Sterbefälle und Lebenserwartung
Sonderauswertung zu Sterbefallzahlen der Jahre 2020/2021
10. August 2021 - Die Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus stellen weltweit die Gesundheitssysteme vor große Herausforderungen. Die Zahl der Todesfälle in diesem Zusammenhang variiert von Land zu Land. Wie groß sind die direkten und indirekten Auswirkungen der Pandemie auf die Gesamtzahlen der Sterbefälle in Deutschland? Zur Beantwortung dieser Frage stellt das Statistische Bundesamt vorläufige Auszählungen von Sterbefallmeldungen der Standesämter tagesgenau als Sonderauswertung zur Verfügung, bevor die regulären Ergebnisse der amtlichen Sterbefallstatistik vorliegen. Aktuell ist eine solche Auszählung bis zum 01. August 2021 darstellbar.
Schwache Grippewelle, Sommerhitze und Corona-Wellen prägen den Jahresverlauf 2020
Der Jahresverlauf der Sterbefallzahlen war im Jahr 2020 durch verschiedene Sonderentwicklungen geprägt. In den ersten zwei Monaten des Jahres lagen die Sterbefallzahlen unter beziehungsweise im Bereich des mittleren Werts (Median) der Jahre 2016 bis 2019, im März etwas darüber. In der typischen Grippezeit am Jahresanfang waren die Sterbefallzahlen nicht so stark angestiegen wie in den Jahren 2017 oder 2018, als die Auswirkungen der Grippewellen vergleichsweise deutlich waren. Im gesamten April lag die Zahl der Gestorbenen dann 10 % über dem mittleren Wert der Vorjahre. Gleichzeitig war ein Anstieg der COVID-19-Todesfälle zu beobachten. Als diese zurückgingen, bewegten sich ab Mai auch die Sterbefallzahlen etwa auf dem mittleren Niveau der vier Vorjahre. Im August waren sie wieder erhöht. Dieser Effekt tritt im Sommer häufig auf und ging im Jahr 2020 offenbar ebenfalls auf eine Hitzeperiode zurück. Auch im September waren die Zahlen noch etwas erhöht. Die Differenz der Sterbefallzahlen zum mittleren Wert der Vorjahre ist dann ab Mitte Oktober erneut angewachsen. Die Zahl der Todesfälle von Personen, die zuvor laborbestätigt an COVID-19 erkrankt waren, stieg zeitgleich an. Im Dezember lag die Zahl der Gestorbenen dann 32 % über dem mittleren Wert der Vorjahre.
Zurückgehende COVID-19-Todesfallzahlen und äußerst milde Grippewelle prägen bisherige Entwicklung im Jahr 2021
Die Differenz zwischen der Gesamtzahl der Sterbefälle und dem mittleren Wert der Vorjahre – nun die Jahre 2017 bis 2020 – sowie die beim Robert Koch-Institut (RKI) gemeldeten COVID-19-Todesfälle gingen Anfang des Jahres 2021 wieder zurück. Im Januar lagen die Sterbefallzahlen insgesamt noch 25 % über dem mittleren Wert der vier Vorjahre, im Februar (-2 %) und im März (-6 %) darunter, im April (+4 %) und im Mai (+6 %) erneut darüber. Nachdem der mittleren Wert Ende Mai bereits nahezu erreicht worden war, war die Entwicklung in den Juni- und Juliwochen uneinheitlich. Zeitgleich mit einer Hitzewelle in Kalenderwoche 24 (14. bis 20. Juni) waren die Sterbefallzahlen dabei deutlich erhöht (+16 %). Ende Juni lagen sie wieder im Bereich des mittleren Werts. Anfang Juli stiegen die Zahlen zunächst leicht (Kalenderwoche 27 vom 05. bis 11. Juli: +2 %) und dann stärker an (Kalenderwoche 28 vom 12. bis zum 18. Juli: +9 %). In Kalenderwoche 30 (26. Juli bis 01. August) befanden sich die Sterbefallzahlen nach aktuellem Ergebnis der Hochrechnung wieder im Bereich des mittleren Werts.
In Deutschland und weltweit wurde in der Saison 2020/2021 über eine äußerst niedrige Aktivität anderer Atemwegserkrankungen wie beispielsweise der Influenza berichtet. Die Stärke von Grippewellen hat sich in der Vergangenheit auch in den gesamten Sterbefallzahlen widergespiegelt und zu einer ansteigenden Kurve in den Wintermonaten geführt. Da dieser Grippeeffekt in der Saison 2020/2021 nahezu ausgefallen ist, sind die gesamten Sterbefallzahlen trotz der neu auftretenden COVID-19-Todesfälle Mitte Februar 2021 unter den mittleren Wert der Vorjahre gefallen. Die Grippewellen haben ihren Höhepunkt in den Vorjahren spätestens im März erreicht und sind im Anschluss wieder abgeflacht. Aus diesem Grund lagen die Sterbefallzahlen im April und Mai wieder über dem mittleren Wert der Vorjahre.
Die Corona-Pandemie hat sich im Jahr 2020 ab Ende März erstmals auf die Entwicklung der Sterbefallzahlen ausgewirkt.
Eine Pressemitteilung mit Fokus auf die aktuelle Entwicklung finden Sie hier.
Eine grafische Darstellung der Einzeljahre sowie eine Übersicht zur Entwicklung der Sterbefallzahlen für alle Bundesländer sind ebenfalls verfügbar.
Die komplette Sonderauswertung steht hier zum Download bereit.
Methodische Hinweise
Grundlage der Sonderauswertung für das Jahr 2021 sind erste vorläufige Daten (Rohdaten). Bei diesen vorläufigen Daten handelt es sich zunächst um eine reine Fallzahlauszählung der eingegangenen Sterbefallmeldungen aus den Standesämtern ohne die übliche Plausibilisierung und Vollständigkeitskontrolle der Daten. Durch gesetzliche Regelungen zur Meldung von Sterbefällen beim Standesamt und Unterschiede im Meldeverhalten der Standesämter an die amtliche Statistik sind diese Daten noch unvollständig. Der Meldeverzug unterscheidet sich für die einzelnen Bundesländer zum Teil deutlich. Um dennoch möglichst genaue, schnelle und vergleichbare Daten bereitzustellen, wird ein Schätzverfahren zur Hochrechnung unvollständiger Sterbefallmeldungen für die jeweils aktuellsten Daten eingesetzt.
Die vorläufigen Sterbefallzahlen beziehen sich auf das Sterbedatum, nicht auf das Meldedatum. Da die gemeldeten COVID-19-Todesfälle vom Robert-Koch-Institut (RKI) ebenfalls nach Sterbedatum veröffentlicht werden, ist ein zeitlicher Vergleich mit den vorläufigen Gesamt-Sterbefallzahlen möglich. Fälle, für die keine oder unplausible Angaben zum Sterbedatum übermittelt wurden, sind nicht enthalten. Diese Ergebnisse sind noch nicht für den Meldeverzug korrigiert und werden sich voraussichtlich durch Nachmeldungen noch weiter erhöhen. Hintergrundinformationen zu diesen Daten gibt es im Internetangebot des RKI.
Ab März 2020 lassen sich die Zahlen nur vor dem Hintergrund der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie interpretieren. Neben der Vermeidung von COVID-19-Todesfällen können die Maßnahmen und Verhaltensänderungen auch dafür gesorgt haben, dass weniger Sterbefälle durch andere Infektionskrankheiten wie beispielsweise die Grippe verursacht werden, was sich ebenfalls auf die Differenz zum mittleren Wert auswirkt. Rückgänge oder Anstiege bei anderen Todesursachen können ebenfalls einen Effekt auf die gesamten Sterbefallzahlen haben. Über die Häufigkeit einzelner Todesursachen können die Sterbefallzahlen jedoch keine Auskunft geben.
Seit dem Berichtsmonat Juli 2021 wird für den Vergleich mit der Sterblichkeit der Vorjahre der Median anstatt des arithmetischen Mittels verwendet. Dieser teilt die Ergebnisse der vier Vorjahre in zwei Hälften – er liegt also mittig zwischen dem zweithöchsten und dem dritthöchsten Wert aus den vier Vorjahren. Die geringste und die höchste Sterbefallzahl der vier Vorjahre beeinflussen das Ergebnis des Medians nicht. Er hat daher gegenüber dem arithmetischen Mittel den Vorteil, weniger anfällig gegenüber einmaligen Sonderentwicklungen und Ausreißern zu sein. Ansonsten würde die zweite Corona-Welle ab Oktober 2020 das Durchschnittsniveau so weit anheben, dass die aktuellen Werte nicht mit einer "normalen" Sterblichkeit, sondern mit einer durch außergewöhnliche Effekte überhöhten Sterblichkeit vergleichen werden würden. Der Rückgriff auf den Median ermöglicht in diesem Zusammenhang eine sinnvollere Einordnung des weiteren Jahresverlaufes. Liegt im Vergleichszeitraum keine erhebliche und einmalige Sonderentwicklung vor, dann liefern sowohl der Vergleich mit dem Median wie auch der Vergleich mit dem arithmetischen Mittel sehr ähnliche Ergebnisse.
Weitere Informationen und Hintergründe zu den Ergebnissen und der Methodik bietet ein Artikel in "WISTA - Wirtschaft und Statistik" zu Sterbefallzahlen während der Corona-Pandemie sowie der Hinweistext der Sonderauswertung "Sterbefälle – Fallzahlen nach Tagen, Wochen, Monaten, Altersgruppen, Geschlecht und Bundesländern für Deutschland 2016 bis 2021".