Normalansicht

Navigation und Service

Logo Destatis - Statistisches Bundesamt, Link zur Startseite

Arbeitsmarkt

Erläuterungen zum Mikrozensus/Arbeitskräfteerhebung

Was beschreibt der Mikrozensus/Arbeitskräfteerhebung?

Der Mikrozensus ist die amtliche Repräsentativstatistik über die Bevölkerung und den Ar­beits­markt in Deutschland. Die Ar­beits­kräf­te­stich­probe der Europäischen Union (EU-Ar­beits­kräf­te­stich­pro­be) ist in den Mikrozensus integriert. Bereits seit 1957 - in den neuen Ländern (ein­schließ­lich Berlin-Ost) seit 1991 - liefert der Mikrozensus statistische Informationen in tiefer fach­li­cher und regionaler Gliederung über die Bevölkerungsstruktur, die wirtschaftliche und soziale Lage der Bevölkerung, der Fa­mi­lien, Lebensgemeinschaften und Haushalte, die Er­werbs­tä­tig­keit, Ar­beits­suche, Aus- und Weiterbildung, Wohnverhältnisse und Gesundheit.

Der Mikrozensus dient dazu, in regelmäßigen und kurzen Abständen Eck- und Strukturdaten über die genannten Er­he­bungs­in­hal­te sowie deren Veränderung zu ermitteln und dadurch die Datenlücke zwischen zwei Volkszählungen zu füllen. Dabei ist der Mikrozensus als Mehr­the­men­um­frage angelegt und integriert zahlreiche und sehr vielfältige Themenbereiche. Für eine Reihe kleinerer Erhebungen der empirischen Sozial- und Meinungsforschung sowie der amtlichen Sta­tis­tik dient der Mikrozensus als Hochrechnungs-, Adjustierungs- und Kontrollinstrument. Ein wich­ti­ges Instrument für Europäische und nationalen Nutzer ist daneben die in den Mikrozensus integrierte Ar­beits­kräf­te­stich­pro­be, die in allen Europäische Union (EU)-Mitgliedstaaten har­mo­ni­siert ist und Vergleiche zu Fragen der Er­werbs­be­tei­li­gung und Erwerbslosigkeit ermöglicht. Die meisten Merkmale der Arbeitskräfteerhebung sind zugleich Merkmale des Mikrozensus.

Die Mikrozensusergebnisse gehen ein in Regierungsberichte, in das Jahresgutachten des Sach­ver­ständigenrates zur Be­gut­ach­tung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, bilden die Grund­la­ge für die laufende Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, den jährlichen Ren­ten­ver­si­che­rungs­be­richt der Bundesregierung und vieles andere mehr. Die Er­geb­nisse der Ar­beits­kräf­te­er­he­bung werden unter anderem herangezogen für die Ermittlung der EU-Indikatoren zur Be­schäf­ti­gungs­po­li­tik und zur nach­hal­ti­gen Entwicklung sowie für die Verteilung der Mittel aus den Regional- und Sozialfonds der Europäischen Union. Zudem bildet die Arbeitskräfteerhebung die Grundlage für die monatliche Be­richterstattung zur Erwerbslosigkeit in den Europäische Union (EU)-Mit­glieds­staaten.

Wie wird der Mikrozensus erhoben?

Der Mikrozensus ist eine dezentrale Statistik. Seine organisatorische und technische Vor­be­rei­tung erfolgt im Sta­tis­tischen Bundesamt, die Durchführung der Befragung und die Aufbereitung der Daten obliegt den Statistischen Lan­des­ämtern. Er basiert auf einem zeitlich befristeten Ge­setz, dem so genannten Mikrozensusgesetz. Im Jahr 2004 wurde das bis dahin gültige "Gesetz zur Durchführung einer Repräsentativstatistik über die Bevölkerung und den Arbeitsmarkt sowie die Wohnsituation der Haushalte" vom 17. Januar 1996 (Mikrozensusgesetz 1996 - MZG 1996, BGBl. I Seite 34) durch das gleich lautende Mi­kro­zen­sus­ge­setz vom 24. Juni 2004 (MZG 2005, BGBl. I Seite 1350) abgelöst. Durch die neue Rechtsgrundlage wurde der Mi­kro­zen­sus für die Jahre 2005 bis 2012 methodisch und inhaltlich neu gestaltet.

Kennzeichnend für die Erhebungsform des Mikrozensus bis 2004 war das Konzept der festen Berichtswoche, das heißt die meisten Fragen bezogen sich auf die Gegebenheiten in einer ein­zel­nen Berichtswoche im Jahr. In der Regel handelte es sich um die letzte feiertagsfreie Woche im April. Die Mikrozensusergebnisse bis 2004 lieferten somit eine Momentaufnahme der Ver­hält­nis­se im Frühjahr und waren - je nach Merkmal mehr oder weniger stark - durch saisonale Schwan­kungen beeinflusst. Das Mikrozensusgesetz (MZG) 2005 ordnet in Paragraf 3 eine un­ter­jäh­rige, kontinuierliche Erhebung an. Bei dieser Er­he­bungs­form soll das gesamte Be­fra­gungs­vo­lu­men gleichmäßig auf alle Kalenderwochen des Jahres verteilt werden, wobei die letzte Woche vor der Befragung die Berichtswoche darstellt (so genannte gleitende Berichtswoche). Damit sollten den Nut­ze­rin­nen und Nutzern des Mikrozensus neben jährlichen auch vier­tel­jähr­li­che Durchschnittsergebnisse zur Verfügung gestellt werden. Die vierteljährliche Ver­öf­fent­li­chung von Quartalsergebnissen wird allerdings wegen methodischer Schwierigkeiten gegenwärtig noch geprüft.

Das Frageprogramm des Mikrozensus ist hinsichtlich der in den einzelnen Jahren zu er­he­ben­den Tatbestände und Pe­ri­odi­zi­tä­ten in Paragraf 4 des Mikrozensusgesetz (MZG) 2005 fest­ge­legt. Im Gegensatz zu dem bis 2004 gül­ti­gen Gesetz sind keine Unterstichproben mehr vor­ge­sehen, das heißt der Auswahlsatz liegt für alle Merkmale ein­heit­lich bei 1 % der Bevölkerung. Da­mit ist der Mikrozensus die größte jährliche Haushaltsbefragung in Europa. Wie schon im Zeitraum 1996 bis 2004 gibt es neben dem jährlichen Grundprogramm eine Reihe von Merk­ma­len, die nur im Abstand von vier Jahren zu erheben sind (vier­jähr­li­che Zusatzprogramme, zum Beispiel Fragen zur Gesundheit, deren Beantwortung freiwillig ist).

Inhaltliche Neuerungen im Erhebungsprogramm des Mikrozensus ab 2005 bestehen im We­sent­li­chen in der Auf­nah­me des neuen Themenkomplexes "Migration und Integration". Die zu­ge­hö­ri­gen Fragen werden teils jährlich, teils vierjährlich gestellt. Im Bereich "Bildung" werden erstmals die Fachrichtung des höchsten beruflichen Abschlusses und die Art des beruflichen Ab­schlus­ses neben einem Hochschulabschluss erfragt. Um die Belastung der Befragten nicht zu erhöhen, wur­den im Gegenzug einige Merkmale aus dem Frageprogramm des Mikrozensus gestrichen (unter anderem Eheschließungsjahr, gegenwärtiger Besuch von Kindergarten, -krippe, -hort, nor­ma­ler­weise und tatsächlich geleistete Wochenarbeitszeit in Tagen, Pfle­ge­be­dürf­tig­keit, Be­triebswechsel).

Der Mikrozensus ist eine Zufallsstichprobe, bei der alle Haushalte die gleiche Aus­wahl­wahr­schein­lich­keit haben. Dazu werden aus dem Bundesgebiet Flächen (Auswahlbezirke) aus­ge­wählt, in denen alle Haushalte und Personen befragt werden (ein­stu­fi­ge Klumpenstichprobe). Ein Viertel aller in der Stichprobe enthaltenen Haushalte (be­zie­hungs­wei­se Auswahlbezirke) wird jähr­lich ausgetauscht. Folglich bleibt jeder Haushalt vier Jahre in der Stichprobe (Verfahren der partiellen Rotation).

Im Mikrozensus kommen verschiedene Erhebungsinstrumente zum Einsatz. Im Vordergrund steht die persönliche Befragung aller Personen im Haushalt durch die Interviewerinnen und In­ter­vie­wer der Statistischen Landesämter. Die Haushaltsmitglieder haben auch die Möglichkeit, selbst einen Fragebogen auszufüllen (schriftliche Befragung), was auf gut 20 % der befragten Haus­halte zutrifft. Die Auskunftserteilung unterliegt weitgehend der Auskunftspflicht. Nur für wenige Merkmale hat der Ge­setz­ge­ber die freiwillige Auskunftserteilung angeordnet. Merkmale, die aus­schließ­lich Merkmale der Europäische Union (EU)-Ar­beits­kräf­te­stich­pro­be darstellen, sind stets mit freiwilliger Auskunftserteilung verbunden. Im Mikrozensus sind so genannte Proxy-Interviews zulässig, das heißt ein Haus­halts­mit­glied darf stellvertretend für andere Haushaltsmitglieder ant­worten. Fremd­aus­künfte liegen für etwa 25 % bis 30 % der Personen ab 15 Jahren vor.

Aufgrund der Auskunftspflicht ist der Anteil der bekannten Ausfälle an den zu befragenden Haus­halten (Unit-Non­res­ponse) mit rund 5 % sehr gering. Die Ausfallquote bei einzelnen Fragen be­ziehungsweise Merkmalen (Item-Non­res­ponse) liegt in den meisten Fällen bei deutlich unter 10 %, in Einzelfällen - insbesondere bei sensiblen Merkmalen mit freiwilliger Aus­kunfts­er­tei­lung - aber auch erheblich höher. Im Vergleich zu den Mikrozensen bis 2004 ist der Item-Nonresponse zurückgegangen. Dies dürfte vor allem darauf zurückzuführen sein, dass mit dem Übergang auf die kontinuierliche Erhebungsform ein flä­chen­dec­ken­der Laptop-Einsatz realisiert wurde, der zu einer weiteren Standardisierung der Interviews führte.

Wann werden die Mikrozensusergebnisse veröffentlicht?

Jahresergebnisse stehen rund drei Monate nach Abschluss eines Erhebungsjahres zur Ver­fü­gung. Die monatlichen Verläufe und die Quartalsverläufe sind aufgrund methodischer Effekte von einer starken Volatilität geprägt. Aus diesem Grund wurden vom Statistischen Bundesamt bisher ausschließlich Jahresergebnisse (Jahresdurchschnitt) veröffentlicht. Die Möglichkeit der Veröffentlichung von Quartalsergebnissen wird gegenwärtig noch geprüft.

Die Bundesergebnisse des Mikrozensus werden als Online-Produkte im Bereich Publikationen, Fach­ver­öf­fent­li­chun­gen und in den verschiedenen Fachserien und Quer­schnitts­ver­öf­fent­li­chun­gen des Statistischen Bundesamtes publiziert. Er­geb­nis­kom­men­tie­run­gen und Me­tho­den­be­richte werden unter anderem in der Zeitschrift "Wirtschaft und Statistik" (herausgegeben vom Statistischen Bundesamt; erscheint monatlich) veröffentlicht. Zu aktuellen The­men werden Er­gebnisse in einer Pres­se­kon­fe­renz und Pressemitteilungen bekannt gegeben. Der Ver­öf­fent­li­chungskalender und die Pressemitteilungen sind im In­ter­net­an­ge­bot des Statistischen Bun­des­am­tes abrufbar. Ne­ben Bundesergebnissen sind auch vielfältige Ergebnisse für die Länder verfügbar, die von den jeweiligen Sta­tis­tischen Landesämtern veröffentlicht werden.

Wie genau ist der Mikrozensus?

Bei Stichprobenerhebungen wie dem Mikrozensus treten zwei Arten von Fehlern auf: ein zu­falls­bedingter und ein sys­te­ma­ti­scher Fehler. Zufallsbedingte Fehler sind Abweichungen, die darauf zurückzuführen sind, dass nicht alle Einheiten der Grund­ge­samt­heit befragt wurden. Als Schätz­wert für den zufallsbedingten Stichprobenfehler dient der so genannte Standardfehler, der aus den Einzeldaten der Stichprobe berechnet wird. Für hochgerechnete Jah­res­er­geb­nisse unter 5 000 und - nach vor­läu­fi­gen Berechnungen - hochgerechnete Quartalsergebnisse unter 20 000, das heißt für weniger als 50 Fälle in der Stichprobe, geht der einfache relative Standardfehler über 15 % hinaus. Solche Ergebnisse haben nur noch einen geringen Aussagewert und sollten deshalb für Vergleiche nicht mehr her­an­ge­zo­gen werden. Hochgerechnete Besetzungszahlen unter 5 000 auf Jahresebene beziehungsweise unter 20 000 auf Quartalsebene werden dem­zu­fol­ge nicht nachgewiesen und in Ver­öf­fent­li­chun­gen des Mikrozensus durch einen Schrägstrich ("/") ersetzt.

Systematische Fehler sind nicht zufallsabhängige Abweichungen, die aus Fehlern auf sämt­li­chen Stufen der Sta­tis­tik­pro­duk­tion resultieren können (zum Beispiel Mängel bei der adäquaten Konzeption der Fragebogengestaltung und der In­ter­vie­wer­schu­lung, fehlerhafte Angaben der Befragten und der Interviewer, Datenerfassungsfehler). Die Ergebnisse des Mikrozensus hin­sicht­lich der nach dem Labour-Force-Konzept der Internationalen Ar­beits­or­ga­ni­sa­tion (kurz: ILO-Konzept) gemessenen Erwerbsbeteiligung weichen trotz deutlicher Verbesserungen in den letzten Jahren nach wie vor teilweise von denen anderer arbeitsmarktstatistischer Datenquellen ab. Für das Jahr 2013 weist der Mikrozensus im Vergleich zur Erwerbstätigenrechnung der Volks­wirtschaftlichen Gesamtrechnungen 6,2 % Erwerbstätige weniger aus.

Nähere Vergleichsanalysen deuten darauf hin, dass Abweichungen insbesondere bei kleineren und geringfügigen Tätigkeiten sowie der Suche danach festzustellen sind. Zur Untersuchung dieser Abweichungen wurde im Jahr 2008 im Rahmen eines Bund-Länder-Projektes eine Nach­be­fra­gung durchgeführt. Rund 4000 Personen, die zuvor bereits am Mikrozensus teil­ge­nom­men hatten, wurden von den teilnehmenden Statistischen Landesämtern noch einmal telefonisch zu ihrem Erwerbsstatus be­fragt. Das Erhebungsinstrument der Nachbefragung wurde dabei speziell auf die Erfassung kleinerer Tätigkeiten und Ne­ben­jobs hin optimiert. Vergleiche zwischen den im Mi­kro­zen­sus und in der Nachbefragung gemachten Angaben machen deutlich, dass ins­be­son­dere Schüler/innen, Stu­den­ten/-innen und Rentner/innen mit einem Gelegenheitsjob oder einer geringfügigen Beschäftigung diese Tätigkeit häufig erst in der Nachbefragung angegeben hat­ten. Es ist daher davon auszugehen, dass sich diese Gruppen, die sich nach ihrem All­tags­ver­ständ­nis nicht als Erwerbstätige sehen, in besonderem Maße an ihrem über­wie­gen­den sozialen Status (also zum Beispiel Schüler/in oder Rentner/in) orientieren und sich durch die Fragen zur Er­werbs­be­tei­li­gung im Mikrozensus nicht immer angesprochen fühlen. Von geringerem Ausmaß sind dagegen die Effekte durch stell­ver­tre­ten­de Auskunftserteilung: Rund ein Viertel der Ant­wor­ten werden als sog. "Proxy-Interviews" stell­ver­tre­tend durch andere Haus­halts­mit­glie­der ge­ge­ben. Die Nachbefragung hat deutlich gemacht, dass die Effekte der Proxy-Interviews die Er­geb­nis­un­ter­schie­de allenfalls zu einem kleinen Teil erklären können. Zwar wurden in ein­zel­nen Themenfeldern Abweichungen zwischen den Angaben, die im Mikrozensus-Interview andere Personen ge­macht hatten und den Selbstauskünften in der Nachbefragung festgestellt; diese Unterschiede bewegen sich jedoch überwiegend in dem Rahmen der Abweichungen, die bei allen Befragten - unabhängig davon, ob sie selbst oder andere im Mikrozensus/ LFS befragt wurden - festzustellen waren.

© Statistisches Bundesamt (Destatis), 2017

Impressum – Kontakt – Barrierefrei