Normalansicht

Navigation und Service

Logo Destatis - Statistisches Bundesamt, Link zur Startseite

Unternehmen, Handwerk

Insolvenzen

Seit Beginn des Jahres 1999 gilt in Deutsch­land ein ein­heit­liches Insolvenz­recht, die Insolvenz­ord­nung, die die Aus­einan­derset­zung zwischen Gläubiger und Schuldner bei dessen Zahl­ungsun­fähig­keit oder Über­schul­dung regelt. Sie dient dazu, die Gläu­bi­ger mit dem Erlös zu befriedigen, der durch die Ver­wer­tung des Schuld­ner­ver­mö­gens erzielt wurde.

Das neue Insol­venzr­echt un­ter­schei­det zwischen Re­gelin­sol­venzver­fahren und Ver­braucher­insol­venz­verfahren (verein­fachtes Ver­fahren). Eine der wichtigsten Änderungen des neuen Insolvenzrechts ist die Schaffung der Rest­schuld­befreiung. Diese ermöglicht allen natürlichen Personen – also nicht nur Ver­brauche­rinnen und Verbrauchern, sondern auch Einzel­unter­nehmen und Freien Berufen –, sich durch ein Insol­venzver­fahren der Schulden zu entledigen. Dazu bedarf es einer inzwischen auf sechs Jahre verkürzten Wohl­verhaltens­phase, in der die Schuldner den pfändbaren Teil ihres Einkommens zur Begleichung ihrer Schulden zur Verfügung stellen.

Eine weitere Novellierung des Insolvenz­rechts im Dezember 2001 erlaubt es nun auch mittellosen natürlichen Personen, die nicht in der Lage sind, die Kosten des Verfahrens aufzubringen, sich diese stunden zu lassen, um die Eröffnung eines Insol­venzver­fahrens, die Voraus­setzung für die Rest­schuld­befreiung ist, zu ermöglichen.

Die Ein­führung des neuen Insol­venz­rechts im Jahre 1999 sowie dessen Änderung Ende 2001 beein­trächtigt die statis­tische Vergleich­barkeit mit früheren Jahren. Dies gilt insbesondere für Insolvenzen natür­licher Per­sonen. Da Einzel­unter­nehmen und Freie Berufe – die statistisch den Unter­nehmen zuge­rechnet werden – auch natürliche Personen sind, ist ebenso die Entwicklung der Unter­nehmens­insolvenzen nur eingeschränkt vergleichbar.

Mit dem Gesetz zur weiteren Erleich­terung der Sanierung von Unter­nehmen, ist Anfang 2012 die erste Stufe der Insolvenz­rechts­reform in Kraft getreten. Die zweite Stufe der Insolvenz­rechts­reform folgte mit Inkraft­treten des Gesetzes zur Verkürzung des Rest­schuld­befreiungs­verfahrens und zur Stärkung der Gläubiger­rechte ab dem 1. Juli 2014. Mit diesem Gesetz wurden das Ver­braucher­insolvenz- und das Rest­schuld­befreiungs­verfahren geändert. Natürliche Personen können seitdem unter bestimmten Voraus­setzungen schon vorzeitig eine Rest­schuld­befreiung erlangen. Die Rest­schuld­befreiung kann auf Antrag des Schuldners vorzeitig drei Jahre nach Eröffnung des Insolvenz­verfahrens erteilt werden, wenn der Schuldner 35 Prozent der Schulden und die Verfahrens­kosten beglichen hat. Eine vorzeitige Rest­schuld­befreiung nach fünf Jahren ist möglich, wenn der Schuldner die Ver­fahrens­kosten bezahlen kann.

© Statistisches Bundesamt (Destatis), 2017

Impressum – Kontakt – Barrierefrei