Sterbefälle und Lebenserwartung Lebenserwartung einzelner Geburtsjahrgänge (Kohortensterbetafeln)

16. September 2026 – Im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit stehen oft die Ergebnisse zur Lebens­erwartung aus sogenannten Perioden­sterbetafeln. Diese quantifizieren die Sterblich­keits­verhältnisse in einem Berichtszeitraum oder für einzelne Kalenderjahre und beinhalten keine Annahmen darüber, wie sich die Sterblich­keits­verhältnisse in Zukunft verändern werden. Kohorten­sterbetafeln hingegen weisen den Sterblichkeitsverlauf und die Lebens­erwartung eines spezifischen Geburtsjahrgangs auf. Sie können jedoch erst endgültig berechnet werden, wenn alle Mitglieder dieses Geburtsjahrgangs bereits verstorben sind. Für Geburtsjahrgänge, deren Mitglieder noch leben, sind Schätzungen über künftige Sterblich­keits­verhältnisse notwendig. Für die auf dieser Seite beschriebenen Ergebnisse wurden diese Schätzungen in Anlehnung an die Annahmen zur Entwicklung der Lebenserwartung der 16. koordinierten Bevölkerungs­voraus­berechnung vorgenommen. Die Ergebnisse der Kohorten­sterbetafeln werden erstmals in drei Varianten vorgelegt. Variante 1 orientiert sich an der niedrigen, Variante 2 an der mittleren und Variante 3 an der hohen Lebens­erwartungs­annahme der Bevölkerungs­vorausberechnung. Bei vorangegangen Rechnungen gab es nur zwei Varianten der Kohorten­sterbetafeln (niedrig und hoch). Das Vorliegen verschiedener Varianten verdeutlicht die Unsicherheit der entsprechenden Modellrechnungen.

In der Regel liegen die Ergebnisse der Lebens­erwartung bei Geburt für einen Geburtsjahrgang über den Werten der Perioden­sterbetafel für das entsprechende Geburtsjahr. Dies ist keine Schwäche der einen oder anderen Berechnungsmethode, sondern liegt am Rückgang der Sterblichkeit über die Zeit. Vorteil von Perioden­sterbetafeln ist, dass aktuelle Sterblichkeits­verhältnisse quantifiziert werden können, ohne dass auf Vorausschätzungen zurückgegriffen werden muss. Auch wenn die Ergebnisse von Perioden­sterbetafel häufig als Prognose missverstanden werden, enthalten nur Kohorten­sterbetafeln tatsächlich vorausgeschätzte Werte. Die Lebens­erwartung bei Geburt für den Geburtsjahrgang 2026 basiert beispielsweise ausschließlich auf vorausgeschätzten und damit hypothetischen Werten. Dafür gibt sie jedoch Auskunft darüber, wie lange im Jahr 2026 geborene Jungen und Mädchen bei Gültigkeit plausibler Sterblichkeitstrends tatsächlich durchschnittlich leben könnten.

Lebenswartung steigt für nahezu jeden neuen Geburtsjahrgang an

Die Lebens­erwartung bei Geburt steigt für alle betrachteten Geburtsjahrgänge nahezu durchgängig an – in Variante 1 flacht der Anstieg mit steigender Bedeutung der notwendigen Schätzungen allerdings immer stärker ab. Der einzige systematische Bruch im Anstieg der Lebens­erwartung betrifft die Geburtsjahrgänge 1943 bis 1945. Ursächlich hierfür sind die hohen Schätzwerte für die Säuglings­sterblichkeit in den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs.

Betrachtet man die Lebens­erwartung im Alter von einem Jahr, sodass die hohen Sterblichkeits­risiken im ersten Lebensjahr bereits ausgeklammert sind, dann zeigt sich tatsächlich ein systematischer Anstieg von Geburtsjahr zu Geburtsjahr. Dabei ist zu beachten, dass in dieser Rechnung während der Kriegsjahre nur die zivile Kriegs­sterblichkeit einbezogen wurde.

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Allerdings ist zu berücksichtigen, dass dieser Befund mit steigendem Geburtsjahr immer stärker von den Annahmen der zugrundeliegenden Vorausschätzung abhängt. Die im Jahr 2026 geborenen Jungen könnten, je nach Trendvariante, mit einer Lebens­erwartung bei Geburt von 81,0 bis 89,1 und die Mädchen mit 85,4 bis 92,5 Jahren rechnen. Im Jahr 1926 geborene Männer und Frauen wurden im Durchschnitt nur etwa 61,6 beziehungsweise 69,2 Jahre alt. Überlebten sie die vergleichsweise hohen Risiken des ersten Lebensjahres, hatten sie im Alter 1 durchschnittlich bereits in etwa 68,4 beziehungsweise 75,1 weitere Lebensjahre vor sich.

Der rasche Anstieg der Lebens­erwartung war zunächst auf die stark sinkende Säuglings- und Kinder­sterblichkeit zurückzuführen. Während beim Geburts­jahrgang 1926 noch rund 10 % der Säuglinge bereits im ersten Lebensjahr verstorben sind, waren es 50 Jahre später nur noch etwa 1-2 %. Die Säuglings­sterblichkeit ist bis in die Gegenwart auf Werte um die 3 pro 1000 Säuglinge (0,3 %) weiter gesunken. Mittlerweile spielt für jüngere Geburts­jahrgänge immer stärker der (zum Teil vorausgeschätzte) Rückgang der Sterbe­wahrscheinlich­keiten in höheren Altersjahren eine Rolle. Allerdings galt den Modell­rechnungen zufolge noch bis etwa zu den Geburts­jahrgänge um 1980, dass die Lebens­erwartung im Alter von einem Jahr höher war als bei Geburt. Ursache war die vergleichsweise hohe Säuglings­sterblichkeit.

Lebenserwartung der Älteren kann ebenfalls deutlich steigen

Auch die fernere Lebens­erwartung im Alter von 65 ist von Geburtsjahr zu Geburtsjahr fast durchgehend angestiegen. In Variante 1 ist ein sich abschwächender und ab dem Geburtsjahrgang 2005 ausbleibender weiterer Anstieg der ferneren Lebens­erwartung im Alter von 65 festzustellen. Dies resultiert daraus, dass bei dieser Variante ab 2070 (dem letzten Jahr der 16. koordinierten Bevölkerungs­vorausberechnung) kein weiterer Rückgang der Sterbe­wahrscheinlich­keiten angenommen wird. In Variante 3 der Rechnungen wird generell ein stärkerer Rückgang der Sterbe­wahrscheinlich­keiten angenommen, der sich zudem über das Jahr 2070 hinaus fortsetzt. Entsprechend würde auch die fernere Lebens­erwartung im Alter von 65 von Geburtsjahr zu Geburtsjahr weiterhin deutlich ansteigen.

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Als Erklärungsfaktoren für einen weiteren Anstieg der Lebens­erwartungg werden insbesondere verbesserte Lebensumstände, der medizinische Fortschritt, zurück­gehender Tabak- und Alkoholkonsum sowie bessere Bildungs- und Vorsorge­möglichkeiten gesehen. Auch der Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) könnte sich durch frühere Diagnosen, gezieltere Prävention, individualisierte Medizin und Fortschritte in der Medikamenten- und Alternsforschung künftig positiv auf die Entwicklung der Lebens­erwartung auswirken.

Gleichzeitig könnten eine zunehmende Verbreitung chronischer Krankheiten und von Übergewicht, Infektionskrankheiten und Pandemien sowie die wachsende Belastung des Gesundheitssystems den Anstieg bremsen. Auch bestehende Defizite im Umgang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen spielen eine Rolle. Beim Einsatz von KI bestehen zudem Risiken durch algorithmische Verzerrungen und einen ungleichen Zugang zu neuen Technologien.

Je stärker sich die positiven Einflussfaktoren durchsetzen, desto eher könnte sich die Lebens­erwartung der Geburts­jahrgänge entsprechend der hohen Variante 3 entwickeln. Überwiegen hingegen die hemmenden Faktoren, ist eher eine Entwicklung entsprechend der niedrigen Variante 1 zu erwarten. Variante 2 liegt zwischen diesen beiden Entwicklungen.

Altersspezifische Muster zeigen deutliche Verbesserungen

Um die Sterblichkeits­entwicklung in der Kohorten­perspektive detaillierter nachvollziehen zu können, hilft ein Blick auf die altersspezifischen Sterbe­wahrscheinlich­keiten und sogenannten Absterbe­ordnungen ausgewählter Geburts­jahrgänge. Die Abbildungen in diesem Abschnitt beziehen sich zur Offenlegung der altersspezifischen Muster hierfür auf die mittlere Variante 2 der Modellrechnungen.

In den folgenden Abbildungen sind zunächst die altersspezifischen Sterbe­wahrscheinlich­keiten für ausgewählte Geburts­jahrgänge mit Hilfe des logarithmischen Maßstabs dargestellt. Dieser Maßstab ermöglicht es, Besonderheiten der Verläufe im Kindes- und Jugendalter sowie im jungen Erwachsenenalter zu verdeutlichen. Im linearen Maßstab wären diese Besonderheiten (mit Ausnahme der einst hohen Säuglings­sterblichkeit) nicht zu erkennen – erst etwa ab dem Alter 50 würde sich ein exponentieller Anstieg der Sterbe­wahrscheinlich­keiten abzeichnen. Tatsächlich gemessene empirische beziehungsweise rekonstruierte Werte sind als durchgezogene Linie dargestellt, altersspezifische Schätzwerte aus dem Modell sind gepunktet.

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Ein Blick auf die Verläufe der Sterbe­wahrscheinlich­keiten der ausgewählten Geburts­jahrgänge verdeutlicht deren charakteristische Merkmale. Allen Verläufen gemein ist eine im Vergleich zu den folgenden Altersjahren vergleichsweise hohe Säuglings­sterblichkeit. Darauf folgt mit dem Alter zunächst eine sinkende Kinder­sterblichkeit bis etwa zum Alter 10, woraufhin die Sterblichkeit in der Jugend wieder ansteigt. Ein vorläufiges Maximum wird um das Alter 20 erreicht, bevor die Sterblichkeit für einige Altersjahre konstant bleibt und dann etwa ab dem Alter 30 bis ins hohe Alter ansteigt. Dieses grundlegende Muster verschiebt sich für die ausgewählten Geburts­jahrgänge in immer niedrigere Bereiche der Sterblichkeit.

Anhand der Verläufe der Absterb­eordnungen beziehungsweise der Überlebens­kurven von ausgewählten Geburts­jahrgängen kann die Zunahme des Anteils der Überlebenden in jeder Altersgruppe beobachtet werden. Dieser Prozess wird auch als Rektangularisierung der Absterb­eordnung bezeichnet. Der Begriff Rektangularisierung beschreibt dabei die Veränderung der Kurvenform in Richtung eines allerdings nie zu erreichenden rechten Winkels, den die Absterb­eordnung beziehungsweise Überlebenskurve bilden würde, wenn alle Geborenen bis zum maximal erreichbaren Alter überleben würden.

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Von 100 000 neugeborenen Jungen beziehungsweise Mädchen haben vom Geburtsjahrgang 1926 lediglich 88 800 beziehungsweise 88 900 das erste Lebensjahr erreicht. Für den Geburtsjahrgang 2026 gehen die vergleichbaren Rechnungen von etwa 99 700 Jungen und Mädchen aus, die das erste Lebensjahr überleben. Das Alter von 65 Jahren haben vom Geburtsjahrgang 1926 nur etwa 62 000 Männer und 74 000 Frauen eines Ausgangsbestands von je 100 000 Neugeborenen erlebt. Für den Geburtsjahrgang 2026 gehen die Modellrechnungen für das gleiche Alter je nach Variante von etwa 90 000 bis 95 000 Überlebenden bei den Männern und etwa 94 000 bis 97 000 Überlebenden bei den Frauen aus, ebenfalls bezogen auf einen Ausgangsbestand von 100 000. Die vorausgeschätzten Wahrscheinlichkeiten das Alter 100 zu erreichen, kann man ebenfalls aus diesen Überlebenskurven ableiten. Beim Geburtsjahrgang 2026 hätten den notwendigen Vorausschätzungen zufolge zwischen 2 % (Variante 1) und 13 % (Variante 3) der neugeborenen Jungen und zwischen 5 % und 22 % der Mädchen die Chance, 100 Jahre alt zu werden.

Methodische Hinweise

Damit etwaige Änderungen in den Trends und methodische Weiterentwicklungen berücksichtigt werden können, ist beabsichtigt die vorliegenden Modellrechnungen anlassbezogen neu zu berechnen. Hierfür bietet es sich an, zumindest bei Vorliegen einer neuen koordinierten Bevölkerungs­vorausberechnung, die beiden Varianten der Kohorten­sterbetafeln entsprechend einer dann vorliegenden neuen Sterblichkeits­vorausschätzung zu aktualisieren. Bei der aktuellen Vorausberechnung wurde diese Umstellung von der 15. zur 16. koordinierten Bevölkerungs­vorausberechnung vollzogen. In den bisherigen Rechnungen wurden die Kohorten­sterbetafeln lediglich in einer niedrigen und einer hohen Variante ausgewiesen. Mit der Aktualisierung der Kohorten­sterbetafeln im Jahr 2026 wurde erstmals eine mittlere Variante eingeführt. Dadurch hat sich auch die Zuordnung der Varianten geändert: Variante 2 bezeichnete bislang die hohe Variante, während sie nach der aktuellen Bezeichnungslogik für die mittlere Variante steht.

Die Vorausberechnung der kohortenspezifischen Sterbe­wahrscheinlich­keiten erfolgt zunächst bezogen auf die jeweiligen Kalenderjahre – die so generierten Sterbe­wahrscheinlich­keiten werden dann auf die Geburts­jahrgänge umgerechnet.

Für Variante 1 wird in Anlehnung an die Sterblichkeitsannahme L1 der 16. koordinierten Bevölkerungs­vorausberechnung der Trend der Sterbe­wahrscheinlich­keiten aus dem Zeitraum 2011 bis 2021 auf die Entwicklungen bis 2070 übertragen. Danach finden keine Verbesserungen mehr statt.

Für Variante 3 wird in Anlehnung an die Sterblichkeitsannahme L3 der 16. koordinierten Bevölkerungs­vorausberechnung der Trend der Sterbe­wahrscheinlich­keiten aus dem Zeitraum 1971 bis 2024 auf die gesamte Zukunft übertragen. Ein Aussetzen der Effekte ab 2070 wie in Variante 1 findet nicht statt.

Für Variante 2 werden die Entwicklungen aus Variante 1 und Variante 3 auf Ebene der altersspezifischen Sterbe­wahrscheinlich­keiten gemittelt.

Weiterführende Informationen

Ausführliche Ergebnisse wie die kompletten Sterbetafeln einzelner Geburtsjahrgänge sind in einem Statistischen Bericht veröffentlicht. Die grundsätzliche Methodik zur Berechnung von Kohortensterbetafeln wurde zuletzt in diesem Methodenbericht ausführlich beschrieben.