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Arbeitsmarkt

Qualität der Arbeit

Dimension 5: Arbeitsbeziehungen

Information zur Dimension 5

Die Arbeitsbeziehungen stellen das institutionalisierte Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern dar und können auf mehreren Ebenen bestehen. In Deutschland sind die Arbeitsbeziehungen auf Betriebsebene zwischen Betriebsrat und -leitung und auf Branchenebene zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden maßgeblich. Dabei werden beispielsweise Vereinbarungen getroffen, die konkrete Arbeitsbedingungen regeln, oder es werden Tarifverträge geschlossen, die beispielsweise grundlegend für Gehälter oder Arbeitszeiten sind. Dabei wurden in den letzten Jahren häufiger Tarifverträge mit Öffnungsklauseln abgeschlossen, was Vereinbarungen auf Betriebsebene eine größere Bedeutung zukommen ließ. Durch die Möglichkeit von Streiks kann Arbeitnehmerinteressen mehr Nachdruck bei deren Aushandlung verliehen werden.


Die Vertretung von Arbeitnehmerinteressen auf Betriebs- und Branchenebene ermöglichen beispielsweise Mindeststandards bei Arbeitsbedingungen und Bezahlung sowie Möglichkeiten der beruflichen Weiterbildung. Sie können also wesentlich zur Qualität von Arbeit beitragen.

Arbeitnehmervertretungen

Wie hoch ist der Anteil der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, deren Interessen durch Arbeitnehmervertretungen geregelt ist?
Ein Indikator für die Arbeitsbeziehungen auf betrieblicher Ebene ist der Anteil der Beschäftigten mit Betriebsräten.
Betriebs- bzw. Personalräte in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst wirken bei Personalentscheidungen mit und treffen stellvertretend für die Beschäftigten Vereinbarungen mit dem Arbeitgeber.

Arbeitnehmervertretungen im öffentlichen Dienst weiter verbreitet als in der Wirtschaft

Im Jahr 2016 wurden insgesamt 41,2 % der Beschäftigten in der Privatwirtschaft in Deutschland durch Arbeitnehmervertretungen repräsentiert. Betriebsräte werden in Betrieben mit mehr als fünf Beschäftigten gewählt. Im öffentlichen Dienst lag der Anteil der durch Personalräte vertretenen Beschäftigten bei 91,0 % und damit mehr als doppelt so hoch.



Beschäftigte in Betrieben mit Betriebsrat nach Anzahl der Beschäftigten 20161
in %
WirtschaftszweigeDeutschland

1 Privatwirtschaftliche Betriebe ab 5 Beschäftigte und Organisationen ohne Erwerbszweck.

Quelle: IAB-Betriebspanel (2015)

Energie/Wasser/Abfall & Bergbau81,1
Verarbeitendes Gewerbe65,7
Baugewerbe16,4
Handel30,0
Verkehr und Lagerei51,4
Information und Kommunikation42,8
Finanz- und Versicherungsdienstleistungen69,2
Gastgewerbe und Sonstige Dienstleistungen12,7
Gesundheit und Erziehung/Unterricht44,2
Wirtschaftliche, wissenschaftliche und freiberufliche Dienst­leistungen30,4
Insgesamt (ab 5 Beschäftigte)42,6

Chance auf Betriebsrat steigt mit Betriebsgröße

Eine wichtige Rolle spielt auch die Größe des Betriebes: 2016 hatten nur 9,0 % der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Betrieben mit 5 bis 50 Beschäftigten einen Betriebsrat. Der Anteil wächst jedoch mit der Unternehmensgröße auf 88,5 % in Betrieben mit mehr als 500 Mitarbeitern.

Arbeitnehmervertretungen in den neuen Ländern seltener

In den neuen Ländern waren Arbeitnehmervertretungen mit 33,9 % weniger verbreitet als im früheren Bundesgebiet (42,7 %). Vor allem in mittleren Betrieben mit 101 bis 199 und 200 bis 500 Beschäftigten sind die Arbeitnehmer der neuen Länder seltener durch Betriebsräte repräsentiert als im Westen. Bei Betrieben mit über 500 Beschäftigten lag der Anteil in Ostdeutschland mit 94,9 % jedoch höher als im Westen (88,1 %).


Informationen zum Indikator

Beschreibung/Definition
Anteil der Beschäftigten, in deren Betrieb es einen Betriebsrat gibt.

Quelle
IAB Betriebspanel

Hinweise zur Interpretation
Methodische Hinweise zum IAB - Betriebspanel.

Tarifbindung von Arbeitnehmern

Wie hoch ist der Anteil der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, deren Beschäftigungsverhältnis durch Tarifverträge geregelt ist?
Tarif­ver­träge regeln die Bezahlung, Arbeitszeiten und weitere Arbeitsbedingungen. Sie können für Firmen oder Branchen aus­ge­handelt werden. Für Beschäftigte in Betrieben mit Tarifvertrag gelten Min­dest­stan­dards, allerdings gibt es in Bran­chen­ta­rif­ver­trä­gen eine Vielfalt an Öffnungsklauseln.


Tarifbindung im Westen deutlich höher

Für 50,8 % der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in den alten Bundesländern war das Beschäftigungsverhältnis 2016 durch einen Branchentarifvertrag geregelt.

Für 7,5 % der Beschäftigten galten Firmentarifverträge. In den neuen Ländern war die Tarifvertragsbindung deutlich niedriger. Hier galten für 36,3 % der Beschäftigten Bran­chen­tarif­ver­träge. 10,9 % arbeiteten in Unternehmen mit Firmentarifverträgen. Für 41,7 % der Be­schäf­tig­ten im Westen und 52,8 % der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Osten gab es keinen Tarifvertrag.

Tarifbindung rückläufig

Die Entwicklung der Tarifverträge zeigt einen Rückgang der Tarifbindung sowohl in den alten als auch in den neuen Ländern. Im früheren Bundesgebiet galt 1998 für 76 % der Beschäftigten ein Tarifvertrag. Die Reichweite von Tarifverträgen ist damit im Westen zwischen 1998 für 76 % der Beschäftigten ein Tarifvertrag. Die Reichweite von Tarifverträgen ist damit im Westen zwischen 1998 und 2016 (58 %) um 18 Prozentpunkte gesunken. In Ostdeutschland galten 1998 für 63 % der Angestellten Branchen- oder Firmentarifverträge. Bis 2016 (47 %) ist dieser Anteil ebenfalls um 16 Prozent gesunken.

Tarifbindung in den einzelnen Wirtschaftszweigen sehr unterschiedlich

Das Ausmaß der Tarifbindung differiert zwischen den Wirtschaftszweigen stark, wobei sich die Be­deu­tung für die einzelnen Branchen von Jahr zu Jahr wenig ändert. Seit Jahren liegt die Tarif­bin­dung bei traditionell stark gewerkschaftlich vertretenen Wirtschaftsbereichen des Produzierenden und Verarbeitenden Gewerbes, aber auch bei den Finanz- und Ver­si­che­rungs­dienst­leis­tun­gen mit 77 % weit über dem Durchschnitt. Eine geringe Rolle spielt die Tarifbindung vor allem im Bereich der Information und Kommunikation mit 17 %.

Anteil der Beschäftigten in tarifgebundenen Betrieben steigt mit der Betriebsgröße

Eine wichtige Rolle spielt auch die Größe des Betriebes. In kleinen Betrieben mit 1 bis 9 Mitarbeitern sind nur 26 % in den alten Bundesländern, bzw. 16 % in den neuen Ländern der Be­schäf­tig­ten durch einen Branchentarifvertrag abgedeckt. Der Anteil wächst jedoch parallel mit der Unternehmensgröße. In Betrieben mit mehr als 500 Mitarbeitern arbeiten dagegen 75 % der Be­schäf­tigten im Westen bzw. 59 % im Osten unter Branchentarifvertrag.


Anteil der Beschäftigten in tarifgebundenen Betrieben nach Betriebsgröße 2016 in %
Betriebe mit ... bis .... BeschäftigteBranchentarifvertrag
Früheres
Bundesgebiet 
Neue Länder
Quelle: IAB-Betriebspanel (2016)
1 bis 9 Beschäftigte2616
10 bis 49 Beschäftigte4031
50 bis 199 Beschäftigte5244
200 bis 499 Beschäftigte6246
500 und mehr Beschäftigte7559
Gesamt5136

Informationen zum Indikator

Beschreibung/Definition
Anteil der Beschäftigten, deren Betriebe Tarifverträgen unterliegen oder eigene Tarifverträge haben.

Quelle
IAB-Betriebspanel

Hinweise zur Interpretation
Methodische Hinweise zum IAB - Betriebspanel.

Ausfalltage durch Streiks und Aussperrungen

Der Indikator gibt die jährliche Zahl der verlorenen Arbeitstage durch Streiks oder Aussperrungen bezogen auf 1 000 Arbeitnehmer an.

Betrachtet man Streiks und Aussperrungen, so muss man immer auch die nationalen Ausgestaltungen der Arbeitsbeziehungen berücksichtigen. In Deutschland wird meist nach gescheiterten Verhandlungen für neue Tarifverträge gestreikt. Da in der deut­schen Wirtschaft Flächen­tarif­verträge dominieren, die für alle Unternehmen einer Branche und Region bindend sind und auch für nicht gewerkschaftlich organisierte Angestellte gelten, sind Streiks eher selten. Oft werden Tarifverträge einer Region später von anderen Regionen (Pilot­tarif­vertrag) übernommen. Dies zeigt, dass Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretungen in Deutschland eher konsensorientiert sind.

Das Streikrecht ist ein grundlegendes Recht der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, um ihren Anliegen Nachdruck zu ver­leihen. Häufige Streiks können jedoch auch Ausdruck schlechter Arbeitsbedingungen sein.

Die hier verwendeten Ergebnisse beziehen sich auf von Arbeitgebern bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldete Streiks und Aussperrungen.

Streiktage nach Rekordjahr 2015 wieder rückläufig

In Deutschland fielen 2016 je 1 000 Beschäftigte durchschnittlich 5,4 Arbeitstage durch Streiks aus. Damit gab es 2016 deutlich weniger Streiks als im Rekordjahr 2015, in dem es zu 28,3 Ausfalltagen je 1 000 Beschäftigte durch Streiks kam. Auch im Jahr 2006 gab es mit durchschnittlich 12,2 Tagen ein verhältnismäßig hohes Streikaufkommen, während im Jahr 2000 weniger als ein Tag (0,3) je 1 000 Beschäftigte aufgrund von Streiks ausfiel.

Anzahl der Streiktage abhängig von der Branche

Die durchschnittliche Zahl der Streiktage ist abhängig von der Zahl und Größe der streikenden Branchen. Die Auswirkungen der Streiks, vor allem die Wirkung auf die Bevölkerung sind sehr unterschiedlich. So wurden im Jahr 2016 im verarbeitenden Gewerbe 87 500 Ausfalltage gezählt, die durch 156 300 Beschäftigte verursacht wurden und 241 Betriebe betrafen. Im Kontrast dazu standen die Auseinandersetzungen im Informations- und Kommunikationsbereich. Hier waren lediglich fünf Betriebe betroffen, die von einer Beschäftigtengruppe (270 Personen) bestreikt wurden. Die Zahl der ausgefallenen Arbeitstage betrug insgesamt jedoch 10 700 Tage.



Durchschnittliche Ausfalltage aufgrund von Streiks und Aussperrungen im Jahr 2016
je 1 000 Arbeitnehmer
WirtschaftsbereicheAnzahl
der Ausfalltage
Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Ergebnis
der Erwerbstätigenrechnung des Bundes.
Verarbeitendes Gewerbe12,0
Produzierendes Gewerbe0,6
Handel, Verkehr und Gastgewerbe7,0
Information und Kommunikation9,7
Finanz- und Versicherungsdienstleistungen4,7
Unternehmensdienstleister2,4
Öffentliche und sonstige private Dienstleister2,1
Insgesamt5,4

In den meisten Branchen wird selten und kurz gestreikt

In den meisten Wirtschaftszweigen traten Streiks nur temporär auf, während in vielen Jahren gar keine Arbeitsausfälle zu ver­zeich­nen waren. Häufig sind sie für die Öffentlichkeit kaum zu spüren. Aufmerksamkeit erregen regelmäßig bei wiederkehrenden Tarifverhandlungen die Streiks im Produzierenden Gewerbe, im Verkehrsbereich oder im öffentlichen Dienst.

Informationen zum Indikator

Beschreibung/Definition
Durchschnittliche Zahl der Tage, die wegen Streiks und Aussetzungen nicht gearbeitet wurde.

Quelle
Streiks und Aussperrungen: Statistik der Bundesagentur für Arbeit
Arbeitnehmer: Ergebnisse der Erwerbstätigenrechnung in der Abgrenzung der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR)

Hinweise zur Interpretation
Die von der BA ausgewiesenen Zahlen u.a. zu den ausgefallenen Arbeitstagen sind untererfasst. Nähere Informationen finden Sie in der Publikation „Arbeitsmarkt in Zahlen, Streikstatistik, Nürnberg, April 2013“ unter methodische Hinweise. Bundesagentur für Arbeit, Statistik.

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