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Arbeitsmarkt

Hinweise zur monatlichen Berichterstattung zur Erwerbslosigkeit ab Berichtsmonat März 2011

Mit der Veröffentlichung zum Berichtsmonat März 2011 haben das Statistische Bun­des­amt und das Statistische Amt der Eu­ro­päischen Gemeinschaften (Eu­ro­stat) die Methode zur Berechnung der monatlichen Zahlen zur Er­werbs­lo­sig­keit in Deutsch­land teilweise umgestellt. Die ge­än­der­ten Berechnungsverfahren, die weiterhin auf Er­geb­nis­sen der Ar­beits­kräf­te­er­he­bung basieren, führen nur zu geringen Veränderungen der monatlichen Zeitreihen zur Erwerbslosigkeit. Mit der Umstellung wird es ermöglicht, Über­gangs­lö­sun­gen abzulösen und zugleich in­ter­na­tio­nale Vor­ga­ben zur Arbeitsmarktstatistik besser um­zu­setzen.

Die Änderungen betreffen zum einen die Berechnung der Erwerbslosenquote, definiert als Anteil der Erwerbslosen an den Erwerbspersonen (Summe von Erwerbstätigen und Erwerbslosen). Mit der Umstellung wird die Er­werbs­lo­sen­quote nun aus­schließlich auf Basis der Ar­beits­kräf­te­er­he­bung berechnet. Dies gilt jetzt auch bezüglich der Zahl der Erwerbstätigen im Nen­ner der Quote, die bislang aus der Erwerbstätigenrechnung über­nom­men wurde. Damit wird sowohl die in­ter­na­tio­nale Har­mo­ni­sie­rung als auch die Kon­sis­tenz der Quote verbessert. Durch diese Um­stel­lung verändert sich die Er­werbs­lo­sen­quote für Deutschland um durchschnittlich + 0,2 Prozentpunkte.

Eine zweite Änderung betrifft die Ermittlung saisonbereinigter Ergebnisse. Bisher wur­den sai­son­be­rei­nigte Er­geb­nis­se unter Nutzung der Statistik der registrierten Ar­beits­lo­sen der Bun­des­agen­tur für Arbeit als Hilfsgröße ge­schätzt. An die Stelle dieser Schät­zung tritt eine Trend­schät­zung, die ausschließlich Originalwerte der Ar­beits­kräf­te­er­he­bung verwendet und zunächst statt einer vollständigen Sai­son­be­rei­ni­gung durchgeführt wird. Dies erhöht die Aussagefähigkeit der Ergebnisse. Über die Trend­schät­zung hinaus wird eine Saisonbereinigung auf Grundlage der Arbeitskräfteerhebung allerdings erst nach weiteren me­tho­di­schen Ver­bes­se­run­gen möglich sein.

Der Methodenwechsel wurde gemeinsam vom Statistischen Bundesamt und Eurostat vor­be­reit­et. Die vom Statistischen Bun­des­amt veröffentlichten monatlichen Ergebnisse stimmen mit den von Eurostat ver­brei­te­ten Er­geb­nis­sen überein. Dieses Hin­ter­grund­pa­pier erläutert die ge­än­der­ten Verfahren und stellt den Umfang der Ergebnisänderungen im Vergleich zur bisherigen Ver­öf­fent­li­chung dar.

1. Harmonisierte Monatsergebnisse zur Erwerbs­losig­keit in Deutsch­land und im Europäischen Sta­tis­ti­schen System (ESS)

Das Statistische Bundesamt berechnet monatliche Ergebnisse zur Erwerbslosigkeit unter an­de­rem als Bei­trag zur Be­rech­nung von Ergebnissen für alle EU-Mitgliedstaaten durch Eurostat. Zen­trale Da­ten­grund­lage ist die Ar­beits­kräf­te­er­he­bung (La­bour Force SurveyLFS), die in allen EU-Mitgliedstaaten in harmonisierter Form durch­ge­führt wird. In Deutsch­land ist die Ar­beits­kräf­te­er­he­bung derzeit in den Mi­kro­zen­sus integriert, für den jährlich ein Pro­zent der Bevölkerung mit Auskunftspflicht be­fragt wird.

Die Arbeitskräfteerhebung erfasst unter anderem die Zahl der Erwerbstätigen und der Er­werbs­lo­sen entsprechend der im Rah­men der Internationalen Ar­beits­or­ga­ni­sa­tion (ILO) vereinbarten Definitionen. Die Definition der ILO-Ar­beits­markt­statistik der Er­werbs­lo­sig­keit unterscheidet sich dabei von der Definition der registrierten Arbeitslosen, die für Deutschland im So­zial­ge­setz­buch fest­ge­schrie­ben ist. Die Zahl der registrierten Ar­beits­losen wird monatlich von der Bun­des­agen­tur für Arbeit ver­öf­fent­licht.

Die EU-weite Harmonisierung der Arbeitskräfteerhebung wird durch eine Reihe eu­ro­pä­ischer Rechtsakte sicher­gestellt, die neben den zu erhebenden Variablen auch Min­dest­an­for­de­run­gen an die Genauigkeit der Ergebnisse umfassen. Ge­mäß den rechtlichen Anforderungen zielt die Arbeitskräfteerhebung auf die Ge­win­nung vierteljährlicher und jährlicher Ergebnisse. Um Er­werbs­lo­sen­zah­len in monatlicher Periodizität be­reit­zu­stel­len, werden in den Mit­glied­staaten in Ab­hän­gig­keit der zur Verfügung stehenden Aus­gangs­da­ten unterschiedliche Schätz­ver­fah­ren an­ge­wen­det. In Deutschland und wenigen anderen Mit­glied­staa­ten erlaubt es die Stich­pro­ben­grö­ße der Ar­beits­kräf­te­er­he­bung, monatliche Ergebnisse di­rekt aus der Ar­beits­kräf­te­er­he­bung zu gewinnen.

Das Statistische Bundesamt hat mit der Veröffentlichung monatlicher Ergebnisse im Jahr 2005 zunächst auf Grund­la­ge einer monatlichen Telefonerhebung be­gon­nen. Ab dem Jahr 2007 wur­de die monatliche Berichterstattung zur Er­werbs­lo­sig­keit dann auf Arbeitskräfteerhebung um­ge­stellt. Für Deutschland liegen mo­nat­liche Ergebnisse der Arbeitskräfteerhebung grundsätzlich seit dem Jahr 2005 vor, seitdem diese kon­ti­nu­ier­lich in allen Kalenderwochen erhoben wird. Aufgrund von Problemen in der Ein­füh­rungs­pha­se sind die monatlichen Ergebnisse vor dem Jahr 2007 jedoch nicht hinreichend zuverlässig, um eine Ver­öf­fent­li­chung zu ermöglichen. Daher werden monatliche Ori­gi­nal­werte der Arbeitskräfteerhebung erst ab dem Berichtsmonat Januar 2007 ver­öf­fent­licht. Die Ergebnisse der Monate Januar 1991 bis Dezember 2004 basieren auf einer Rückrechnung unter Nutzung der jeweiligen jährlichen Ergebnisse der Ar­beits­kräf­te­er­he­bung und der in den Jahren 2005 bis 2010 be­ob­ach­te­ten monatlichen Verläufe.

Die Ergebnisse der Rückrechnung bilden die Grundlage der weiter unten be­schrie­benen Trend­schät­zung. Nur die Ergebnisse der Trendschätzung eignen sich zur Ver­öf­fent­li­chung, nicht aber die Rückrechnung selbst. Die Er­geb­nisse der Trendschätzung werden ab Januar 1991 ver­öf­fent­licht, sollten aber zurückhaltend interpretiert werden.

2. Methodische Grundlagen der neuen Be­rech­nungs­weise

Zum Zeitpunkt der ersten Veröffentlichung monatlicher Ergebnisse der Ar­beits­kräf­te­er­he­bung im Oktober 2007 mussten zu einer Reihe methodischer Fragen noch wei­ter­füh­rende Un­ter­su­chun­gen angestellt werden. Daher war zur Über­brüc­kung die Anwendung von methodischen Über­gangs­lö­sun­gen unvermeidlich. Einige wichtige Über­gangs­lö­sun­gen konnten nunmehr durch geeignetere Ver­fah­ren ersetzt werden. Zu­gleich werden auch in Zukunft noch Wei­ter­ent­wick­lun­gen erforderlich sein. Dieser Ab­schnitt stellt die Hintergründe der geänderten Ver­fah­ren in knap­per Form dar.

Berechnung der monatlichen Erwerbslosenquoten

In Deutschland sind Arbeitskräfteerhebung und Mikrozensus die einzigen Statistiken, die die Zahl der Erwerbslosen in mo­nat­li­cher Periodizität gemäß den international ver­ein­bar­ten De­fi­ni­tio­nen messen. Für die Zahl der Er­werbs­tä­ti­gen (die für den Nen­ner der Er­werbs­lo­sen­quote benötigt wird) gibt es mit der Er­werbs­tä­ti­gen­rech­nung im Rahmen der Volkswirtschaftlichen Ge­samt­rechnungen (ETR) eine weitere Statistik, die eine zu­ver­läs­si­ge und stabile mo­nat­li­che Erwerbstätigenreihe liefert. Bisher wurde dieses Ergebnis der Er­werbs­tä­ti­gen­rech­nung zur Berechnung der mo­natlichen Erwerbslosenquoten ver­wen­det (Nenner der Quote) und nur die Zahl der Erwerbslosen aus der Ar­beits­kräf­te­er­he­bung gewonnen.

Nach einer Reihe von Verbesserungen hinsichtlich Methoden und Verfahren in der Ar­beits­kräf­te­er­he­bung seit dem Jahr 2005 wird mit der aktuellen Umstellung neben der Zahl der Er­werbs­lo­sen auch diejenige der Erwerbstätigen aus der Ar­beits­kräf­te­er­he­bung gewonnen. Dieses Ver­fah­ren gleicht die deutschen Er­geb­nisse dem Stan­dard­ver­fah­ren des Europäischen Sta­tis­ti­schen Systems an und verbessert so die internationale Har­mo­ni­sie­rung. Zugleich gewährleistet das neue Be­rech­nungs­ver­fah­ren in besonderem Maße die interne Konsistenz der Er­geb­nisse zu Erwerbstätigkeit und Erwerbslosigkeit. Zur Berechnung der Erwerbslosenquote wird folgende Formel verwendet:

Formel zur Berechnung der Erwerbslosenquote


Da die Zahl der erwerbstätigen Personen nach den Ergebnissen der Ar­beits­kräf­te­er­he­bung niedriger ist als nach den Be­rech­nun­gen der Er­werbs­tä­ti­gen­rech­nung, nimmt der Nenner nach der Umstellung einen kleineren Wert an. In der Konsequenz kommt es zu einem leichten Anstieg der Erwerbslosenquote.

Nutzung einer Trendschätzung als Ersatz für eine Sai­son­be­rei­nigung

Um ein deutlicheres Bild der Entwicklung der Erwerbslosigkeit für Zwecke der Kon­jun­ktur­beo­bach­tung zu erhalten, müssen regelmäßig wiederkehrende Schwankungen (etwa aufgrund win­terlicher Witterungsverhältnisse oder von Ferienzeiten) rech­ne­risch aus der Zeitreihe entfernt werden. Dieses auch als Saisonbereinigung bezeichnete Ver­fah­ren wird in den meisten der un­ter­jäh­rig vorliegenden Statistiken angewendet und ist ein Stan­dard­werk­zeug der Kon­junk­tur­ana­lyse. Die Anwendung von Ver­fah­ren der Sai­son­be­rei­ni­gung ist jedoch an Voraussetzungen ge­knüpft: Um saisonbereinigte Ergebnisse er­mit­teln zu können, ist ein ausreichendes Wissen über die unterjährigen Schwan­kun­gen der jeweiligen Zeitreihe erforderlich. Zudem müssen die Schwan­kungen als regelmäßig wiederkehrend identifizierbar sein.

Da monatliche Ergebnisse zur Erwerbslosigkeit in Deutschland erst seit dem Jahr 2005 vor­lie­gen, war die Zeitreihe zum Zeit­punkt der ersten Veröffentlichung im Jahr 2007 für den Einsatz von Saisonbereinigungsverfahren nicht auseichend lang. Aus diesem Grund wurden sai­son­be­rei­nigte Ergebnisse für eine Übergangszeit auf Basis der sai­son­be­rei­nig­ten Ergebnisse der re­gistrierten Arbeitslosen geschätzt.

Nach drei weiteren Jahren liegt nunmehr eine ausreichend lange Zeitreihe vor, so dass diese Übergangslösung nicht länger erforderlich ist. Trotz der ausreichenden Länge der Zeitreihe weist die Arbeitskräfteerhebung in Deutsch­land jedoch aufgrund einer Reihe methodischer und organisatorischer Probleme keine durchgehend re­gel­mä­ßi­gen sai­so­na­len Muster auf. Dies ist eine weitere Voraussetzung für den Einsatz von Sai­son­be­rei­ni­gungs­ver­fah­ren. Mit Stan­dard­ver­fah­ren zur Saisonbereinigung würde sich eine sehr vo­la­tile saisonbereinigte Zeitreihe er­ge­ben, die nur schwer zu interpretieren wäre. Der Ein­satz eines solchen Verfahrens würde zudem Ge­fahr laufen, un­plau­sible Sai­son­kom­po­nen­ten zu ergeben.

Aus diesen Gründen veröffentlichen das Statistische Bundesamt und Eurostat – ähnlich wie in anderen EU -Mit­glieds­staaten – vor­über­gehend die Ergebnisse einer Trendschätzung (Trend-Kon­junk­tur-Kom­po­nente) als Ersatz für saisonbereinigte Er­werbs­lo­sen­zah­len. Die Trend-Kon­junk­tur-Komponente wird auf Grundlage der monatlichen Originalwerte der Ar­beits­kräf­te­er­he­bung gewonnen. Die Trendschätzung wird auf Basis des Berliner Ver­fah­rens BV4.1 durch­ge­führt. Eine Beschreibung des Verfahrens erscheint in Kürze: Rengers, Dr. Martina: Das Ver­fah­ren zur Trendschätzung für die monatliche Er­werbs­lo­sen­sta­tis­tik. In: Methoden – Ver­fah­ren – Entwicklungen, 1/2011 (in Vor­be­rei­tung); siehe zudem Speth, Hans-Theo: Kom­po­nen­ten­zer­le­gung und Sai­son­be­rei­ni­gung ökonomischer Zeitreihen mit dem Verfahren BV4.1 Die Nutzung einer Trendschätzung bereinigt die Zeitreihe nicht nur um saisonale, das heißt regelmäßig wie­der­keh­rende, Schwankungen, sondern auch um irreguläre Effekte sowie zufallsbedingte und methodische Schwan­kun­gen. Wie bei einer Trendschätzung zu erwarten, wird die Zeitreihe bei Anwendung des Ver­fah­rens stark ge­glät­tet. Ein möglicher Nachteil ist daher ein erhöhter Revisionsbedarf nach kon­junk­turellen Wendepunkten.

3. Die Auswirkungen der Umstellung auf die Er­geb­nisse

Die Umstellung der Zeitreihe führt zu Veränderungen der Erwerbslosenquoten und der be­rei­nig­ten Ergebnisse. Neben den beschriebenen Verfahren tragen auch geringfügige Anpassungen des Hochrechnungsverfahrens der monatlichen Ergebnisse der Ar­beits­kräf­te­er­he­bung in sehr geringem Maße zu den Veränderungen bei.

Diagramm Erwerbslosenquote nach dem neuen Verfahren im Vergleich zur bisherigen Veröffentlichung (Originalwerte)Bild vergrößern


Für die Jahre seit 2007 liegt die Erwerbslosenquote für Deutschland bei den Ori­gi­nal­wer­ten im Durchschnitt um 0,2 Pro­zent­punk­te höher als beim bisherigen Verfahren. Die Ergebnisse der Trendschätzung erhöhen sich im Vergleich zu den früheren geschätzten saisonbereinigten Wer­ten um 0,3 Prozentpunkte. Der Anstieg schwankt in den meisten Monaten zwischen 0,1 und 0,3 Prozentpunkten und erreicht lediglich in einzelnen Mo­na­ten 0,5 beziehungsweise 0,6 Pro­zent­punkte.

Die Unterschiede der Ergebnisse der Trendschätzung fallen im Vergleich zur bisherigen Schät­zung sai­son­be­rei­nig­ter Er­geb­nis­se ebenfalls gering aus. Insgesamt werden weit­gehend über­ein­stimmende konjunkturelle Ent­wick­lun­gen dargestellt, wobei sich leichte Verschiebungen in Be­zug auf die festgestellten konjunkturellen Wendepunkte ergeben, die aber auch mit dem Um­stand zusammenhängen, dass hier saisonbereinigte Er­geb­nisse mit den Er­geb­nis­sen einer Trendschätzung verglichen wer­den.

Diagramm Erwerbslose in DeutschlandBild vergrößern


4. Ausblick

Die Umstellung auf die neuen Verfahren stellt einen bedeutenden Beitrag zur weiteren eu­ro­pä­ischen Har­mo­ni­sie­rung der mo­nat­li­chen Arbeitsmarktstatistik im Europäischen Statistischen System dar. Die Nutzung der Ar­beits­kräf­te­er­he­bung als alleinige Quelle zur Ermittlung von Er­werbs­lo­sen­quoten und bereinigter Ergebnisse bringt die deut­sche Er­werbs­lo­sen­sta­tis­tik weiter in Übereinstimmung mit internationalen Standards und Vor­ga­ben. Dennoch sind Anstrengungen zu einer weiteren Steigerung der Ergebnisqualität erforderlich.

Das Statistische Bundesamt und Eurostat werden ihre gemeinsamen Anstrengungen zur Ge­win­nung monatlicher Ergebnisse aus der deutschen Arbeitskräfteerhebung vor die­sem Hintergrund auch künftig unvermindert fortsetzen und hierzu un­ter­su­chen, inwieweit Änderungen etwa am Stichprobendesign, dem Hochrechnungsverfahren oder den Da­ten­erhebungsverfahren zu einer Verringerung der methodisch bedingten Volatilität der Zeitreihe beitragen kön­nen. Zugleich wird untersucht, welche Möglichkeiten bestehen, das Verfahren zur Trendschätzung wei­ter­zu­ent­wic­keln, um den Revisionsbedarf zu be­gren­zen.

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