flächenländern. Im Vergleich zu den Flächenländern ist dieser vor allem durch den höheren Anteil der Personen im Erwerbsalter und geringeren Anteil der Personen im Rentenalter gekennzeichnet. Die Nettozuwanderung und ein relativ hoher Anteil an Frauen im wichtigen fertilen Alter (hier: zwischen 30 und 40 Jahren) können hier für eine stabilere oder steigende Bevölkerungszahl sorgen. Trotzdem gibt es auch in den Stadtstaaten Unterschiede in der Entwicklung nach Altersgruppen.
Stadtstaaten: Zahl der jungen Menschen kann je nach Annahme zu- oder abnehmen
Die künftige Entwicklung der Geburten und der Nettozuwanderung beeinflussen die Zahl der Menschen im Alter unter 20 Jahren in den Stadtstaaten maßgeblich. Bei moderater Bevölkerungsentwicklung (Variante 2 (G2L2W2)) nimmt sie zuerst bis 2042 kontinuierlich ab und bleibt dann relativ stabil. Im Jahr 2070 wird sie voraussichtlich mit 1,0 Millionen um rund 10 % geringer sein als im Ausgangsjahr (1,2 Millionen Menschen). Bei einer relativ alten Bevölkerung (Variante 4 (G1L3W1)) würde sie im gesamten Vorausberechnungszeitraum sinken und 2070 mit 770 000 Menschen 34 % unter dem Wert von 2024 liegen. Es sind aber auch Szenarien möglich, in denen die junge Bevölkerung in den Stadtstaaten ansteigt. Nimmt man eine relativ junge Bevölkerung an, (Variante 5 (G3L1W3)) würde die Zahl der unter 20-Jährigen bis 2070 um 17 % auf 1,4 Millionen steigen.
Stadtstaaten: Mehr Menschen im Erwerbsalter
Die Bevölkerung im Erwerbsalter von 20 bis 66 Jahren lag im Jahr 2024 bei 4,0 Millionen. Bei moderater demografischer Entwicklung (Variante 2 (G2L2W2)) würde sie zunächst einige Jahre leicht abnehmen (maximal 2 %), aber bis Mitte der 2040er-Jahre wieder auf das Niveau von 2024 zurückkehren. Anschließend sinkt die Zahl der Menschen im Erwerbsalter kontinuierlich, sodass sie 2070 voraussichtlich mit 3,7 Millionen 8 % unter dem Wert von 2024 liegt. Bei hohem Wanderungssaldo und deutlich steigender Geburtenrate (Variante 5 (G3L1W3)) wäre ein Anstieg bis 2070 um 7 % gegenüber dem Ausgangsniveau auf 4,3 Millionen Menschen möglich. Bei der Tendenz zu einer relativ alten Bevölkerung (Variante 4 (G1L3W1)) sinkt dagegen die Zahl der 20- bis 66-Jährigen auch in den Stadtstaaten bereits bis 2035 um knapp 5 % unter den Ausgangswert von 2024. Danach wird sie bis Mitte der 2040er-Jahre stagnieren und anschließend noch ein weiteres Mal stark auf 77 % des Ausgangsniveaus beziehungsweise 3,1 Millionen im Jahr 2070 zurückgehen.
Stadtstaaten: Stark zunehmende Zahl der Seniorinnen und Senioren
Die Zahl der ab 67-Jährigen steigt auch in den Stadtstaaten bis 2037 aufgrund der Alterung der Babyboomer in allen Varianten der Vorausberechnung. Danach bleibt sie bis Mitte der 2040er-Jahre relativ stabil und nimmt anschließend kontinuierlich zu. Im Jahr 2070 würde sie dann voraussichtlich zwischen 1,6 und 1,7 Millionen Menschen betragen und somit um 50 bis 58 % höher sein als 2024 (1,1 Millionen Menschen).
Der Altenquotient (die Zahl der potenziellen Rentenbezieherinnen und -bezieher je 100 Personen im Erwerbsalter von 20 bis 66 Jahren) würde bei dieser Entwicklung von 26 im Jahr 2024 fast kontinuierlich auf 37 (Variante 5 (G3L1W3)) bis 53 (Variante 4 (G1L3W1)) im Jahr 2070 steigen.
Links zu den ausführlichen Ergebnissen und weiteren Informationen
- Pressekonferenz "Bevölkerung im Wandel: Ergebnisse der 16. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung"
- Statistischer Bericht für Deutschland
- Statistischer Bericht für die Bundesländer
- Animierte Bevölkerungspyramide für Deutschland
- Animierte Bevölkerungspyramiden für die Bundesländer
- GENESIS-Online Tabellen
- Qualitätsbericht "Bevölkerungsvorausberechnungen"