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Umwelt

Nachhaltigkeit

Mit der nationalen Strategie für nachhaltige Entwicklung der Bundesregierung aus dem Jahr 2002 wurde Nachhaltigkeit zu einem zentralen Prinzip der Politik in Deutschland gemacht. Um die Wirksamkeit der Strategie messbar zu machen, bestimmte die Politik Nachhaltigkeitsindikatoren und belegte sie mehrheitlich mit konkreten quantitativen Zielen. Das Statistische Bundesamt legt dazu alle zwei Jahre eine Indikatorenbericht vor, beginnend in 2006 und zuletzt aktualisiert 2014. Die Bundesregierung stützt die Weiterentwicklung der nationalen Strategie für nachhaltige Entwicklung auf diese Ergebnisse unabhängiger Berichterstattung. Sie veröffentlicht im Abstand von jeweils vier Jahren einen Fortschrittsbericht zur Strategie, der jeweils auch den Indikatorenbericht enthält (zuletzt 2012).

Die für die Strategie ausgewählten Indikatoren bilden ein Indikatorenset von sogenannten "Schlüsselindikatoren". Sie sind als übergeordnet zu betrachten und bilden damit teilweise die Brücke zu anderen, thematisch engeren Strategien und Indikatorensets oder zu solchen auf anderen nationalen beziehungsweise internationalen Hierarchieebenen. Beispiele auf nationaler Ebene sind die thematisch eingegrenzte nationale Biodiversität oder das umweltbezogene Kernindikatorensystem des Umweltbundesamtes, auf regionaler Ebene Nachhaltigkeitsindikatorensätze einiger Bundesländer. Auf internationaler Ebene seien Indikatoren der EU 2020 beziehungsweise 2030 oder die Nachhaltigkeitsindikatoren der EU genannt, auf globaler Ebene die Nachhaltigkeitsindikatoren der Vereinten Nationen mit deren Sustainable Developments der Post-2015 Agenda.

Die Nachhaltigkeitsindikatoren dienen vorwiegend dem Zweck der Kommunikation und Information (Öffentlichkeit, Medien, Politik) und der politischen Erfolgskontrolle von Maßnahmen der Strategie. Sie können direkt aus den Basisdaten abgeleitet werden, stehen im Indikatorenset dann aber unverbunden nebeneinander. Dadurch bleibt unklar, wie sie sich bei unterschiedlichen Entwicklungen und Maßnahmen gegenseitig beieinflussen. Günstiger wäre die Ableitung aus einem umfassenden Gesamtrechnungssystem, das die Daten für die unterschiedlichen Themen und Indikatoren integriert, denn Nachhaltigkeitspolitik ist ein ganzheitlicher Politikansatz, der nach miteinander verknüpften Daten aus allen Politikbereichen verlangt. Dann können Zielkonflickte besser erkannt, ausbalanciert und die Zielwerte in den verschiedenen Nachhaltigkeitsbereichen - Wirtschaft, Umwelt und Soziales - eher abgewogen werden.

Nachhaltigkeitsindikatoren stehen an der Spitze einer "Daten-oder Informationspyramide". Am breiten Fuß der Pyramide befinden sich dagegen Basisdaten. Zwischen beiden, das heißt im mittleren Teil der Pyramide, sind Gesamtrechnungssysteme anzusiedeln. Vor diesem Hintergrund ging das Monitoring der Nachhaltigkeitsstrategie von den Umweltökonomischen Gesamtrechnungen des Statistischen Bundesamtes aus. Die Umweltökonomischen Gesamtrechnungen sind ein Satellitensystem der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen und bieten damit entsprechende Analysemöglichkeiten für die Nachhaltigkeitsindikatoren, zumindest soweit sie den Schnittbereich zwischen Wirtschaft und Umwelt betreffen. Der spezifische Nutzen des Gesamtrechnungsansatzes der Umweltökonomischen Gesamtrechnungen resultiert hier grundsätzlich aus den zentralen Eigenschaften der Systemorientierung, der Vollständigkeit und Konsistenz und einer weitgehenden Unabhängigkeit von spezifischen, sich ändernden Fragestellungen. Damit ermöglichen sie

  • die Berechnung von Indikatoren, die im Gegensatz zu den statistischen Basisdaten bereits zu nationalen Ausgaben zum Wirtschaft-Umwelt-System zusammengefasst sind,
  • die Ergänzung der Indikatoren durch tiefer differenzierende, konsistent gegliederte Datensätze (zum Beispiel nach Branchen und privaten Haushalten),
  • die Ableitung gesamtwirtschaftlicher Indikatoren als Effizienzmaße ("Produktivitäten" oder "Intensitäten" als Relationen zwischen ökonomischen und physischen Kennziffern) und Ableitung sektoraler Indikatoren (zum Beispiel spezifischer Energieverbrauch der Produktionsbereiche),
  • weiterführende Analysen wie Dekompositionsanalysen (das heißt Analyse eines Indikators hinsichtlich seiner Einflussfaktoren, zum Beispiel Emissionsentwicklung durch Effizienzsteigerung, Strukturentwicklung, Nachfrageentwicklung),
  • die Formulierung von Maßnahmen und zeigen Querbeziehungen,
  • Aussagen zu globalen Auswirkungen des nationalen Konsums und Wirtschaftens durch die Quantifizierung der Umwelteffekte im In- und Ausland (zum Beispiel durch Verlagerung der Produktion oder vermehrte Importe, berechnet auf Basis von Input-Output-Analysen).

Die Umweltökonomischen Gesamtrechnungen in Deutschland konnten in der Vergangenheit relativ weit entwickelt werden und haben, ausgehend von wichtigen Anstößen aus dem Statistischen Bundesamt, auf Ebene der EU ihre Entsprechung in EU-Richtlinien und entsprechenden Lieferverpflichtungen der Mitgliedsländer gefunden. Allerdings können damit nicht alle Umweltbereiche und Umweltindikatoren der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie in der ideal erstrebten Form und Vernetzung abgeildet werden. Ebenso fehlt bislang die gewünschte Einbindung von sozialen Daten in ein Gesamtrechnungssystem.

Verwandte Themen: Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung

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